Tuesday, 22. July 2014
02.07.2009
 
 

Sozialverträgliches Ableben oder ökonomisch attraktiver Tod

Michael Grandt

Die AOK versucht mit einem Trick rund eine Milliarde Euro mit dem Tod von Patienten zu verdienen – und fühlt sich dabei auch noch im Recht!

Der AOK Bundesverband in Berlin wandte sich kürzlich mit einem brisanten Schreiben an das Referat VII 2 des Bundesversicherungsamtes in Bonn, indem er die »Annualisierung der Ausgaben Verstorbener« fordert. Das Schreiben trägt die Überschrift: »Versichertenklassifikationsmodell im Risikostrukturausgleich, Anpassung des Modells für den Jahresausgleich 2010« und ist abzurufen unter: http://www.bundesversicherungsamt.de/cln_091/nn_1058636/DE/Risikostrukturausgleich/Weiterentwicklung_20RSA/Vorschlag__AOK__BV,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Vorschlag_AOK_BV.pdf


Abkassieren, Abkassieren, Abkassieren
Für Laien ist nicht so schnell klar, um was es dabei geht. Aber wie sollte es auch anders sein, es geht um Geld, um viel Geld für die AOK. Denn die Krankenkasse will Zuschüsse für Patienten bekommen, wenn diese auch bereits verstorben sind.

Im AOK-Fachjargon hört sich das so an: »Berücksichtigung der Ausgaben und Versicherungszeiten Verstorbener im Rahmen der Zuschlagsermittlung“, denn laut dem Schreiben der Krankenkasse ergebe sich bei der Zuschlagsermittlung folgendes Problem: »Untersucht man die Wirkungsweise des vom BVA (Bundesversicherungsanstalt, d. Verf.)  angewandten Verfahrens empirisch, so zeigt sich, dass dieses Verfahren zu Unterschätzung der Ist-Ausgaben für jene Altersgruppen führt, die überdurchschnittlich viele Verstorbene aufweisen, wogegen die Ist-Ausgaben derjenigen Altersgruppen, die unterdurchschnittlich viele Sterbefälle aufweisen systematisch überschätzt werden.«

Im Klartext: Zukünftig soll der Staat (also wir Steuerzahler) für einen Patienten, der im Januar stirbt, noch bis Ende Dezember Geld an die AOK überweisen!
Hintergrund: Die gesetzlichen Krankenkassen bekommen für jedes ihrer Mitglieder Zuschläge für besondere Krankheiten. Wenn ein Diabetes-Patient z.B. Anfang des Jahres verstirbt, will die AOK jetzt also noch bis Jahresende den Zuschlag erhalten, sprich: abkassieren.
Diesen Vorwurf muss sich die AOK schon gefallen lassen, denn ihr Vorschlag kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern ist ein sauber durchkalkulierter Plan, der sich richtig lohnen würde: Laut Spiegel käme rund eine Milliarde Euro zusammen, die der Gesundheitsfonds dann umschichten müsste.  

Demnach würden die Krankenkassen mit überdurchschnittlich vielen älteren Versicherten profitieren, darunter – man kann es kaum glauben – fast alle AOK’s. Kassen mit jüngeren, gesünderen Mitgliedern müssten hingegen Einbußen hinnehmen.

Die AOK verteidigt sich gegen den Vorwurf der Pietätlosigkeit im EXPRESS. Bundesverbands-Sprecher Udo Barske sagte: »Wir wollen mit dem Vorschlag erreichen, dass die sehr hohen Kosten, die oft in den letzten Monaten eines Patienten anfallen, gerechter verteilt werden. Wir wollen also nicht mit Toten verdienen. Das ist verzerrt dargestellt.«

Ökonomisch attraktiver Tod
Das Internetportal facharzt.de bringt diese Scheinheiligkeit ironisch auf den Punkt: »Wäre nämlich der Logik der AOK folgend, demnach nicht der Tod ihrer Mitglieder möglichst früh im Kalenderjahr ökonomisch besonders attraktiv (keine Ausgaben mehr für den Rest des Jahres aber die volle ‚Annualisierungsprämie’ aus dem Fond)? Wie wir Ärzte hier aus Erfahrung sicher wissen, ist es für eine Kasse selbstverständlich völlig unmöglich, auf einen möglichen frühzeitigen Todeszeitpunkt Einfluss zu nehmen. Sie müsste ja dazu willkürlich und im großen Stil z.B. Auszahlungen verweigern und/oder verzögern. Und das würde eine gute deutsche Krankenkasse natürlich nie tun! Das Schlimme an dieser Angelegenheit ist m.E., dass die AOK ihr Ansinnen offenbar weder trachtet geheim zu halten noch sich irgendeiner Verfehlung bewusst zu sein scheint! Das lässt wohl hinreichend Raum für Rückschlüsse auf das mögliche Rechtsverständnis fast völlig unkontrollierter Kassen in Deutschland.«

Als AOK-Patient würde ich mir allerdings so meine Gedanken machen.

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