Tuesday, 22. May 2012
20.01.2011
 

Würden Sie »Cocos« kaufen?

Michael Grandt

Mit Spezialanleihen, sogenannten »Coco-Bonds«, wollen Banken künftige Finanzkrisen verhindern. Kritiker warnen jedoch.

»Contingent Convertibles«, liebevoll auch »Cocos« genannt, sollen die neue Wunderwaffe gegen neue Finanzkrisen sein. Eine der ersten Banken, die sich mit dieser Spezialanleihe eingedeckte, war die britische Lloyds Bank, die gleich Bonds in einem Volumen von neun Milliarden Pfund aufnahm.

Unter »Cocos« versteht man Anleihen, die in Aktien getauscht werden. Im Unterschied zur bekannten Wandelanleihe richten sich dabei die Tauschkonditionen nach dem Kernkapital und orientieren sich nicht an einem bestimmten Aktienkurs. Und das funktioniert vereinfacht ausgedrückt so: Fällt das Eigenkapital einer Bank unter eine bestimmte Schwelle, wird das Fremdkapital in Aktien umgewandelt. Bei normalen Wandelanleihen haben die Besitzer das Recht, diese in (im Kurs gestiegene) Aktien zu wandeln. Bei den Cocos besteht jedoch umgekehrt die Pflicht, abgesackte Aktien zu übernehmen. Damit sollen die Bonds dafür sorgen, dass angeschlagene Banken schnell mit frischem Kapital versorgt werden. Die Anleihen werden automatisch in Eigenkapital umgewandelt, wenn das bestehende Eigenkapital einer Bank auf eine vorher definierte Quote sinkt. Dann werden die Anleihengläubiger zu Aktionären und müssen unter Umständen Verluste mittragen. Im Notfall werden also so Schulden in Eigenkapital umgewandelt. Dadurch verkleinert sich die Kreditlast der Bank.

Aber finden sich dafür wirklich genügend Investoren? Zwar erhalten sie 1,5 bis 2,5 Prozent höhere Zinsen als bei herkömmlichen Wandelanleihen, aber es handelt sich eben um ein riskantes Wertpapier. So berichtete die britische Financial Times, dass diese neuen Anleihen ein »besonderes Maß an Risiko für die Kapitalmärkte« bedeuten und ein einflussreicher Investor sprach sogar von einer »Zeitbombe«. Andere Kritiker warnen vor einer prozyklischen Wirkung in Krisenzeiten: Neue Aktien würden dann den Abwärtstrend nur noch beschleunigen, und ziehen einen Vergleich mit den »Death-Spiral«-Bonds im Japan der 1990er-Jahre.

Dennoch halten die britische Finanzaufsicht und auch die britische Nationalbank diese neue Art von Papieren für geeignete Instrumente, um die Kapitalbasis zu ergänzen und Banken stabiler zu machen.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s sieht Cocos ebenfalls nicht negativ. Sie geht sogar davon aus, dass sich Banken, die künftig schärfer reguliert werden, über diese spezielle Wandelanleihen mindestens eine Billion Dollar am Kapitalmarkt besorgen könnten.

 

 


 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Falsche Wetterprognosen: Sind jetzt Piraten schuld daran?
  • INDECT: Die EU startet den größten Überwachungsangriff aller Zeiten
  • Deutschland: Türken fordern zweisprachige Ortsschilder und Autonomie
  • Neues Überwachungs- und Kontrollsystem: Bundesregierung will die Energieverbraucher fernsteuern
  • Enthüllt: So faul sind unsere EU-Politiker
  • Europa: Menschenversuche der US-Pharmakonzerne

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

USA: die Angst vor der Katastrophe

F. William Engdahl

Vor einigen Tagen hat US-Finanzminister Timothy Geithner erstmals öffentlich über den drohenden Staatsbankrott der Vereinigten Staaten gesprochen. Fast alle Europäer waren in den vergangenen Wochen durch die Euro-Schwäche ganz auf sich selbst konzentriert. Dabei ist die Lage in den USA weitaus dramatischer als in Europa. Verschuldung und Defizite  mehr …

Deutschlands Bonität verschlechtert sich

Michael Grandt

Hilfsbereitschaft mit schlimmen Folgen: Immer neue deutsche Milliardenhilfen für bankrotte EU-Staaten, die nicht mit Geld umgehen können, verschlechtern unsere Kreditwürdigkeit.  mehr …

Island: Besitzer von Bankanleihen werden zur Kasse gebeten

Michael Grandt / Alexander Strauß

Es ist noch nicht lange her, da brach Islands Bankensystem zusammen. Doch anders als in Griechenland oder Irland mussten nicht nur die Steuerzahler die Zeche zahlen, sondern auch die Besitzer von Bankanleihen – mit Erfolg.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Die Fed hat gesprochen: Kein Bailout für die Main Street!

Ellen Brown

Die US-Notenbank Federal Reserve ist von Bankern für Banker gegründet worden und hat diesen bisher stets gute Dienste geleistet. Aus dem Nichts heraus hat sie den Banken 12,3 Billionen Dollar an fast zinslosen Darlehen zur Verfügung gestellt, um ihnen aus einer selbstverschuldeten Kreditklemme zu helfen. Eben diese Kreditkrise hat auch  mehr …

USA: die Angst vor der Katastrophe

F. William Engdahl

Vor einigen Tagen hat US-Finanzminister Timothy Geithner erstmals öffentlich über den drohenden Staatsbankrott der Vereinigten Staaten gesprochen. Fast alle Europäer waren in den vergangenen Wochen durch die Euro-Schwäche ganz auf sich selbst konzentriert. Dabei ist die Lage in den USA weitaus dramatischer als in Europa. Verschuldung und Defizite  mehr …

Friedrich Schillers Tod: Sensationelle Entdeckung bestätigt den Mordverdacht (Teil 1)

Armin Risi

Eine verschlüsselte Botschaft von Goethe in seinem Faust II verrät beziehungsweise bestätigt, was schon vielfach geäußert wurde, nämlich dass Friedrich Schiller (1759–1805) ermordet wurde. Den Bericht über diese Entdeckung habe ich exklusiv in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Mysteries veröffentlicht. Hier beim Goethe-Code geht es nicht  mehr …

INDECT: Die EU startet den größten Überwachungsangriff aller Zeiten

Andreas von Rétyi

Ein »Forschungsprojekt« der EU dient angeblich unserer  Sicherheit. In Wahrheit handelt es sich um den wohl größten Überwachungsangriff aller Zeiten. Die fragwürdige Technologie kennt keine Privatsphäre.  mehr …

Großmutter stirbt nach Schweinegrippeimpfung an Schweinegrippe

Mike Adams

In Großbritannien starb die 68-jährige Großmutter Eleanor Carruthers an der Schweinegrippe. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass sie sich vor wenigen Monaten gegen Schweinegrippe hatte impfen lassen und dass man ihr erklärte hatte, damit sei sie vor der Grippe absolut sicher. Ihre Tochter Carole wurde in einem Artikel in der  mehr …

Werbung

Newsletter – Jetzt kostenlos anfordern

E-Mail-Adresse

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.