Saturday, 30. July 2016
19.11.2015
 
 

Hackergruppe Anonymous bringt Terrormiliz IS um drei Millionen Euro

Markus Mähler

Sicherheitsexperten melden dem Kopp Verlag exklusiv: Die Hacktivisten von Anonymous trocknen die Terrormiliz finanziell aus und zerschneiden ihre Geldströme. Jetzt konnten sie ein Konto der IS mit der Cyberwährung Bitcoin sperren. Das bedeutet: Die Terroristen haben drei Millionen Euro weniger für Waffen, Sprengstoffe und Anschläge. Das ist die Achillesferse des Islamischen Staats. Er ist der erste Terror-Konzern, der seine Gewinne in neuen Terror investiert.

 

Die Kriegserklärung des Hacker-Kollektivs Anonymous gegen den Islamischen Staat schlug im Medien-Mainstream hohe Wellen. Nach den Attentaten von Paris wollen die Hacktivisten mit einem offengelegten Acht-Punkte-Plan die Terrormiliz zerstören.

 

Was dort nicht auftaucht und was bisher nur Kopp Online nach einem exklusiven Hinweis von Sicherheitsexperten vorliegt: Der wirkliche Cyberkrieg gegen den Terror geht viel weiter. Anonymous will die Finanzströme des Terrorkonzerns zerschneiden und ihn damit austrocknen.

 

Jetzt feierte die Hacker-Gruppe Ghost Security Group bereits einen ersten Sieg: Sie sperrte ein Konto des IS mit 9554 Bitcoins. Das sind umgerechnet etwa drei Millionen Euro, die nicht mehr für Waffen, Sprengstoffe oder Reisen der Selbstmord-Bomber ausgegeben werden können.

 

Weder Banken noch Staaten können den Bitcoin kontrollieren

 

Bitcoin ist ein virtuelles, dezentrales Bezahlnetzwerk. Dollars und Euro werden auf Börsen im Netz gegen das virtuelle Geld getauscht. Anschließend kann man damit von jedem Computer der Welt aus bezahlen; dazu braucht es nur einen Internetanschluss. Geldwäscher, Drogenhändler und offenbar der Islamische Staat nutzen den Bitcoin als Schattenwährung. Sie verschleiern damit ihre Finanzströme – weder Banken noch Staaten noch Geheimdienste können das kontrollieren.

 

Über das anonyme Bitcoin-Netzwerk sammelt der IS auch zahlreiche Spenden für seine Terror-Maschinerie aus Saudi-Arabien, den Golfstaaten oder Katar ein. Inzwischen gibt es in der Türkei oder in Israel sogar Bitcoin-Geldautomaten, die dafür missbraucht werden.

 

Eine andere Bitcoin-Quelle sind die Lösegelder bei Geiselnahmen. Die lassen sich die Terroristen immer öfter gleich in der virtuellen Währung bezahlen.

 

Allah soll die Verbreitung des Bitcoin »beschleunigen«

 

Weil westliche Geheimdienste das Internet durchleuchten, wickeln die Terroristen ihre Geschäfte im so genannten Darknet oder Deep Web ab. Bis in dieses Netzwerk können Suchmaschinen wie Google nicht vordringen. Das bedeutet auch: Bisher kann der IS dort ungestört grenzenlose Waffengeschäfte mit der anonymen Währung Bitcoin durchführen.

 

Bereits im Juli wurde der Hacker Ali Amin in den USA festgenommen und zu elf Jahren Haft verurteilt. Er hatte über den Nachrichtendienst Twitter IS-Anhänger geschult, wie sie das Bitcoin-Netzwerk optimal für Terrorzwecke nutzen: »Dieses System ist simpel und wir bitten Allah, seine Verbreitung für uns zu beschleunigen«, schrieb Amin.

 

1:0 für Anonymous im Krieg gegen das »CyberCaliphat«

 

Der IS unterhält sogar eine eigene Hacker-Gruppe, das sogenannte »CyberCaliphat«. Offenbar kennen sie aber nicht alle Techniken, mit denen sich die Personen hinter den Bitcoin-Transaktionen verschleiern können. Das nutzte jetzt Anonymous aus und ordnete mehrere Bitcoin-Konten dem IS zu. Die Webseite Bitcoin News Service meldet, dass Hacker-Gruppen wie Ghost Security Group die Konten lediglich »finden« und den US-Behörden melden.

 

Hier öffnet sich aber eine neue Grauzone: Es hängt vom guten Willen der Hacktivisten von Anonymous ab, was sie melden. Sie könnten weitere IS-Konten mit viel mehr Bitcoins auch einfach kapern. Was sie dann mit diesem digitalen Geld anstellen, bleibt verborgen. Ob sie es im Cyberkrieg gegen den IS einsetzen oder vielleicht für andere Zwecke.

 

Schließt sich der Bitcoin für den IS, wird es mit den Terror-Spenden schwierig

 

Die Taktik, die internationalen Geldströme der Terrormiliz im Bitcoin-Netzwerk auszutrocknen, trifft in jedem Fall aber die Achillesferse des IS. Die Zeit bezeichnete ihn als »Kalifat-Konzern«: »Aus einem losen Netzwerk radikaler Islamisten ist der erste Terrorkonzern der Geschichte hervorgegangen.«

 

Das US-amerikanische Finanzministerium schätzt den Jahresetat auf zwei Milliarden Dollar, dazu kommen laut Bundesregierung Rücklagen in Milliardenhöhe. Mit den Gewinnen wird der weltweite Terror immer stärker ausgeweitet. Das Unternehmen verschlingt aber auch selbst enorme Summen, damit es nicht in sich zusammenbricht. Allein die bis zu 40 000 Söldner kosten den IS monatlich einen zweistelligen Millionenbetrag.

 

Vom regulären Bankensystem ist der selbsternannte Terrorstaat aber abgeschnitten. Wenn sich jetzt das virtuelle Schlupfloch Bitcoin für die Islamisten schließt, könnten die zahlreichen Spenden aus den Golfstaaten, der Türkei und dem Libanon kleiner ausfallen. Weil dann nur noch über Bargeldkuriere oder durch komplizierte Scheingeflechte von Banken aus den Nachbarländern das Geld in das Terrorreich fließt.

 

 

 

 

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