Monday, 26. September 2016
29.12.2015
 
 

Deutsche Medien schießen im Westen am meisten gegen Russland

Markus Gärtner

Die schwer gescholtenen und von Leserflucht geplagten deutschen Massenmedien erhalten am Ende des laufenden Jahres eine Auszeichnung. Es ist aber keine, die ihnen schmeichelt. Der russische Nachrichtensender Sputnik News hat für 2015 eine Jahresbilanz der Russland-Berichte in den Leitmedien der EU und der USA gezogen. Fazit: »Sie neigen eher zu einer negativen Berichterstattung, wenn es um Russland geht.« Das ist noch fast diplomatisch ausgedrückt. Die Sturmspitze der Einseitigkeit und Propaganda gegen Russland bilden dabei die deutschen Massenblätter und Zwangsbezahl-Sender.

 

Aufmerksame Leser werden von dieser Bilanz keineswegs überrascht sein, auch wenn sie in diesem Fall von einem staatlich kontrollierten russischen Sender kommt. Die Agitation gegen Kreml-Chef Putin, der von hiesigen Massenmedien einmal in manipulierten Bildern als angeblich einsames und isoliertes Staatsoberhaupt beim G20-Gipfel gezeigt wird, dann wieder als Sturzbomber auf einem Titelblatt des Spiegel, hat System im deutschen Mainstream.

 

Das weiß man auch bei medienkritischen Webseiten, die kein Geld vom Kreml bekommen. So wurde auf den NachDenkSeiten am 17. Juli dieses Jahres in einer Analyse zum wiederholten Mal die deutsche Russland-Berichterstattung unter die Lupe genommen. Das Fazit dort: »Hervorstechend bei der Kampagne gegen Putin ist, dass vor allem mit Vorurteilen und Diffamierungen gearbeitet wird.«

 

Was damit gemeint ist, konnte man zum Beispiel am 27. Juli in der Welt nachlesen, ein Blatt, das in der deutschen Medienlandschaft genauso scharfe Anti-Putin-Artillerie verschießt wie die FAZ, die von Sputnik News als »der absolute Sieger« in diesem traurigen Wettbewerb der einseitigsten Medien in punkto Russland-Berichte gekürt wurde.

 

Die Welt titelte am 27. Juli: »Die kleine traurige Geschichte der Putin-Versteher.« In dem polemischen Beitrag, der darauf angelegt war alle zu diskreditieren, die auch nur teilweise Verständnis für die Motive und Handlungen des Kremlchefs aufbringen, wurde den deutschen »Putin-Verstehern« vorgeworfen, »ideologisch vernagelt ihren Illusionen hinterher«zurennen.

 

Egal, ob es um den Konflikt in der Ukraine geht, um Russlands Militär-Kampagne gegen den IS in Syrien, oder Putins jährliche Pressekonferenz für die internationalen Medien: Stets, so die Analyse von Sputnik News, wird nach Vorwänden gesucht, um »Fakten und Worte zu verdrehen und den russischen Präsidenten im schlechten Licht darzustellen«.

 

Man sollte staatlichen Sendern wie Sputnik stets die gesunde Prise Skepsis entgegenbringen und sich in Erinnerung rufen, wer sie finanziert. Aber wer die Medienbilanz in diesem Fall nachprüft und nach Beispielen für die erhobenen Vorwürfe sucht, wird in deutschen Massenblättern nach kürzester Suche reichlich fündig.

 

Darunter sind auch Gastbeiträge in der FAZ wie jener vom 22. September 2014 mit der Schlagzeile: »Russland ist kein Bär, sondern eine Sau, die ihre Jungen auffrisst.« Mit ausgewogenem, kritischem Journalismus hat das nichts mehr zu tun, eher schon mit offener Hetze.

 

Gut in Erinnerung ist noch ein Bericht im Spiegel, der Putins Jahrespressekonferenz Mitte Dezember als »Presse-Show« bezeichnete, »Putin wütet, Putin behütet« titelte und dann in der Bildunterschrift zusammenfasste: »Der Kreml-Chef zelebriert die Erotik der Macht, doch der Auftritt ist wohl kalkuliert.«

 

Wenn der Spiegel und andere führende Blätter in Deutschland die Bundeskanzlerin bei ihren Auftritten stets so distanziert und kritisch unter die Lupe nehmen würden, hätten wir ein wesentlich objektiveres Bild vom Treiben der Bundeskanzlerin.

 

In der »Top 10« der zehn Zeitungen mit den meisten negativen Berichten und Kommentaren zu Putin und Russland liegen laut Sputnik News mit der FAZ (871 »negative und mäßig negative Veröffentlichungen«) und der Welt (635) zwei deutsche Leitmedien an der Spitze, gefolgt vom Wall Street Journal (622) und der Neuen Zürcher Zeitung (588). Die Süddeutsche landet in dem vielsagenden Ranking auf dem achten Platz (548 negative Veröffentlichungen).

 

Auf Landesebene führen deutsche Medien mit kollektiv 8000 negativen Russland-»Bashings« im Jahr 2015 die Rangliste an, vor Frankreich (6531) und Großbritannien (5847).

 

 

 

 

 

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