Monday, 26. September 2016
26.02.2016
 
 

Schwindsucht bei Bild: Wie sich die Boulevardikone von den Mächtigen instrumentalisieren ließ

Markus Gärtner

Deutschlands Leitmedien laufen die Leser und die Werbung davon. Das Vertrauen in die Berichterstattung ist schwer angeschlagen bis nachhaltig zerstört. In dieser Phase kracht die Auflage der Bild-Zeitung Anfang 2016 unter zwei Millionen. Das ist der vorläufige Höhepunkt eines dramatischen Niedergangs im ohnehin geplagten deutschen Medien-Mainstream.

Kai Diekmann, der das Blatt als Chefredakteur 15 Jahre lang bis Ende 2015 führte, hat diesen drastischen Abstieg zum »Bild-Friedhof« ganz überwiegend zu verantworten. So argumentiert in seinem packenden Enthüllungsbuch der letzte Chefredakteur der Bild, der es noch auf mehr als fünf Millionen Auflage gebracht hatte. Peter Bartels führte das Massenblatt während der Zeit des Mauerfalls und der Deutschen Einigung zusammen mit Hans-Hermann Tiedje. Es war die Sternstunde der jüngeren Geschichte Deutschlands.

 

Gegen seine Nachfolger, vor allem Kai Diekmann, erhebt Bartels schwere Vorwürfe: Diekmann habe ein Blatt für Leser gemacht, die er gar nicht hatte; er lief den politisch korrekten Gutmenschen hinterher, anstatt die Zeitung weiter als Anwalt der großen bürgerlichen Mitte zu positionieren; Bild hat die Parteienverdrossenheit von Millionen Deutschen schlicht verschlafen; sie hätte die wachsende Furcht vor dem Ansturm der Flüchtlinge »von Anfang an verstehen und kanalisieren müssen«. Stattdessen habe die Zeitung in sozialen Plattformen Jagd auf Kritiker der Flüchtlingspolitik gemacht.

 

Die Bild, so das packende Enthüllungsbuch aus der Feder eines der erfahrensten deutschen Journalisten, hätte »wie ein Wolf losheulen müssen, um die Demokratie zu verteidigen«, als die Regierung Merkel in der Flüchtlingskrise begann, reihenweise Gesetze zu brechen.

 

Der Vorwurf, dass Diekmann die Bild eine Generation früher beerdigt hat, als es aufgrund des Internets und der Boulevardisierung des Fernsehens ohnehin geschehen wäre, trifft allerdings auf den gesamten Medien-Mainstream zu.

 

Das bringt Peter Bartels in diesem Buch anhand vieler Beispiele ebenfalls überaus deutlich auf den Punkt. Die Leitmedien machten viele der Fehler, die Bild zur Last gelegt werden, darunter den ganz sträflichen, oft 24 Stunden nach Google mit längst verfügbaren Informationen die Zeitung aufzumachen. Ein kapitaler Fehler sei es auch gewesen, nicht mehr der Anwalt der Leser zu sein. Auch das arbeitet dieses Buch hervorragend heraus.

 

Die Sünden des Mainstreams reichen laut Bartels vom »Andienen an die linke Gutmenschen-Mafia« bis hin zur Diffamierung kritischer Bürger als »Wutbürger, Pack und Nazis«.

 

Bartels wählt in diesem Buch eine Analogie, die den »Weg zum Bild-Friedhof«, wie er den Niedergang der Zeitung nennt, sehr anschaulich macht: Die Zeitung sei einst eine »Eiche« gewesen, unter der viele Deutsche Schutz gesucht und dem »Grundrauschen« im Land gelauscht hätten. Doch das Boulevard-Flaggschiff sei immer stärker »der Macht hinterher gehechelt«.

 

Die harsche Kritik von Peter Bartels am Versagen des Mainstreamjournalismus, für den der Niedergang der Bild-Zeitung das gravierendste Beispiel ist, zielt auch auf die Amerika-Hörigkeit der Transatlantiker im deutschen Blätterwald.

 

Bartels entlarvt die Atlantik-Brücke, die mit einem weit verzweigten Netzwerk die hiesigen Journalisten auf die »richtigen« Töne in der geostrategischen Berichterstattung einschwören hilft, als einen der Schuldigen am Verlust der medialen Glaubwürdigkeit.

 

Der Organisation gehören neben Friede Springer auch Vorstandschef Mathias Döpfner und Kai Diekmann an.

 

»Gegen dieses Netzwerk der Macht und der Mächtigen«, so Bartels, seien die Tempelritter nur ein »kreuzbraver Knappen-Verein« gewesen.

 

 

 

 

 

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