Für dumm verkauft: der Stresstest der Banken
Michael Grandt
Seit Freitag ist es klar: Die deutschen Banken sind gut durch den Stresstest gekommen. Doch das ist nur eine Mogelpackung und PR-Maßnahme der EU. Würde man richtige Kriterien ansetzen und die staatlichen Unterstützungen streichen, wären wohl mehr als die Hälfte der Banken durchgefallen.
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Offiziell hieß es bei der Pressekonferenz am Freitag: »Deutsche Banken erweisen sich als robust und widerstandsfähig.« Mit einer Ausnahme: Die bereits verstaatlichte HRE, auf die der Test sowieso keinen Einfluss mehr hat, weil sie ihre toxischen Papiere in eine Bad Bank auslagert. Die Kriterien des Stresstests und die daran beteiligten Banken habe ich bereits in meinen Artikeln »23. Juli 2010: Die Stunde der Wahrheit« und »Banken fürchten Massenpanik« erläutert.
Eines der wichtigsten Kriterien ging davon aus, dass eine Bank trotz aller Belastungen noch eine Kernkapitalquote von mindestens sechs Prozent ausweisen muss. Hier die Stresstestquoten der deutschen Banken:
HRE: 4,7 %
NordLB: 6,2 %
Postbank: 6,6 %
WestLB: 7,1 %
Helaba: 7,3 %
LBBW: 8,1 %
Deka Bank: 8,4 %
DZ Bank: 8,7 %
BayernLB: 8,8 %
Commerzbank: 9,1 %
WGZ Bank: 9,1 %
Deutsche Bank: 9,7 %
HSH Nordbank: 9,7 %
LB Berlin: 11,2 %
Nähme man also härtere Kriterien für den Stresstest an und nicht die Lightversion, würden neben der HRE wohl die Postbank, die NordLB, die WestLB und die Helaba nicht bestehen; statt einer Bank würden also gleich fünf sang- und klanglos durch den Test rauschen.
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Und noch eines wird verschwiegen: Monatelang wurden die Banken mit Geldern aus der Staatskasse vorab gedopt (die Commerzbank allein mit 18 Milliarden Euro), und dennoch bestanden viele den Test nur knapp. Ohne Staatsmittel und entschärfte Kriterien wären wohl mehr als die Hälfte aller Banken durchgefallen, und dann hätte es tatsächlich eine Massenpanik an den Börsen gegeben. Das wollte man unter allen Umständen verhindern. Das Ergebnis des Tests wurde deshalb auch erst um 18 Uhr veröffentlicht, also nach Schließung der europäischen Börsen. Doch die monatelangen politischen Diskussionen um die Kriterien dieser »Bankenprüfung« ließen schon erwarten, dass diese nur aus einer Lightversion bestehen würden. So wurden etwa Risiken außerhalb Europas gleich gar nicht als Prüfungskriterium zugelassen, Testparameter immer wieder entschärft und verwässert. Dieser politisch hochgradig beeinflusste Stresstest ist demnach nichts weiter als eine Mogelpackung, um Märkte und Menschen zu beruhigen – eine gewaltige PR-Maßnahme der EU.
Der Stresstest zeigt uns trotzdem, dass unser Bankensektor bei einem richtigen Stresstest ins Schleudern gekommen wäre, und dass die Finanzinstitute bis heute ohne staatliche Hilfe (sprich Garantien der Steuerzahler) nicht auskommen.
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Quellen:
- Welt am Sonntag vom 25.07.2010
- Handelsblatt vom 21.07.2010 und 26.07.2010
- Der Spiegel, 30/2010 vom 26.07.2010
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