Saturday, 25. June 2016
14.11.2015
 
 

Zukunftsprognose: FAZ, SZ, Spiegel und Zeit verschwinden in der Nische

Markus Mähler

Die Medienforscher Michel Clement und Christian-Mathias Wellbrock haben 13 Thesen zur Zukunft der gedruckten Medien veröffentlicht. Zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften werden langfristig nicht überleben. Selbst die großen Journalismus-Marken sind »binnen zehn Jahren ein Nischenprodukt«. Wer wird ihren Platz einnehmen?

 

Am letzten Mittwoch feierte die Zeit ihre eigene Beerdigung, und das ausgerechnet mit dem Event »Die Zukunft der Zeitung«. Dort kamen zwei Forscher der Uni Hamburg zu Wort: Michel Clement und Christian-Mathias Wellbrock stellten 13 Thesen zur Zukunft des Medienmarktes vor. Die Professoren liefern ein klares Fazit: »Gedruckte Qualitätszeitungen werden binnen zehn Jahren ein Nischenprodukt sein – sie sterben nicht aus, aber es wird eine massive Konsolidierung geben.«

 

Dieses Todesurteil dürfte bei der Zeit niemanden überrascht vom Stuhl reißen. Mit ihrem Niedergang rechnen die Qualitätszeitungen schon lange selbst. Deshalb buhlen sie um das Elitepublikum – so schamlos und verzweifelt wie noch nie zuvor. Wenn schon eine Zukunft in der Versenkung, dann soll ihre Nische wenigstens golden sein.

 

Die Zukunft der Zeit: Zurück in die Vergangenheit

 

Zeit-Herausgeber Sebastian Turner rief Anfang Oktober deshalb schon mal den Sieg der Leitmedien aus: Wir werden immer wichtiger, weil wir immer weniger Leser haben. Dieser Satz ergibt aus seiner Sicht tatsächlich Sinn, denn was am Ende übrig bleibt, nennt Turner »Leitmilieu«»die entscheidende Instanz«, auf die es wirklich ankommt im Land. Die Resterampe mit Millionen anderen, das sind eh nur noch »Follower«.

 

Turners Wochenzeitung als Statussymbol und Gesinnungsblatt für den Geldadel – das stinkt. Er will die Zeit in die kohlegeschwärzten Anfänge des Industriekapitalismus zurückführen und ist mit seinen Großbürgerfantasien nicht der einzige.

 

Auch die FAZ arbeitet erkennbar an der gleichen Flucht-Strategie: Werden wir halt das Blatt der Bosse. In Frankfurt umwirbt man jetzt gezielt Leserhaushalte, die mehr als 5000 Euro Nettoeinkommen im Monat haben.

 

Es geht um mehr als Kosten: Der Journalismus in der Abwärtsspirale

 

Die Thesen der Hamburger Professoren haben mit diesen Verlegerträumen nichts zu tun. Clement und Wellbrock sagen, dass die journalistische Qualität bei den gedruckten Medien noch weiter abstürzt. Um Kosten zu senken, lagern die immer mehr an Einzelkämpfer, Non-Profit-Redaktionen und Journalistenbüros aus. Dort verkauft man seine Inhalte aber an alles und jeden – also werden Zeitungen austauschbarer. Sie verlieren damit noch mehr Leser und müssen noch mehr sparen. Zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften werden diese Abwärtsspirale nicht überleben.

 

Es wächst ein Prekariat von selbstausbeuterischen Schreibern heran. Sie alle träumen vom Aufstieg in die erste Klasse, zu den wenigen Star-Journalisten. Die werden aber noch elitärer und noch wichtiger:

 

Star-Journalisten als Leuchttürme in der Informationsmüllhalde

 

Die Ego-Marken schreiben exklusiv für Qualitätszeitungen, wo man noch viel abhängiger von den Edelfedern wird.

 

Weil gedruckte Medien den Wettlauf um die schnellste Information längst verloren haben, können sie sich nur noch mit einer Sache von den Wettbewerbern abheben: Mit Star-Journalisten, die dem ganzen Informationsmüll eine lesbare Richtung geben. Sie liefern eine starke Haltung, überraschende Perspektiven, Enthüllungen und ausführliche Analysen.

 

Wenn die Masse der gedruckten Medien am Ende ist, wird der Rest um das Geld von Stiftungen oder Genossenschaften buhlen. Es gibt aber noch viel dunklere Konsequenzen, die verschweigen beide Forscher aber: Bereits jetzt wollen viele Journalisten unter den Staatsschirm schlüpfen oder verkaufen mehr als nur ihr Gewissen an Werbung, Wirtschaft und Lobbyisten.

 

Darauf darf sich der Leser freuen: kostenloser Mist für alle

 

Für die Leser sind die Hamburger Thesen sowohl gut als auch schlecht. Einerseits können Journalisten nicht mehr so einfach von oben diktieren, was gelesen wird. Andererseits sickert die Seichtigkeit durch alle Ritzen.

 

Thematisch geht es nur noch um den kleinsten gemeinsamen Nenner. Weil sich die Verlage auch in Zukunft nicht auf ein gemeinsames Bezahlmodell im Netz einigen, wird es dort weiter alles umsonst geben – ein weiterer Sargnagel für die gedruckten Medien.

 

Im Prinzip sind es drei Entwicklungen, auf die sich das Publikum vorbereiten muss: Journalisten werden noch schlechter entlohnt, bekommen immer weniger vom großen Werbekuchen ab und produzieren immer billigere Inhalte. Wer Lesegenuss und Kompetenz sucht, findet die nur in Leuchttürmen abseits der McDonaldisierung.

 

Was kommt nach dem Ende?

 

Interessant wird das natürlich erst, wenn die Abwärtsspirale ganz unten angekommen ist. Dazu eine ganz persönliche These: Spätestens dann ist das Märchen vom unabhängigen Journalismus ausgeträumt. Mit dem Tod der gedruckten Massenblätter bricht auch der große öffentliche Meinungsmarkt wieder in viele kleine, interessenfinanzierte Lager auseinander.

 

In den kleinen Arenen treten bezahlte Journalisten oder Überzeugungstäter als Wortkämpfer an, die Gräben werden insgesamt tiefer und auch das Publikum zerfasert sich. Im Meer der vielen Meinungsinseln übernehmen Massenschleudern wie Bild.de dann die Grundversorgung mit Informationsmüll – aber sie werden keine Deutungshoheit mehr haben, weil der kleinste gemeinsame Nenner eben vor allem eines ist: billig in jeder Beziehung und das macht nicht satt.

 

 

 

 

 

 

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