Wednesday, 28. September 2016
11.02.2015
 
 

Medizinische Fehler: Risiken und Nebenwirkungen von Wikipedia

Michael Brückner

Eigentlich müssten Wikipedia-Artikel zu medizinischen Themen mit Warnhinweisen versehen werden. Eine US-Studie deckte unlängst auf: Neun von zehn untersuchten Beiträgen waren fehlerhaft. Und Artikel über alternative Heilmethoden werden häufig stark zensiert oder mit falschen Informationen manipuliert.

 

Robert McHenry liebt drastische Vergleiche. Der frühere Chefredakteur der Encyclopaedia Britannica sagte einmal, Wikipedia sei wie eine öffentliche Toilette. In beiden Fällen habe der Nutzer keine Ahnung, wer zuvor dort war und welchen Dreck er hinterlassen habe. Das mag sehr zugespitzt formuliert sein, trifft jedoch genau den Kern des Problems des mit rund 33 Millionen Beiträgen fast weltweit verfügbaren Informationsgiganten.

 

Weil jeder anonym oder hinter einem Pseudonym versteckt mitmachen kann, weiß kein Nutzer, der nicht selbst Experte ist, welche Qualität der aufgerufene Beitrag aufweist. Im günstigsten Fall wurde der Text von einem versierten Fachmann gelesen und gegebenenfalls korrigiert. Im ungünstigsten Fall waren politische Manipulateure oder bezahlte PR-Schreiber am Werk.

 

Für den Kommunikationswissenschaftler Professor Christoph Neuberger stellt Wikipedia inzwischen sogar ein gravierendes Problem für die Gesellschaft dar, »wenn ein Wissensspeicher, der so viel Vertrauen hat, unterwandert wird von politischen und wirtschaftlichen Interessen«.

 

Wenn in den vergangenen Jahren über gezielte Manipulationen bei Wikipedia diskutiert wurde, ging es zum einen um Unternehmen oder von ihnen beauftragte PR-Agenturen, die ihr Image aufzupolieren suchten, indem sie wenig vorteilhafte Passagen in den jeweiligen Wikipedia-Beiträgen löschten oder umformulierten. Zum anderen zeigte sich vor allem bei gesellschaftlich oder politisch relevanten Themen, wie stark Wikipedia von linken Aktivisten unterwandert ist. Gleichzeitig räumten aber sogar Kritiker oft ein, gerade die naturwissenschaftlichen Beiträge in der Online-Enzyklopädie seien überwiegend von guter Qualität.

 

Alternative Heilmethoden werden zensiert

 

Im Bereich der Medizin allerdings fällt Wikipedia durch eine bemerkenswerte Einseitigkeit auf. Die regierungsunabhängige Organisation Alliance for Natural Health (ANH) berichtete jetzt, viele Beiträge in Wikipedia über alternative Heilmethoden seien sehr häufig stark zensiert oder enthielten sogar falsche Informationen. Wikipedia zensiere zugunsten der Schulmedizin. Angesichts der hohen Reichweite und des Vertrauens, das Wikipedia trotz allem noch genieße, führe diese Bevorzugung der Schulmedizin dazu, dass der Zugang interessierter Menschen zu Informationen über Naturheilverfahren deutlich beeinträchtigt werde, kritisiert ANH. Alternative Heilmethoden würden von Wikipedia diskriminiert.

 

ANH nennt Ross und Reiter: So sei auf Wikipedia zum Beispiel ein auffallend einseitiger und streckenweise sogar verleumderischer Artikel über den US-amerikanischen Alternativmediziner und Autor Julian Whitaker eingestellt worden. Erst nach einer Weile sei der Hinweis »Die Neutralität dieses Artikels ist umstritten« erschienen. Doch konnte bis heute nicht geklärt werden, wer diesen verleumderischen Beitrag bei Wikipedia veröffentlicht hatte. Ferner würden sogar wissenschaftlich gestützte Informationen über die Wirksamkeit der orthomolekularen Medizin ständig überarbeitet, mit kritischen Hinweisen versehen oder durch gegenteilige Meinungen ersetzt.

 

In der englischsprachigen Wikipedia werden darüber hinaus nur Ernährungsberater als Experten anerkannt, die bei der American Dietetic Association (ADA) registriert sind. Ein überzeugender Grund, weshalb andere Ernährungsberater mit ihren Meinungen nicht zu Wort kommen, ist nicht erkennbar. Vielmehr erscheint die Auswahl willkürlich und einseitig.

 

Auf den deutschsprachigen Wikipedia-Seiten scheint die Ansicht des Biologen Richard Dawkins als Maxime zu gelten. Er wird mit folgenden Worten zitiert: »Alternative Medizin ist eine Sammlung von Praktiken, die nicht überprüft werden können, die eine Überprüfung verweigern oder ständig an Überprüfungen scheitern ... Wenn eine Technik laut ordentlich durchgeführten Tests wirkungsvoll ist, zählt sie nicht mehr zu den alternativen Methoden, sondern gehört ab sofort zur konventionellen Medizin.«

 

Schulversager als angeblicher Professor

 

Doch selbst, wenn es um eben diese konventionelle Medizin geht, sollte man nicht unbedingt den Wikipedia-Beiträgen unkritisch Glauben schenken. Vor einiger Zeit warnte etwa das Deutsche Ärzteblatt: »Niemand ist perfekt, und auch die Gemeinschaft der in der Regel anonymen Wikipedia-Autoren kann sich irren. Nach einer Studie der Wallace School of Osteopathic Medicine in North Carolina ist dies sogar recht häufig der Fall« (Deutsches Ärzteblatt, Mai 2014).

 

Auch die Online-Ausgabe des britischen TV-Senders BBC berichtete im Frühjahr 2014 über diese Studie unter der Überschrift »Trust your doctor, not wikipedia, say scientists« (Trauen Sie Ihrem Arzt, nicht Wikipedia, sagen Wissenschaftler). Demnach waren neun von zehn untersuchten Wikipedia-Beiträgen fehlerhaft. Unter die Lupe genommen hatten die amerikanischen Wissenschaftler Artikel zu den Themen Herzkrankheiten, Lungenkrebs, Depressionen und Diabetes.

 

Welche »Experten« auf Wikipedia bisweilen zu Wort kommen, beweist ein weiterer haarsträubender Fall: Ein unter Pseudonym schreibender Wikipedia-Autor gab sich als fest angestellter College-Professor aus. Tatsächlich handelte es sich um einen 24-jährigen Schulabbrecher.

 

 

 

.

Leser-Kommentare (24) zu diesem Artikel

13.02.2015 | 11:07

Emma Linde

Wen wundert es? Uns regiert die Pharmaindustrie mehr und mehr! Die sitzen auch in der Europäischen Kommission.


12.02.2015 | 06:25

Julietta

das da sehr einsieitg geschrieben wird und vor allem selbst auf schriftliche Berichtigungen von entsprechenden Verbänden überhaupt keine Reaktion kommt habe ich schon vor Jahren bemängelt. Dennoch ist Wikipedia nicht schlecht - jeder sollte sich nur immer wissen, daß man immer möglichst viele Meinungen lesen sollte, um sich sein eigenes Bild zu machen, das ist bei allen anderen Themen und Seiten (hier auch!) ja genau so!!! Immerhin hat man eine einheitlich gestaltete Datenbank,...

das da sehr einsieitg geschrieben wird und vor allem selbst auf schriftliche Berichtigungen von entsprechenden Verbänden überhaupt keine Reaktion kommt habe ich schon vor Jahren bemängelt. Dennoch ist Wikipedia nicht schlecht - jeder sollte sich nur immer wissen, daß man immer möglichst viele Meinungen lesen sollte, um sich sein eigenes Bild zu machen, das ist bei allen anderen Themen und Seiten (hier auch!) ja genau so!!! Immerhin hat man eine einheitlich gestaltete Datenbank, auf die schnell zugegriffen werden kann - in vielen Fällen definitiv verlässlicher als irgendwelche Halbwahrheiten in den meisten Foren!


12.02.2015 | 02:23

Max

wer sich auf Wikiblödia verlässt, ist eh verlassen. wer klar denken kann, dem leuchtet das ein. bei Naturwissenschaften kann nicht viel geschummelt werden. alles andere ist Lobbygefärbt. die Ausgaben für das Krankenwesen (früher hieß das mal Heilwesen) sind hierzulande höher als die der Rentenausgaben. wen wunderts also...


11.02.2015 | 23:02

bin.nicht binladen

Mit wikipedia ist es, wie mit der Bildzeitung.... schnelle Information.... interessiert mich etwas wirklich, kaufe ich mir das Hamburger Abendblatt...


11.02.2015 | 21:23

biene

ich beobachte den trend schon etl. jahre, es geht nämlich in richtung - verbot - von naturmedizin. etl. alternativ seiten sind nicht mehr zugänglich. mir ist auch bekannt, dass eu-gelder solche verbote voanders unterstützen, z.b. in südafrika. in england ist angeblich schon homeopathie verboten, in deutschland und österreich wird in sog. "qualitäts medien" per gewissen expertiesen fast die ganze natur-medizin gerade lächerlich und unwirksam gemacht. dabei ist eine...

ich beobachte den trend schon etl. jahre, es geht nämlich in richtung - verbot - von naturmedizin. etl. alternativ seiten sind nicht mehr zugänglich. mir ist auch bekannt, dass eu-gelder solche verbote voanders unterstützen, z.b. in südafrika. in england ist angeblich schon homeopathie verboten, in deutschland und österreich wird in sog. "qualitäts medien" per gewissen expertiesen fast die ganze natur-medizin gerade lächerlich und unwirksam gemacht. dabei ist eine tatsache, dass die heilerfolge nirgends in statistiken aufscheinen. es geht sogar so weit, dass man jezt sagt, es gibt keine übersäuerung, die darmreinigung oder detoxikation sind unnötig, usw. bis zum endgültigen verbot. offensichtlih sind heutzutage die gesunde menschen unnerwünscht. und solche die gerne mit eigenen kopf denken.


11.02.2015 | 18:54

Rainer Schulte

endlich haben mehrere Menschen Mut, darüber zu berichten. Millionen Gesundheitstests wurden in den letzten Jahren aus eigener Tasche der Bürger bezahlt, die eine ganzheitliche, komplementäre Diagnose und Therapie haben wollten. Um so erfolgreicher eine Methode ist, desto mehr Druck, Lügen und Steine bekommt sie in den Weg gelegt. Wenn Ergebnisse anders und zu gut sind, werden Studien gefälscht, Ausreden erfunden oder unterdrückt, wenn das Ergebnis für die Lobby nicht passend ist....

endlich haben mehrere Menschen Mut, darüber zu berichten. Millionen Gesundheitstests wurden in den letzten Jahren aus eigener Tasche der Bürger bezahlt, die eine ganzheitliche, komplementäre Diagnose und Therapie haben wollten. Um so erfolgreicher eine Methode ist, desto mehr Druck, Lügen und Steine bekommt sie in den Weg gelegt. Wenn Ergebnisse anders und zu gut sind, werden Studien gefälscht, Ausreden erfunden oder unterdrückt, wenn das Ergebnis für die Lobby nicht passend ist. Wie eine Methode von angeblichen Sachverständigen fertig gemacht wird, bekommen wir in Wikipedia ständig zu spüren.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Merck-Wissenschaftler mit Gefängnis bedroht, weil er versucht, massive Datenmanipulation und Schwindel bei Impfstoffen an die Öffentlichkeit zu bringen

Mike Adams

Einem Wissenschaftler und Impfstoffexperten des Pharmakonzerns Merck wurde mit Gefängnis gedroht, weil er versuchte, offenen Schwindel und Verfälschung von Daten an die Öffentlichkeit zu bringen. Mit solchen Tricks versuche die Impfstoffindustrie, ihre Produkte fälschlich als wirksam darzustellen, heißt es in einem Dokument, das bei der Regierung  mehr …

Ein weiterer Krebsarzt gesteht, falsch positive Ergebnisse produziert zu haben, um vom Verkauf giftiger Chemotherapie zu profitieren

Mike Adams

Wenn Sie auf der ganzen Welt nach den schlimmsten Schwindlern, Betrügern, Profitmachern und Quacksalbern suchten, fänden Sie kaum einen schlimmeren als einen pharmazentrischen Onkologen. Das sind die hochbezahlten Profitmacher, die Menschen zu Tode vergiften und dabei so tun, als verkauften sie ihnen eine »Behandlung« gegen eine Krankheit, die  mehr …

Die Akte Wikipedia – die Sabotagequelle

Janne Jörg Kipp

Wikipedia ist die wohl beliebteste Informationsquelle weltweit geworden. Die so genannte freie Enzyklopädie verdrängte sogar das 244 Jahre alte Standardwerk Encyclopædia Britannica, und das innerhalb von nur zehn Jahren. Aufklärungsjournalist Michael Brückner deckt in seinem neuen Buch nun auf, wie skrupellose Propagandisten Wikipedia zur  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Verstorbener Großvater muss möglicherweise exhumiert werden, weil Begräbnisplatz Muslime »beleidigt«

Paul Joseph Watson

Eine trauernde Familie muss vielleicht ihren bereits begrabenen Großvater exhumieren und umbetten, nachdem eine muslimische Familie, die eine Grabstelle in unmittelbarer Nähe des Begräbnisplatzes besitzt, sich beschwert hat, der Mann sei ein Ungläubiger gewesen.  mehr …

28 Vorteile, vorbereitet zu sein, selbst wenn das Ende der Welt nicht kommt

Redaktion

Die meisten »Prepper« nehmen die Bedrohung durch eine Finanzkrise, einen Sonnensturm oder sogar eine Zombie-Apokalypse sehr ernst, aber es ist auf jeden Fall nützlich, sich vorzubereiten, selbst wenn das Ende der Welt, wie wir sie kennen, zu unseren Lebzeiten nicht kommt.  mehr …

Irreführende Sicherheit: Ebola-Impfstoff im Test

Hans U. P. Tolzin

Wie das Handelsblatt vom 29. Januar 2015 meldet, wurde ein Ebola-Impfstoff des britischen Herstellers GlaxoSmithKline (GSK) an 60 Versuchspersonen »erfolgreich« getestet. Wissenschaftler hätten, so heißt es, den Impfstoff als »sicher« eingestuft. Doch wissenschaftlich belegt ist diese Behauptung nicht. Sie ist im Grunde nicht mehr als Teil eines  mehr …

»Inszenierung« in der Tagesschau: »Es geht bloß um Macht«

Peter Harth

Top-Journalist Christoph Maria Fröhder wirft bei der ARD hin. Er hat genug von »Strukturagenten«, »Kleinstaaterei« und »Inszenierung«. Ein Abschied von karrieregeilen Platzhirschen und Erbhöfen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dort aber geht es weiter wie gehabt, wie auch der ARD-Presseclub vom Sonntag zeigte.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.