Tuesday, 22. May 2012
04.01.2011
 

Pseudowissenschaft schlägt Alarm: Die Behauptung einiger Wissenschaftler, alternative Heilmethoden seien für Kinder gefährlich, steht auf dürftiger Beweisgrundlage

Mike Adams

Diese alarmierende Überschrift schmückte die Pressemitteilung eines neuen British Medical Journal (BMJ): Alternativmedizin kann für Kinder gefährlich sein. Aber wenn man einen Blick auf die angeblichen Beweise für die lebensbedrohlichen Gefahren komplementärer und alternativer Heilmethoden wirft, was findet man dann wohl? Sie lösen sich in Luft auf.

Hier die Tatsachen: Australische Wissenschaftler veröffentlichten vor Kurzem ihre Forschungsergebnisse im Archiv für Kinderkrankheiten (ADC) im BMJ. Dort hieß es, komplementäre und alternative Medizin (CAM) seien von Natur aus gefährlich für Kinder. Ihre angeblichen Belege bestanden aus einigen wenigen, schlecht dokumentierten Berichten über Nebenwirkungen alternativmedizinischer Behandlungen, die zwischen 2001 und 2003 an die australische Pediatric Survaillance Unit gemeldet wurden. [Die PSU sammelt und wertet Informationen über die Verbreitung von Krankheiten im Kindesalter aus.]

In den betreffenden Jahren wurden lediglich 46 Fälle von Nebenwirkungen im Zusammenhang mit alternativen oder komplementären Heilmethoden gemeldet. Dabei handelte es sich um Nebenwirkungen, die von Verstopfung, allergischen Reaktionen, Geschwüren im Mundbereich bis hin zu Erbrechen und Krämpfen sowie vier Todesfällen reichen. In 39 Fällen handelte es sich nur um Umfragebögen, die von Eltern bzw. Ärzten ausgefüllt worden waren.

Das Alter der Kinder in den Berichten reichte vom Säuglingsalter bis zum Alter von 16 Jahren. Etwa 54 Prozent der angeblichen CAM-Nebenwirkungen wurden als ernsthaft, lebensbedrohlich oder tödlich eingestuft. Das hört sich wie eine ziemlich große Anzahl an. Man muss dabei aber bedenken, dass von allen alternativmedizinischen Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen in Australien, deren Zahl vermutlich in die Zigmillionen geht, über einen Zeitraum einiger Jahre nur 39 Fälle dokumentiert wurden. Darüber hinaus waren nur 44 Prozent, also weniger als die Hälfte, der Kinderärzte bereit, zu erklären, ihrer Ansicht nach sei ihren Patienten ein Schaden zugefügt worden, weil sie statt einer konventionellen Therapie alternative oder komplementäre Heilmethoden vorgezogen hätten.

In drei Vierteln der Fälle (77 Prozent) behauptete man einen direkten oder wahrscheinlichen Zusammenhang zu CAM. Aber die in der Untersuchung verwendeten Begriffe »im Zusammenhang mit« oder »in Verbindung mit« stellen keine unmittelbare Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen CAM-Methoden und den geschilderten Symptomen und Erfolgen her. Die australischen Wissenschaftler verstiegen sich jedoch zu der haltlosen Schlussfolgerung, komplementäre oder alternative Heilmethoden »könnten nachweislich tödlich wirken, wenn sie anstelle konventioneller Medizin angewendet werden«.

Einer der tragischsten Fälle, für den die australischen Forscher alternativmedizinischen Methoden verantwortlich machen, betraf den Tod eines zehn Monate alten Säuglings, der an einem septischen Schock (ein lebensbedrohlicher Blutdruckabfall aufgrund einer schweren Blutinfektion) gestorben war. Die australischen Wissenschaftler erklärten, der Todesfall sei »nach einer homöopathischen Behandlung und einer strikten Diät gegen chronische Ekzeme« eingetreten. Ohne Zweifel benötigte der Säugling angemessene medizinische Behandlung zur Bekämpfung der außer Kontrolle geratenen Infektion, aber nach allgemeiner Überzeugung wurde die auslösende Erkrankung wahrscheinlich durch Bakterien ausgelöst, die durch die aufgrund der Ekzeme stark geschädigte Haut in das Blut gelangt waren. Die Art und Weise, wie der wissenschaftliche Artikel geschrieben wurde, suggeriert aber, dass die CAM-Behandlung selbst der vorrangige Auslöser für den Tod gewesen sei.

Darüber hinaus wird mit keinem Wort erwähnt, dass auch weitverbreitete konventionelle Medikamente möglicherweise an dem Tod des Säuglings beteiligt waren. In einer Untersuchung, die 2009 im Rahmen der »Internationalen Untersuchung von Asthma und Allergien in der Kindheit« in der Fachzeitschrift Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht wurde, heißt es, bei der Einnahme von Antibiotika im ersten Lebensjahr steige das Risiko von Ekzemen. Wurde der Säugling bereits mit verschreibungspflichtigen Medikamenten behandelt, bevor sich seine Eltern komplementären und alternativen Heilmethoden zuwandten? Könnten anstelle alternativer Behandlungsmethoden frühere schulmedizinische Behandlungen für das Entstehen der Ekzeme und den späteren Tod verantwortlich sein? Leider finden sich in der gegen alternativmedizinische Heilmethoden gerichteten Untersuchung darauf keine detaillierten Antworten.

Natürlich will niemand, dass Kinder unter falschen Behandlungsmethoden leiden, die von Eltern, alternativmedizinischen Heilpraktikern oder Ärzten eingesetzt werden. Aber eine Sammlung von knapp vier Dutzend Fällen von Nebenwirkungen bei komplementären und alternativen Behandlungsmethoden bei Kindern und Jugendlichen über einen Zeitraum mehrerer Jahre und eine Untersuchung, die es versäumt, die Anzahl unerwünschter Nebenwirkungen und Todesfälle im Zusammenhang mit verschreibungspflichtigen und anderen verbreiteten Medikamenten mit entsprechenden Fällen bei alternativen Heilmethoden zu vergleichen, sind keinesfalls das letzte Wort zu den angeblich lebensbedrohlichen Folgen komplementärer und alternativer Medizin.

Der offensichtlichste Mangel der australischen Studie betrifft die Tatsache, dass die Untersuchung zwar die vier möglichweise mit alternativmedizinischen Behandlungen in Zusammenhang stehenden Todesfälle als schreckliche Beispiele für die tödlichen Folgen alternativer und komplementärer Medizin darstellt, aber völlig ignoriert, dass die konventionellen Medikamente der großen Pharmakonzerne unmittelbar für den alljährlichen Tod von mehr als 100.000 Menschen aller Altersgruppen allein in den USA verantwortlich sind. Medikamentöse Behandlungen führen zu Problemen katastrophalen Ausmaßesalle fünf Minuten stirbt ein Mensch an weitverbreiteten Medikamenten und eben nicht an alternativen Heilmethoden.

Kinder sind dabei oft die schutzlosesten Opfer. Hunderte Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen, bei denen eine Aufmerksamkeits- defizit-/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnostiziert wurde und denen man starke stimulierende Medikamente wie Ritalin (Methylphenidat) verabreicht hatte, wurden dem Patientenschutzprogramm MedWatch der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA gemeldet. 2006 veröffentlichte die FDA dann endlich aufgrund offensichtlicher, erschreckender Nebenwirkungen (darunter schwere Psychosen, Herzinfarkte und mitunter tödliche Herzrhythmusstörungen) massive Warnungen vor einigen dieser Medikamente.

Es gibt noch viele derartige Beispiele: Allein 300 Menschen, darunter viele Kinder, sterben alljährlich in den USA an den Folgen einer Penicillin-Allergie. Aber es sind keinerlei Zahlen verfügbar, die belegen, dass in den USA oder in Australien 300 Menschen an allergischen Reaktionen aufgrund alternativmedizinischer Behandlungen sterben.

Die oben erwähnte Untersuchung verweist auch nicht auf andere australische Forschungen, die etwa von Wissenschaftlern der Universität Sidney auf einer Konferenz der Internationalen Pharmazeutischen Vereinigung früher in diesem Jahr vorgelegt wurden. Dort zeigte sich, dass die Einnahme weitverbreiteter Medikamente gegen Fieber, Husten und Erkältungen Kinder erheblichen Risiken aussetzt. Diese Untersuchung belegt, dass Medikamente gegen Husten und Erkältungen ein größere Problem als alternative und komplementäre Heilmethoden darstellen – im Jahr 2008 betrafen 48 Prozent der Anrufe an das Giftinformationszentrum in New South Wales, an das alle Anfragen außerhalb der Dienstzeiten aus ganz Australien weitergeleitet werden, Fälle unabsichtlicher Überdosierung frei erhältlicher Medikamente bei Kindern. In 15 Prozent dieser Fälle war aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes der Kinder eine Einweisung in ein Krankenhaus erforderlich.

»Die Verwendung alternativer Heilmethoden können potenziell zu einer erheblichen Morbiditätsrate und tödlichen Nebenwirkungen führen«, schlussfolgern die Verfasser der anfangs erwähnten Studie vom Königlichen Kinderkrankenhaus in Melbourne.

In Wahrheit aber sind weitaus stärker verbreitete und besser dokumentierte Gefahren für Kinder als die aus alternativen Behandlungsmethoden belegt. So erklärte die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) früher in diesem Jahr warnend, alle fünf Tage ersticke ein Kind in den USA an heißen Würstchen, Süßigkeiten oder Marshmellows; und noch mehr Todesfälle ereigneten sich, weil Kinder Spielzeuge oder Luftballons verschluckten.

__________

Weitere Informationen unter:

http://adc.bmj.com/content/early/2010/11/24/adc.2010.183152.short?q=w_adc_ahead_tab

 

 

NaturalNews

 


 

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