Monday, 25. July 2016
18.12.2015
 
 

Claus Kleber und die Gedächtnisstörung der »Lügenpresse«

Markus Mähler

Clausi, Clausi, wo hast du nur deinen Kopf? Der ZDF-Moderator behauptete live im heute journal: »Wir haben keine Ahnung, woher« der Vorwurf Lügenpresse kommt. Tja, vielleicht helfen Dir diese Beispiele beim Erinnern auf die Sprünge.

 

Ein öffentlich-rechtlicher Moderator darf seine Nachrichtensendung doch ruhig in eigener Sache besetzen, oder? Ein bisschen Selbstherrlichkeit hat schließlich noch keinem Journalisten geschadet. Claus Kleber liest beim heute journal zwar nur Texte von einem Gerät namens Teleprompter ab – aber die ZDF-Hauptnachrichtensendung könnte immer öfter auch unter diesem Titel laufen: Kleber – Beichtstunde eines Gutmenschen (jetzt mit noch mehr alternativlosen Gefühlen).

Kleber hat das heute journal übrigens gerade wieder in eigener Sache benutzt: Er setzte sich die Zuschauer während der Sendung vom Dienstag ganz privat auf den Schoß und schenkte dem Fernsehvolk eine garantiert »unabhängige« Stellungnahme zu diesen »Lügenpresse-Verdächtigungen«.

 

Sein gönnerhafter Unterton kam beim Publikum etwa so an: Seid froh, dass ich überhaupt was zu diesem lächerlichen Vorwurf sage. Eine »Lügenpresse« gibt es nicht und das ist die Wahrheit. Basta! Schreibt euch das hinter die Ohren.

 

»Wir haben keine Ahnung, woher sowas kommt«

 

Glauben Sie nicht? Dann genießen Sie das Original. Dabei lehnte sich Kleber so lässig an das Moderationspult, es hätte auch ein Bar-Tresen sein können. Besonders auffällig spielte er mit dem langgezogenen Zeigefinger der rechten Hand. Vermutlich, um ihn anzuspitzen. Eine oberlehrerhafte Ansprache braucht schließlich den erhobenen Finger:

»Es schreit nicht jeder gleich Lügenpresse. Aber es ist schon erschreckend, wie viele vernünftige Menschen tatsächlich glauben, dass wir hier regelmäßig Grundlinien unserer Berichterstattung mit den Mächtigen in Berlin absprechen.«

»Wir haben keine Ahnung, woher sowas kommt – und mit dieser Bemerkung handle ich mir wahrscheinlich schon wieder viel Post ein. Aber ich denke: Wenn die Berichterstattung von jemandem im Journal bestimmt würde, dann hätte der oder die ja irgendwann Mal mit mir sprechen müssen. Das ist nie passiert. Nie.«

 

Gott sei Dank: Claus Kleber erklärt die »Lügenpresse« für beendet

 

Gut, dann ist das ja jetzt geklärt. Mit Claus Kleber hat »der oder die« nie über die »Lügenpresse« gesprochen, also gibt es sie auch nicht. Wer soll das jetzt glauben? Genau hier beginnt das Kernproblem. Deutschlands Nachrichtenmoderator Nummer eins erdreistet sich mitten im größten »Lügenpresse«-Shitstorm ein »Jetzt glaubt mir gefälligst!« auf Gutsherrenart.

 

Bösmenschen sehen hier wieder eine Gefühlsdiktatur der Staatsmedien, die ihr Publikum knebeln. Kleber will dieses Problem nicht einmal wahrhaben – vermutlich, weil sich ein Problem nie selber sehen kann.

 

Kleber war nicht der erste und ist nicht der letzte Journalist, dem eine ungesunde Portion Selbstherrlichkeit aus den Poren tropft, während er im Scheinwerferlicht medialer Dauerpräsenz steht. Es nimmt bei ihm aber mittlerweile Überhand.

 

Ende September lief dem seriösen Nachrichtengesicht vor Millionen Zuschauern eine ganz private Freudenträne für Flüchtlinge über die Wange. Dabei sagte einst die Tagesthemen-Legende Hanns Joachim Friedrichs: »Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten.«

 

Kleber verliert seine journalistische Distanz und Objektivität

 

Kleber ist der lebende Gegenbeweis dieses Credos. Seit Wochen liefen im zweiten deutschen Staatsmedium Jubelgeschichten über Flüchtlinge – rauf und runter. Märchenhaft gute Laune für gute Deutsche unter einer guten Kanzlerin, und der Überbringer der guten Dauerbotschaft musste ständig seriöse Zurückhaltung üben.

 

Nach einem besonders rührseligen Stück zu Flüchtlingen brach es aus ihm heraus. Kleber kämpfte mit den Tränen und stammelte: »Es kann manchmal so einfach sein.« Diese Jubelberichte manipulierten wie Trojanische Pferde das Publikum, und jetzt hatten sie auch noch den Moderator weichgekocht, der offenbar bereits unter der Dauerbestrahlung litt.

 

Vielleicht macht es sich Deutschlands bekanntestes Nachrichtengesicht auch insgesamt zu einfach – und erkennt deshalb keine Symptome für »Lügenpresse« bei seinem Haussender? Das zwangsgebührenfinanzierte ZDF rollte ihm schließlich den roten Teppich aus. Mit 480.000 Euro jährlich wurde er zum meistbezahlten Moderator in der Geschichte deutscher Nachrichtensendungen. Er verdient mehr als der ZDF-Intendant, und das ist nicht schlecht für einen Mann, der selbst zugab, »kein Politikjournalist« zu sein. Er spiele »lediglich einen im Fernsehen«.

 

Kleber, der »TV-Weltendeuter«

 

Genau genommen spielt Kleber die Rolle des bedeutendsten »TV-Weltendeuters« der Gegenwart, schrieb die Süddeutsche bereits 2010. Er ist also eine massenkompatible Projektionsfläche, die dem Volk daheim auf der Couch jeden Abend aufs Neue erklären muss, in welche Richtung sich die Welt nun dreht. Weil die Menschen im medialen Dauergewitter so sehr auf Durchzug schalten, dass sie jedes ernsthafte Nachrichtenstück bereits nach einigen Minuten wieder vergessen.

 

Diese Schlüsselrolle für die deutschen Staatsmedien übernahm Kleber beim heute journal von seinem Vorgänger Steffen Seibert. Der erklärt mittlerweile als Regierungssprecher nicht mehr die Welt, sondern nur noch das, was Merkel will. Nicht, dass es dabei noch große Unterschiede gibt, aber wer wie Kleber jetzt seit fünf Jahren die Welt deuten muss, kann auch schon mal im Überflug den Blick auf die Tatsachen verlieren: Hier also fünf Beispiele für »Lügenpresse« beim ZDF, von denen Deutschlands Nachrichtenmoderator Nummer eins bestimmt behaupten würde, dass er sie nie, nie gesehen hat.

  • Der Mainzer Staatssender gilt als Spielball von CDU und CSU. Ihm hängt der Ruf nach, dass er aus dem Dauerfilz der Partei-Interessen gar nicht mehr herauskommt. Aufsichtsräte übernehmen dort die Senderregierung. Die waren so übermäßig durch »staatsnahe Personen« verseucht, dass erst das Bundesverfassungsgericht dem verkappten »Staatsfunk« eine Zwangsreform verordnen konnte. Der ZDF-Staatsvertrag war den Richtern zu »verfassungswidrig«. Auslöser dieses beispiellosen Medienskandals war eine Posten-Kungelei, die hohe Wellen schlug: Die Mehrheits-Clique von CDU und CSU hatte den Chefredakteur Nikolaus Brender rücksichtslos abgesägt und dabei massenhaft Porzellan zerschlagen. Mittlerweile wurde der ZDF-Fernsehrat zwar reformiert, aber der Parteibetrieb hat sich durch eine Hintertür wieder eine Mehrheit eingebaut.
  • Auch das ist ein Indiz für FIFA-reife Zustände beim ZDF: Der Intendant, Thomas Bellut, ließ sich im September auf Vorrat bis 2022 wiederwählen. Er hatte übrigens keinen einzigen Gegenkandidaten.
  • In der Ukraine-Krise häuften sich auffällig viele Falschberichte. Nach Zuschauerprotesten richtete der Sender einen Schwindel-Pranger ein. Der lieferte aber von Anfang an bloß harmlose Alibi-Fehler und schlummert heute im Dornröschenschlaf. Etwa einmal im Monat bekommt die Seite einen neuen Eintrag.
  • In der Flüchtlingskrise trieb es das ZDF zu bunt. Das weckte sogar das konservativste aller gedruckten Leitmedien auf und führte zu einer beispiellosen Standpauke. Die FAZ urteilte, dass der Zuschauer mit dem Zweiten eindeutig schlechter sieht: »Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist in der Flüchtlingskrise vor allem für Durchhalteparolen zuständig. Es beweist dabei, warum es der Politik so lieb und teuer ist.«
  • Unter großem Medientamtam gründete das ZDF im Sommer einen Lobby-Radar. Der sollte sichtbar machen, wie sich Lobbyisten mit den Entscheidern im Land vernetzt haben. Aber bereits zum Start des Projektes blieb der Sender bei seinem eigenen Projekt auf dem zweiten Auge blind. Ausgerechnet über Claus Kleber schwieg der Lobby-Check. Dort stand nicht, dass der Moderator so ganz nebenbei im Kuratorium – also Aufsichtsrat – der Stiftung Atlantik-Brücke sitzt. Überhaupt sitzen auffällig viele Amerika-Freunde beim Mainzer Sender an den Kontrollhebeln. Nach nur einem halben Jahr hat das ZDF seinem Lobby-Radar schon wieder den Stecker gezogen – er wird still und heimlich zum Jahresende abgeschaltet. Begraben hat das Projekt der ZDF-Fernsehrat, der – sie wissen es schon – fast ausschließlich aus Politikern, Lobbyisten und Vertretern der Bundesländer besteht.
  • Auffällig viele Politiker hatten sich bei diesen Politikern über den Lobby-Radar beschwert. Ein Politiker beschwerte sich sogar bei sich selbst. Der ehemalige Verteidigungsminister und heutige Bundestagsabgeordnete Franz Josef Jung (CDU) kritisierte das Projekt – und sitzt auch noch im erweiterten Präsidium des Fernsehrats. Das ist praktisch, wenn man seiner eigenen Kritik zustimmen will. Der CDU-nahe Kommunikationsberater Axel Wallrabenstein bezeichnete den Lobby-Radar auf einem einflussreichen Fachportal sogar als »das nutzloseste Produkt«, das »er jemals gesehen habe«. Ein ungenannter Redakteur des ZDF fasste das Ende des Projekts so zusammen: Es sei eingestellt worden, weil »aus dem Fernsehrat und aus Kreisen der Politik zu viele hässliche Fragen an den Intendanten gestellt wurden«.

Glücklicherweise ist Claus Kleber niemand, der »hässliche Fragen« stellt. Deshalb wird er wohl auch nie Anzeichen für »Lügenpresse« bei seinem Haussender entdecken.

 

 

 

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