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Mittlerweile ziehen sich die hitzigen Diskussionen über den Bau von Moscheen quer durch das ganze Land. Auch an Orten, wo nichts gegen einen Moscheebau spräche, ziehen die Bürger mit Protestkundgebungen gegen islamische Aktivitäten und Bauvorhaben zu Felde.
Was anfangs noch hinter Einwänden wie Lärmbelästigung durch Massen von Gläubigen, den lauten Muezzin-Rufen, Verkehrs- und Parkplatzproblemen versteckt wurde, kam im Verlauf der öffentlichen Debatten später scharf umrissen zutage: Es geht um den Islam selbst.
Die Gegner der islamischen Zentren und Moscheen zitieren die Koranverse, die den Muslimen auferlegen, den Islam überall hinzutragen und die verstockten Ungläubigen im Zweifelsfall zu töten. Sie weisen auf die Verpflichtung eines gläubigen Muslims hin, die Scharia als verbindliche Rechtssprechung zu installieren. Das stehe im Widerspruch zur amerikanischen Verfassung. Dass die amerikanische Verfassung jedem Bürger Religionsfreiheit garantiere, müsse vor dem Hintergrund gesehen werden, dass – wenn erst einmal die Scharia eingeführt werde – dann jede andere Religion als der Islam verboten und verfolgt werden und damit die amerikanische Verfassung tatsächlich vollends abgeschafft würde.
Die Debatte um die Werte der amerikanischen Verfassung wie Religionsfreiheit einerseits und die Verteidigung freiheitlicher Werte gegen die Feinde der Freiheit andererseits wird mit Zorn und Unnachgiebigkeit geführt, wie es bislang nicht in den Staaten zu beobachten war.
Ihsan Bagby, Professor für Islamische Studien an der Universität von Kentucky, ist ebenfalls ersta
unt über die Heftigkeit der Auseinandersetzung: »Es ist eine Sache, wegen Verkehrsproblemen und Lärmbelästigung gegen eine Moschee zu sein, aber eine andere zu behaupten, diese Moscheen würden Terroristen und Bombenleger heranzüchten, zu unterstellen, dass der Islam eine Invasion startet, dass die Zivilisation von Muslimen unterminiert wird.«
Die Moscheegegner haben prominente Zeugen für ihre Ängste. Ehemalige Muslime, wie Walid Shoebat, Wafa Sultan und Manoucher Bakh, die auf den Protestkundgebungen sprechen, Bücher mit ihren Erlebnisberichten veröffentlichen und in Kirchen ihre Innenansichten und ihre Botschaft über den Islam verkünden: Der Islam sei eine inhärent gewalttätige und intolerante Religion, und mit dem Geist Amerikas unvereinbar.
Nonie Darwish, eine ehemalige Muslimin, sagte in einem Interview: »Eine Moschee ist nicht nur ein Platz zum Beten. Es ist ein Platz, wo Kriege ausgerufen werden, wo der Befehl zum Dschihad gegeben wird, wo Hass gegen Ungläubige gepredigt wird, wo auch schon Munition gelagert wurde!«
»Als eine Mutter und Großmutter mache ich mir Sorgen. Ich habe erfahren, dass die hohe Geburtenrate der Muslime in 20 Jahren dazu führen wird, dass sie die Mehrheit der Bevölkerung stellen«, sagt Ms Diana Serafin, eine Moscheegegnerin. »Sie werden dann Leute in den Kongress bringen und in den Obersten Gerichtshof, und dann werden sie die Scharia einführen. Meine Kinder und Enkel werden unter diesen Gesetzen leben müssen. Ich glaube schon, dass jeder das Recht auf Religionsfreiheit hat, aber der Islam ist weniger eine Religion als eine politische Regierung, und er ist zu 100 Prozent gegen unsere Verfassung.«
Ms Serafin protestiert in Temecula bei San Diego vor dem prospektierten Moscheegelände, zusammen mit etwa 30 anderen Islamgegnern. Einige haben ihre Hunde mitgebracht, um die Muslime zu provozieren. Hunde sind nach dem Islam unreine Tiere. Sie sehen sich aber nicht nur den Muslimen gegenüber. Etwa 75 weitere Unterstützer für den Moscheebau sind ebenfalls aufmarschiert. Diese aus Protestanten, katholischen Priestern, Rabbinern und Mormonen bestehenden »Interfaith«-Gruppen (interreligiöse Gruppen) beschreiben die Muslime als gesetzestreue und sozial engagierte Mitbürger. Die muslimische Gemeinde in Temecula sei schon seit zwölf Jahren dort, sagt Mahmoud Harmoush, der örtliche Imam. Sie sei nun auf 150 Familien angewachsen, und der provisorische Andachtsraum in einem Kaufhaus, den die Gemeinde bisher genutzt hatte, platze aus allen Nähten. Nun wolle man ein muslimisches Gemeindezentrum bauen mit einer Koranschule und einem Spielplatz. Bereits 2000 sei das Grundstück gekauft worden. Jetzt plötzlich regt sich massiver Widerstand gegen das Projekt.
Mahmoud Harmoush kann die Feindseligkeit nicht verstehen. Die muslimischen Familien haben die örtlichen Tafeln unterstützt, haben Lastwagenladungen an Hilfsgütern nach dem Hurrikan Katrina nach New Orleans geschickt, haben Konzertabende mitorganisiert und zusammen mit dem Interreligiösen Rat der Stadt Thanksgiving-Abende veranstaltet. »All das tragen wir mit, und niemand nimmt davon Notiz«, sagt er. »Aber kaum wollen wir ein Gemeindezentrum bauen, regt sich alles maßlos auf.«
Larry Slusser, der Sekretär des Interreligiösen Rates von Temecula und Mormone, ist auch als Unterstützer der Muslime bei der Demonstration. »Ich kenne die muslimischen Familien«, meint er. »Das sind gute Menschen. Sie haben keine bösen Absichten. Sie sind gute Amerikaner. Die Protestierer haben nur Angst, weil sie sie nicht kennen.« Und er sieht die Religionsfreiheit als hohes Gut in Gefahr. »Sie sind Amerikaner, sie verdienen es, einen Platz zu haben, wo sie beten können, wie jeder andere auch.«
Nun ist es nicht so, dass es keine Moscheen in den USA gäbe. Über die Vereinten Staaten sind laut einer zehn Jahre alten Studie offiziell 1.900 Moscheen verteilt. Das beinhaltet allerdings vom provisorisch genutzten Lagerraum voller Gerümpel bis zum großen Prachtgebäude mit angeschlossenem Gemeindezentrum eine sehr unterschiedliche Palette.
Die Pläne zum Bau einer Moschee beim Ground Zero in Lower Manhattan konnten die letzte Hürde in der vergangenen Woche nehmen. Vor der dafür zuständigen Landmarks Preservation Commission fiel die Entscheidung zugunsten des Bauvorhabens. Die aufrüttelnde Rede des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg über religiöse Freiheit hat dazu erheblich beigetragen.
Umfragen haben dagegen ergeben, dass 61 Prozent der US-Bürger gegen diese Moschee sind.
Sehr bemerkenswert war die Rolle Präsident Obamas in dieser Angelegenheit. Er hatte sich ganz am Anfang der Debatte um die Moschee bereits zu Wort gemeldet und ebenfalls ein Plädoyer für die Religionsfreiheit gehalten. Wenn er auch beim trockenen Ablesen vom Teleprompter weit weniger mitreißend wirkte als Bürgermeister Bloomberg, war es doch
inhaltlich das Gleiche. Sofort geriet er in ein Kreuzfeuer der Kritik. Er habe Sensibilitäten ignoriert, er habe die Angehörigen der Opfer des 11. September taktlos und unsensibel behandelt. Er wurde als Handlanger radikaler muslimischer Terroristen hingestellt, die mit dem Bau einer Moschee ausgerechnet am Ground Zero noch höhnisch die Angehörigen ihrer getöteten Opfer verspotten wollten. Radikal-muslimische Ansichten wurden zu ausschließlichen Gründen für den Anschlag hochstilisiert. Erstaunlicherweise kniff Präsident Obama sofort. Keineswegs wolle er sich in lokale Entscheidungen mischen, ließ er postwendend verlauten.
Die Ankündigung des designierten Oberweltschurken Ahmadinedschads, Mittel zum Bau dieser Moschee zur Verfügung zu stellen, war in der aufgeladenen Stimmung sicherlich nicht besonders hilfreich. Der Sprecher des Moscheeprojekts, Oz Sultan, wollte dennoch in einem Interview mit der New York Post nicht ausschließen, diese Gelder in Anspruch zu nehmen.
Gleichzeitig kursierte in allen großen amerikanischen Medien, dass einer Umfrage zufolge 24 Prozent der US-Bürger Obama für einen Muslim halten. »Fälschlicherweise für einen Muslim halten«, empörten sich die Medien durchweg, Obama sei überzeugter Christ. Das eine wie das andere ist aber tatsächlich nicht zweifelsfrei geklärt.
Wird Obama möglicherweise ganz gezielt geschädigt und unglaubwürdig gemacht? Die Diskussionen um seine Religion und seine Herkunft gab es schon vor seiner Wahl zum Präsidenten. Damals wurden Feststellungsklagen bezüglich seines Geburtsorts und ob er überhaupt gebürtiger Amerikaner ist, rigoros abgeschmettert und in den Medien totgeschwiegen. Plötzlich holt man die alte Klamotte wieder hervor. Einfach nur eine schmutzige Kampagne der Neocons in Vorbereitung der nächsten Präsidentschaftswahl? Oder zieht Präsident Obama nicht ganz so brav in den Krieg gegen den Iran, wie die Mächtigen hinter den Kulissen das von ihm verlangen?
Die sich verschärfende Stimmung gegen den Islam gipfelt in der Ankündigung einer evangelischen Gemeinde in Gainesville in Florida, am 11. September eine Ausgabe des Koran öffentlich zu verbrennen. Damit sollte der Terroranschläge vom 11. September gedacht und gegen den »Islam als Ausgeburt des Bösen« protestiert werden. Die große, islamische Al-Azhar-Universität in Kairo hat diese Pläne scharf verurteilt. Das schüre nur den Hass, hieß es in der Erklärung des Instituts.
Wem dieser Hass nutzt, stellt Ron Paul in seinem Aufsatz »Demagoguing the Mosque« (Die Demagogisierung der Moschee) klar heraus: »Meiner Meinung nach kommt das von den Neokonservativen, die einen andauernden Krieg im Mittleren Osten und Zentralasien fordern und ständig unter der Notwendigkeit stehen, diesen auch zu rechtfertigen. Sie verpassen keine Gelegenheit, den Hass gegen die Muslime zu schüren, um Unterstützung für ihre undurchdachten Präventivkriege zusammenzutrommeln.«
Quellen:
http://www.time.com/time/nation/article/0,8599,2011799,00.html
http://www.nytimes.com/2010/08/08/us/08mosque.html?pagewanted=1&_r=2
http://www.lewrockwell.com/paul/paul690.html
http://www.dailystar.com.lb/article.asp?edition_id=10&categ_id=2&article_id=118386
http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5hwFYAYB-jTz3YBbh1QJsbf52MViw
http://de.danielpipes.org/5422/bestaetigt-barack-obama-war-praktizierender
http://www.debbieschlussel.com/2750/barack-hussein-obama-once-a-muslim-always-a-muslim/
http://diepresse.com/home/panorama/religion/587340/index.do
http://www.newsmax.com/Headline/Ground--Zero--Mosque--Ahmadinejad/2010/08/19/id/367908?s=al&promo_code=A893-1