Saturday, 27. August 2016
29.08.2012
 
 

Crash-Vorbote: Notenbanken fliehen ins Gold

Michael Brückner

Die russische Nationalbank stockt ihre Goldreserven massiv auf. Andere Schwellenländer wie China, Indien, Mexiko und die Türkei folgen. Ein alarmierendes Misstrauensvotum gegenüber dem Papiergeld. Denn wer, wenn nicht die Notenbanker, wüsste besser, wie ernst die Lage wirklich ist?

Was unterscheidet die russische Zentralbank von der Europäischen Zentralbank (EZB)? Derzeit kursiert am Finanzplatz Frankfurt eine spöttische Antwort: Die EZB kauft die Anleihen von Pleitestaaten, während die Kollegen im fernen Moskau tonnenweise Gold in ihre Hochsicherheitstresore legen. Tatsächlich haben die russischen Notenbanker in weitaus stärkerem Umfang in das Edelmetall investiert als bislang angenommen. In den fünf Jahren bis Ende Juni 2012

kaufte die russische Zentralbank aktuellen Statistiken zufolge rund 500 Tonnen Gold. Ende Juni dürften die Goldreserven der Moskauer Währungshüter rund 918 Tonnen ausgemacht haben. Dies bedeutet eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2000. Dies erscheint umso bemerkenswerter, als Russland lange Zeit auf der Verkäuferseite stand. Erst ab Mitte 2009 begannen die russischen Notenbanker, die Goldreserven behutsam aufzustocken. Seither haben sich Tempo und Umfang der Goldkäufe deutlich erhöht.

 

Ganz offenkundig erwartet die russische Führung ab dem Jahr 2013 einen Währungscrash in Europa. Präsident Putin zeigt derweil sehr öffentlichkeitswirksam sein Vertrauen in das gelbe Edelmetall. Im Tresor der Notenbank ließ er sich unlängst fotografieren, wie er einen schweren Goldbarren in der rechten Hand hielt und ihn mit stolzem Blick begutachtete. Die Botschaft ist klar: Russland setzt auf solides Gold.

 

Dass der Ökonom Arkadi Dworkowitsch in der aktuellen russischen Regierung das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten bekleidet, war den Mainstreammedien bislang keine Nachricht wert. Wer kennt schließlich schon Herrn Dworkowitsch? Er war es aber, der in seiner damaligen Funktion als Wirtschaftsberater der Kreml-Führung dafür plädierte, Gold wesentlich stärker im künftigen IWF-Währungskorb der Sonderziehungsrechte zu berücksichtigen. Experten gehen davon aus, dass Moskau nun bis zu 20 Prozent seiner Währungsreserven in Gold investieren könnte. In diesem Fall müsste die russische Zentralbank in den nächsten Jahren noch über 1.070 Tonnen Gold kaufen. Dabei erscheint ein Goldanteil von 20 Prozent an den Währungsreserven des Landes nicht einmal besonders ehrgeizig, denn immerhin machte das Gold des Riesenreiches im Jahr 1995 rund 60 Prozent der Reserven aus. Um diesen Anteil wieder zu erreichen, müsste Moskau Schätzungen zufolge zusätzlich 5.000 Tonnen Gold am Markt kaufen.

 

Mit ihren Gold-Engagements stellten die russischen Notenbanker in jüngster Vergangenheit sogar China und Indien in den Schatten, die zwar ebenfalls in großem Umfang in Gold investierten, aber hinter Moskau zurückblieben.

 

Damit hat Russland zwar eine Vorreiterrolle auf dem aktuellen Goldmarkt eingenommen, stellt aber keine Ausnahme dar. Im zweiten Quartal 2012 haben die Zentralbanken zahlreicher Schwellenländer ihre goldenen Reserven aufgestockt. Vor allem Mexiko, Saudi-Arabien, die Türkei und Kasachstan kauften große Mengen des gelben Edelmetalls. Insgesamt orderten die Notenbanken im zweiten Quartal über 157 Tonnen Gold – eine Steigerung um rund 100 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Allein Mexiko kaufte seit Beginn des Jahres rund 100 Tonnen Gold. Doch nicht nur die Notenbanker von Schwellenländern kaufen derzeit massiv Gold, auch die Bank of England ist offenkundig dabei, nach dem Gold-Ausverkauf durch den ehemaligen Finanzminister und Premier Gordon Brown ihre Reserven wieder auszubauen.

 

Diese Entwicklung erscheint umso bemerkenswerter, als sich die Zentralbanken noch vor drei Jahren mit Goldkäufen größtenteils zurückhielten. Wenn Notenbanken plötzlich in so großem Umfang Gold kaufen, dann sagt dies einiges aus über den Zustand des Papiergeldsystems. Offenbar rechnen nicht nur die Notenbanker in Russland mit einem baldigen Crash. Von einem »Mangel an Glaubwürdigkeit bei wichtigen Devisen weltweit« spricht Gary Dugan, Leiter Anlagestrategie für Asien und den Nahen Osten bei Coutts & Co, der Privatkundensparte der Royal Bank of Scotland. Und nach dieser eher zurückhaltenden Äußerung spricht Dugan Klartext: Natürliche Käufer seien heute die Notenbanken der Schwellenländer. Er wolle sich nicht mehr auf Japan, Europa und die USA konzentrieren, wo die Verschuldung bei über 100 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt liege. Das sei verrückt, »denn dort erhält man wagenweise Währungen, die von den Notenbanken ausgegeben werden«.

 

Ebenfalls bemerkenswert: Im zweiten Quartal griffen nicht nur die Notenbanken der Schwellenländer auf dem Goldmarkt zu, sondern auch die Investoren George Soros und John Paulson. Sie haben ihre Anteile an mit Gold unterlegten ETF-Anleihen massiv aufgestockt.

 

Vor allem die umfangreichen Goldkäufe der Notenbanken lassen vermuten, dass der Preis des Edelmetalls seit Monaten künstlich auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau gehalten wird. Schließlich wollen die Zentralbanken günstig einkaufen.

 

Zwei Schlussfolgerungen lassen sich aus dieser Entwicklung ziehen: Erstens ist die Krise des Papiergeldsystems viel ernster, als Politiker und Mainstreammedien glauben machen möchten. Man darf getrost unterstellen, dass die russischen Notenbanker sehr genau wissen, was sich hinter den Kulissen in der Euro-Zone und in den USA derzeit tut. Ihr Engagement in Gold ist ein klares Misstrauensvotum gegenüber dem Papiergeld, ganz gleich, ob nun »Euro«, »Dollar« oder »Yen« darauf steht. Und zweitens dürfte der Goldpreis vor einem Ausbruch nach oben stehen. Denn spätestens, wenn sich Notenbanken und institutionelle Investoren eingedeckt haben, ist es vorbei mit den mutmaßlichen Preismanipulationen. Dann dürfte der Weg schon kurzfristig frei sein für einen Unzenpreis von mehr als 2.000 US-Dollar. Bis es so weit ist, profitieren auch Privatanleger noch von dem derzeit relativ günstigen Goldpreis.

 

 


 

 

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