Dienstag, 6. Dezember 2016
14.07.2011
 
 

Verschwörungen

Dr. Paul Craig Roberts

In einer Kolumne vom Juni kam ich zu dem Schluss, dass der Begriff »Verschwörungstheorie«  immer dann auf eine Tatsache, eine Analyse oder Wahrheit angewendet wird, wenn sie politisch, ideologisch oder emotional inakzeptabel erscheint. In dieser Kolumne geht es darum, wie verbreitet wirkliche Verschwörungen sind. Nicht jedes Ereignis kann durch eine Verschwörung erklärt werden, aber Verschwörungen sind ganz alltägliche Ereignisse. Deshalb ist es paradox, dass der Begriff »Verschwörungstheorie« ein Synonym für »unglaubwürdig« geworden ist.

Verschwörungen werden normalerweise dazu benutzt, um bestimmte Ziele durchzusetzen. In der Juli-Ausgabe des American Rifleman, einer Zeitschrift der National Rifle Association (NRA), berichtet der stellvertretende Vorsitzende der Organisation Wayne Lapierre über eine Untersuchung des Kongresses, die von Senator Charles Grassley und dem Abgeordneten Darrell Issa geleitet wurde, in der es um eine Verschwörung des »Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives« (BATFE, eine dem Justizministerium unterstellte Bundespolizeibehörde) und des Justizministeriums mit dem Ziel geht, die Waffenkontrollgesetze zu verschärfen. Zu diesem Zweck wollten sie Waffen über die Grenze an mexikanische Kriminelle schmuggeln und dies dann amerikanischen Waffenhändlern in die Schuhe schieben.

 

Lapierre schreibt:

»Mit Hilfe der Bundesagenten, die Beweise für diese Waffenschmuggeloperation lieferten, konnte diese von der Regierung abgesegnete kriminelle Verschwörung aufgedeckt werden.

Justizminister Eric Holder stand an der Spitze der Vertuschungsoperation, in die die ganze Regierung verwickelt ist und die zudem noch eine eklatante und arrogante Umgehung der verfassungsmäßigen Rolle des Kongresses darstellt. Er blockierte alle Bemühungen, die Wahrheit herauszufinden. Seine Gefolgsleute haben alle Bundesbediensteten, die von diesem Waffenschmuggel wussten, angewiesen, die Zusammenarbeit mit den Kongressuntersuchern zu verweigern.«

Viele Amerikaner werden diese aufgedeckte Verschwörung kaum glauben können. Eine amerikanische Bundesbehörde mit polizeilichen Befugnissen hat zusammen mit dem Justizministerium Waffen an das mexikanische Drogenkartell geliefert, um »Beweise« für den Vorwurf zu manipulieren, dass amerikanische Waffenhändler Waffen an mexikanische Drogenbanden verkaufen. Hinter dieser Regierungsverschwörung steckt die Absicht, die Waffenkontrollgesetze zu verschärfen.

Die Behinderung der Kongressuntersuchung durch Justizminister Eric Holder führte zu einer Warnung des Abgeordneten Issa an Holder: »Wir suchen nicht nach den Strohmännern, Herr Minister. Wir untersuchen Ihre Rolle.«

Das Ergebnis wird höchstwahrscheinlich sein, dass Grassley und Issa Unfälle haben werden oder man ihnen irgendeinen Sexskandal anhängt.

Verschwörungen spielen auch im Wirtschaftsleben eine wichtige Rolle. Das Wall-Street-Unternehmen Goldman Sachs zum Beispiel hat Finanzinstrumente abgestoßen, die sie gleichzeitig als solide Investments an ihre Kunden verkauften. Das gegenwärtige Rettungspaket der Staatsschulden von EU-Mitgliedsländern ist eine Verschwörung zur Privatisierung von Gemeingut.

 

Ökonomische Verschwörungen gibt es ohne Ende, und sie sind meistens erfolgreich. NAFTA ist eine Verschwörung gegen die amerikanischen Arbeiter, genauso wie die Visa H-1B (Vorübergehendes Arbeitsvisum für besondere Berufszweige) und L-1 (mit diesem Visum können Angestellte ausländischer Unternehmen für eine begrenzte Zeit in den USA arbeiten). Die Globalisierung ist eine Verschwörung gegen die Arbeitsplätze der Ersten Welt.

 

Die Sex-Vorwürfe gegen Dominique Strauss-Kahn könnten sich ebenfalls als eine Verschwörung erweisen. Nach Berichten der New York Times verfügt die Hotel-Angestellte in vier Bundesstaaten über Bankkonten, auf die Tausende von Dollars eingezahlt wurden.

Manchmal sind Regierungen sogar willens, eine große Zahl ihrer eigenen Bürger umzubringen, um ein bestimmtes Ziel durchzusetzen. Die Operation Northwoods war ein Plan für inszenierte Terroranschläge, der von den Mitgliedern des amerikanischen Vereinigten Generalstabes entworfen und von General Lyman Lemnitzer, dem Vorsitzenden des Gremiums, abgesegnet wurde. CIA und andere Elemente für »verdeckte Operationen« sollten Amerikaner in den Straßen von Miami und Washington niederschießen, Flugzeuge entführen oder abschießen, Boote mit kubanischen Flüchtlingen angreifen und versenken und Beweise fabrizieren, die auf Castro deuten. Mit diesem Vorgehen wollten der Vereinigte Generalstab und die CIA Ängste und Hass auf Castro unter den Amerikanern schüren, um so einem Umsturz in Kuba Vorschub zu leisten.

Bevor der Leser jetzt empört »Verschwörungstheorie« ruft, sollte er wissen, dass die geheime Operation Northwoods erst am 18. November 1997 durch das »John F. Kennedy Assassination Records Review Board« öffentlich gemacht wurde. Als man Präsident Kennedy 1962 diesen Plan unterbreitete, hat er ihn abgelehnt und Lemnitzer als Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs entlassen.

Wikipedia zitiert ausführlich die in diesem Plan vorgeschlagenen angeblich terroristischen Anschläge. Diejenigen, die Wikipedia nicht trauen, können sich eine Kopie des Plans aus dem National-Archiv besorgen.

Wenn ich mit gebildeten Menschen über Operation Northwoods spreche, reagieren sie mit Skepsis – was uns zeigt, dass selbst von der Regierung zugegebene Verschwörungen noch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Planung und 14 Jahre, nachdem sie der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden, durch Ungläubigkeit geschützt bleiben.

Israels Angriff auf die USS Liberty im Jahr 1967 ist ein Beispiel für eine Verschwörung, die zwar bewiesen, aber offiziell nie zugegeben wurde. Kapitän Ward Boston, einer der beiden Justizbeamten der US-Marine, die den Auftrag hatten, den Angriff zu vertuschen und Untersuchungen zu verhindern, enthüllte diese Verschwörung der Regierung Johnson und aller nachfolgenden Regierungen, die eine fehlerhafte Identifizierung (des Schiffes) als Ursache für den in Wirklichkeit vorsätzlichen Angriff vorschob. Die inoffizielle Moorer-Kommission, die von Admiral Tom Moorer, dem ehemaligen Chef der Marineoperationen und Vorsitzendem des Vereinigten Generalstabes, geleitet wurde, bewies endgültig, dass der israelische Angriff, der zu erheblichen Verlusten unter der amerikanischen Besatzung führte, ein vorsätzlicher Angriff war. Noch will die amerikanische Regierung das nicht öffentlich zugeben, und nur wenige Amerikaner wissen überhaupt davon.

Selbst das Ereignis, dass die Amerikaner am 4. Juli (dem Unabhängigkeitstag) feiern, war eine Verschwörung und wurde als solche auch von der britischen Regierung und den amerikanischen Kolonialisten, die loyal zu König George standen, bezeichnet. Wenn wir nicht an Verschwörungen glauben, was feiern wir dann am 4. Juli?

 

 


 

 

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