Tuesday, 30. August 2016
23.03.2016
 
 

Warum plötzlich alle auf Boulevard machen … Und Bild sich die größte Story nicht traut

Peter Bartels

Früher hat nur Bild Boulevard gemacht, Trash, Müll. Heute macht das fast jeder. Sogar das Fernsehen. Und wie! Alle machen auf »Boulevard«. Vor allem, seit es einen gemeinsamen Feind gibt. Und der heißt AfD. Und da diese Partei viele Menschen hat, die sie wählen – zu viele -–, müssen die »Oberen Zehntausend«, die bisher den Massen vorschrieben, was sie zu denken und zu wählen haben, etwas gegen diese AfD unternehmen. Notfalls mit Trash. Denn eigentlich geht es ja nur um Pack.

 

Keiner konnte Boulevard so gut wie Bild. Beispiele gefällig? – »Der Mond ist jetzt ein Ami« ... »Guten Morgen, Deutschland« ... »Wir sind Papst«. – Aber das war einmal.

 

Seit Jahren serviert Bild ihren Lesern nur noch Eintopf, meist politisch versalzen. Kein Wunder, dass von einst über fünf Millionen täglichen Käufern gerade mal 1,9 Millionen diesen Einheitsbrei löffeln wollen.

Denn wenn das Blatt schon mal auf »People Journalism« macht, dann sind die Stars eigentlich nur Sternchen, die bestenfalls von Pro 7- oder ZDF-Neo-Zuschauern sofort »erkannt« werden. Bild-Leser sind/waren leider immer etwas älter.

 

Es sei denn, Bild bringt »Trash« aus der Politik. Wenn ein verheirateter SPD-Mann wie Justizminister Maas sich angeblich in eine Schauspielerin namens Natalia Wörner verknallt (»aufgewachsen zwischen Karl Marx und Coca-Cola – da ist man schnell beim Du«).

 

Am liebsten aber beschäftigen sich Bild, Fernsehen und sogenannte seriöse Blätter mit Menschen von der AfD. Denn diese »Stars« kennen angeblich alle. Und da ist die Journaille in ihrem Element.

 

Frauke Petry (40) in der Bild am Sonntag beispielsweise. Freche Kurzhaarfrisur, Einser-Abiturientin, Studium der Chemie. Und ihr Noch-Ehemann Sven Petry, Studium der Theologie. Eine Schülerliebe in Bergkamen (Dortmund ist 20 Kilometer nah). Pfarrstelle in Frohburg (Sachsen), vier Kinder (5 bis 14). Sie erfindet einen neuartigen Kunststoff (Reifendichtungsmittel), 2007 die gemeinsame Firma, Umsatz angeblich sechsstellig. Und 2013 die Insolvenz. Die »ehrgeizige ... Frauke Petry engagiert sich immer mehr für die ... AfD.« – »Sie nimmt ... sogar ihre kleinen Kinder mit zu Wahlkampf-Veranstaltungen« argwöhnt und barmt die Bild am Sonntag.


Und süffisant weiter: Schließlich »verliebt (sie) sich in den Partei-Freund Marcus Pretzell (42), NRW-Landeschef, Europa-Abgeordneter«. Um scheinbar betreten hinzuzufügen: » Auch er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.« Im Mai 2015 »gesteht« Frau Petry ihrem Mann die neue Liebe, zitiert das Blatt »Vertraute«. Laut BamS versucht der Pfarrer, seine Frau zu halten. Im Sommer zieht sie jedoch endgültig aus.

 

Was der schlichte BamS-Leser subkutan »verabreicht« bekommen soll: Eine ehrgeizige Karrieristin setzt vier Kinder in die Welt (Massen-Familie), macht dann einfach Politik, natürlich in der falschen Partei (AfD), geht beruflich prompt pleite. Und dann bescheißt sie auch noch ihren Mann, einen Pfarrer, der sie aber irgendwie heldenhaft weiter liebt, mit einem anderen Massen-Vater.

Nein, nein. Bild am Sonntag schreibt das alles nicht. Ein Hundsfott , der sich beim BamS-Original trotzdem was dabei denkt, etwa: So also sind diese Typen bei der AfD! Und diese Apostel wollen uns was von Moral predigen? Zum Glück ist der gehörnte Noch-Ehemann in die CDU eingetreten und predigt jetzt sonntags von der Kanzel gegen die Partei seiner Noch-Ehefrau.

 

Und Bild? Bild schlägt heute zu, fürsorglich natürlich, hämisch? Denken Sie an den »Hundsfott«... Schlagzeile auf Seite 2: »Gute Nachricht für Frauke Petry – AfD will Ehebruch doch nicht bestrafen!«

 

Dann sülzt das Blatt genüsslich im Vorspann: »Schon ärgerlich, wenn man Chefin einer stockkonservativen Partei ist – und an den eigenen Maßstäben scheitert... Es sei denn, die AfD setzt die Maßstäbe plötzlich niedriger an.«

 

Schließlich hechelt Bild die Scheidungs-Affäre der Petry noch mal genüsslich durch, säuselt, dass die AfD eigentlich das »Schuldprinzip« wieder einführen wolle, dann aber Gefahr bestanden hätte, dass Frauke Petry nicht nur das Sorgerecht für die vier Kinder verloren hätte. Also habe die AfD-Programmkommission beschlossen, Ehebruch doch nicht unter Strafe stellen zu wollen, habe den Passus einfach gekippt.

 

Nach ein paar journalistischen Eiertänzen dräut Bild schlussendlich: Ob das Schuldprinzip doch noch ins AfD-Programm komme, sei offen: Bei einer Umfrage sprachen sich angeblich 75,2 Prozent für eine Wiedereinführung aus. – Ätsch, Petry, das hast du nun davon...

 

Alice Weidel (37) in Welt, FAZ, sogar Zeit beispielsweise. Erfolgreiche Unternehmerin, früher FDP, heute AfD-Vorstand. Sehr hübsch, blond, damenhaft, ein Kind. Und Lesbe! Sie wurde schlagartig bekannt, weil sie als Ersatz für Frauke Petry bei Maischberger antreten musste. Und die ehemalige »Lieblings-Aschenbecherin« für den inzwischen verstorbenen SPD-Weisen Helmut Schmidt, die sonst so verschwiegen mit den Gebrechen ihrer linkelnden Gästeschar umzugehen pflegt, platzte wie selbstverständlich mit klassischem Drecksblätter-Trash in die feine TV-Runde: Sie leben ja mit einer Frau zusammen! Unterschwellig: Sie Lesbe, sie. Alles natürlich als notwendige Erklärung für die diametralen AfD-Absichten getarnt: Wie kommt so eine in so einen moralischen Augias-Stall AfD?

 

Ja, das eigentliche Lesben-Outing fand ein paar Tage vorher in der ach so seriösen Zeit statt. Nur, wer quält sich schon durch ein Kilo voll geschwurbeltes Papier, wenn es nicht unbedingt sein muss. So nutzte Maischi die Gunst der Stunde, um endlich mal eine Partei zu erwischen, deren Wahlerfolge langsam auch den Meinungs-Monarchen Sorgen macht: Lesbe! Natürlich war die »Lesbe« überrascht.

 

Aber sie brach nicht heulend auf offener Bühne zusammen, sondern parierte Maischbergers miesen Tritt in den politischen Unterleib, ohne mit der Wimper zu zucken. Donnerwetter, auch kluge Lesben sind für Familie und Kinder. Und gegen Moslem-Machos. Und manche lieben sogar das Land, das andere längst als Schweine-Deutschland verachten.

 

Für Marco Delgardo war dann wieder mal Bild zuständig. Auf Seite 1, Rubrik »Gewinner und Verlierer«. Natürlich gehört der Musikproduzent, der einst für Stars wie Roxette gearbeitet hat, dorthin. Dass er es auch für Superstars wie Whitney Houston tat, steht da nicht. Auch, dass er mit 183 Gold- und 54 Platin-Auszeichnungen rund 60 Millionen Euro verdiente, schreibt Bild nicht. Weder, dass er Sohn einer Bankerin und eines Richters ist, noch, dass er ein abgeschlossenes Jura- und Psychologie-Studium hat. Stattdessen greint Bild, er hat eine »Hymne für die Rechtspopulisten der AfD geschrieben«.

 

Und dann, kurz bevor der schnappatmende Bild-Schreiber offenbar in Ohnmacht fällt, schreibt er noch: »Unfassbarer Titel: Petri Heil, Frauke rette unser Land!« Final fordert der größte Auflagen-Killer aller Zeiten: »Mach die Musik aus!«

 

Vorhang! Schnell!!

 

Dabei hat Bild im eigenen Verlag längst eine wirkliche Top-Boulevard-Geschichte grummeln. Bild müsste sich nur trauen. Oder trauen dürfen.

 

Das seriöse manager magazin hat sie gerade groß gebracht: Bei Springers Vorstandsvorsitzendem Mathias Döpfner soll die Scheidung ins Haus stehen. Eine neue Liebe... Industrie-Erbin Julia statt Kinderpsychologin Ulrike... Friede Springer sei überhaupt nicht amüsiert darüber.


Sogar einen »guten ersten Satz« hätte FJW für diese Top-Story über Döpfner schon mal: Friede war mit ihm... der Mann, der aus Geist Geld machen wollte, die Geschichte einer Entzauberung.

 

 

 

 

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