Tuesday, 31. May 2016
08.07.2014
 
 

US-Steueroasen: Reserviert für die Finanz-Elite

Michael Brückner

Nicht zuletzt aufgrund massiven Drucks aus den USA wurde das Bankgeheimnis in Europa abgeschafft. Doch Washington treibt ein doppeltes Spiel: Während man offiziell hart gegen ausländische Steueroasen vorgeht, blühen die diskreten LLC-Geschäfte in Delaware. Reiner Zufall, dass der US-Vizepräsident aus diesem Bundesstaat kommt? Atemberaubende Summen fließen derweil über LLC-Konstruktionen vor allem in den New Yorker Immobilienmarkt.

 

Wenn es um ausländische Banken geht, kennen die US-Behörden kein Pardon. Immer wieder verhängen die Gerichte neue Rekordstrafen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung oder angeblicher Geldwäsche. Und sollten sich die betroffenen Geldinstitute nicht »kooperativ« verhalten, wird schon mal mit dem Entzug der Banklizenz für die USA gedroht. Uncharmant könnte man dies als Erpressung bezeichnen.

 

Während Großbanken diese Strafen zahlen können, ohne in größere Turbulenzen zu kommen, blieb dem kleinen, aber feinen Schweizer Bankhaus Wegelin & Co. im vergangenen Jahr keine andere Möglichkeit, als das Kreditinstitut faktisch aufzulösen. Seither gibt es die einstmals älteste Bank der Schweiz (gegründet 1741) nicht mehr.

 

Das rabiate Vorgehen der US-Behörden gegen Banken, die in den vergangenen Jahren »Steueroptimierern« hilfreich zur Seite standen, stößt bei der internationalen Gutmenschen-Fraktion durchaus auf Beifall. Schließlich geht es doch den angeblich asozialen Steuerhinterziehern und ihren Helfershelfern an den Kragen.

 

Doch haben die US-Behörden wirklich die Förderung der weltweiten Steuerehrlichkeit im Blick? Wollen sie nur gezielt Geldwäsche und Terrorfinanzierung bekämpfen? Wohl kaum, schließlich wird in den USA mit zweierlei Maß gemessen. Und der Verdacht liegt nahe, dass Regierung und Behörden nicht grundsätzlich alle Steueroasen dieser Welt trockenlegen wollen, sondern nur jene außerhalb des eigenen Landes. Ziel dieser Strategie scheint zu sein, den USA quasi ein »Oasen-Monopol« zu sichern.

 

Die Scheinheiligkeit der US-Regierung stößt zunehmend auch im Inland auf Unverständnis: »Ich habe es satt, dass unsere Regierung andere Länder zu schärferen Vorschriften gegen die Steuerflucht bewegen will, aber im eigenen Land nichts unternimmt«, schimpft John Cassara, der 26 Jahre für das US-Finanzministerium und die CIA tätig war.

 

Während die US-Behörden von ausländischen Staaten wie selbstverständlich Amtshilfe verlangen und gern schon mal mit »ernsten Konsequenzen« drohen, wenn sich ein Land nicht kooperativ zeigen sollte, stoßen ausländische Ermittler in den USA auf taube Ohren, sobald es um die Steueroase Delaware geht. »Wenn die Geldspuren von ausländischen Kriminellen nach Delaware oder ähnlichen US-Bundesstaaten führen, können wir wenig bis nichts unternehmen«, sagt Cassara frustriert.

 

Immerhin hat Delaware einen prominenten Fürsprecher, nämlich keinen Geringeren als US-Vizepräsident Joe Biden, der den Bundesstaat von 1973 bis 2009 im US-Senat vertrat.

 

Delaware hat zwar nur knapp 900 000 Einwohner, aber fast 700 000 registrierte Unternehmen, darunter viele erste Adressen der Wall Street. Aber auch zahlreiche deutsche Landesbanken halten Beteiligungen in Delaware. Also Geldinstitute, in denen führende Politiker sitzen, die immer härtere Strafen für Steuersünder fordern. Das britische Tax Justice Network bezeichnet Delaware als den »undurchsichtigsten und verschwiegensten Finanzplatz«.

 

Für ihr Engagement in der Steueroase Delaware steht den Akteuren ein bewährtes Instrument zur Verfügung: Sie bedienen sich einer Limited Liability Company (LLC). Dabei handelt es sich gesellschaftsrechtlich um eine Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung und steuerrechtlich um eine Personengesellschaft. Wenn die Firma im Bundesstaat nicht direkt aktiv ist, also dort zum Beispiel nicht produziert oder keine Mitarbeiter beschäftigt, muss sie keine Steuern zahlen. Es fällt lediglich eine jährliche »Franchise Tax« von 250 Euro an. Außerdem garantieren LLCs absolute Anonymität. Und da die US-Regierung keine Anstalten macht, gegen die eigenen Steueroasen vorzugehen, dürfte sich daran nichts ändern.

 

Derzeit sind LLCs vor allem zum diskreten Erwerb von New Yorker Luxus-Apartements begehrt. US-Medien berichten, in exponierten Lagen von Manhattan würden seit einiger Zeit unglaubliche Summen umgesetzt – in US-Dollar, Rubel und Yuan. Die Geldwaschanlage läuft auf Hochtouren. Besonders interessiert sind die Käufer an Apartments zwischen Park und Fifth Avenue sowie zwischen 49. und 70. Straße. Dort investieren jetzt die Superreichen dieser Welt, die früher Kunden bei Schweizer Privatbankiers waren. »Die globale Elite sucht nach einem neuen Bankschließfach«, konstatiert der Immobilienexperte Michael Stern.

 

Woher das Geld kommt, interessiert weder die Anwälte, die ihre wohlhabenden Mandanten bei diesen Deals betreuen, noch die spezialisierten Immobilienmakler. New York sei die Stadt außerhalb Asiens, die das meiste Geld anziehe, stellte erst kürzlich die Immobilien-Beratungsgesellschaft Knight Frank fest. »Vor zehn Jahren gab es hier nur eine überschaubare Zahl von Elite-Investoren«, sagt Andrea Fiocchi von der internationalen Anwaltskanzlei Reinhardt LLP. Heute aber sei der Markt breit und unglaublich expansiv. Immobilienexperten schätzen, dass im vergangenen Jahr hinter über einem Drittel der Objektkäufe in New York ausländische Investoren standen, die meisten von ihnen kamen aus Asien, aber auch aus Lateinamerika und Europa.

 

Die Investoren wiederum schätzen die absolute Diskretion. Eigentümerin der Luxus-Apartements in bester New Yorker Lage ist oft eine LLC in Delaware, die wiederum durch eine Briefkastenfirma auf den British Virgin Islands gemanagt wird und einem Trust auf der Isle of Man gehört. Jüngsten Berichten zufolge wird etwa ein Drittel aller Immobilienkäufe in Manhattan von Investoren mit Offshore-Adressen oder im Namen einer LLC-Firma abgewickelt.

 

Die anonyme LLC-Konstruktion eignet sich aber nicht nur für den Immobilienerwerb. Auch für andere diskrete Geschäfte kommt diese Rechtsform infrage. Mit Ausnahme von Bankgeschäften sind alle rechtmäßigen Arten von Unternehmen im Rahmen von LLCs erlaubt. Schon umwirbt die in London ansässige Steuerkanzlei St. Matthew potenzielle Klienten im deutschsprachigen Raum. Im Internet bietet die Kanzlei umfassende Dienstleistungen an (»Keine Anreise nötig. Sofortgründung durch einen Anwalt in nur 48 Stunden, Konto in der Schweiz, den USA oder auf Malta«).

 

 

 

 


 

 


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