Freitag, 24. März 2017
20.03.2009
 
 

Israelische Soldaten geben zu, Mütter, Kinder und alte Frauen willkürlich erschossen zu haben!

Michael Grandt

Die Kriegsverbrechen der israelischen Armee im Gaza-Krieg waren schlimmer als befürchtet. Israelische Soldaten, die aktiv am Töten von Zivilisten beteiligt waren, melden sich nun erstmals zu Wort.

Mit meinen israelkritischen Artikel zum Gaza-Krieg und zur Ermordung wehrloser Zivilisten (http://info.kopp-verlag.de/news/gaza-krieg-phosphorgranaten-auf-zivilisten.html und http://info.kopp-verlag.de/news/gaza-krieg-kollektivbestrafung-an-palaestinensern.html) habe ich mir von Israel-Freunden sehr viel Kritik zugezogen und bin sogar als »Hamas-Sympathisant« beschimpft worden. Nun aber bestätigen selbst Augenzeugenberichte israelischer Soldaten die Kriegsverbrechen, die dort begangen wurden.

Bei der dreiwöchigen Militäroffensive der Israelis im Gaza-Streifen wurden nach Angaben der palästinensischen Menschenrechtsorganisation PCHR 1.434 Palästinenser getötet und weitere 5.303 verletzt, unter den Todesopfern seien 960 Zivilisten, davon 437 Kinder. Die israelische Regierung bestreitet diese Zahlen natürlich, so wie sie alles tut, um eigene ihre Schuld und ihre Kriegsverbrechen zu vertuschen. Das dürfte nun zunehmend schwieriger werden, denn nun melden sich erstmals israelische Kampfpiloten und Infanteriesoldaten zu Wort, die aktiv am Töten von Zivilisten beteiligt waren.

 

 

Willkürliches Töten von wehrlosen Zivilisten

Sie bezeugen das willkürliche Töten von wehrlosen palästinensischen Zivilisten und mutwillige Zerstörungen während des dreiwöchigen Gaza-Krieges. Das steht im Widerspruch zur offiziellen Version des israelischen Verteidigungsministeriums, das stets behauptet hatte, seine Truppen würden sich moralisch einwandfrei verhalten. Aber wie gewohnt, ist die Realität ganz anders, als die sanfte Version der militärischen Befehlshaber, wie sie diese der Öffentlichkeit und den Medien während und nach der Operation präsentierten.

Danny Samir, der Leiter der Militärakademie Izchak Rabin sagte in einem Interview mit dem Sender Israel Radio: »Die Soldaten haben darüber gesprochen, wie sie ungerechtfertigt das Feuer auf palästinensische Zivilisten eröffnet haben. Sie sprachen außerdem über die mutwillige Zerstörung von Eigentum.«

Die israelische Zeitung Haaretz berichtete ebenfalls über die Vorwürfe israelischer Soldaten an ihre Kommandeure und warnte jetzt schon vor Verschleierungen. Denn diese »schmutzigen Geheimnisse« würden es schwermachen, sie nur als »palästinensische Propaganda« abzutun.

 

 

»Man muss alle töten!«

Das wird den israelischen Offiziellen sehr schwerfallen, denn auch ihre eigenen Kommandeure gaben Kriegsverbrechen zu. So schilderte ein Kommandeur, eine Mutter mit ihren zwei Kindern seien aufgefordert worden, ihr Haus zu verlassen und nach rechts zu gehen. Da sie den Befehl aber nicht verstanden hätten, seien sie nach links gegangen und deswegen erschossen worden.

Ein anderer Kommandeur berichtete, in einem anderen Fall hätte man willkürlich eine ältere Palästinenserin erschossen, die in etwa 100 Meter Entfernung von einer israelischen Stellung auf der Straße ging. Seiner Aussage nach sei dies ein »kaltblütiger Mord« gewesen.

Die Deutsche Welle berichtete: »Ein Truppführer erklärte, die Soldaten unter seinem Kommando empfänden die Leben der Palästinenser als etwas sehr Unbedeutendes im Vergleich zum Leben ihrer Kameraden. Beim Stürmen von Häusern, in denen sich Zivilisten aufhielten, hätten Soldaten häufig wahllos und ohne Vorwarnung um sich geschossen.

›Die Vorgesetzten sagten uns, dies sei in Ordnung, weil jeder, der dageblieben ist, ein Terrorist ist‹, erzählte einer der Soldaten. ›Ich habe das nicht verstanden – wohin hätten sie denn fliehen sollen?‹ Andere Soldaten hätten ihm gesagt, man müsste alle töten, »weil jeder Mensch in Gaza ein Terrorist ist«. Die Geringschätzung der Palästinenser habe sich auch darin widergespiegelt, dass Soldaten ›Tod den Arabern‹ an Wände geschrieben und auf Familienfotos gespuckt hätten, hieß es in einem weiteren Bericht.«

In der Haaretz hieß es: Ein Soldat erklärte, »ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll …, das Leben der Palästinenser, kann man sagen, war sehr, sehr viel weniger wert als das Leben unserer Soldaten.«

Ein anderer Squad Leader erläuterte die freizügigen Regeln für den israelischen Einsatz: Ohne die Bewohner vorher zu warnen, drangen die Soldaten in Häuser ein und eröffneten das Feuer. Und über den Einsatz im Zentrum von Gaza: »Wir sollten dort jeden töten.«

 

 

Das hat Spaß gemacht

Ein weiterer israelischer Kommandeur berichtete, dass sich viele Soldaten auch mutwillig den Besitz palästinensischer Familien zerstört hätten, »weil es ihnen Spaß macht. Wir können sagen, so oft wir wollen, dass die israelische Armee moralisch überlegen ist, aber im Feld ist das einfach nicht so.«

»Die Soldaten haben keinen Grund zu lügen«, schreibt die Haaretz. »Das ist, was die Soldaten bei ihrem Einsatz in Gaza sahen und erlebten. Es gibt eine beunruhigende Übereinstimmung  der Aussagen aus verschiedenen Bereichen der Armee. Die israelische Armee tut sich selbst einen großen Gefallen, wenn sie die Anschuldigungen ihrer eigenen Soldaten ernst nimmt, denn bisher kamen die Aussagen nur von palästinensischen Zeugen oder der ›feindlichen‹ Presse. Aber was, wenn das die Soldaten selbst erzählen? Es ist sozusagen ein Beweis aus erster Hand.«

Offiziere des Generalstabs gaben an, sie hätten keine Belege für Vorfälle, wie sie die Soldaten beschreiben würden. Die Haaretz vermutet jedoch, dass sie es nicht wissen wollen, denn diejenigen, die jene schrecklichen Geheimnisse preisgeben, waren selbst in den Kampfeinheiten.

 

 

»Die moralischste Armee der Welt«

Solche Vorfälle sind in der israelischen Armee nicht neu, auch nach dem Sechs-Tage-Krieg wurden Diskussionen über moralische Verfehlungen der Soldaten geführt, die im ersten und zweiten Libanon-Krieg, während der Intifada bis hin zum jüngsten Gaza-Krieg kontinuierlich zunahmen.

Die Aussagen der israelischen Kommandeure und Soldaten sind nun an den Generalstab übergeben worden. Ein Armeesprecher verkündete erwartungsgemäß, die Streitkräfte wollten prüfen, wie glaubwürdig die Aussagen sind und dann gegebenenfalls eine Untersuchung einleiten. Verteidigungsminister Ehud Barak verteidigte schon vorab die israelischen Soldaten. Er sagte, die israelische Armee sei die »moralischste der Welt«, die Vorfälle werden aber untersucht.

 

 

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Quellen:

http://www.dw-world.de

http://www.haaretz.com/hasen/spages/1072040.html

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