Tuesday, 28. June 2016
29.09.2010
 
 

Siebenjährige in der Pubertät

Michael Grandt

In den USA wachsen die Mädchen immer früher heran. Das bringt nicht nur körperliche, sondern auch seelische Probleme mit sich. Bei manchen Betroffenen wird die Pubertät deshalb künstlich verlangsamt.

Die Veränderungen in Kieras Körper schockieren ihre Eltern bis heute. Obwohl die Achtjährige ansonsten stets putzmunter war, bekam sie plötzlich immer öfter Kopfschmerzen und Akne. Noch alarmierender für Mutter Sharon war die Erkenntnis, dass sich bei ihrer dünnen Tochter bereits Brüste entwickelten. »Ich dachte, sie ist doch noch viel zu jung dafür«, sagte die besorgte Mutter. »Sie hat nachts immer noch Angst, wenn sie alleine ist. Eine Achtjährige ist einfach noch nicht reif genug, um mit solchen Veränderungen umzugehen.«

Auch für Kiera war die Situation sehr peinlich. Keine ihrer Freundinnen machte die gleiche Erfahrung. Als diese sie immer öfters über deren Akne und ihren immer größer werdenden Busen fragten, wich Kiera aus. »Ich wollte ihnen nicht sagen, was los war«, sagte das Mädchen aus Pittsburgh, das mittlerweile neun Jahre alt ist. »Also musste ich sie anlügen.«

Der Arzt versicherte den Eltern, dass alles in Ordnung sei. Kieras Pubertät würde einfach früher einsetzen als bei anderen Mädchen in ihrem Alter.

 

Pubertät mit Sieben ist keine Seltenheit mehr

Wie sich herausstellte, ist der Beginn der Pubertät im Alter zwischen sieben und acht Jahren heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr. Eine neue Studie, die kürzlich in der Zeitschrift Pediatrics veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Pubertät bei amerikanischen Mädchen immer früher beginnt.

Was genau diese Veränderungen auslöst, ist noch unklar. Doch es gibt Bedenken. Studien zeigen, dass ein früher Beginn der Menstruation mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einhergeht. Andere Forschungen haben ergeben, dass Mädchen, die früher zu Pubertieren beginnen, tendenziell eine niedrigere Selbstachtung und ein schwächer ausgeprägtes Selbstbewusstsein haben. Sie neigen zudem häufiger zu riskanten Verhaltensweisen, die zum Beispiel zu ungeplanten Schwangerschaften führen können.

Um einen möglichen Zusammenhang zwischen früher Pubertät und Brustkrebsrisiko zu erforschen, haben Wissenschaftler deshalb 1.239 Mädchen im Alter zwischen sechs und acht Jahren aus drei verschiedenen Regionen der USA untersucht: aus Harlem in New York, Cincinnati und San Francisco.

 

Afroamerikanische Mädchen entwickeln sich schneller

Die Studie bewies, dass bei einer überraschend großen Gruppe der Mädchen die Pubertät bereits im Alter zwischen sieben und acht beginnt. Die Forscher haben festgestellt, dass sich bei zehn Prozent der siebenjährigen weißen Mädchen bereits die Brüste entwickelten, während es in einer 1977 veröffentlichten Studie noch rund fünf Prozent waren. Außerdem hatten 23 Prozent der siebenjährigen afroamerikanischen Mädchen bereits ein Brustwachstum, verglichen mit 15 Prozent im Jahre 1977.

Ein weiteres Ergebnis der Studie über Frühpubertät war, dass die Quote der weißen Siebenjährigen in der San-Francisco-Gruppe mit sieben Prozent wesentlich geringer war als bei den Gleichaltrigen aus dem Norden Kaliforniens. Dem standen 14 Prozent der gleichaltrigen Mädchen aus Ohio gegenüber. Unter den afroamerikanischen Siebenjährigen traf diese Entwicklung auf 27 der kalifornischen und 31 Prozent der New Yorker Mädchen zu.

 

Fettleibigkeit und zu wenig Bewegung

Noch sind sich die Wissenschaftler nicht einig, welche Faktoren die frühe Pubertät wirklich auslösen. Dr. Frank Biro, Direktor für Jugendmedizin am Cincinnati Kinderkrankenhaus und Autor einer angesehenen Studie, ist davon überzeugt, dass die zunehmende Fettleibigkeit dabei eine Rolle spielt. Sein Kollege Dr. Luigi Garibaldi, Professor für Pädiatrie und Leiter der klinischen pädiatrischen Endokrinologie am Kinderkrankenhaus in Pittsburgh, stimmt dem zu.

»In den siebziger Jahren fingen Mädchen erst mit siebzehn oder achtzehn an zu menstruieren«, sagte Garibaldi weiter. »Das hatte damals viel mit Mangel- und Unterernährung zu tun.« Der Arzt nimmt deshalb an, dass einer der Gründe für das immer frühere Einsetzen der Pubertät falsche oder übermäßige Ernährung ist.

 

»Es könnten aber auch die Auswirkungen von Umweltfaktoren sein«, sagte hingegen Dr. Stanley Korenmann, ein Endokrinologe an der Universität von Los Angeles. »Zum Beispiel Umweltgifte in Kunststoffen, Chemikalien und in Lebensmitteln. Sie erhöhen den Östrogenspiegel. Und Östrogene stimulieren wiederum die Brustentwicklung«.

 

Künstliche Verlangsamung der Pubertät

»Familien sollten deshalb Wert darauf legen, wieder zusammen zu essen und auf eine ausgewogene Ernährung achten. Zudem kann regelmäßige körperliche Betätigung ebenfalls helfen«, sagte Dr. Biro. Über die Möglichkeit des erhöhten Brustkrebsrisikos hinaus stellt sich auch die Frage der emotionalen Reife: »Nur weil ein Mädchen körperlich erwachsen ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass sie auch sozial und psychologisch ausgereift ist.«

Für Kiera besteht ein Teil der Untersuchungen aus Knochenmessungen. Ärzte haben festgestellt, dass sie im Alter von acht Jahren bereits den Knochenbau einer Zehnjährigen aufweist, was zu Wachstumshemmungen führen könnte. Das Mädchen und ihre Familie waren sich deshalb einig: Die Pubertät sollte künstlich verlangsamt werden.

Jetzt trägt sie ein Implantat unter der Haut des Oberarms. Es schüttet regelmäßige Dosen eines Medikamentes aus, das genau jene Hormone bindet, die für die frühe sexuelle Reife zuständig sind. Kiera ist glücklich, dass das Wachstum ihrer Brüste dadurch gestoppt werden konnte und sie sich jetzt so fühlen kann wie ihre gleichaltrigen Freundinnen.

 

Mitarbeit: Alexander Strauß

 

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Quelle:

MSNBC.com

 


 

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