Montag, 1. Mai 2017
20.04.2016
 
 

Quo vadis Axel Springer: Back to the roots, oder weiter merkeln?

Peter Bartels

Im Springer-Verlag brodelt der Flurfunk. Da ist die Ehe des Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner, dem eine schöne Industrielle (und Kunstliebhaberin) an die Seite geraunt wird ... Da wundert man sich über seine Noch-Gattin, die in einem Berlin-Charlottenburger Promi-Lokal »in aller Öffentlichkeit« mit einem offensichtlich jüngeren, dunkelhaarigen Schönen turtelnd notiert wird ... Und da ist Friede, die »not amused« ist. Weder über das eine, noch das andere. Und das »andere« soll u.a. die gnadenlose Talfahrt von Bild sein. Ach ja: Und dann wird da verdattert die angeblich »neue Richtung« des Hauses rauf und runter gemunkelt: Endlich zurück zu den Wurzeln? Oder doch (noch) weiter merkeln?

 

»Warum wir die AfD in der Islam-Debatte nicht niederbrüllen sollten!« hieß eine der die Redaktion ziemlich verwirrenden letzten Schlagzeilen von Bild Online. Julian Reichelt, der Online-Chef höchstpersönlich, hatte einen langen Kommentar gepostet. Mit Foto. Offenbar, damit auch jeder sieht, wer da scheinbar gegen alle Mainstream-Gepflogenheiten in die Tasten gehauen hat.

 

Es kommt dann zwar zunächst der übliche Merkel-Kotau: »An der AfD finde ich vieles schrecklich ...vor allem das Führungspersonal ... Beatrix von Storch verbirgt unter ihrer Stahlhelmfrisur furchterregendes Gedankengut ... aber auch Alexander Gauland mit seinem großen Talent (sic), Radikales in klugen Worten zu formulieren, scheint mir gefährlich.«

 

Dann aber schwenkt der frühere »Bewunderer« von Kai Diekmann ein: »Nun aber wird die AfD für die islamkritischen Punkte in ihrem Programm gescholten ...« Franz Josef Jung (CDU), Unionsfraktions-Beauftragter für Kirchen- und Religionsgemeinschaften, befinde gar: »Eindeutig extremistisches Denken ... mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.«

 

Und jetzt eiert sich der Bild-Online-Chef an eine bei Springer seit Ewigkeiten nicht gelesene Düpierung der Meinungs-Mogule: »Das stimmt nur zum Teil ... Die hysterische Reaktion aller großen Parteien offenbart ... wie unfähig sie geworden sind, sich mit unbequemen, aber ... berechtigten und in der Bevölkerung tief verankerten Empfindungen auseinanderzusetzen.«

 

Reichelt setzt einen drauf: »Nicht die AfD hat den Islam zur Ideologie erklärt ... der Islam ist de facto eine Ideologie. Er wird in den beiden einflussreichsten Staaten der islamischen Welt (Iran und Saudi-Arabien) und in nahezu allen ... islamischen Ländern nicht nur als Staatsreligion, sondern ... als Gesetzbuch und politische Leitlinie interpretiert und gelebt ...«

 

Reichelt weiter: In allen betroffenen Staaten führe das zur Unterdrückung anderer Religionen, zu barbarischen Strafen, Steinigung und Erhängen für »Ehebruch« (was oft Vergewaltigung verheirateter Frauen sei), Kreuzigung und Enthauptung. Wer sich vom Islam abwende, werde zum Tode verurteilt. Besser und blutiger könne man Ideologie kaum definieren. Die Burka sei Ausdruck der Unfreiheit muslimischer Frauen, Symbol der Unterwerfung.

 

Nicht nur der Insider merkt: Reichelt hat seinen Vorstandsvorsitzenden Döpfner inhaliert. Schließlich war es Döpfner, der nach den von Bild (und allen anderen) lange verschwiegenen Silvester-Sex-Verbrechen der »Schutzsuchenden« Houellebecqs Anti-Moslem-Bestseller Die Unterwerfung in die Welt setzte.

 

Reichelt wettert nun auf Bild Online: »Die Burka, und alles, was für sie steht, hat bei uns keinen Platz. Das ist übrigens keine isolierte durchgeknallte Forderung der AfD, sondern Parteitagsbeschluss der CSU und herrschende Meinung in weiten Teilen der Union.«

 

Unfassbar! Das bei Bild? Wenn auch »nur« online? Reichelt wird geradezu todesmutig, vorher noch mal eine knappe Pflichtverbeugung Richtung Merkel-Land: »Auch ich habe Zweifel an der Verfassungstreue vieler AfD-Funktionäre ... aber vor allem habe ich Zweifel an der Verfassungstreue ... jener Männer in Deutschland, die ihre Frau unter eine Burka zwingen. Nicht die Forderung nach einem Burka-Verbot ist extremistisch – die Burka selbst ist es.«

 

Und dann vergreift sich der Bild-Mann (wo ist Diekmann?) auch noch an einem weiteren Islam-Heiligtum, den Moscheen: »Auch die Errichtung von Minaretten möchte die AfD verbieten. Die meisten islamischen Länder verbieten die Errichtung von Kirchtürmen ... nicht unser Maßstab ... Viel wichtiger ... der Moscheenbau in Deutschland ist eben nicht nur ein Zeichen von Religiosität, sondern ... Machtanspruch und Ideologie-Verbreitung.«

 

Reichelt listet diverse Moschee-Projekte von Hamburg bis München, von Bonn bis Castrop-Rauxel auf, nennt sie unverfroren »Sammelbecken für radikale Ideologien«, »undurchdringbar für Geheimdienste«, »undurchsichtige Auslands-Finanziers«, sagt wörtlich: »Minarette in Deutschland ... das Problem ist hier nicht die Forderung der AfD (Verbot), sondern, dass alle anderen Parteien dieses wichtige Thema der AfD überlassen.«

 

Und noch mal pflichtet er der AfD bei: »Die Forderung, muslimische Kinder (meist natürlich Mädchen) nicht mehr aus religiösen Gründen vom Sport- und Schwimmunterricht oder Klassenreisen zu entbinden, ist nicht radikal, sondern nichts anderes als vernünftig. Dass ... dürfte in Deutschland inzwischen Mehrheitsmeinung sein.«

 

Auch bei Reichelt kommt das »Beste zum Schluss«: »Wenn Politik auf berechtigte Sorgen der Menschen mit furchteinflößenden Worten reagiert, anstatt wichtige Debatten in ihre Mitte zu holen, dann treibt sie den Radikalen (?) die Wähler zu. Das sollte nach den triumphalen Wahlergebnissen der AfD ... eigentlich klar sein.«

 

Bei Springer scheint es schon mal Julian Reichelt klar zu sein. Einen Tag vorher zitierte Bild online ein längeres FAS-Stück. Da durfte die stellvertretende AfD-Vorsitzende und Europaabgeordnete Beatrix von Storch tatsächlich sagen: »Der Islam ist ... eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist.«

 

Und Alexander Gauland, ebenfalls stellvertretender AfD-Vorsitzender: »Der Islam ist keine Religion wie das katholische oder protestantische Christentum, sondern intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden. Deshalb ist die Islamisierung Deutschlands eine Gefahr.«

 

Und wieder Frau von Storch: »Wir sind für ein Verbot von Minaretten, Muezzins und ... Vollverschleierung«. Und wieder Gauland: »Wir sind ein christlich-laizistisches Land, der Islam ist ein Fremdkörper.«

 

Wie sehr der Bild-online-Chef noch am Anfang der Springer-Wende steht, belegen zwei weitere Berichte zum Thema AfD: Da wird ein Riesenfoto von Frauke Petry gezeigt , das der Fotograf perspektivisch so clever hingeknipst hat, wie es einst Hitlers Leibfotografin Leni Riefenstahl nicht besser gekonnt hätte; das schwarze Mini-Mikro wirkt wie ein Hitler-Bärtchen. Hübscher Hitler!

 

Und da wird sich lang und genüsslich im vermeintlichen Schlamm des früheren Privatlebens der attraktiven AfD-Politikerin Petra Federau gewälzt – sie soll mal Escort-Dame gewesen sein ... ja, genau, »so« eine! Sogar in Abu Dhabi. Da fällt einem spontan die einstige Bild-Schlagzeile von Sibel Kekilli ein ... die »danach« in Bild zum Türkischen Honig mutierte. Gesetz und Anstand verbieten uns jeden Hinweis auf Sibels Vergangenheit...

 

Aber Bild Online zaubert noch ein Ass aus dem Ärmel, ganz im Stil Neues Deutschland. Der Hamburger »Soldatensender NDR Belgrad« hilft.

 

Da hatte nämlich der ebenso dickliche wie selbstgefällige Aiman Mazyek vom »Zentralrat der Muslime« (fünf Prozent Ausländeranteil!) Richtung AfD abgekotzt: »Es ist das erste Mal seit Hitler-Deutschland, dass es eine Partei gibt, die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und ... existenziell bedroht.«

 

Was für ein anmaßender (und verlogener) Schwätzer. Es gibt (noch) viel zu tun, Julian!

 

 

 

 

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