Wednesday, 1. June 2016
20.03.2016
 
 

Vernichtender Befund: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen macht sich selbst überflüssig

Markus Gärtner

Erst Bayerischer Rundfunk, dann ZDF. Wolfgang Herles ist durch alle Fernseh-Mühlen gegangen: Magazine, Elefantenrunden, Talkshows, »Blaues Sofa«, Führungsaufgaben. Der Mann hat eine Menge gesehen, vor allem in dem Medium, das ihn bekannt gemacht hat, wo er journalistisch groß geworden ist. Jetzt packt er aus, in Die Gefallsüchtigen. Der Untertitel seines Buches zeigt den Ansatz von Herles, der sich mit »Konformismus in den Medien und Populismus in der Politik« befasst.

 

Was wir hier haben, ist ein Heerlager von Gefallsüchtigen, die sich gegenseitig in den Armen liegen. Das zwangsbezahlte Fernsehen leidet unter dieser Verquickung so sehr, dass Herles am Ende seines Buches, im vorletzten Satz, zu einem bedrückenden Fazit kommt: »So, wie es ist, macht sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen selbst überflüssig.«

 

Dass Herles in seiner Analyse vieles aussparen würde, so wie es das Staatsfernsehen in der Flüchtlingskrise macht, wo es zum Erziehungsministerium von Angela Merkel mutierte, das kann man dem Autor bestimmt nicht vorwerfen. Er spart kaum einen Aspekt des viel geschmähten deutschen Fernsehjournalismus aus.

 

Er beklagt, wie selbst Nachrichten zu Unterhaltung werden, wie Talkshows in Wahrheit funktionieren, wie sich eine Medienmeute auf der Suche nach Opfern in eine Entrüstungs-Industrie verwandelt, wie politische Korrektheit grassiert, »weshalb PEGIDA verteufelt, der Islam jedoch beschönigt wird«, wie allgemeiner Konformismus um sich greift, sich eine »Seichtigkeitsspirale« ausbreitet und die Fernsehkultur zerstört wird.

 

Dabei wird Herles oft genug sehr konkret, etwa wenn er am Beispiel der Einführung des Mindestlohns beklagt, dass Kommentatoren, Moderatoren und Interviewer unkritisch die Agenda der Politik übernahmen und »den propagandistischen Absichten der Parteien nichts entgegen« setzten. Das könnte man getrost auch für die Einführung des Euro oder die Erweiterung des Schengen-Raums sagen.

 

Die Kritik von Herles gipfelt in jenem Vorwurf, den er komprimiert irgendwo im ersten Teil des Buches als Zwischenüberschrift bringt: »Verdichten, Verkürzen, Verfälschen«. Das klingt dann endgültig nach Lügenpresse pur, auch wenn das Wort nicht fällt. Die wichtigste Begründung von Herles für diesen Niedergang der journalistischen Kultur ist das, was er als Diktat der Quote versteht, eine überall präsente Peitsche, die noch den letzten Journalisten auf Linie bringt.

 

Über die kritisierten Journalisten schreibt er hier: »Stattdessen kolorieren sie das Geschehen, fühlen sie sich doch weniger der Wahrheit verpflichtet als dem ›Erfolg‹ ihrer Sendung – gemessen in Quote.«

 

Was mir als Wirtschaftsjournalist mit 28 Jahren Erfahrung in Print, Rundfunk und Verlagswesen in dieser Analyse zu kurz kommt, ist der verheerende wirtschaftliche und politische Druck von außen, der dem Journalismus viele Zähne gezogen hat und zieht. Bei Herles hat man den Eindruck, dass ein Großteil der Schwächen und des Versagens im Journalismus selbstgemacht seien. Das verleitet aber dazu, zu denken, dass äußere Einflüsse keine so große Rolle spielen. Immerhin: Die erkennt Herles doch an:

 

»Damit das Produkt besser ankommt«, schreibt er, »inszenieren und arrangieren Journalisten ihr Material ganz ähnlich, wie es zuvor auch schon die Pressestäbe und PR-Experten der Parteien, Ministerien oder NGOs getan haben. So kommt die Realität beim Empfänger meist doppelt bearbeitet an.« Eine Doppelzensur quasi.

 

Immerhin: Herles bestätigt in seinem Buch, was das Publikum schon seit Langem ahnt. Beim ZDF handelt es sich nach Meinung vieler kritischer Zeitgenossen um einen »Gesinnungssender«. Herles war schon in seiner aktiven Zeit kein Angepasster. Er wurde vor über zwei Jahrzehnten wegen politischer Unkorrektheit als Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios geschasst.

 

Im Deutschlandfunk gab er neulich zu, es gebe »Anweisungen von oben. Auch im ZDF.« Herles enthüllt so einiges, was die Kritiker der »Lügenpresse« schon lange vermuteten, beispielsweise die inszenierten Auftritte von Angela Merkel, die auf dem Lerchenberg gerne zu »Parteitagsinszenierungen« geraten.

 

Der Autor gibt den Blick auf eine Zunft frei, die sich heute Politikern auf den Schoß setzt und deswegen immer mehr an ihrem Publikum vorbei funkt. Das Buch dürfte der rasant wachsenden GEZ-Verweigerung im Land zusätzlichen Rückenwind verleihen.

 

 

 

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