Thursday, 30. June 2016
04.11.2014
 
 

Stasi-TV: Spionage im Wohnzimmer zerstört den Rest der Privatsphäre

Markus Gärtner

Die Zeiten, in denen Spione unerkannt in Wohnungen eindrangen, um heimlich Mikrofone und Kameras zu installieren, sind wohl endgültig vorbei. Die Schnüffel-Werkzeuge installieren Konsumenten dank dem Internet der Dinge heutzutage selbst in ihren Wohn- und Schlafzimmern − und stellen sie für die Schnüffler auch noch selbst perfekt ein.

 

Das jüngste Beispiel sind die Smart TVs von Samsung. Auf einer 46 Seiten langen Datenschutzerklärung weist der südkoreanische Hersteller die Käufer seiner TV-Geräte jetzt darauf hin, dass die eingebaute Spracherkennung diverse Wort-Kommandos nicht nur umsetzen kann, sondern auch speichert und an Dritte weitergibt.

»Seien Sie sich bitte darüber im Klaren«, heißt es dort, »dass persönliche oder andere sensitive Informationen, die in diesen Kommandos enthalten sind, gespeichert und übermittelt werden können.«

 

Der Berater Michael Price im Liberty and National Security-Programm der New York University hat sich dieses Thema in einem Beitrag für die Webseite Salon.com vorgenommen und schreibt, er lebe jetzt »in Angst und Schrecken« über die Fähigkeiten seines neuen Fernsehapparates.

 

Dabei sind Spracherkennungs-Systeme nur eine von mehreren Methoden und Möglichkeiten, um die Konsumenten und Anwender der neuesten Kommunikationsgeräte auszuspionieren. Die Smart TVs halten auch Besuche auf Webseiten fest, nutzen eingebaute Kameras für die Gesichtserkennung und zeichnen mit Hilfe von »Cookies« auf, wann welche Webseiten und Mails gelesen wurden. Kein Geheimdienst der Welt hätte bis vor wenigen Jahren gründlicher und umfassender arbeiten können, schon gar nicht unter aktiver Mithilfe der Opfer.

 

Dabei geht es um sehr persönliche Informationen, die in den meisten Verfassungen geschützt sind und nicht in die Hände der werbetreibenden Wirtschaft gehören. Polizei und andere Sicherheitsbehörden brauchen bis heute in den meisten Fällen richterliche Durchsuchungsbefehle, um an diese Fülle von persönlichen Informationen zu kommen.

 

Unserer politischen Kaste ist diese digitale Schnüffelei bestens bekannt. Sie tut nichts dagegen, weil gläserne Verbraucher und Internet-Nutzer sich besser regieren lassen und in Zeiten des Terrors jede Information, egal wie sie beschafft wurde, willkommen ist – Verfassung hin oder her.

 

Überrascht darf aber kaum jemand über diese Eskalation der digitalen häuslichen Info-Gewinnung sein, die man bislang gemeinhin als Spionage bezeichnet. Schon vor zwei Jahren hatte der frühere CIA-Direktor David Petraeus das Internet der Dinge – das von Zahnbürsten über Kühlschränke und Autos bis hin zu Toastern immer mehr Geräte vernetzt – als einen »Segen für heimliche Geschäfte« bezeichnet. Wie wahr – und wie erschreckend.

 

Die Smart TVs von Samsung sind aber nur eines von vielen Produkten, die private Gespräche und Bewegungen in den eigenen vier Wänden aufzeichnen können. Diverse Spielkonsolen setzen ihre Kameras und Mikrofone schon seit Jahren so ein.

 

Gerade versprachen uns Google und Apple die Einführung neuer Verschlüsselungsmaßnahmen, die Nutzern ein höheres Maß an Sicherheit verschaffen sollen. Beruhigt hat uns das nicht, weil Behörden leicht mit speziell entwickelter Software mit Verschlüsselungen auf unseren persönlichen Geräten umgehen können.

 

Beruhigungspillen wie die von Google und Apple kommen bei Verbrauchern als Täuschungs- und Ablenkungsmanöver an, wenn die Zahl der aktiven Mikrofone und Kameras in unseren Wohnzimmern immer weiter zunimmt.

 

 

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Leser-Kommentare (24) zu diesem Artikel

05.11.2014 | 22:50

Martin

Muss der Kopp Verlag immer so übertreiben? Nicht jeder Smart TV von Samsung hat eine Kamera oder Micro eingebaut... Panik mache....


05.11.2014 | 22:23

MB

Wer sich einen SmartTV kauft, hat genausolche Datenschutzprobleme wie mit einem Smartphone usw. Wer also täglich ein Smartphone nutzt, braucht sich über den SmartTV keine Gedanken mehr machen. Wenn man schon ein wenig Datenschutz betreiben will, darf man eben nicht alles mitmachen. Ich habe kein Smartphone, sondern ein normales Handy, welches nicht mit einem Android-OS läuft (das schlechteste Betriebssystem überhaupt), keinen SmartTV, sondern einen selbstgebauten Media-PC, der...

Wer sich einen SmartTV kauft, hat genausolche Datenschutzprobleme wie mit einem Smartphone usw. Wer also täglich ein Smartphone nutzt, braucht sich über den SmartTV keine Gedanken mehr machen. Wenn man schon ein wenig Datenschutz betreiben will, darf man eben nicht alles mitmachen. Ich habe kein Smartphone, sondern ein normales Handy, welches nicht mit einem Android-OS läuft (das schlechteste Betriebssystem überhaupt), keinen SmartTV, sondern einen selbstgebauten Media-PC, der auch richtig Power hat, an einem normalen Flachbildschirm, der für mich Monitor und Fernseher zugleich ist. Ich brauche diesen ganzen Smart-Mist nicht, ein Smartphone mit einem Spielzeugdisplay, was soll das? Das neulich (dummerweise) gekaufte Android-Tablet liegt ungenutzt im Schrank, die Bedienung ist sowas von schwachsinnig und auch mit einem Spielzeugdisplay, nein danke. Ich habe keine Lust, irgendwelche schwachsinnige Apps zu installieren. Wenn noch mal ein Tablet ins Haus lommt, dann eines mit Windows, wo ich selber die gewünschten Programme installieren kann statt diesen lächerlichen Apps.


05.11.2014 | 15:20

CEO2

Ich muss mich glaube ich nochmals melden und zwar zur Technik. Verweise dazu auf 04.11.2014 | 13:54 JoeKo. Wie er schrieb ist jedes Gerät, welches keinen "wirklichen" Aussschalter hat (Techniker sagen einen Schalter der "galvanisch" von der Spannungsquelle trennt" verdächtig. Der Grund: eine "AUS Taste" trennt ja nicht wirklich. Sie versetzt nur einen Schaltkreis in einen "Aus" zustand. Die übrige Elektronik bleibt quasi (der...

Ich muss mich glaube ich nochmals melden und zwar zur Technik. Verweise dazu auf 04.11.2014 | 13:54 JoeKo. Wie er schrieb ist jedes Gerät, welches keinen "wirklichen" Aussschalter hat (Techniker sagen einen Schalter der "galvanisch" von der Spannungsquelle trennt" verdächtig. Der Grund: eine "AUS Taste" trennt ja nicht wirklich. Sie versetzt nur einen Schaltkreis in einen "Aus" zustand. Die übrige Elektronik bleibt quasi (der Amateur- funker sagt) QRV, also im Empfangsmodus. Damit ist es möglich, ein Handy in diesem Modus z.B. gezielt über einen Funkbefehl nicht nur "ferngesteuert" wieder einzuschalten, sondern es z.B. in die Lage zu versetzen das Microfon einzuschalten und dessen Signale zu übertragen, oder Speicherinhalte zu übertragen, usw. Diese Signale müssen nicht unbedingt von dem Handysendemasten kommen. Sie können, da die Antenne und Schaltkreise ja zum Empfang bereit stehen auf jeder beliebigen anderen Frequenz liegen, ebenso von beliebigen Dritten stammen, die "da mal reinhören möchten". So ist meines Wissens keine der "moderen" Minicomputerwanzen mit Telefonfunktion abschaltbar, d.h. können alle seine Schaltkreise wirklich von der Spannungsquelle abgeklemmt und somit funktionslos werden. Gute Nachricht für Besitzer von per Taste "abschaltbarer" Handys (werden immer seltener!): in eine hermetisch abgeschlossene Stahl- oder Alu Blechdose legen. Da geht keine Funksignal durch, weder hin noch her. Das geht bei den vorgenannten "modernen" Wanzen deshalb nicht, weil deren Sendeteile durch die Abschirmung mit der Information versorgt werden, "es besteht ganz schlechter Empfang". Damit geht der Sendeteil auf Höchst- leistung und nach kurzer Zeit ist der Akku leer. FACIT: Die modernen Computer/Telefonwanzen kann man nicht lahmlegen. Sie sind die, weit jenseits der Vorstellungen von 1984, perfekten Wanzen und werden ja in der Funktionsvielfalt laufend "verbessert" d.h. perfektioniert. Die von mir zuerst beschriebenen sog. Brandschutzmelder sind auch ständig im Betrieb und der im Raum befindliche Mensch wird einem konstanten elektromagnetischem Feld auf den WLAN Frequenzen im Bereich von 2,1 GHz ausgesetzt. In Eigentumswohungen werden sie zumeist von den Wasser/Heizungsabrechnungsfirmen "betreut" und auch "ferngewartet". Welche genauen Funktionen in diesem Schaltung der Geräte sonst noch verbaut sein könnten ist natürlich nicht bekannt. Technisch wäre alles möglich. Also technisch steht der jeweilige Brandmelder in Funkkontakt mit der Steuerzen- trale im Haus. Diese ist dann per Internet anzusteuern. Genau so wie die neuen "SMART METER" der E Werke das wäre noch ein ganz großes neues Thema !


05.11.2014 | 13:25

DennSoIsses

Wo liegt das Problem ? Wenn ich all das nicht nutzen oder haben möchte, so kann ich mir auch einen sehr hochwertigen Fernseher kaufen der auf all diese Funktionen verzichtet und der sich auf sein Hauptaugenmerk konzentriert: gutes Bild und guter Ton. Doch gibt es solche Geräte weder beim Elektrogroßmarkt oder im Internet sondern beim Fachhändler vor Ort. Da aber liegt oft der Haken im Auge des Kunden: der Preis. Der Kunde jammert über die teure Qualität Made In Germany und stellt...

Wo liegt das Problem ? Wenn ich all das nicht nutzen oder haben möchte, so kann ich mir auch einen sehr hochwertigen Fernseher kaufen der auf all diese Funktionen verzichtet und der sich auf sein Hauptaugenmerk konzentriert: gutes Bild und guter Ton. Doch gibt es solche Geräte weder beim Elektrogroßmarkt oder im Internet sondern beim Fachhändler vor Ort. Da aber liegt oft der Haken im Auge des Kunden: der Preis. Der Kunde jammert über die teure Qualität Made In Germany und stellt sich am Ende doch den billigen Asia-Ramsch ins Wohnzimmer. Selber Schuld. Und wer über die smart Applications jammert und sich vor Big Brother Spyware fürchtet, der kann seinen TV auch nur über sein Antennenkabel einspeisen und bleibt dem world wide web eben fern. Man muss sich bewusst sein: sobald man mit dem Handy, dem TV oder dem Computer ins Internet geht, verlässt man die eigenen 4 Wände und begibt sich in einen völlig rechtsfreien und undurchschaubaren Raum (auch wenn uns ständig irgendwelche Verschlüsselungsprogramme, Verbraucherrechte, Datenschutz-Apps und andere Versprechen vorgegaukelt werden). Viel schlimmer als die eigene private Entscheidung solche Dinge zu benutzen, ist doch eher der staatliche Zwang (neuer Personalausweis, Krankenchipkarte, Bankkarten, erhobene Zwangsinformationen, Weitergabe der Daten an die GEZ und den Finanz-und Verwaltungsapparat etc.) Denn das hat man nicht in eigener Hand im Gegensatz zur Nutzung eines billigen Samsung Fernsehers aus dem Blödia-Markt...


05.11.2014 | 10:37

G.T.

Alles wo Smart drauf steht, ist potenziell gefährlich, also nicht nur Smartphone oder Smart-TV auch z.B. SmartHome-Produkte zur Steuerung sogenannter interllegenter Häuser . Diese Technik ist webbasierend und kann somit ausspoiniert werden. Ob der Staat damit was anfangen, tue ich bezweifeln, denn die können es ( noch ) nicht. Böse Erfahrungen habe ich allerdings mit Werbefirmen gemacht, weil man nur auf dem Weg an meine Daten gekommen sein kann. Der beste Schutz ist, diese...

Alles wo Smart drauf steht, ist potenziell gefährlich, also nicht nur Smartphone oder Smart-TV auch z.B. SmartHome-Produkte zur Steuerung sogenannter interllegenter Häuser . Diese Technik ist webbasierend und kann somit ausspoiniert werden. Ob der Staat damit was anfangen, tue ich bezweifeln, denn die können es ( noch ) nicht. Böse Erfahrungen habe ich allerdings mit Werbefirmen gemacht, weil man nur auf dem Weg an meine Daten gekommen sein kann. Der beste Schutz ist, diese Technik nicht zubenutzen.


04.11.2014 | 23:49

NochnBremer

Wenn ich nicht erkannt werden will, vom Smart-TV, Spielkonsole, Smart-Kühlschrank, (meinem Chef), und allen anderen (Geräten) setze ich mir immer eine Papp-Nasen-Brille auf (wie Woodys Eltern in "Woody, der Unglücksrabe" von Woody Allen. Es geht natürlich auch eine ganz normale Papiertüte. Spaß beiseite, ich habe auch einen 41Zoll-Monitor/TV, daran hängen aber nur meine Spielkonsolen (ohne Kinect und so) ohne Verbindung zum Internet. So verläuft die...

Wenn ich nicht erkannt werden will, vom Smart-TV, Spielkonsole, Smart-Kühlschrank, (meinem Chef), und allen anderen (Geräten) setze ich mir immer eine Papp-Nasen-Brille auf (wie Woodys Eltern in "Woody, der Unglücksrabe" von Woody Allen. Es geht natürlich auch eine ganz normale Papiertüte. Spaß beiseite, ich habe auch einen 41Zoll-Monitor/TV, daran hängen aber nur meine Spielkonsolen (ohne Kinect und so) ohne Verbindung zum Internet. So verläuft die Informationsübertragung zwar ziemlich einseitig. aber wie von mir gewollt nur von der Konsole zum Monitor.

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