Kommt der Weltbankrott?
Michael Grandt
Die Märkte realisieren endlich die Schuldenkrisen in Europa und in den USA. Innerhalb von nur einer Woche wurden an den Börsen rund fünf Billionen (!) Euro vernichtet. Investoren wollten ihre Gewinne noch sichern und verkauften Aktien, was das Zeug hält. »Blutbad« nennen das die Börsianer.

Europa und die USA sind angeschlagen. Die Schuldenkrise hat die Welt fest im Griff. Panik treibt die internationalen Finanzmärkte. Alleine letzte Woche wurden an den Börsen fünf Billionen (!) Euro an Kapital vernichtet. Die Veränderung der Aktienkurse der jeweiligen Leitindizes in Prozent:
USA: -5,3
Deutschland: -10,3
Japan: -8,3
China: -3,1
Großbritannien: -8,9
Frankreich: -8,6
Italien: -9,6
Schweiz: -9,0
Dänemark: -10,4
Irland: -9,1
Portugal: -7,1
Spanien: -6,9
Griechenland: -10,2
Türkei: -11,3
Russland: -9,6
Indien: -7,1
Kanada: -7,2
Australien: -12,7
Südkorea: -12,1*
Das DAX-Hoch betrug am 1. August 2011 7.224,63 Punkte, am 5. August rutschte er auf 6.236,16 Punkte, verlor also knapp 1.000 Punkte. Panik ging um. Alle wollten raus aus deutschen Aktien, weil sie die Gewinne der letzten Monate noch sichern wollten. So rutschte der DAX immer weiter in die Tiefe, der Markt drehte durch. Investoren flüchteten in Bargeld und deutsche Staatsanleihen, »Blutbad« nennen das die Börsianer. In den USA ging es weiter, denn auch dort rauschten die Kurse in die Tiefe. Anleger verkauften so viele Aktien, dass die Banken mit Bargeld überschwemmt wurden.
Die Turbulenzen resultieren aus Konjunktursorgen und den dramatischen Schuldenproblemen in
den USA und in Europa. Eigentlich sollten die Staaten ihre Schulden abbauen, aber ein weltweiter Konjunkturaufschwung ist nicht in Sicht. Stattdessen geht die Angst vor einer Rezession und neuen Staatspleiten um. Jetzt realisieren auch die internationalen Finanzmärkte die Unfähigkeit der Politik, die Probleme zu lösen. Das Vertrauen ist dahin. Die Welt zahlt jetzt den Preis für die gigantische Verschuldung der letzten 30 Jahre. Viele Staaten können in eine Rezession schlittern, allen voran die USA, die ihre Schuldenprobleme nicht in den Griff bekommen und jetzt ein gigantisches Sparprogramm beschlossen haben, das die Konjunktur aber eher abwürgen statt stimulieren dürfte.
Auch der so hochgelobte Aufschwung in Deutschland kühlte sich in den letzten Wochen ab. Der Grund: Wir sind exportabhängig. Zwar verkaufen wir in die Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien Autos, Maschinen oder Anlagen, doch dort galoppiert nun die Inflation und Spekulationsblasen bilden sich. Deren Notenbanken müssen gegensteuern und werden die Zinsen vermutlich erhöhen, was das Wachstum dämpfen und unsere Exporte einschränken dürfte.
So spitzt sich die Lage zu und ein Weltbankrott ist nicht mehr auszuschließen: immer mehr europäische Staaten, die vor dem Bankrott stehen, die USA, die herabgestuft wurden und eine gigantische Immobilienblase, die sich in China gebildet hat und zu platzen droht.
* Aufstellung aus: WAMS v. 07.08.2011
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