Transplantations-Tourismus gerät immer mehr außer Kontrolle: Die Reichen verschaffen sich Organe von den Armen
Jonathan Benson
Weil sie nicht länger auf dem üblichen Weg auf einen passenden Organspender warten wollen, bedienen sich Patienten aus reichen Ländern wie den USA in der letzten Zeit immer mehr des sogenannten »Transplantations-Tourismus«, bei dem gegen Geldzahlungen Armen die benötigten Organe entnommen werden. Dieser Organschwarzmarkt ist zwar illegal, scheint sich aber immer mehr auszubreiten, obwohl Patienten und Organ»spender« des Öfteren an Infektionen, verpfuschten Operationen und anderen Komplikationen sterben.
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Ein Bericht des Internetportals Bloomberg schilderte vor Kurzem den »normalen« Ablauf einer Organtransplantationsvereinbarung: Ein verzweifelter, aber vermögender Patient, der das benötigte
Organ kaufen will, erhält von einem ebenfalls verzweifelten, aber armen Menschen aus einem anderen Land die Organspende für eine Geldzuwendung oder das Versprechen anderer Leistungen, die seine Lebensumstände verbessern. Im Idealfall profitieren beide Seiten von der Transplantation. In Wirklichkeit aber haben sowohl Empfänger wie Spender oft unter ernsten gesundheitlichen Problemen zu leiden, und Todesfälle sind keine Seltenheit.
»Es handelt sich um ein schmutziges Geschäft auf der gleichen Ebene wie Sexgeschäfte und Kinderpornographie«, urteilt Gabriel Danovitch, medizinischer Direktor des Nieren- und Bauchspeicheldrüsen-Transplantationsprogramms der Universität Kaliforniens in Los Angeles gegenüber Bloomberg, »Und deshalb muss es auch gestoppt werden.«
Der 23-jährige Luis Picado aus Nicaragua war, so berichtet Bloomberg weiter, eines der Opfer dieses illegalen Organhandels. Picado hatte eingewilligt, eine seiner Nieren einem älteren Mann aus New York zu spenden. Er sah dies als Chance, der Armut in seiner Heimat zu entgehen und stattdessen ein neues Leben in New York zu beginnen. Aber kurz nach der Operation verstarb Picado an inneren Blutungen. Wenig später starb auch der Empfänger, weil das neue Organ abgestoßen wurde sowie aufgrund anderer Komplikationen. »Die Armen werden so zu einem Ersatzteillager für die Besserverdienenden«, erklärte die Anthropologin Nancy Scheper-Hughes, eine Expertin für Organhandel an der Universität Berkeley in Kalifornien.
Quellen zu diesem Artikel finden Sie unter: http://www.bloomberg.com/news/2011-05-12/desperate-americans-buy-kidneys-from-peru-poor-in-fatal-trade.html
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