Thursday, 29. September 2016
24.12.2015
 
 

Alzheimer-Journalismus: 14 große Themen, die 2015 unterschlagen wurden

Markus Gärtner

Die Leitmedien tun sich mit dem Vorwurf »Lügenpresse« enorm schwer. Seit diese Kritik weit über den PEGIDA-Protest hinausgeht und die Glaubwürdigkeit der Leitmedien in weiten Teilen der Bevölkerung schwer leidet, greifen die von Auflagenschwund und Publikums-Flucht geplagten Zeitungen und Anstalten den Vorwurf wenigstens ab und an auf.

 

Doch während sie sich zu verteidigen suchen, liefern sie immer neue Beweise für ihr Versagen. Wer auf das auslaufende Jahr zurückblickt, findet reihenweise Beispiele für große und wichtige Themen, die untergegangen oder an den Rand gedrängt worden sind, weil stets ein großes Thema alle anderen dominierte.

Zuerst war es die erneut aufflammende Griechenland-Hilfe, dann der Flüchtlingsstrom und seit November wieder der Terror. Jedes Mal stürzen sich die Massenmedien mit solcher Vehemenz auf die gerade aktuellste Entwicklung, dass man den Eindruck gewinnen könnte, auf dem ganzen Globus sei sonst kaum etwas los.

 

Fukushima: Wer auf Google das Suchwort »Fukushima« eingibt, bekommt im Nachrichtenteil zwar fast 24 000 Links vorgeschlagen. Doch man muss schon geduldig blättern, bis wieder ein Bericht einer Massenpublikation kommt, der uns auf den neuesten Stand zu den gravierenden und weltweiten Folgen des atomaren Unglücks bringt. Meist sind es Berichte aus Tech- oder Fachmagazinen und oft aus Webseiten der Gegenöffentlichkeit. Wenn dann doch ein Blatt aus dem weiteren Mainstream mit einem Bericht auftaucht, dann meist nur, weil eine Organisation eine neue Studie vorgelegt hat.

 

Aus eigenem Antrieb nachzuhaken und den Lesern ein Update zu bieten, scheint bei den Alpha-Journalisten der Massenmedien vier Jahre nach der Katastrophe kein weit verbreitetes Verlangen zu sein. Auch das rätselhafte Tiersterben vor der pazifischen Küste Nordamerikas, das einige Forscher in Zusammenhang mit Strahlung aus Fukushima bringen, hat bei uns in den Medien so gut wie nicht stattgefunden. Zumindest drängende Fragen wären angebracht gewesen.

 

Wie sich Deutschland aus der Sicht der Deutschen verändert. Einzelne Flüchtlings-Schicksale, die Flucht vor dem Krieg, die schwierige Eingewöhnung in Aufnahmelagern und die lange Wartezeit auf Papiere. Das wird uns aus der Sicht von Kriegsflüchtlingen und Wirtschaftsmigranten täglich in den großen Publikationen geschildert. Außer vielleicht in den vergangenen Wochen, als der Unmut in der Bevölkerung und den überforderten Kommunen zu groß wurde und das Thema flächendeckend im Mainstream »zurückgefahren« wurde, um die Stimmung nicht überkochen zu lassen. Doch wie die Deutschen selbst ihr verändertes Land sehen und was sie auf die Straße treibt, wie in Dresden, das war einer der vielen blinden Flecke in der nachrichtlichen »Grundversorgung«, für die wir die verhassten Zwangsgebühren zahlen.

 

Warum die Deutschen keine Nazis und kein Pack sind, sondern ein verunsichertes und vernachlässigtes Wahlvolk. Die klägliche Schelte von Sigmar Gabriel hat viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als die Beweggründe jener Deutschen, die vor einer Überforderung des Landes im Flüchtlingsstrom warnen oder die einfach eine unangenehme Verschiebung ihres kulturellen Koordinatensystems fürchten. Selbst Alice Schwarzer sah sich vor wenigen Tagen bemüßigt, »vor der Unterdrückung abweichender Meinungen in der Flüchtlingsdebatte« zu warnen.

 

Wie die EU auseinanderbricht. Komisch: In britischen Zeitungen finden sich zu diesem Thema endlos viele, auch ausführliche und kritische, Berichte. Das hat sicher mit dem nahenden Volksentscheid auf der Insel zu tun. Doch die Zerreißprobe, der EU-Europa durch Gesetzesbrüche (der deutschen Regierung) sowie wachsenden Widerstand gegen die Kollektivierung von Schulden und die Verteilung von Flüchtlingen ausgesetzt ist, über die lesen wir hierzulande nicht allzu viel.

 

Es passt nicht ins Bild von Angela Merkels »alternativlosem« Großprojekt der europäischen Integration, wenn es zunehmend zwischen den Mitgliedern knirscht. Dass beim Schnüren des dritten Hilfspakets für Griechenland von den Gläubigern und EU-Regierungschefs in der langen Verhandlungsnacht am 13. Juli skrupellose »Kanonenboot-Diplomatie« angewandt wurde und dass der griechische Premier Alexis Tsipras einer »mentalen Wasserfolter« unterzogen wurde, das verriet uns die britische Presse.

 

Warum der Islam nicht zu Deutschland gehört. Die Kanzlerin behauptet ja strikt das Gegenteil. Doch die Mehrheit der Deutschen sieht das anders. Die Massenmedien halten sich da eher an die Linie von Angela Merkel, wie so oft. Nur wenn es gar nicht mehr anders geht, zum Beispiel wenn Ergebnisse von Umfragen berichtet werden, dann können wir lesen, dass diese Frage alles andere als geklärt ist. 75 Prozent der Ostdeutschen und 60 Prozent der Westdeutschen beantworten die Frage »Gehört der Islam zu Deutschland?« mit NEIN.

 

Wie der Wert unseres Geldes zerstört wird. Die Zeitungen feiern gerne Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, obwohl er mit exzessiver Geldvermehrung, die Europa bisher nicht aus der wirtschaftlichen Stagnation befreien konnte, den Wert des Euro dezimiert, das Sparen unrentabel macht und den Deutschen bereits mehrere Hundert Milliarden Euro an Zinsen vorenthielt, während er Lebensversicherungen lebensgefährlich macht. Wer auf Google nach »der Wert unseres Geldes« zusammen mit den Suchworten »EZB« und »Draghi« stöbert, bekommt ganze 1390 Links. Wer aber »Draghi Super Mario« eingibt, ein Titel, den deutsche Medien dem EZB-Präsidenten unkritisch und in maßloser Übertreibung gerne verleihen, der findet gleich 30 400 Links.

 

Wie die Flüchtlingswelle die Sache der Frau zurückwirft. Dass muslimische Migranten sich  nicht gerne von Frauen beraten, behandeln und betreuen lassen, das haben Massenmedien lange als den Erguss von fremdenfeindlichen »Rechtspopulisten« abgetan oder lieber ganz ignoriert. Erst als Frauenverbände im September wegen sexueller Übergriffe gegen Frauen in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen aufschrien, war es nicht mehr möglich, das brisante Thema auszuklammern. Und erst als Familienministerin Manuela Schwesig Mitte Dezember ein neues Schutzkonzept für Frauen und Kinder in Flüchtlingsunterkünften mit einem Volumen von 200 Millionen Euro vorstellte, wurde durch die Bekanntgabe dieser Nachricht widerwillig eingeräumt, dass hier ein großes Problem vorliegt.

 

Die Brandrodungs-Katastrophe in Südostasien. Sie wütet seit vielen Jahren, jedes Jahr etwa zur selben Zeit. Ich habe sie als Südostasien-Korrespondent der ARD und der Welt in den 90er-Jahren kennengelernt. Ein Gebiet, das größer ist als Europa, mit mehr als einer halben Milliarde Menschen, wird dann vom Rauch der Buschfeuer, mit denen Fläche für Plantagen gerodet wird, eingehüllt. In den Zeitungsberichten ist dann meist von »verheerenden Waldbränden« die Rede, als würde es sich um Unfälle handeln. Der Rauch ist über Monate so dicht und gesundheitsschädlich, dass die USA im Jahr 1997, als ich in Kuala Lumpur lebte, die Botschaft evakuierten. Es ist eine Umweltkatastrophe mit globalen Ausmaßen. In deutschen Medien kommt sie viel zu kurz und wird meist erst dann berichtet, wenn die Regierungen in den betroffenen Ländern endlich reagieren und die Skala, die die Partikelbelastung der Luft angibt, wie bei Hau-den-Lukas nach oben schießt.

 

Putins rechter Arm war wichtiger als seine Motive und seine Strategie. Mit der Propaganda des russischen Präsidenten beschäftigen sich die westlichen Medien ausführlich, auch haben sie zu Beginn des Stellvertreterkrieges in der Ukraine monatelang regelmäßig über angeblich bevorstehende russische Invasionen berichtet. Doch was den Mann wirklich umtreibt, haben wir in objektiven Berichten äußerst selten analysiert bekommen. Stattdessen sind medienkritische Webseiten wie die NachDenkSeiten voller Beispiele, wie wir Putin meist präsentiert bekommen: Als Sturzbomber, als »Brandstifter«, als »gefährlicher Nachbar« und vieles mehr.

 

Wie Angela Merkel dem Land schadet. Der Euro, den die Mehrheit nicht wollte. Die Griechenland-Hilfe, die eine Mehrheit in der aktuellen Form ablehnt. Auch eine Mehrheit gegen die derzeitige Flüchtlingspolitik nach dem Motto »Wir schaffen das«. Aber die Bundeskanzlerin lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen. Den empfinden immer mehr Bürger als schädlich für das Land, wenn man die Umfragen studiert.

 

Wie uns die USA von der Zukunft auf der eurasischen Landmasse durch einen neuen Eisernen Vorhang abschneiden. China baut gezielt an einer neuen Seidenstraße, die vom Pazifik in Richtung Westen bis mitten nach Europa reichen soll. Doch die Europäer lassen sich von den USA wie Vasallen gegen Russland, und vielleicht auch bald gegen China, aufbringen. Damit schneiden wir uns in Europa selbst vom größten Entwicklungsprojekt auf diesem Planeten für die kommenden Generationen ab. William Engdahl hat das vor wenigen Tagen auf dieser Webseite ausführlich beschrieben, in den Massenmedien wird das nicht thematisiert. Doch immer neue Sanktionen gegen Russland werden ausführlich berichtet, ohne ihre »Klugheit« zu hinterfragen.

 

Wie Europas Finanzminister den Angriff auf das Matratzengeld vorantreiben. Wir haben das bei Kopp im Newsletter für unsere Abonnenten beschrieben. Das Versuchslabor für diese Grausamkeit sind wieder einmal die Griechen. Sie müssen jetzt eine Vermögensaufstellung machen und beim Fiskus abliefern. Wenn erst einmal das Bargeld abgeschafft wurde, kommt dann das Familiensilber dran.

 

Die wachsende Schweigespirale in Deutschland. Warum passiert so etwas? Weil die Menschen vom grassierenden Meinungsterror der Medien eingeschüchtert werden und nicht mehr offen ihre Meinung sagen. Die Meinungsforscher können den Puls des Volkes nicht mehr richtig messen. Wer Kritik äußert, ist ein Rechtspopulist. Dann hält man lieber seinen Mund – oder macht eine falsche Angabe.

 

Die Aushöhlung des Rechtsstaates. Der Verfassungsrechtler Rupert Scholz sieht »erhebliche Rechtsverstöße durch die Bundesregierung«, vom Dublin-Abkommen bis hin zum Asyl-Verfahrensgesetz. In den Leitmedien lesen wir fast nichts von den ständigen Missachtungen der Bundesregierung gegen geltende Gesetze und Abkommen.

 

 

 

 

 

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