
Die sogenannte »Hirams-Legende« hat in der rituellen Freimaurerei eine große Bedeutung, denn Hiram Abif soll der Architekt des Tempels von König Salomon in Jerusalem gewesen sein. Der Salomon-Tempel spielt bei vielen Geheimbünden und Okkultisten eine zentrale Rolle, denn sie glauben, in seiner Struktur seien die Schlüssel zu allen mythischen und geheimen Angelegenheiten enthalten. Mit der Person Hiram Abif ist auch das geheime »Freimaurerwort« verbunden.
Streng gehütetes Geheimnis: das »Freimaurerwort«
In der Johannismaurerei lebt die »Hirams-Legende« heute rituell fort. Jeder Freimaurer, der den dritten Grad (»Meister«) erreicht hat, muss das Hirams-Märtyrertum nacherleben und nachvollziehen, um als neuer Bruder der königlichen Kunst wiedergeboren zu werden.
Bei diesem Ritual wird ihm auch das »Freimaurerwort« verraten, das allerdings ein Ersatzwort des Originals ist, welches verlorengegangen ist. Mit diesem Wort können Personen geprüft werden, die vorgeben, Freimaurer zu sein, aber in Wahrheit vielleicht Betrüger sind.
Das Freimaurerwort ist natürlich ein gegenüber der Öffentlichkeit streng gehütetes Geheimnis. Die älteste Form des »Meisterwortes« war: »Ma-ha-Bone« oder »Mahabone«, was soviel bedeutet wie »Fast bis auf die Knochen verfault«. Peter-Robert König, Sachbuchautor und Kenner von Geheimbünden zur Bedeutung des Wortes (http://user.cyberlink.ch/~koenig/meist1.htm):
»Man leitet es teilweise aus dem irischen ›Mak‹ oder ›Sohn‹ und ›Bon‹ oder ›tot‹ ab. Es scheint hier eine Verquickung verschieden sprachlicher Abstammung aus dem Irischen, Schottischen, Arabischen und Hebräischen vorzuliegen. ›Bone‹ deutet auf das englische ›bone‹ oder Knochen hin. ›Mak-Benag‹ soll aus dem Schottischen stammen und bedeutet ›Sohn der Witwe‹. Jedenfalls bezieht sich der Anruf: ›Mahabon, Du lebst im Sohn‹ bei der Erzählung der Legende des Hiram auf den im Fleische wohl sterbenden Menschen. Und sehr wahrscheinlich bedeuten die aus verschiedenen Gebräuchen in verschiedenen Ländern auf uns übernommenen Worte: ›Mahabon‹ und ›Mak-Benag‹ dem Ursinn des Meistergrades entsprechend: ›Der Tod ist das Ende des Fleisches, die Seele aber wird ewig bestehen.‹«
Als »Ma-Ha-Bone« wird aber auch das »Hand geben«, das geheime Erkennungszeichen zwischen Freimaurer-Meistern bezeichnet, wie folgende Darstellung zeigt:
»MA-HA-BONE«
REAL GRIP OF A MASTER MASON
(HANDSHAKE)

Salomons Tempel und die Freimaurer

Über Salomons Tempel ranken sich vielerlei Legenden und Sagen und er ist Gegenstand unzähliger Bücher und Schriften. Der Mythos hat aber einen geschichtlichen Hintergrund: Der historische Tempel Salomons wurde etwa 988 v.Chr. auf dem Tempelberg errichtet.
In der Vorhalle des Salomon-Tempels wurde zwei Säulen aufgestellt: Die rechte Säule wurde »Jachin« genannt und die linke »Boas«. Die beiden Säulen sind auch Symbole in der Freimaurerei und repräsentieren die Grundpfeiler der Humanität. »Jachin« war ein Hohepriester, der einen Teil des Tempels weihte und die nach ihm benannte Säule soll einen festen Stand geben, während die zweite Säule, »Boas«, benannt nach dem Urgroßvater Davids (dem König von Israel), Stärke repräsentieren soll. Beide Säulen zusammen verleihen Stabilität.
Hiram Abif, der »Sohn der Witwe«
In diesem Zusammenhang spielt die Person Hiram eine große Rolle, auf den schon die Bibel eingeht: Einmal berichtet das Buch Samuel, König Hiram I. habe Baumaterial und Männer zur Errichtung des Tempels geschickt (2 Sam. 5,11) und das Zweite Buch der Chronik bezieht sich auf eine formelle Anforderung Salomons an König Hiram I. für Arbeiter und Material. Der Herrscher erwidert dies durch die Entsendung von Hiram-Abi (2 Chr. 2, 12–13), »den Sohn einer Frau von den Töchtern Dan«.
Der namentliche Ursprung der Legendenfigur Hiram Abif könnte dadurch zu erklären sein, dass die Wendung »mein Vater Huram« im Hebräischen »huram avi« lautet.
Bei den Freimaurern wird Hiram Abif auch als »der Sohn der Witwe« bezeichnet, was so auch im Ersten Buch der Könige nachzulesen ist (1 Kön. 7,13–14).
Hiram soll als Baumeister während des Salomonischen Tempelbaus 34.000 Mann befehligt haben, darunter auch Meister, Gesellen und Lehrlinge. Zur Erleichterung bei der Lohnauszahlung teilte er der jeweiligen Gruppe geheime Losungsworte aus.
Drei Gesellen versuchten, an Hirams Geheimnis zu kommen, lauerten ihn auf und töteten ihn, als er sich weigerte, das Freimaurerwort zu verraten.
Hiram wurde drei Mal verwundet, einmal am Kopf, dann an der Kehle und am Herzen, was in der Freimaurerei den spirituellen Tod der Menschheit durch Tyrannei und Aberglauben darstellen soll. Die Kopfwunde symbolisiert dabei den Tod des Gedankens (Gedankenkontrolle), die Wunde an der Kehle die Unterdrückung der freien Rede (Zensur) und der Stich ins Herz, die Verkümmerung und den Tod des Menschen, wenn er weder denken noch sich frei ausdrücken darf. Dem Hochgradfreimaurer Albert Pike zufolge ist das Ziel der Freimaurerei, diese drei Wunden des menschlichen Geistes zu bekämpfen und die Freiheit des Gedankens, des Wortes und des Bewusstseins zurückzugewinnen.
Hirams Mörder
Hirams Mörder hießen, der Legende nach, »Jubela«, »Jubelo« und »Jubelum« (im französischen Ritus: »Giblon«, »Giblas« und »Giblos«). Bei diesen Namen handelt es sich um eine Allegorie und sie weisen darauff hin, dass sie die zwei Bezeichnungen Gottes, »Ju« und »Bel« enthalten und diese drei Mal wiederholt.
»Ju« (»Jw«) bedeutet im äqyptischen »Gott« oder »der himmlische Fährmann« und »Bel« ist der älteste und mächtigste Gott Babyloniens. Er gehört zu einer der frühesten Trinitäten: Bel, »Herr der Welt«, Vater der Götter, Schöpfer und »Herr der Stadt«.
JubelA, JubelO und JubelUM (A-O-UM) sollen aber auch eine Variante des OM oder AUM sein, wie es von hinduistischen Völkern verwendet wird, um ein meditatives Bewusstsein zu erreichen. Es wird heute noch in einigen Ritualen der Royal-Arch-Freimaurerei benutzt.
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