Dienstag, 6. Dezember 2016
08.06.2015
 
 

Massakrierte Statistik: Mords-Betrug bei der Leichenschau

Markus Gärtner

Deutschland ist wohlhabend, sozial stabil und sicher. Die Zahl der Mordopfer hat laut dem Statistischen Bundesamt seit 2001 um 40 Prozent abgenommen. Die Aufklärungsquote liegt konstant bei 95 Prozent. Willkommen in der Wohlfühl-Republik. Doch unser Rat lautet: Trauen Sie diesen Zahlen auf keinen Fall über den Weg.

 

Denn sie sind hinten und vorne getürkt. Selbst die Statistiker der Bundesregierung, die solche Zahlenreihen aufsetzen, wissen es nicht. Warum das so ist, muss man in der unter Laien ziemlich unbekannten Münchner Medizinischen Wochenschrift (MMW) nachlesen. In die Mainstream-Medien hat der Skandal, der ein bedenkliches Licht auf unseren Rechtsstaat wirft, so gut wie keinen Niederschlag gefunden.

Es geht um eine Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin der Universität München. Dessen Forscher befragten im Herbst 2014 Ärzte über deren Erfahrung mit der Leichenschau. Mehr als 220 Fragebögen kamen zurück.

 

Sie belegen in der Gesamtheit, dass Staatsanwälte und Polizei regelmäßig Druck auf Ärzte machen, damit diese nach der Leichenschau ihr Häkchen bei »natürliche Todesursache« setzen. Das spart Polizei und Staatsanwälten nicht nur Arbeit. Es sorgt auch für eine viel schönere Statistik.

 

Bei der Umfrage gaben 70 Prozent der Ärzte an, dass sie schon ein- oder mehrmals bedrängt worden sind, natürliche Todesarten zu attestieren. Laut der Fachzeitschrift MMW »hat jeder der befragten Ärzte bereits viermal diese Erfahrung« gemacht.

 

Obwohl in 95 Prozent der Fälle laut Gesetz eine vollständige Entkleidung der Leichen vorgeschrieben war, wurde diese nur bei 75 Prozent tatsächlich durchgeführt.

 

Laut der MMW ging der Druck auf die Leichen beschauenden Ärzte in 62 Prozent der Fälle von Beamten der Polizei aus, in 28 Prozent der Fälle von Angehörigen der Toten.

 

Neun Prozent der Ärzte in dieser Umfrage gaben an, dass die Einflussnahme schon einmal Erfolg hatte. Mehr als jeder zehnte Mediziner hat demnach bereits Versuche erlebt, ihn von der Untersuchung einer Leiche abzubringen.

 

Angehörige drohen demzufolge gerne mit Rufschädigung, Meldungen bei der Ärztekammer oder Mitteilungen an die Bild-Zeitung. Drohungen durch Kriminalbeamte, die Praxis zu schließen, hat es auch gegeben.

 

Und selbst Beschwerden von Staatsanwälten, attestierende Ärzte würden ihnen unnötige Arbeit aufzwingen, wenn kein natürlicher Tod festgestellt wird, kamen vor. Auch Androhung von Gewalt wurde von den befragten Ärzten berichtet.

 

Im Klartext: Hier geht es nicht um eine etwaige Qualifikation der Leichen beschauenden Ärzte, sondern klar um kriminelle Einflussnahme, die Gesetze beugt, um »schönere« Ergebnisse zu erhalten. Das ist nicht weniger als Doppelmord – am Rechtsstaat und an der Statistik.

 

Man stelle sich das ganze Ausmaß, um das es hier geht, einmal vor. Die Studie der Uni München erfasst lediglich 226 Ärzte, die sich an der Umfrage beteiligten. Und man ahnt, welche Dunkelziffer in der offiziellen Mord- und Sterbestatistik steckt. Es gibt in Deutschland über 365 000 ärztlich tätige Mediziner, die bei den Landesärztekammern gemeldet sind.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (7) zu diesem Artikel

09.06.2015 | 13:10

Wastl

Solange nicht bei jedem Todesfall eine qualifizierte Leichenbeschau stattfindet, insbesondere n i c h t vom Hausarzt ausgefürt, kann es überhaupt keine, auch nur halbwegs seriöse, Statistik geben. Wenn ein Mensch lange Pflegefall war, ist ein Totenschein schnell, vielleicht zu schnell, ausgestellt. Was weiss denn schon ein Hausarzt, der einmal im Jahr einen Toten sieht, von einer ordentlichen Leichenbeschau? Seine Öffnungszeiten der Praxis: Mo. und Di. 09.00-12.00 und 15.00 bis...

Solange nicht bei jedem Todesfall eine qualifizierte Leichenbeschau stattfindet, insbesondere n i c h t vom Hausarzt ausgefürt, kann es überhaupt keine, auch nur halbwegs seriöse, Statistik geben. Wenn ein Mensch lange Pflegefall war, ist ein Totenschein schnell, vielleicht zu schnell, ausgestellt. Was weiss denn schon ein Hausarzt, der einmal im Jahr einen Toten sieht, von einer ordentlichen Leichenbeschau? Seine Öffnungszeiten der Praxis: Mo. und Di. 09.00-12.00 und 15.00 bis 17.00 Uhr, Mi. 09-12.00, Do. 09.00-12.00 und 15.00-17.00 und Fr. 09.00-12.00 Uhr. Samstag und Sonntag, sowie an Feiertagen und im Urlaub geschlossen. Wann stirbt bei ihm ein Mensch in der Praxis oder beim Hausbesuch? Solche Leute maßen sich an, Totenscheine auszustellen, ohne jedwede gerichtsmedizinische Kenntnisse. Er hat das nur am Rande gelernt, auf der Uni, aber die fehlenden, qualifizierenden Teilnahmen, an Schulungen, in diesem Gebiet, sollten dazu führen, das nur Ärzte eine Leichenbeschau durchführen dürfen, die diesbezüglich an qualifizierten Schulungsmaßnahmen teilgenommen haben. Auch bei Kontraktärzten, von Pflegeheimen, bin ich sehr skeptisch. Sie müssen bei Pflegepfusch schon arge Gewissensnot leiden, wenn erst im Krankenhaus, beim Pflegling, offene Liegewunden diagnostiziert werden, in diesem Fall´hat der Patient noch ein Riesenglück.


09.06.2015 | 04:41

Queenslander

Bin zwar schon lange weg aus Deutschland, kann aber bestaetigen, dass das schon waehrend meiner Notarztzeit in den 90ern in Heidelberg gang und gaebe war. Hatten sogar mal eine Krisensitzung mit Polizei und Rechtsmedizin deswegen....


08.06.2015 | 20:40

Der Toni

Dunkelfeldforschung ist ein weites Feld --- und bei weitestem das spannenste überhaupt. Man kann den Blickwinkel auf beliebige oder spekulative Dunkelfelder lenken, wie z.B. etwa auf die "stark überwachten" Produktionsprozesse in der Lebensmittelindustrie. --- wenn einem Schichtarbeiter z.B. zufällig der Kamm in den Rührtopf fällt - was dann ? wir der Schichtarbeiter sich selbst verraten oder wird er seinem Kamm still lebe wohl sagen ? ein klassisches Dunkelfeld des...

Dunkelfeldforschung ist ein weites Feld --- und bei weitestem das spannenste überhaupt. Man kann den Blickwinkel auf beliebige oder spekulative Dunkelfelder lenken, wie z.B. etwa auf die "stark überwachten" Produktionsprozesse in der Lebensmittelindustrie. --- wenn einem Schichtarbeiter z.B. zufällig der Kamm in den Rührtopf fällt - was dann ? wir der Schichtarbeiter sich selbst verraten oder wird er seinem Kamm still lebe wohl sagen ? ein klassisches Dunkelfeld des Alltags. --- Ich denke man sollte der Thematik "Dunkelfeld" eine eigene Internetseite widmen, um alle möglichen Dunkelfelder wenigstens theoretisch in den Griff zu bekommen.


08.06.2015 | 14:25

alucardnov

wenn man schon so übel offen lügt oder mathematischen blödsinn verzapft sollte man zumindest arbeitslos und nicht verbeamtet sein. tatsächlich geben die forensiker an, seit jahrzehnten, sie können aus personalmangel und anderen problemen heraus nur 50% der unnatürlichen todesfolgen feststellen. dunkelziffer nicht genau klärbar. diese fakten gehen aus stichproben hervor. wie kann dann die kriminalsitik 95% erfolg haben. mathematsich totaler schwachsinn übelster...

wenn man schon so übel offen lügt oder mathematischen blödsinn verzapft sollte man zumindest arbeitslos und nicht verbeamtet sein. tatsächlich geben die forensiker an, seit jahrzehnten, sie können aus personalmangel und anderen problemen heraus nur 50% der unnatürlichen todesfolgen feststellen. dunkelziffer nicht genau klärbar. diese fakten gehen aus stichproben hervor. wie kann dann die kriminalsitik 95% erfolg haben. mathematsich totaler schwachsinn übelster brödsinnigkeit. genau so wie die beruflichen qualifikationen der polizei. 99% aller fäller werden nicht durch krimnalistischen wissenschaftlichen wissen herasu aufgeklärt sondern durch kommisar zufall, dummheit oder bürgern die gerade die augen und ohren auf hatten. nur ein bis zwei promil der straftaten durch kriminalistisch wissenschaftliche arbeit. dennoch können polizisten kein 10 finger schreiben an der machine und auch selten mehr als 10 anschläge in der minute tippen obwohl die schreibarbeit über 60% der arbeitszeit verbraucht. wo für überlastungen und überstunden verbraucht werden? um nachbarn und bürger zu schickanieren und sich wie die wildsäue aufführen. tatsächlich ergeben inofizielle zahelen , erschreckende leistungsbilder des wild wuchernden bürokratischen systems seit pcs vermehrt die arbeit abnehmen sollen und die kosten und zeitaufwendungen verringern helfen sollten. führungsschwäche und missbrauch sind der normalfall, die diktatur ein hobby während der dienstzeit. also einfacher dreisatz aus der 2. klasse mengenlehre.


08.06.2015 | 13:13

WachtamRheinbeiRhöndorf

@Ach drum wohl eher nicht "daher", aber ich denke, daß die saturierte GEZ-Bande lieber so einen politisch defekten, volkserzieherischen TATORT-Stuß für teuer Geld produziert, als sich journalistisch und staatsvertragskonform mit den unsäglichen Zuständen auf allen Ebenen in dieser EU-Verwaltungseinheit, ehemals BRD, auseinanderzusetzen.


08.06.2015 | 12:23

Florian Geyer

"Im Fernsehn" laufen die Sendungen, die meist aus den USA kommen.
Und dort ist eine Leichenschau die Regel, nicht die Ausnahme.

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