Wednesday, 29. June 2016
28.01.2016
 
 

US-Finanzhyänen haben Drachenblut geleckt

Markus Gärtner

Am Dienstag drohte die staatliche Presse in China George Soros, seine Finger vom Yuan zu lassen. Jetzt zeigt sich, wie ernst das große Geld an der Wall Street diese Warnung aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nimmt: überhaupt nicht. Im Gegenteil: Immer mehr große Hedgefonds bringen ihre Anlagemilliarden gegen China in Stellung. Ein Titanenkampf wie anno 1992 gegen das Britische Pfund zeichnet sich ab. Diesmal zwar viel weiter weg von Deutschland als damals, aber mit erheblich größeren Nebenwirkungen, wenn etwas schiefgeht.

 

Und es könnte sogar eine Menge schiefgehen. Große Hedgefonds wie Corriente Partners in Texas wetten mit enormen Einsätzen auf eine schlagartige Abwertung der chinesischen Währung von bis zu 50 Prozent irgendwann in den kommenden Monaten.

 

Würde es dazu kommen, könnte ein Deflationsschock die Weltfinanzmärkte zum größten Börsenabsturz seit einigen Generationen bringen. Deutsche Anleger würden Milliarden verlieren, Hunderte von Fabriken müssten unter dem Ansturm billigster chinesischer Exporte ihre Tore schließen.

 

Der Währungskrieg, der seit Jahren auf dem Planeten wogt, würde über Nacht in einen totalen Währungskrieg eskalieren. Die Weltwirtschaft, der derzeit die Puste ausgeht, würde in eine Rezession gestürzt.

 

Industriezentren wie die Stahlhochburg Duisburg würden vom jahrelangen Krisenmodus direkt ins wirtschaftliche Koma übergehen. Denn mehrere Hundert Millionen Tonnen Stahl aus chinesischer Überkapazität plagen schon lange die europäischen Stahlkocher und lassen kaum noch den Betrieb profitabler Hochöfen zu. Die Arbeitslosigkeit könnte sprunghaft zunehmen, die Industrieproduktion und die Löhne hierzulande sinken.

 

Theoretisch kann die chinesische Führung einem solchen Riesendebakel einen Riegel vorschieben, weil es einen zweigeteilten Markt für den Yuan gibt. Einen Onshore-Markt auf dem chinesischen Festland und einen Offshore-Markt außerhalb des Landes. Dort könnten die Behörden in Peking mit einer starken Anhebung der Zinsen der Spekulation gegen den Yuan den Wind aus den Segeln nehmen, ohne der heimischen Wirtschaft zu schaden.

 

Doch selbst für diesen Fall haben sich die Finanzgeier der Wall Street bereits gewappnet. Sie spekulieren zusätzlich auf einen möglichen Einbruch jener Währungen, die im Sog des kollabierenden Yuan mit in die Tiefe gerissen würden: Malaysias Ringgit, der südkoreanische Won und der Hongkong-Dollar.

 

Die Logik hinter diesen Wetten gegen den Yuan ist simpel und einleuchtend: Die Geld-Akrobaten in den Fonds, die bereit sind, die finanzielle Abrissbirne gegen ganze Länder wie China zu schwingen, erwarten, dass mit dem kollabierenden Wachstum und dem Börsencrash in China so viel Kapital von den verängstigten Chinesen außer Landes gebracht wird, dass die Notenbank selbst mit ihren mehr als 3000 Milliarden Dollar Devisenreserven nicht lange dagegenhalten kann.

 

Nach dem chinesischen Neujahrsfest, das in der zweiten Februarwoche ansteht – bei dem sich die Chinesen in roten Umschlägen gegenseitig sehr viel Geld schenken –, wird eine neue Welle der Kapitalflucht erwartet. Dann tauschen Menschen in der Volksrepublik ihre Yuan-Ersparnisse gegen Dollars um und bringen sie außer Landes, meist in die USA oder in Offshore-Zentren.

 

Die chinesische Notenbank muss die zirkulierende Yuan-Schwemme dann mit Dollars aus den Devisenreserven aufkaufen, um den Kurs der eigenen Währung zu stützen. Kann sie mit der Geldflucht nicht mithalten, purzelt der Yuan.

Das weckt an den Finanzmärkten derzeit heftige Erinnerungen an das Jahr 1992, als George Soros und einige angehängte Fonds die britische Regierung und das Pfund in die Knie zwangen.

 

Vor 26 Jahren hatte Margaret Thatcher das Pfund ins Europäische Währungssystem eingeführt. Das war 1990. Es herrschten feste Wechselkurse gegenüber anderen europäischen Währungen. Doch die Briten hatten den Wechselkurs höher angesetzt, als es die wirtschaftliche Kraft des Landes hergab.

 

George Soros roch den Braten und startete seinen Frontalangriff. Er ging immense Wetten ein, mit denen er von einer möglichen Abwertung des Pfundes profitieren konnte.

 

Er lieh sich Britische Pfund für umgerechnet zehn Milliarden Dollar. Dann tauschte er sie gegen andere Währungen wie die Deutsche Mark und französische Francs ein. Prompt sank der Wechselkurs des Pfundes. Die Bank of England wollte mit einer Zinserhöhung dagegenhalten. Doch die Zinsen waren zuvor schon recht hoch gewesen. Die Wirtschaft ächzte. Dann geschah, was jetzt auch passiert: Andere Spekulanten schlossen sich Soros an.

 

Das Britische Pfund geriet noch stärker unter Druck und plumpste weiter nach unten. Der damalige Premier John Major und die Bank of England gaben auf und hissten am 16. September 1992 die weiße Flagge. Sie nahmen das Pfund aus dem EWS heraus.

 

Soros hatte gewonnen.

 

Weil sich alle noch gut an diese epochale Episode erinnern, erzeugt das jetzt ein Dilemma mit weitreichenden Ausmaßen. Senkt die chinesische Führung den Kurs des Yuan langsam, um die Nebenwirkungen zu kontrollieren, erzeugt das an den Kapitalmärkten Unsicherheit über ihre Entschlossenheit und ihr Timing.

 

Die Spekulation könnte sich verschärfen und eskalieren. Denn Spekulanten legen Zögern stets als Schwäche aus, nicht – wie es eigentlich der Fall sein sollte – als Stärke.

 

An den Börsen hört man, dass die Wette auf eine Schwächephase für den Yuan keine Minderheitsmeinung mehr ist. Der Yuan, der vor drei Wochen am Offshore-Markt noch mit 6,76 für einen Dollar bewertet wurde, wird jetzt bereits auf 8,0 pro Dollar taxiert.

 

Die nächsten Wochen werden zeigen, wer die besseren Nerven und die größeren Munitionsvorräte hat, Chinas Behörden oder die Spekulanten.

 

Wenn die chinesische Notenbank diese Runde Mega-Poker verliert, verlieren auch alle, die nicht mit am Spieltisch sitzen.

 

Deutschland als größter Handelspartner der Chinesen in Europa hat dabei ein besonders großes Eisen im Feuer.

 

Und  daran würden sich sehr viele die Finger verbrennen, auch wenn sie selbst keine Wetten eingegangen sind.

 

 

 

 


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