Sunday, 29. May 2016
05.01.2016
 
 

Einfamilienhäuser als Ladenhüter

Michael Brückner

Der Traum vom Eigenheim kann sehr schnell zum Albtraum werden. In abgeschiedenen Regionen, weit entfernt von der nächsten Stadt, erweisen sich manche Immobilien sogar als unverkäuflich. Hunderttausende von Einfamilienhäusern stehen leer. So verliert »Betongold« sehr schnell an Glanz.

 

Die Immobilienbranche bemüht virtuos die Werbepoesie, wenn sie potenzielle Kunden von den Vorteilen eines Einfamilienhauses überzeugen will. Das komfortable Leben in den sprichwörtlichen eigenen vier Wänden, die Nachbarn auf wohltuender Distanz, ein schöner Garten vor der Tür, in dem sich die Kinder austoben können, ein Raumzuschnitt weitgehend nach den persönlichen Wünschen des »Häuslebauers« – kurzum: Mehr Individualität beim Wohnen ist kaum vorstellbar.

 

Darüber hinaus befinden sich viele Einfamilienhäuser außerhalb der lärmenden und hektischen Großstädte. Wie schön es doch sein kann, abends nach einem anstrengenden Tag in die ländliche Idylle zu fahren und im eigenen Häuschen zu entspannen.

 

Zugegeben, das freistehende Einfamilienhaus ist vergleichsweise teuer, doch angesichts der extrem niedrigen Zinsen muss man nicht unbedingt Spitzenverdiener sein, um sich den Traum eines solchen Refugiums leisten zu können.

 

Soweit die erwähnte Werbepoesie der Immobilienwirtschaft. Doch die Prosa der Realität stellt sich viel nüchterner dar. Aktuellen Schätzungen aus dem vergangenen Jahr zufolge stehen deutschlandweit Hunderttausende von Einfamilienhäusern leer. Je weiter der Standort von der nächsten größeren Stadt entfernt ist, desto höher die Leerstandquoten.

 

Somit ist der deutsche Immobilienmarkt gespalten: In den Großstädten, zunehmend aber auch in mittelgroßen Städten, wie z. B. Regensburg, Freiburg, Wiesbaden oder Münster/Westfalen, sind die Immobilienpreise und Mieten drastisch gestiegen.

 

Ein Normalverdiener kann dort kaum noch ein Objekt in guter Lage erstehen, es sei denn, er gehört zur Erbengeneration oder ist bereit, sich bis über die Halskrause zu verschulden und dann einen Realitätsschock zu erleiden, wenn die Zinsen in ein paar Jahren wieder steigen.

 

Wenn die Immobilie nichts mehr wert ist

 

In den ländlichen Regionen wiederum stehen Einfamilienhäuser reihenweise leer, manche erweisen sich schlicht als unverkäuflich. Beispiel Oberpfalz und Niederbayern: Weit von der Boom-Metropole München entfernt, veröden dort ganze Landstriche, die Zahl der leer stehenden Immobilien steigt kontinuierlich. Mancher Bewohner, der sich eben noch freute, von seinen Eltern ein Einfamilienhaus zu erben, stellt unversehens fest, dass die Immobilie nichts mehr wert ist.

 

Immobilien werden oft als »Betongold« bezeichnet. Doch gibt es einen häufig übersehenen Unterschied: Seine Goldmünzen oder -barren kann man bei seriösen Händlern sowohl in den Städten als auch auf dem Land jederzeit kaufen und verkaufen. Die Preisunterschiede sind – wenn überhaupt – marginal. »Betongold« auf dem Land indessen kann plötzlich kaum noch etwas wert sein, weil keine Nachfrage mehr besteht. Und daran dürfte sich in den nächsten Jahren nichts ändern, eher wird sich der Trend weiter verstärken.

 

Die Freude über das Eigenheim auf dem Land lässt Käufer und Bauherren bisweilen übersehen, dass die Demografie für die Werthaltigkeit eines Objekts viel wichtiger ist als der Wintergarten, Sonnenkollektoren auf dem Dach oder italienische Designerfliesen im Badezimmer.

 

Während Magazine wie »Landlust« Topauflagen erzielen, möchten doch nur noch die wenigsten in solchen Regionen dauerhaft leben. Die anhaltende Landflucht macht den Leerstand von Gebäuden zu einem wachsenden Problem.

 

Da mag mancher hoffen, in den leer stehenden Immobilien Flüchtlinge unterbringen zu können und die Miete von der Kommune zu bekommen.

 

Doch die Entstehung von Flüchtlingsghettos, weit entfernt von den zuständigen Behörden, erscheint ebenfalls kaum wünschenswert. Ein »Flüchtlings-Shuttle« auf Kosten des Steuerzahlers mag allenfalls noch in der Fantasie realitätsentrückter Gutmenschen vorstellbar sein.

 

Die ländliche Idylle, Ruhe und Frieden – das alles offenbart schnell seine Kehrseite. Viele Regionen sind von den Versorgungs- und Serviceeinrichtungen des täglichen Lebens abgeschnitten. Ein Zweitwagen wird unverzichtbar. Die Fahrt zur Arbeit und zurück auf stauanfälligen Straßen oder in unpünktlichen und überfüllen Zügen trägt ebenfalls dazu bei, ländliche Standorte unattraktiv zu machen.

 

Weil immer mehr Menschen wieder zurück in die Städte oder zumindest in stadtnahe Regionen ziehen, verschärft sich die Situation auf dem Land zusätzlich. Das kann mitunter bizarre Blüten treiben: In Gegenden von Rheinland-Pfalz z. B. werden händeringend Busfahrer gesucht. Bewerber schrecken vor allem vor den wenig familienfreundlichen Dienstzeiten zurück.

 

Sie müssen sehr früh und dann am Nachmittag fahren, dazwischen liegen lange Pausenzeiten, in denen viele Fahrer nicht so recht wissen, was sie mit dieser Freizeit anfangen sollen. Der Grund ist einfach: Morgens und nachmittags sind viele Schüler unterwegs, dann gilt ein engmaschiger Fahrplan. Außerhalb dieser Zeiten wartet in den verödeten Dörfern auf dem Land kein Mensch mehr auf einen Bus.

 

Landärztemangel: Werbung auf Bierdeckel

 

Dass in den abgelegenen Regionen immer weniger Landärzte tätig sind, ist seit Jahren bekannt. Junge Mediziner arbeiten an den Kliniken oder in ambulanten Praxen in der Stadt. So dramatisch ist die Situation in manchen Gegenden, dass inzwischen schon mit reichlich unkonventionellen Methoden versucht wird, junge Landärzte zu gewinnen.

 

In Niedersachsen etwa wirbt die Kampagne »Ärztlich willkommen« direkt an den drei Medizinfakultäten um Landärzte für die bald unterversorgten Gebiete des Landes. Diese Werbekampagne geht so weit, dass in den Kneipen im Umfeld der Universitäten abends Bierdeckel an den Ärztenachwuchs verteilt werden. Darauf wirbt die Initiative für den Beruf des Landarztes.

 

Auch die Krankenhäuser sind in den ländlichen Regionen in der Regel weiter vom Wohnort der Patienten entfernt als in den Städten. Im Durchschnitt erreicht man in Deutschland das nächstgelegene Krankenhaus in 15 Minuten. In vielen ländlichen Regionen dauert es schon heute 20 bis 30 Minuten – mit steigender Tendenz. Und das, obwohl es bei lebensgefährlichen Erkrankungen auf jede Minute ankommt.

 

Gerade mit zunehmendem Alter achten die Menschen allerdings auf eine optimale ärztliche Versorgung – und zwar in der Nähe und nicht in 50 oder 60 Kilometern Entfernung.

 

Das ist einer der Gründe, weshalb sich ältere Menschen wieder für Wohnungen in den Städten mit guter Infrastruktur interessieren und ihr Häuschen im Grünen gern verkaufen würden.

 

Das aber wird zunehmend schwieriger. Die Hoffnung, das Einfamilienhaus veräußern und dafür eine Eigentumswohnung in guter Stadtlage erwerben zu können, erweist sich häufig als trügerisch. Das Einfamilienhaus auf dem Land – es wird mehr und mehr zum Ladenhüter.

 

 

 

 

 


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