Freitag, 9. Dezember 2016
26.01.2016
 
 

Journalisten und Migration: Wann schlagen die »Heuchler vom Dienst« zurück?

Markus Mähler

Seit »nordafrikanische Räuber-Banden« (O-Ton Kölner Express) unser Flüchtlingsmärchen zerstört haben, hat sich der Ton im Journalismus verändert. Inzwischen arbeiten die Leitmedien sogar ihr Versagen in der Kölner Silvesternacht auf. Doch Papier ist geduldig und die Flüchtlingskrise dauert noch lange: Die Fraktion der Schönschweiger wird wieder Oberwasser bekommen, weil sie den Systemfehler auf ihrer Seite hat: die Ohnmacht der Staatsmacht und den blinden Fleck unserer Medien.

 

»Die Leser nicht deppert sterben lassen«: Das ist eine ungewohnt direkte Schlagzeile über Flüchtlingskriminalität. Erst die Barbarei von Köln hat so etwas möglich gemacht. Die Redaktion des Standard diskutiert in diesem Beitrag darüber, ob man die Herkunft von Tätern noch verschweigen soll – und der Leser darf dabei Mäuschen spielen. Die ziemlich konträren Standpunkte werden offengelegt. Immerhin. Was die Redakteure dabei schreiben, lässt aufhorchen.

 

Michael Völker, Ressortleiter Innenpolitik beim Standard: »Es spielt in der öffentlichen Wahrnehmung sehr wohl eine Rolle, ob ein Täter Asylwerber ist. Wenn wir so tun, als ob das kein Thema wäre, verlieren wir in dieser so wichtigen Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen an Glaubwürdigkeit.« Hört, hört. Vor vier Wochen hätte Michael Völker damit eine Fahrkarte zum Scheiterhaufen der politischen Korrektheit gelöst.

 

Die Schönschweiger der Branche bekommen jetzt nicht einmal mehr Rückendeckung von den Wächtern der Journalisten-Regeln. Edda Eick, immerhin Referentin für Öffentlichkeit beim Deutschen Presserat, legt die Ziffer 12 (Diskriminierungen) im Pressekodex quasi neu aus: »Verschweigen kann nicht das Ziel sein. Täterbeschreibungen wie ›nordafrikanisches Aussehen‹ halte ich für akzeptabel.«

 

Köln zeigt die Ohnmacht der Staatsmacht und den blinden Fleck der Medien

 

Seit in Köln über Stunden die zivile Ordnung zusammenbrach, ist beim Thema Asyl-Kriminalität wieder eine Offenheit möglich, die vorher unmöglich schien. Ein Land ist böse aus seinem alternativlosen Flüchtlingsmärchen aufgewacht. Und jetzt bekommen sogar die links-getriebenen Meinungsmacher vorgeführt: Die Kölner Silvesternacht und ihre mitteleuropäischen Ableger wurden überhaupt erst durch eine verhängnisvolle Doppelkrankheit möglich.

 

Die selbstverordnete Ohnmacht der Staatsmacht und ein blinder Fleck in den Medien haben sich gegenseitig so lange verstärkt, bis es zum Totalausfall kam. Alexander Wendt rechnet in der Druckausgabe des Focus vom 23. Januar mit diesem blinden Fleck der Leitmedien ab – und ihrem »langen Schweigen nach den Übergriffen von Köln«:

 

Wendt nennt sie die »Heuchler vom Dienst«. Der WDR sitzt in seinem Funkhaus einen Steinwurf entfernt von der Kölner Domplatte, wo die »nordafrikanischen Räuber-Banden« (O-Ton Kölner Express) nicht erst in der Silvesternacht wüteten – sondern bereits seit Monaten.

 

Trotz dieser Nähe legte der öffentlich-rechtliche ARD-Sender erst einmal eine dreitägige Schrecksekunde ein. Auch Spiegel Online schwieg, alle Leitmedien schwiegen – und der Deutsche Journalistenverband (DJV) erteilte den Schweigern Absolution: Die Presse habe zu »informieren und nicht zu spekulieren«, verteidigte Verbandschef Frank Überall unsere Meinungs-Elite.

 

Der Systemfehler im deutschen Journalismus …

 

Die Presse hat vor allem zu recherchieren. Das taten die beiden Lokalblätter Express und Kölner Stadt-Anzeiger bereits in der Silvesternacht. Beide haben Journalismus gemacht, während die Leitmedien abwarteten, bis der Politikbetrieb aus dem Silvesterkoma erwachte.

 

Was war der Grund für diese Schreckensstarre? Die Antwort darauf gab der Journalist Heribert Seifert schon vor über einem halben Jahr in der NZZ mit seinem Artikel »Minenfeld Migration«. Die Diagnose aus der Schweiz lässt sich so zusammenfassen: Zu viele deutsche Journalisten sind ideologie-getrieben statt wahrheits-orientiert. Sie haben sich vom freien Wettbewerb der Meinungen schon lange verabschiedet. Sie begreifen sich als Teil einer politischen und medialen Umerziehungsanstalt, die das Volk in der Flüchtlingskrise maßloser als je zuvor in Meinungshaft nimmt.

 

Seifert schreibt zwar verklausuliert – trotzdem sollte man es zweimal lesen, weil eben so wahr: »Grund für diese Geringschätzung des rechtlichen Rahmens für Asylgewährung ist vermutlich die Faszination, die der Flüchtling auf [deutsche] Medien ausübt ... [Er] ist Weltbürger wider Willen, der in Deutschland auf diffuse Weise geschichtspolitisches Schuldbewusstsein aufruft, zugleich aber auch Retter aus der demografischen Krise sein soll. […] Wer diesen Blick teilt, wird die Propaganda für die ›Willkommenskultur‹, die die Einheimischen zum herzlichen Empfang für die Fremden erziehen will, für alternativlos halten. Die gängige journalistische Vernunft mit ihrer Vorliebe für das Niederreißen von Mauern und das Auflösen von Grenzen, aber auch mit ihrer Neigung zum Engagement für die Schwachen lässt in der ›Flüchtlingskrise‹ der Gegenwart keine andere Wahl.«

 

lässt ihn beim wichtigsten Thema unserer Zeit versagen

 

Das heißt: Deutschlands Journalisten versagen beim wichtigsten Thema unserer Zeit. Sie erklären die Massenintegration nicht als das, was sie ist. Das größte und riskanteste Sozialexperiment Europas. Und das ist vieles – aber eben kein Märchen. Die Berufsschreiber verschweigen, dass es noch klare Grenzen geben muss. Dort wird aus Aufnehmen wieder Zurückweisen, weil sonst eine ganze Gesellschaft kollabiert. Die deutschen Leitmedien erzählen unsere Flüchtlingskrise mit einer Happy-End-Garantie, nicht mit einem offenen Ende.

 

Was sie schreiben, wirkt wie die Armenbibel aus dem Mittelalter: Alles ist gut, weil alles gut werden muss. So steht es geschrieben. Mit dieser Bescheidwisser-Arroganz wurde Monate lang alles niedergewalzt, was »aber« rief. Und wem hat das genützt? Einer angeschlagenen Kanzlerin, die sich darüber freute, wie zuverlässig ihre Probleme weggeschrieben werden. Deutschland kann sich das aber nicht mehr leisten. Nicht bei dem Thema.

 

Viele deutsche Journalisten haben diesen Hang zum »Instantbescheidwissen mit politisch korrektem Vorzeichen« kultiviert (so nennt es der Focus-Journalist Wendt). Köln ist nicht der heilsame Ausbruch aus dem Schweigereflex über Flüchtlingskriminalität. Es ist bloß der Ausnahmezustand, der sich bald wieder normalisiert. Danach wird wieder so berichtet werden, wie es ins Weltbild passt. Das bedeutet: Falsch verstandene Rücksichtnahme auf Flüchtlinge, die in den Medien eine Opferrolle abonniert haben. Das bedeutet auch: Hetzkampagnen gegen alle Feinde, die das mediale Flüchtlingsmärchen infrage stellen.

 

»Instantbescheidwissen mit politisch korrektem Vorzeichen«

 

Wenn die »Heuchler vom Dienst« nicht mehr neutrale Beobachter sein wollen, wenn sie wieder die Prophezeiung verteidigen, die sie selbst herbeischreiben, dann sind wir zurück in der deutschen Normalität. Wendt sammelte zwei eindrucksvolle Beispiele für dieses »Instantbescheidwissen mit politisch korrektem Vorzeichen«. Mit so etwas dürfen wir auch in Zukunft wieder rechnen:

 

»2015 starb der Asylbewerber Khaled B. aus Eritrea in Dresden durch Messerstiche. Ohne die Ermittlungen abzuwarten, berichtete der Stern, jetzt habe die Stadt ›ihren ersten PEGIDA-Toten‹. Nachdem die Polizei den tatsächlichen Täter überführte – einen anderen Asylbewerber aus Eritrea –, brach das öffentliche Interesse an dem Fall Khaled B. prompt zusammen.«

 

»Auf Spiegel Online nahm Georg Diez kürzlich die unbestätigte Behauptung eines Linksparteienpolitikers, er sei von Neonazis niedergestochen worden, zum Anlass, um ›No-go-Areas für Politiker‹ und einen ›#aufschrei‹ einzufordern. Nur Stunden später stellten sich die angeblichen Stichwunden des Politikers als laienhaft angefertigte Ritzungen heraus. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen ihn ein Verfahren wegen Vortäuschung einer Straftat ein. Vortäuschung von Unvoreingenommenheit bleibt dagegen straffrei. Zum großen Glück für einen Teil der Branche.«

 

 

 

 

 

 

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