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Wie die Zahlen des dritten Quartals 2011 beweisen, sind die großen US-Geldhäuser immer noch sehr erfolgreich. Der Schein trügt allerdings, denn sogenannte »Regenmacher« greifen tief in die Trickkiste. So ist es möglich, dass trotz riesiger Abschreibungen, Rezessionssorgen und schwacher Kapitalmärkte viele US-Banken Milliardengewinne verbuchen.
1. Trick: Belastungen herunterrechnen
Der erste von zwei ganz legalen Bilanztricks lässt sich am Beispiel der Zahlen von Morgan Stanley
erklären. Bankchef James Gorman präsentierte jüngst die Bilanz der zweitgrößten US-Investmentbank: 2,2 Milliarden Gewinn oder 1,14 Dollar je Aktie. »Morgan Stanley hat die Turbulenzen am Kapitalmarkt effektiv umschifft«, so Gorman.
Und so ging’s:
1,12 Dollar des 1,14-Dollar-Gewinns pro Aktie war einem Bilanztrick geschuldet. Denn aus dem fallenden Wert der eigenen Schulden wurden Profite generiert. Dieser Effekt ist als »Debit Valuation Adjustments« (DVA) bekannt. Weil der Ruf und somit die Bonität der Bank gelitten hatte, zweifelten die Märkte an einer hundertprozentigen Rückzahlung der Schulden. Der Wert der noch ausstehenden Anleihen sank. Doch dank DVA kann eine Bank die Belastungen, die aus eigenen Verbindlichkeiten entstehen, herunterrechnen. Die Differenz ist de facto Reingewinn!
Doch nicht nur Morgan Stanley nutzt den DVA-Effekt. Bei JP Morgan und der Citigroup entstanden durch diese Maßnahme Erträge von rund 1,9 Milliarden, bei der Bank of America waren es vor Steuern sogar 6,2 Milliarden Dollar. Aber auch der zweite Bilanztrick ist völlig legal.
2. Trick: Auflösung von Risikovorsorgepositionen
Dabei geht es um die Auflösung von Positionen der Risikovorsorge aus der Vergangenheit. Während der Finanzkrise waren die großen Geschäftsbanken gezwungen, extrem hohe Beträge für den Ausfall von Krediten beiseitezulegen. Vor allem Konsumkredite waren betroffen, da der
Gegenwert der erworbenen Güter meist den Wert der dafür aufgenommenen Kredite schnell unterschritten hatte. Dieser Vorgang belastete die Gewinne massiv.
Da sich die wirtschaftliche Lage aber nicht so verschlimmerte, wie zunächst angenommen, können diese Vorsorgepositionen nun zum größten Teil aufgelöst und auf den Gewinn angerechnet werden.
Analysten schätzen, dass die Gewinne des US-Bankensektors im dritten Quartal zu etwa 20 Prozent aus der Auflösung von solchen Positionen bestehen. So wird die Tatsache verschleiert, wie schlecht das operative Geschäft in Wahrheit ist.
Natürlich sind die Möglichkeiten der Zahlenspielereien hier begrenzt, da die damals bereitgestellten Reserven in naher Zukunft aufgebraucht sein werden. Außerdem befindet sich das Land vor einer Rezession, in der es sehr schnell wieder zu Kreditausfällen und somit zur Notwendigkeit der Schaffung neuer Risikovorsorgepositionen kommen könnte.
3. Trick: Verkauf von Tafelsilber
Eine weitere Option, die Bilanz zu schönen, ist der Verkauf von Tafelsilber. Das Geldinstitut verkauft Teile des eigenen Bestandes und lässt den Erlös dann in die Bilanz einfließen.
Zuletzt schützte sich so die Bank of America damit vor massiven Verlusten. Das Institut veräußerte gleich reihenweise Geschäftssektoren und Beteiligungen. Im dritten Quartal spülte allein der Verkauf von Anteilen an der China Construction Bank 3,6 Milliarden Dollar in die klammen Kassen. Doch durch diesen »Ausverkauf« rutschte das ehemals größte Kreditinstitut, hinter JP Morgan, auf den zweiten Platz der US-Großbanken.
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Quellen:
Handelsblatt
Financial Times Deutschland
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