Dienstag, 6. Dezember 2016
28.01.2016
 
 

»Jetzt reicht es«: Berliner Zeitung will Leser für Beleidigungen verklagen

Markus Mähler

Polizeireporter Andreas Kopietz schreibt über arabische Flüchtlinge, die ein Mädchen vergewaltigt haben sollen. Auf Twitter bekommt der Journalist den Hinweis, »aus dem Leben zu scheiden«. Kopietz arbeitet für die Berliner Zeitung. Die will jetzt juristisch gegen unbequeme Leser »vorgehen, die unsere Redakteure bedrohen und diffamieren. Eine erste Strafanzeige wurde gestellt«. Es gibt aber auch eine Kehrseite: Die Zeitung leistet sich immer wieder abwegige Standpunkte, die provozieren und aufregen.

 

Ein Traum wird für einige Journalisten wahr – Leser verklagen, und die Berliner Zeitung macht endlich den längst überfälligen Anfang! Spiegel Online greift das dankbar auf und schnitzt eifrig am Feindbild Trolle: »Strafanzeige gegen Hetzer in sozialen Netzwerken«.

 

Warum denn mit Vorverurteilungen sparsam umgehen? Das Onlinemagazin Meedia zieht sogar eine Verbindung zu 49 Angriffen auf Reporter und Kameraleute im vergangenen Jahr. Die einseitige Quelle dafür ist der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, wo man gleich besseren Schutz durch die Polizei einfordert.

 

Außerdem tut Facebook schon wieder nicht genug für die Meinungsfreiheit der Journalisten und zensiert keine »Hasskommentare« von Nutzern, giftet Spiegel Online. Schützenswert ist immer nur die eigene Meinung. Wer braucht da Zwischentöne?

 

Auf diese Gelegenheit zur Stimmungsmache haben viele Medienprofis lange gewartet. Sie erwecken beim Leser die Illusion, dass Journalisten und ihr Leben bedroht sind, weil das Geschäft mit der Meinungsfreiheit hier inzwischen gefährlicher ist als im IS-zerbombten Syrien.

 

Haben arabische Flüchtlinge nun ein Mädchen vergewaltigt oder nicht?

 

Bleiben wir aber bei den Fakten: Es geht um einen Shitstorm, der sich gerade an der Berliner Zeitung abgewittert. Ein 13-jähriges Mädchen aus Berlin-Marzahn wurde offenbar oder auch nicht von arabischen Flüchtlingen gefangen gehalten und vergewaltigt. So genau weiß es keiner, also dürfen die Medien wild spekulieren.

 

Spiegel Online macht daraus eine wilde Agentengeschichte: Das war doch nicht echt, sondern ein Zersetzungsmanöver des russischen Geheimdienstes! Polizeireporter Andreas Kopietz von der Berliner Zeitung schreibt: »Staatsanwaltschaft Berlin über 13-Jährige aus Marzahn: ›Wir gehen von einvernehmlichem sexuellem Kontakt aus‹.«

 

In den sozialen Netzwerken entsteht der Eindruck, dass hier wieder ein Kapitel zum Thema Flüchtlingsgewalt vertuscht wird. Andreas Kopietz bekommt auf Twitter deshalb einen saftigen Kommentar von der Twitter-Nutzerin »MissKittyKawaii« (inzwischen gelöscht): »Erweise Deutschland einen Dienst und scheide freiwillig aus dem Leben.«

 

Das ist ehrlich gesagt keine intelligente Meinungsäußerung – aber ein Blick auf die restlichen Kommentare von »MissKittyKawaii« verrät, dass hier keine gefährliche Journalisten-Mörderin am Werk ist, die Andreas Kopietz nach dem Leben trachtet. Der Journalist bekleckerte sich aber auch nicht mit Ruhm und twitterte: »An alle Dumpf-Trolle: Uns reichtʼs.«

 

Die gefährliche »MissKittyKawaii«

 

Die Berliner Zeitung – der Arbeitgeber von Andreas Kopietz – lässt diesen kommunikativen Kindergarten aber eskalieren – und droht allen unbequemen Lesern gleich mit einem juristischen Rundumschlag.

 

Unter der Überschrift »In eigener Sache Uns reicht es!« schreibt Lokalchef Arno Schupp: Bei jeder Gewaltdrohung gegen ihre Journalisten wird die Zeitung ab sofort Strafanzeige stellen. Auf der Seite wird ein Screenshot mit der Twitter-Beleidigung von »MissKittyKawaii« sogar wie ein juristisches Beweismittel vorgeführt.

 

Natürlich ist Beleidigen auch keine Lösung – andererseits häufen sich in letzter Zeit abwegige Standpunkte bei der Berliner Zeitung, die Leser aufregen und zu dem einen oder anderen unbedachten Wort provozieren.

 

Als am 12. Dezember rund 150 000 Menschen gegen das Freihandelsabkommen TTIP demonstrierten, stempelte die Zeitung flugs alle Teilnehmer zu Idioten ab: »Links- und Rechtsradikale in obskurem Bündnis geeint. […] An der Seite von Antisemiten und delirierenden Verschwörungstheoretikern.«

 

Das journalistische Problem mit der Meinung der anderen

 

Am 8. Januar druckte die Berliner Zeitung eine Reihe von Charlie Hebdo-Karikaturen auf die Titelseite. Darunter war auch eine Karikatur von Joe Lecorbeau geraten, der wiederum das Satiremagazin unter dem Titel »Shoah Hebdo« durch den Kakao zog. Die Zeitung entschuldigte sich. Aber nicht für den Auswahlfehler der Journalisten, sondern dafür, dass die Karikatur antisemitisch sei – also verboten.

 

Der Leser schüttelte nur den Kopf: Antiislamische Karikaturen von Charlie Hebdo sind erlaubt. Karikaturen über die Karikaturisten sind aber verboten, wenn dabei das Judentum karikiert wird. War denn nicht die Message vom Charlie Hebdo-Massaker, dass sich die Meinungsfreiheit nicht vor religiösem Fundamentalismus verbeugen darf?

 

Was lernen wir daraus? Meinungsfreiheit muss man aushalten können. Meinungsfreiheit ist anstrengend. Besonders für Journalisten, die vom Meinungsmachen leben und deshalb natürlich besonders oft anecken. Juristische Strafanzeigen, wie sie die Berliner Zeitung gerade androht, werden die Fronten aber nur noch weiter verhärten. Das ist genauso kontraproduktiv wie die Hetzkampagne von Spiegel Online gegen Trolle und Hetzer in den sozialen Netzwerken.

 

Wer für das Einbahnstraßensystem »Massenmedien« arbeitet, muss auch damit rechnen, dass er durch das Feedback aus dem Neuland Internet oft entzaubert wird.

 

Das Stichwort »Lügenpresse« drückt inzwischen einen ganzen Stimmungstrend aus. Dieser Trend wird durch die Androhung der Berliner Zeitung gewiss nicht kleiner, die gleich juristisch scharf gegen alles schießen lassen will, was beim Recht auf freie Meinungsäußerung über das Ziel hinausschießt. Wann ist eine Beziehung unheilbar gestört? Wenn nur noch über den Anwalt kommuniziert wird. Danach sieht es gerade zwischen Publikum und Journalisten aus.

 

 

 

 

 

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