Würden Sie »Cocos« kaufen?
Michael Grandt
Mit Spezialanleihen, sogenannten »Coco-Bonds«, wollen Banken künftige Finanzkrisen verhindern. Kritiker warnen jedoch.
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»Contingent Convertibles«, liebevoll auch »Cocos« genannt, sollen die neue Wunderwaffe gegen neue Finanzkrisen sein. Eine der ersten Banken, die sich mit dieser Spezialanleihe eingedeckte, war die britische Lloyds Bank, die gleich Bonds in einem Volumen von neun Milliarden Pfund aufnahm.
Unter »Cocos« versteht man Anleihen, die in Aktien getauscht werden. Im Unterschied zur bekannten Wandelanleihe richten sich dabei die Tauschkonditionen nach dem Kernkapital und orientieren sich nicht an einem bestimmten Aktienkurs. Und das funktioniert vereinfacht ausgedrückt so: Fällt das Eigenkapital einer Bank unter eine bestimmte Schwelle, wird das Fremdkapital in Aktien umgewandelt. Bei normalen Wandelanleihen haben die Besitzer das Recht, diese in (im Kurs gestiegene) Aktien zu wandeln. Bei den Cocos besteht jedoch umgekehrt die
Pflicht, abgesackte Aktien zu übernehmen. Damit sollen die Bonds dafür sorgen, dass angeschlagene Banken schnell mit frischem Kapital versorgt werden. Die Anleihen werden automatisch in Eigenkapital umgewandelt, wenn das bestehende Eigenkapital einer Bank auf eine vorher definierte Quote sinkt. Dann werden die Anleihengläubiger zu Aktionären und müssen unter Umständen Verluste mittragen. Im Notfall werden also so Schulden in Eigenkapital umgewandelt. Dadurch verkleinert sich die Kreditlast der Bank.
Aber finden sich dafür wirklich genügend Investoren? Zwar erhalten sie 1,5 bis 2,5 Prozent höhere Zinsen als bei herkömmlichen Wandelanleihen, aber es handelt sich eben um ein riskantes Wertpapier. So berichtete die britische Financial Times, dass diese neuen Anleihen ein »besonderes Maß an Risiko für die Kapitalmärkte« bedeuten und ein einflussreicher Investor sprach sogar von einer »Zeitbombe«. Andere Kritiker warnen vor einer prozyklischen Wirkung in Krisenzeiten: Neue Aktien würden dann den Abwärtstrend nur noch beschleunigen, und ziehen einen Vergleich mit den »Death-Spiral«-Bonds im Japan der 1990er-Jahre.
Dennoch halten die britische Finanzaufsicht und auch die britische Nationalbank diese neue Art von Papieren für geeignete Instrumente, um die Kapitalbasis zu ergänzen und Banken stabiler zu machen.
Die Ratingagentur Standard & Poor’s sieht Cocos ebenfalls nicht negativ. Sie geht sogar davon aus, dass sich Banken, die künftig schärfer reguliert werden, über diese spezielle Wandelanleihen mindestens eine Billion Dollar am Kapitalmarkt besorgen könnten.
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