Freitag, 9. Dezember 2016
21.03.2016
 
 

Notenbanker basteln an »gläserner« Bitcoin-Alternative

Michael Brückner

Die britische Zentralbank arbeitet an einer Alternative zur virtuellen Währung Bitcoin. Auf den ersten Blick weist der geplante RSCoin viele Gemeinsamkeiten mit seinem prominenten Vorbild auf. Doch gibt es einen wichtigen Unterschied: Den RSCoin könnte die Notenbank steuern.

 

Im Schatten der alle Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Flüchtlingskrise wird in Europa und den USA an einschneidenden Bargeld-Restriktionen bis hin zu Cash-Verboten gearbeitet. Der Leiter des EU-Amtes für Betrugsbekämpfung, Giovanni Kessler, möchte den 500-Euro-Schein abschaffen. Dem ehemaligen US-Finanzminister Larry Summers ist sogar der 100-Dollar-Schein ein Dorn im Auge. Wie herrlich wäre doch die Welt der behördlichen Schnüffler, müssten wir alle Einkäufe bald mit Girocard (EC-Karte), Kreditkarte oder mit dem Smartphone bezahlen.

 

Jeder neugierige Beamte und Marketingmanager könnte feststellen, wie wir uns ernähren, welche Bücher und Zeitschriften wir lesen und wie viel Trinkgeld der Ober im Restaurant kassiert hat. Vor allem aber wäre der Weg endlich frei für die Einführung von Strafzinsen auch für private Sparer.

 

Denn wenn es kein Bargeld mehr gibt, könnte auch niemand Geld von seinem Konto abheben. Die Alternative lautete somit: Mehr konsumieren und bargeldlos zahlen oder aber Strafzinsen entrichten.

 

Das letzte Aufkeuchen eines siechen Systems

 

Nun waren die Menschen aber noch nie so dumm, wie es die herrschende Klasse gern unterstellt. Wenn das Papiergeld verboten würde, fänden die Menschen Alternativen, stellt Victoria Curzon-Price goldrichtig fest. Entweder blühe der Tauschhandel, wie nach dem Zweiten Weltkrieg (»Zigarettenwährung«), oder aber die Menschen bedienten sich innovativer Lösungen – und zahlten zum Beispiel mit der Kryptowährung Bitcoin, sagt die ehemalige Professorin für politische Ökonomie an der Universität Genf.

 

Und weiter: Der Staat verliere sein Monopol auf die Geldversorgung. Die Kampfansage an das Bargeld sei vor diesem Hintergrund nichts anderes als das letzte Aufkeuchen einer im Sterben liegenden Institution.

 

Doch so schnell werden Regierungen und Notenbanken nicht aufgeben. Jüngstes Beispiel: Die britische Zentralbank ist dabei, eine eigene Kryptowährung zu entwickeln und dem Bitcoin Konkurrenz zu machen. »RSCoin« soll die virtuelle Währung heißen, und ihr entscheidender Unterschied zum Bitcoin ist schlicht und einfach, dass dieses Geld von einer zentralen Instanz kontrolliert werden kann – zum Beispiel von der britischen Notenbank. Experten sprechen denn auch von einer Pseudoanonymität der Nutzer. Die neue Währung wurde angeblich bereits auf der Elastic Cloud von Amazon getestet und könnte innerhalb von wenigen Monaten eingeführt werden, heißt es.

 

Die Vorteile der Kryptowährung

 

Unabhängig von der hohen Volatilität (also Schwankungsbreite) der Bitcoin-Währung und denr in den vergangenen Jahren immer wieder bekannt gewordenen Manipulationsversuche schätzen die Anhänger dieses Kryptogeldes vor allem dessen Unabhängigkeit von Banken und Zentralbanken. Nicht der Staat steuert dieses dezentrale Geldsystem, sondern die Nutzer. Bitcoin und die vielen Konkurrenz-Währungen, die mittlerweile am Markt sind, setzen auf dieselbe Technik – die Blockchain. Einfach ausgedrückt, handelt es sich dabei um eine Art Register, in dem alle Transaktionen verzeichnet werden und das zugleich von einer großen Zahl von Rechnern verwaltet wird. Das macht diese Methode fälschungssicher. Manche nennen die Blockchain bereits die größte Neuerung seit der Erfindung des Internets, da sie nicht allein – wie im Fall von Bitcoin – auf Zahlungsvorgänge ausgelegt ist.

 

Ein weiterer Vorteil von Bitcoin liegt in der begrenzten Geldmenge. Kein Mario Draghi, keine Janet Yellen oder andere Protagonisten der Papiergeld-Wirtschaft haben die Möglichkeit, über das Volumen an Bitcoins zu bestimmen. Die virtuelle Währung bleibt knapp und somit wertvoll. Verständlich, dass dies den Regierungen und Zentralbanken nicht gefällt und sie deshalb nicht gerade zu den Fans der Kryptowährung zählen. Anfangs gab es immer wieder Versuche, den An- und Verkauf von Bitcoins zu verbieten. So zum Beispiel im Sommer 2013 in Thailand. Aber auch in Bolivien und Ecuador versuchte man, den Bitcoins mit der Gesetzeskeule den Garaus zu machen. Freilich ohne Erfolg. Schon nach einem Dreivierteljahr wurde das Bitcoin-Verbot in Thailand weitgehend gelockert. In Deutschland gilt Bitcoin seit 2013 als privates Geld.

 

Nach wie vor versuchen jedoch Großkonzerne, den Siegeszug der Kryptowährung zu stoppen. Microsoft zum Beispiel akzeptiert in seinen US-Online-Shops keine Bitcoins mehr. Nicht einmal eineinhalb Jahre hatte der US-Gigant diese Währung angenommen. Weshalb man nun Bitcoin die kalte Schulter zeigt, bleibt ein Geheimnis. Bis jetzt nannte Microsoft keine Gründe.

 

Ungeachtet solcher Entscheidungen dürften Kryptowährungen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine immer wichtigere Rolle spielen. Längst sind zahlreiche Konkurrenz-Währungen auf den Markt gekommen – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

 

Zu den erfolgreichen Innovationen gehört der sogenannte Ether, entwickelt von dem jungen, in der Schweiz wohnenden Russen Vitalik Buterin.

 

Der Wert der im Umlauf befindlichen Bitcoin-Konkurrenz machte Anfang März über eine Milliarde US-Dollar aus (zum Vergleich: Bitcoin kommt auf eine Marktkapitalisierung von aktuell rund 6,3 Milliarden Dollar).

 

Die Notenbank als Plagiat

 

Wenn man die neuen Kryptowährungen schon nicht verhindern kann, dann muss man eben eigenes virtuelles Geld auf den Markt bringen, dachten sich wohl die Verantwortlichen der britischen Notenbank. Auch der RSCoin beruht auf dem Blockchain-Prinzip, allerdings könnte er durch die Zentralbank kontrollier- und steuerbar sein. Manche sprechen deshalb bereits vom »gläsernen Bitcoin«. So hätte die Zentralbank zum Beispiel die Möglichkeit, mit ihren kryptografischen Schlüsseln weiteren Parteien das Recht auf Verarbeitung von Transaktionen in der gemeinsamen Blockchain zu erteilen. Einfach ausgedrückt:

 

Dadurch wären plötzlich Zentralbanken und Geschäftsbanken wieder mit im Spiel. Das laut Professor Victoria Curzon-Price im Koma liegende System der monopolistischen Geldversorgung durch die Notenbanken würde gleichsam als Zombie ein Comeback feiern.

 

 

 

 

 


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