Tuesday, 22. May 2012
17.06.2011
 

Neues Buch eines führenden Krebsexperten attackiert Nationales Krebsinstitut der USA und Amerikanische Krebsgesellschaft

Neev M. Arnell

In seinem neuen Buch macht der führende Krebsexperte Dr. Samuel S. Epstein das Nationale Krebsinstitut in den USA (National Cancer Institute, NCI) und die Amerikanische Krebsgesellschaft (American Cancer Society, ACS) dafür verantwortlich, dass Amerika auf dem besten Wege ist, den Krieg gegen den Krebs zu verlieren.

In dem Buch National Cancer Institute and American Cancer Society: Criminal Indifference to Cancer Prevention and Conflicts of Interest (zu Deutsch: Nationales Krebsinstitut und Amerikanische Krebsgesellschaft: Kriminelle Gleichgültigkeit gegenüber Krebsprävention und Interessenkonflikte) beschuldigt Epstein das NCI und die ACS, Steuer- und Spendengelder in Milliardenhöhe ausschließlich für die Erforschung von Behandlungsmethoden ausgegeben und die Prävention völlig vernachlässigt zu haben. Dies habe zu einem drastischen Anstieg der Rate der Krebserkrankungen geführt, sodass inzwischen fast die Hälfte aller Männer und mehr als ein Drittel aller Frauen von der Krankheit betroffen seien. Darüber hinaus bestünden nicht nur vielfältige Interessenkonflikte bei NCI und ACS, sondern beide hielten auch umfangreiche Informationen über vermeidbare Auslöser von Krebserkrankungen zurück.

Epstein, der in der Vergangenheit als Berater für den Umwelt- und Infrastrukturausschuss des US-Senats (Committee on Public Works) tätig war, ist ein international anerkannter Experte in Bezug auf vermeidbare Ursachen von Krebserkrankungen, insbesondere den Kontakt mit krebserregenden Stoffen durch Lebensmittel, Luft, Wasser, Haushaltsprodukte, Kosmetika, verschreibungspflichtige Medikamente oder Karzinogene am Arbeitsplatz.

Epstein ist emeritierter Professor für Umwelt- und Arbeitsmedizin an der University of Illinois School of Public Health und Vorsitzender der Vereinigung Cancer Prevention Coalition (Krebs-Präventions-Koalition). Er ist Autor von mehr als 270 experten-überprüften Artikeln und 20 Büchern, unter dem sich auch das 1978 erschienene preisgekrönte Werk The Politics of Cancer (zu Deutsch: Krebspolitik) befindet. Er war Gast in amerikanischen Fernsehsendungen wie NPR, 60 Minutes, Face the Nation, Meet the Press, The McNeil/Lehrer News Hour, Good Morning America und The Today Show. Als Experte hat er maßgeblich zum Verbot gefährlicher Produkte wie DDR, Chlordan und Aldrin beigetragen. In seinem neuen Buch erhebt er scharfe Vorwürfe gegen das Krebsestablishment wegen der indifferenten Haltung zur Prävention, die seinen Angaben zufolge bei der ACS an regelrechte Feindseligkeit grenzt.

 

Die Mittel für die Krebsforschung steigen – genauso wie die Krebsrate –, begleitet von übertriebenen Erfolgsmeldungen

Wie Epstein schreibt, hat die Krebsindustrie in den vergangenen 30 Jahren immer wieder irreführende Erklärungen über Fortschritte im Krieg gegen den Krebs abgegeben.

Zu diesen falschen Behauptungen zählt er die Ankündigung der NCI von 1984, bis 2000 werde die Krebssterblichkeit halbiert, sowie die Erklärung von NCI und ACS aus dem Jahr 1998, der seit fast 20 Jahren beobachtete Anstieg von Krebshäufigkeit und -sterblichkeit sei gestoppt. In dieselbe Kategorie fällt das Versprechen des NCI-Direktors und ehemaligen designierten ACS-Präsidenten Andrew von Eschenbach aus dem Jahre 2003, »das Leiden und Sterben an Krebs werde es bis 2015 nicht mehr geben«.

Im 2003 veröffentlichten Jahresbericht über den Stand der Krebsbehandlung in der Zeit von 1975 von 2000 sprechen NCI, ACS und die [US-Gesundheitsbehörde] Centers for Disease Control and Prevention, es sei ein »beachtlicher Fortschritt erzielt« worden, die Zahl der in den USA an Krebs Erkrankten zu senken.

Laut Epstein steht diese Behauptung im Widerspruch zu den von der NCI selbst veröffentlichten Daten, denen zufolge die Gesamtzahl der an Krebs Erkrankten und die Erkrankungsrate tatsächlich um 18 Prozent gestiegen seien. Die Daten zeigten weiterhin eine dramatische Zunahme von Krebsarten, die nicht vom Rauchen verursacht werden – so sei die Zahl von Krebserkrankungen der Leber um 104 Prozent, von Prostatakrebs um 88 Prozent, Schilddrüsen- und Hodenkrebs um 54 Prozent, Brustkrebs um 29 Prozent und von bösartigen Hirntumoren um 14 Prozent gestiegen. Dabei sei die allgemeine Krebssterblichkeitsrate unverändert geblieben, bei Farbigen sogar um sechs Prozent gestiegen.

 

Es scheine, so Epstein, dass mit steigenden Ausgaben für die Krebsforschung immer mehr Krebserkrankungen zu verzeichnen wären, denn in dem Maße, wie die Zahl der Krebspatienten zunehme, wachse auch das mit Steuer- und Spendengeldern finanzierte Budget des NCI: von 220 Millionen Dollar im Jahr 1971 um das 25-Fache auf 4,6 Milliarden Dollar im Jahr 2000.

 

Der Schlüssel ist die Prävention

Die Fixierung auf »Schadensbegrenzung« statt auf Prävention ist laut Epstein die Ursache für die sprunghaft steigenden Krebsraten trotz Milliarden von Dollars, die zur Bekämpfung der Krankheit ausgegeben werden.

Er wirft dem NCI vor, völlig falsche Prioritäten zu setzen. In der Einleitung zum Bericht Fakten über Krebs des NCI aus dem Jahr heißt es: »Krebsvorsorge ist ein wichtiger Teil, gegenwärtig sogar Priorität – um Leiden und Sterben an Krebs zu vermindern«. Dabei waren laut dem Bericht nur zwölf Prozent des damaligen Budgets von 2,75 Milliarden Dollar für Präventionsmaßnahmen vorgesehen.

Epstein legt dar, dass die Prävention heute womöglich eine noch geringer Rolle spielt; er zitiert eine Analyse eines NCI-Haushalts von 1992, aus der hervorgeht, dass nicht einmal 2,5 Prozent des Zwei-Milliarden-Dollar-Budgets für die Prävention aufgewendet wurden.

Er beschuldigt das NCI, die vom Institut definierten Präventionsmaßnahmen einzig darauf zu beschränken, auf das Rauchen zu verzichten und eine ungesunde Ernährung zu vermeiden; die Vielzahl von Karzinogenen in der Umwelt und am Arbeitsplatz werde völlig ignoriert.

 

NCI und ACS halten Informationen über Krebsprävention zurück

Das NCI habe außerdem die Öffentlichkeit nicht über veröffentlichte wissenschaftliche Informationen in  Bezug auf vielfältige vermeidbare Auslöser verschiedener Krebserkrankungen informiert.

Laut Epstein gibt es drei Hauptkategorien vermeidbarer Ursachen, darunter:

1. Umweltschadstoffe in Luft, Wasser und Boden, am Arbeitsplatz und im Essen;

2. krebserregende Inhaltsstoffe in Haushaltsprodukten, insbesondere Schädlingsbekämpfungsmitteln;

3. krebserregende, verschreibungspflichtig Medikamente und hochdosierte, zu diagnostischen Zwecken eingesetzte Strahlung, insbesondere Computertomographien in der Kinderheilkunde.

 

»Das Schweigen des NCI bezüglich der Krebsprävention stellt einen eindeutigen Verstoß gegen die in der Nationalen Krebsverordnung von 1971 festgelegte Plicht dar, die Öffentlichkeit über Krebs zu informieren. Darüber hinaus verstößt dieses Schweigen gegen den Zusatz des Nationalen Krebsprogramms von 1988, in dem ein erweitertes und intensiviertes Forschungsprogramm für die Prävention von Krebserkrankungen, die durch Kontakt mit Karzinogenen in der Umwelt und am Arbeitsplatz entstehen, gefordert wird.«

Dass das NCI den US-Kongress und die Aufsichtsbehörden nicht über vermeidbare Karzinogene informiert habe, sei, so Epstein, der Grund dafür, dass die Erdölindustrie und andere Industriezweige weiterhin Produkte herstellen dürften, die krebserregende Stoffe enthalten, und dass Unternehmen weiterhin die Umwelt verpesten könnten.

Die regelrechte Aversion des NCI dagegen, vermeidbare Karzinogene öffentlich zu benennen, sei so weit gegangen, dass die entsprechenden Informationen unterdrückt beziehungsweise geleugnet worden seien:

»1983 wies das Gesundheitsministerium das NCI an, das Schilddrüsenkrebs-Risiko durch den Fallout von radioaktivem I-131 bei den Atomwaffentests in Nevada Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre zu untersuchen.«

»1997 veröffentlichte das NCI seinen Untersuchungsbericht, der auf Daten beruhte, die seit über 14 Jahren öffentlich zugänglich waren, und prognostizierte bis zu 210.000 Fälle von Schilddrüsenkrebs durch den radioaktiven Niederschlag. Diese Erkrankungen, deren Häufigkeit sich seit 1973 fast verdoppelt hat, hätten leicht verhindert werden können, wenn das NCI die Öffentlichkeit rechtzeitig gewarnt und die Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten empfohlen hätte.«

»Bei einer Anhörung im Unterausschuss des US Senate Committee on Government Affairs vom September 1999 erhob der ehemalige Senator Jon Glenn (Demokrat, Ohio) den Vorwurf, bei der Untersuchung durch das NCI sei die Öffentlichkeit nicht ausreichend beteiligt gewesen, es mangele an Transparenz. Senator Tom Harkin (Demokrat, Indiana) nannte das Verhalten der NCI einen Hohn.«

 

Ebenso schwer wiegt die offene Unterdrückung von Informationen durch das NCI. Bei einer öffentlichen Veranstaltung über Brustkrebs 1996 in San Francisco unter Vorsitz der Kongressabgeordneten Nancy Pelosi (Demokratin, Kalifornien) behauptete Ex-NCI-Direktor Richard Klausner unbeirrt: »Niedrig dosierte Strahlung zu diagnostischen Zwecken weist kein erhöhtes Risiko auf.« Dies stand jedoch im Widerspruch zu Langzeitstudien an Patienten mit Rückgratverkrümmung (Skoliose), bei denen sich gezeigt hatte, dass solche Strahlung für 70 Prozent der zusätzlichen Brustkrebssterblichkeit ursächlich verantwortlich war.

Die ACS steht laut Epstein bei der Prävention ähnlich schlecht da wie das NCI, sie war und ist deshalb wiederholt Ziel von Attacken führender Experten und Bürgergruppen.

In einer Presseerklärung der US-Verbraucherschutzorganisation Center for Science in the Public Interest von 1994 hieß es kritisch: »Eine Gruppe von 24 Wissenschaftlern wirft der ACS vor, kaum etwas zum Schutz der Öffentlichkeit vor krebsauslösenden Chemikalien in der Umwelt und am Arbeitsplatz zu unternehmen. Sie riefen die ACS dringend auf, ihre Politik zu ändern und bei der Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit das Gewicht auf Prävention zu legen.«

Die Wissenschaftler beschuldigten die ACS, erst auf Beweise für die krebserzeugende Wirkung beim Menschen zu warten, bevor sie Auflagen verhänge, die Schwelle für ein Eingreifen sei unrealistisch hoch. Zur Gruppe der Wissenschaftler zählten: Matthew Meselson und George Wald, Nobelpreisträger von der Harvard University, die ehemalige Leiterin der US-Behörde Occupational Safety and Health, Eula Bingham, und der frühere Präsident des Verbands Public Health Association, Anthony Robbins.

Wie Epstein berichtet, gab es 1993 einen besonders drastischen Fall von Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse durch die ACS, als sie eine Erklärung zugunsten der Pestizid-Industrie abgab, und zwar unmittelbar vor Ausstrahlung der PBS-Sondersendung FrontlineIn Our Children’s Food (zu Deutsch: Im Essen unserer Kinder). Die ACS veröffentlichte damals eine Mitteilung, in der Pestizide als Auslöser von Krebserkrankungen bei Kindern verharmlost und der Öffentlichkeit versichert wurde, Pestizid-Rückstände seien selbst für Säuglinge ungefährlich.

Ein Schock sei es, so Epstein, dass weder das NCI noch die ACS die Öffentlichkeit über die erschreckend stark gestiegene Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern informiere. Laut einem Bericht der Cancer Prevention Coalition aus dem Jahre 2003 seien Krebserkrankungen bei Kindern in der Zeit von 1975 bis 2000 um 32 Prozent gestiegen; Krebs sei nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache bei Kindern.

Weit schockierender sei es jedoch, wenn das NCI erkläre, »die Ursachen für Krebs bei Kindern sind weitgehend unbekannt«. Dies stehe in diametralem Widerspruch zu belastbaren wissenschaftlichen Beweisen, wonach Kinder zahlreichen vermeidbaren Karzinogenen ausgesetzt werden, von Röntgenstrahlen, verschreibungspflichtigen Medikamente, Pestiziden und Schadstoffen in Körperpflegeprodukten bis hin zu Giftstoffen in der Petrochemie und Industrie, radioaktiven Schadstoffen in der Luft, im Trinkwasser und in Sondermülldeponien.

Wie Epstein schreibt, habe die Zeitschrift Cancer Letter im Jahr 2000 einen Kommentar veröffentlicht, wonach die ACS hinter verschlossenen Türen einen Ausschuss gegründet habe, um die Kontrolle über die Krebspolitik in Amerika zu übernehmen. In diesem Kommentar habe der ehemalige Präsident der Amerikanischen Gesellschaft der Klinischen Onkologen, Dr. John Duran, seine Einschätzung über das Verhalten der ACS geteilt.

»Mir schien es schon immer so, dass es bei der ACS um die Kontrolle über die Krebs-Agenda ging«, schrieb Durant. »Sie beschützt ihre eigenen Spendenaktionen [vor der Konkurrenz der Selbsthilfegruppen von Überlebenden].«

 

Interessenkonflikte

Doch wie Epstein zeigt, wird es wohl bei der Betonung auf »Behandlung« bleiben, solange die ACS und die NCI mit denen unter einer Decke stecken, die von dieser Betonung profitieren.

Etwa die Hälfte der Vorstandsmitglieder der ACS seien Ärzte und Wissenschaftler mit engen Verbindungen zum NCI. Viele der Vorstandsmitglieder und deren Kollegen erhielten Gelder sowohl von der ACS als auch vom NCI. Offene Interessenkonflikte zeigten sich bei vielen Prioritäten der ACS, darunter beispielsweise bei der Mammografie und bei Krebsmedikamenten.

»Die ACS unterhält enge Verbindungen zur Mammografie-Industrie. Fünf Radiologen waren Präsidenten der ACS, und bei jedem ihrer Schritte spiegelt die ACS die Interessen der führenden Hersteller von Mammografie-Geräten und Filmen wider … Wenn alle Frauen tatsächlich die Mammografie-Richtlinien von ACS und NCI befolgten, lägen die Einkünfte der entsprechenden medizinischen Einrichtungen bei atemberaubenden fünf Milliarden Dollar.«

»Die Werbekampagne der ACS lockt auch weiterhin Frauen aller Altersstufen in die Mammografie-Zentren und vermittelt ihnen den Eindruck, eine Mammografie sei der beste Schutz vor Brustkrebs. Eine führende Zeitung aus Massachusetts veröffentlichte eine Werbeanzeige der ACS mit einer Fotografie von zwei Frauen Mitte zwanzig. Die Werbung versprach, die Früherkennung führe bei ›fast 100 Prozent aller Fälle zur Heilung‹«.

Ein Direktor der ACS-Presseabteilung antwortete: »Diese Anzeige beruht nicht auf einer Studie. Bei so einer Werbung sagt man alles, was man kann, um die Frauen über die Türschwelle zu bekommen. Man übertreibt. Die Mammografie ist heute ein lukratives [und] heiß umkämpftes Geschäft.Я

»Die ACS setzt Frauen vor den Wechseljahren gefährlicher Strahlung durch die Mammografie aus, obwohl deren Vorteile äußerst gering, möglicherweise gar nicht erweislich sind«, so Epstein. »Die ACS sagt den Frauen nicht, dass sich ihre Brüste mit der Zeit so stark verändern, dass die ›Basis-Aufnahmen‹ keine oder eine sehr geringe Relevanz für die Zukunft haben.«

Die Krebsmedikamenten-Industrie ist mit jährlichen Umsätzen von über zwölf Milliarden Dollar ein noch weit lukrativeres Geschäft als die Mammografie. Laut Epstein wird die enge Verbindung zwischen der ACS und der Pharmaindustrie an der ungezügelten Aggression deutlich, mit der die ACS gegen ihre Kritiker zu Felde zieht.

»Bei der ACS gibt es einen Ausschuss für unbewiesene Methoden im Umgang mit Krebs, der in regelmäßigen Abständen unorthodoxe oder alternative Therapien untersucht«, schreibt Epstein. »Dieser Ausschuss besteht aus freiwilligen Angehörigen von Heil- und Pflegeberufen, es sind handverlesene Befürworter orthodoxer, teurer und zumeist toxischer patentierter Medikamente der Pharmakonzerne und Gegner alternativer oder unbewiesener Therapien, die in aller Regel kostengünstig und minimal toxisch sind.«

In regelmäßigen Abständen bringt der Ausschuss seine Erklärungen über unbewiesene Methoden auf den neuesten Stand. Diese werden dann an Klinikärzte, führende Wissenschaftsjournalisten und die Öffentlichkeit verteilt. Befasst sich ein Klinikarzt oder ein Onkologe mit unbewiesenen Methoden, wird er umgehend vom Krebsestablishment in die Mangel genommen. Dem beschuldigten Querdenker werden die Gelder gestrichen, er wird systematisch verfolgt.

 

»Die hochgradig voreingenommene Hexenjagd der ACS gegen alternative Ärzte steht in deutlichem Kontrast zu ihrer völlig unkritischen Unterstützung für die konventionelle toxische Chemotherapie. Und das, obwohl es, abgesehen von einigen relativ seltenen Krebsformen, keinerlei objektive Beweise für höhere Überlebensraten oder niedrigere Mortalität nach einer Chemotherapie gibt.«

Dass die Krebsindustrie pharmazeutische Produkte bevorzugt, zeigt sich laut Epstein daran, »dass die [US-Arzneimittelbehörde] Food and Drug Administration rund 40 patentierte Medikamente für die Krebsbehandlung zugelassen hat, während bislang noch für kein einziges nicht patentiertes alternatives Medikament eine Zulassung erteilt wurde.«

Laut Epstein hat »Dr. Samuel Broder, NCI-Direktor von 1989 bis 1995, 1998 in einem Interview mit der Washington Post offen zugegeben, dass ›das NCI de facto zu einem staatlichen Pharmaunternehmen geworden ist‹. Der Steuerzahler hat Forschung, Entwicklung und teure klinische Erprobung für mehr als zwei Drittel der auf dem Markt befindlichen Krebsmedikamente bezahlt. Diese Medikamente werden der Industrie exklusiv überlassen, die sie zu weit überhöhten Preisen verkauft.«

 

Epstein fordert eine Wende

Seit 20 Jahren sei eine Reform des NCI überfällig, so Epstein, der sich dabei hauptsächlich auf The Stop Cancer Before it Starts Campaign: How to win the Losing War against Cancer (zu Deutsch: Die Kampagne stoppt den Krebs, bevor er beginnt: Wie man den verlorenen gehenden Krieg gegen den Krebs gewinnt) beruft, einen 2003 erschienenen Bericht, der mit Unterstützung von acht Experten der Krebsprävention erstellt wurde und dem sich mehr als 100 Aktivisten und Bürgergruppen angeschlossen haben.

1992 wurden bei einer Pressekonferenz der Cancer Prevention Coaltion, einer Gruppe von 68 führenden Experten der Krebsprävention und öffentlichen Gesundheitspflege, ehemaligen Direktoren von Bundesbehörden und Bürgeraktivisten aus dem ganzen Land, zahlreiche Vorschläge für eine Reform des NCI unterbreitet. Doch geradezu prophetisch hieß es damals in der abschließenden Presseerklärung: »Es ist unwahrscheinlich, dass diese Reformen ohne Einschreiten des Gesetzgebers umgesetzt werden.«

Bei der ACS stehe es nicht besser, so Epstein:

»Das Urteil ist unanfechtbar. Seit Jahrzehnten ist die ACS dafür verantwortlich, dass der Krieg gegen den Krebs, der eigentlich zu gewinnen wäre, verloren wird. Eine Reform der ACS ist prinzipiell relativ einfach durchzuführen und könnte unmittelbar in Angriff genommen werden. Boykottieren Sie die ACS, geben Sie stattdessen Ihre Spende lieber an Bürger- und Umweltgruppen, die sich um Krebsprävention kümmern. Solch ein Boykott ist längst überfällig, er wird die einzige Botschaft vermitteln, die dieser Verein nicht mehr ignorieren kann.«

 

 


 

 

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