Friday, 30. September 2016
14.06.2015
 
 

Der kommende »Bauernaufstand«: Mit Heugabeln gegen die Roboter

Markus Gärtner

Zuerst ersetzten sie schmutzige Jobs und Fließbandarbeit. Inzwischen sind Roboter so flexibel und selbstständig, dass sie bald auch Anwälte, Reporter und Finanzanalysten ablösen können. Diese zweite Welle der Automatisierung hat schon begonnen. Und sie könnte in einer Revolution verarmter Schichten ohne Arbeit und Einkommen enden. Davor fürchtet sich nach eigenem Bekunden selbst der 7,5 Milliarden Dollar schwere Eigentümer der Schmuck-Kette Cartier.

 

Die Warnungen mehren sich. Sie kommen von allen Seiten. Und sie kommen von Leuten, die es wissen müssen. Darunter der Software-Entwickler Martin Ford , der das Buch Aufstieg der Roboter geschrieben hat. Ford warnt eindringlich:

»Wir sind nicht alarmiert genug über diese Entwicklung, die meisten Menschen verstehen nicht die unglaubliche Wucht der Automatisierung. Wenn sie über Roboter reden, haben sie Fabriken vor Augen. Aber dort sind die Jobs schon vor Jahrzehnten ersetzt worden.«

Was er vor Augen hat, haben Forscher der Oxford University unlängst in Zahlen gegossen und in einer Studie publiziert. Demnach können innerhalb von zwei Jahrzehnten 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA automatisiert werden.

 

Der Berater und Yale-Forscher Wendell Wallach stimmt im Grundsatz zu, geht aber noch einen Schritt weiter: Wir haben einen historischen Wendepunkt erreicht, sagt er, an dem der technische Fortschritt mehr Jobs vernichtet als er neue schafft:

»Dies ist eine nie da gewesene Situation, die zu allen möglichen Verwerfungen führen kann, wenn die Öffentlichkeit erst einmal erkennt, dass wir an diesem Punkt angekommen sind.«

Wallach sieht als Folge weltweit stagnierende Löhne und eine immer weiter klaffende Einkommensschere. Die Oxford-Studie, die den Titel »Die Zukunft der Beschäftigung – Wie anfällig sind Arbeitsplätze für die Computerisierung?« trägt , sieht sogar Anwälte und Reporter in Gefahr. Martin Ford sieht außer dem Gesundheitssektor und dem Ausbildungswesen so gut wie alle Industrien in Gefahr.

 

Das Magazin FORTUNE zitiert Frank Tobe , den Herausgeber des Robot Report, der vom Paketzusteller FedEx wissen will, ob bis zum Ende des Jahrzehnts nur drei oder vier Piloten von einer Zentrale aus hunderte von Jets in der Paketflotte zeitgleich steuern werden.

 

Der MIT-Forscher Matt Beane kommt in dem Bericht mit der Prognose zu Wort, »dass das Endgame in dieser Entwicklung ernst sein wird. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben, und die Entwicklung wird die Menschheit überholen«.

 

Mit welcher Wucht automatisiert wird, zeigen nicht nur Meldungen wie in dieser Woche von Aldi Nord. Der Lebensmittel-Billigheimer akzeptiert jetzt in allen 2400 Filialen das mobile und kontaktlose Bezahlen mit der Maestro-Karte und Smartphones. Man wolle sich »auf die veränderten Kundenbedürfnisse einstellen«, erklärte Aldi den Schritt. Aber nicht nur am deutschen Arbeitsmarkt für Kassiererinnen hat ein Massaker der Arbeitsplätze begonnen.

 

Bis hin nach China kann man die Wucht der Entwicklung beobachten. Weil die Löhne seit Jahren um jeweils zehn bis 15 Prozent steigen und der chinesische Yuan sich verteuert hat, hat eine Invasion von Robotern in den Fabriken des exportstarken Perlfluss-Deltas begonnen.

 

Laut der Zeitung South China Morning Post in Hong Kong hat der Elektronik-Produzent Shenzhen Evenwin Precision Technology angekündigt, in kurzer Zeit 90 Prozent seiner 1800 Beschäftigten durch Roboter und andere Maschinen zu ersetzen.

 

Die Regionalregierung der Provinz Guangdong, in der Shenzhen liegt, hat bis 2018 154 Milliarden Dollar Subventionen angekündigt, um die Werkshallen in der teuer gewordenen Region mit Robotern füllen zu helfen. 1500 Firmen im Perlfluss-Delta gegenüber von Hong Kong werden laut der South China Morning Post bis 2016 damit beginnen, die Automatisierung zu forcieren.

 

Die südchinesische Zeitung sagt unter Bezugnahme auf ihre Quellen vorher, dass bis Mitte des kommenden Jahrzehnts ein Drittel aller Arbeitsplätze von den programmierten Maschinen übernommen wird.

 

Das würde hochgerechnet auf das Jahr 2035, bis zu dem die Oxford-Studie reicht, sogar bedeuten, dass über die Hälfte aller Jobs verloren gehen. Im Wirtschaftsmodell der Industriestaaten hat sich durch die Automatisierung eine der fundamentalen Relationen aufgelöst: Die zwischen Arbeitsplätzen, Einkommen und Konsum. Roboter drücken die Kosten je Arbeitsplatz auf neue Tiefstände.

 

Was passiert, erklärt Wallach: »Die meiste Zeit in der Industriegeschichte gingen 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an die Löhne und 50 Prozent an das Kapital.« Inzwischen habe sich das dramatisch geändert:

»Im Jahr 1990 haben die ›Großen Drei der Autoindustrie‹, General Motors, Ford und Chrysler, 36 Milliarden Dollar Umsatz gemacht und eine Million Leute eingestellt. Die ›Großen Drei‹ unserer Zeit – Apple, Facebook und Google – machen zusammen über eine Billion Dollar und beschäftigen nur 137 000 Menschen.«

Die resultierende Ungleichheit hat schon jetzt dazu geführt, dass fünf Prozent der Amerikaner 70 Prozent der Wirtschaft besitzen. Mit gravierenden Folgen, so Wallach:

»Haben die Leute kein Einkommen mehr, mit dem sie ihre Familien ernähren, dann ist es schwer vorauszusagen, was sie als Nächstes tun werden, aber in der Geschichte hat das eine Reihe von Ländern reif für eine Revolution gemacht.«

Immer mehr Ökonomen fordern zusätzliche Lohn-Subventionen oder gar einen pauschalen Grundlohn. Es sieht aber nicht danach aus, als ließe sich das in absehbarer Zeit gegen die Eliten durchsetzen. Doch der Siedepunkt, an dem etwas passieren muss, scheint nicht mehr weit zu sein.

 

Der Cartier-Milliardär Johann Rupert sieht schwierige Zeiten vorher: »Wie soll die Gesellschaft mit dieser technologisch bedingten Arbeitslosigkeit, Neid, Hass und sozialen Spannungen umgehen? Wir zerstören die Mittelschicht und das ist unfair. Das lässt mich nachts nicht schlafen«, sagte er kürzlich bei einer Konferenz der Financial Times in Monte Carlo.

 

Rupert, so berichtet die britische Daily Mail , sei in seinen Kreisen als »Rupert der Bär« bekannt, weil er ziemlich düstere Prognosen über die Wirtschaft stellt. Der reiche Südafrikaner bezeichnet sich dagegen selbst als »reformierten Prostituierten«, weil er zehn Jahre lang als Investment-Banker gearbeitet hat.

 

Doch selbst seine düstere Prognose dürfte von der Realität bald eingeholt werden. Das macht eine Aufzählung des Vorstandschefs von Gallup deutlich. Jim Clifton, der Chef des Meinungsforschers, schätzt die weltweite Arbeitslosigkeit auf über 50 Prozent.

 

Und das geht so: Sieben Milliarden Menschen leben auf dem Planeten. Davon sind mehr als fünf Milliarden über 15 Jahre alt und können arbeiten. Drei Milliarden von ihnen wollen nach Erkenntnissen von Gallup eine Festanstellung. Doch nur 1,3 Milliarden ist das gelungen. »Die brutale Wirklichkeit ist«, so Clifton, »dass wir nicht ausreichend viele gute Arbeitsplätze schaffen, um dem Wunsch der Welt zu entsprechen. Das wird die globale Instabilität verschärfen. Es wäre möglich, dies zügig zu ändern. Wir müssten jedoch ernsthaft damit beginnen.«

 

 

 

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Leser-Kommentare (40) zu diesem Artikel

17.06.2015 | 15:45

jordamowitsch

Konsum, Konsum, konsum, so lautet die Löäsung diedie USA für dieses Problem gefunden haben. Man besehe sich nur die voluminöse Masse der Amerikaner, die nicht nur im CO2 Verbrauch pro Kopf führen sondern auch in kg pro Kopf absolute Weltklasse darstellen. Konsumieren statt Produzieren könnte eine der Lösungen lauten. Um die Leute brav zu halten, bedarf es allerdings eines Mittels wie Soma, von Huxley geschildert. die radikalmethode, über die in diesen Kreisen auch nachgedacht...

Konsum, Konsum, konsum, so lautet die Löäsung diedie USA für dieses Problem gefunden haben. Man besehe sich nur die voluminöse Masse der Amerikaner, die nicht nur im CO2 Verbrauch pro Kopf führen sondern auch in kg pro Kopf absolute Weltklasse darstellen. Konsumieren statt Produzieren könnte eine der Lösungen lauten. Um die Leute brav zu halten, bedarf es allerdings eines Mittels wie Soma, von Huxley geschildert. die radikalmethode, über die in diesen Kreisen auch nachgedacht wird: totale Bevölkerungsreduktion auf 2 Mrd. Für dieses volkswirtschaftlich adäquate Ableben wird ein allseits bekannter prof. Unsinn sicher bald die passende Theorie vorstellen.


15.06.2015 | 22:49

Rudolf-Robert Davideit

Tja, nach den ´ehrenwerten´ ROCKEFELLERN muß bei dem M. Gärtner nun auch noch der wahrlich ehrenwertere Name FORD für seine Propaganda herhalten; doch "Arbeit macht frei!" SPINOZA , "Arbeit schafft Arbeit" DAVIDEIT, die NEOCON´s drucken den US-$-Dollar und CoL sagt: "Das war´s USA."! Noch Fragen?


15.06.2015 | 21:44

Igelin

keine Bange - die automatisierte Wirtschaft braucht eine Masse Kunden - und diese Kunden brauchen Kaufkraft - ansonsten gibt es keine automatisierte Wirtschaft. Also wird auch den Eliten nicht weiter übrig bleiben - als einen Großteil ihres Profits an die Massen des Volkes abzugeben - und die Waren so billig zu verkaufen,dass die der Kaufkraft der Masse entspricht. Der Markt ist nicht im Gleichgewicht - das war der Markt nie. Aber auch Bevölkerungsreduzierung im großen...

keine Bange - die automatisierte Wirtschaft braucht eine Masse Kunden - und diese Kunden brauchen Kaufkraft - ansonsten gibt es keine automatisierte Wirtschaft. Also wird auch den Eliten nicht weiter übrig bleiben - als einen Großteil ihres Profits an die Massen des Volkes abzugeben - und die Waren so billig zu verkaufen,dass die der Kaufkraft der Masse entspricht. Der Markt ist nicht im Gleichgewicht - das war der Markt nie. Aber auch Bevölkerungsreduzierung im großen Maßstab - verhindert die Wirtschaftsentwicklung und zieht viele Konkurse und Pleiten mit sich. Unterm Strich wird die hochtechnisierte Wirtschaft nicht mehr die Arbeitskräfte brauchen, sondern Kunden - kaufsüchtige Kunden. Schon jetzt steht der reichen und superreichen Kaste eine Masse an verschuldeten Käufern gegenüber. Auch das ist Markt und braucht ein Gleichgewicht. Egal - wie die Politik sich einmisch oder entscheidet - es sind immer nur Krücken. Die Menschen selbst müssen herausfinden, wie sie ohne Kaufsucht und Konsumsion beschränkt auf das Notwendigste glücklich werden kann. Und hier findet dann das eigentliche Leben statt. , . . ohne Maschinen-Automaten. In gegenseitiger Hilfe und Austausch von Gebrauchsgütern. Also bitte - nicht in Panik geraten und die Hoffnung niemals aufgeben. Jeder Mensch entscheidet sich nach wie vor - wie er leben will . . .


15.06.2015 | 20:33

Kutte

Roboter konsumieren dann ja so viel?


15.06.2015 | 19:12

Murksel

Und wenn die Armen aufmucken wird eine Roboterarmee auf sie gehetzt werden?


15.06.2015 | 09:36

Killuminati

So viele Sklaven und so wenig Arbeit. Aber die Elite arbeitet schon an der Dezimierung. Würden wir nicht in so einer kranken Welt leben dann würden wir uns mit Robotern eine Art Utopia schaffen. Ohne das die Maschinen uns vernichten weil wir unsere Umwelt nicht belasten würden und sowas wie Atomwaffen schon lange nicht mehr hätten.

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