Wednesday, 28. September 2016
08.02.2015
 
 

1500 »Facebook-Krieger«: Britische Armee manipuliert Internet

Peter Harth

Der Krieg geht online: Die britische Armee gründet die »77th Brigade«. Sie infiltriert soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter – aber auch journalistische Online-Medien. Wir Nutzer werden ausspioniert und mit falschen Informationen gefüttert. Wer das Netz kontrolliert, steuert auch die öffentliche Meinung. Vorbild ist Israel, das so gegen die Hamas kämpft.

 

Das sind die Rekruten des Informations-Zeitalters. Sie tragen keine Gewehre und schießen trotzdem auf den Feind. Sie fahren keine Panzer, jagen aber Angst ein. Sie stärken die Moral, doch keiner sieht sie.

 

So ähnlich wirbt die britische Armee gerade für ihre »77th Brigade«. Die 1500 Mann starke Sondereinheit nimmt ihren Dienst im April 2015 auf. In Wahrheit macht sie aber Orwells »1984« wahr: Die Soldaten werden Menschen überwachen, die nur denken dürfen, was erlaubt ist.

 

Die wollen nicht nur spielen …

 

Die Briten selbst beschreiben den Zweck der Sondertruppe harmlos. Dort ist die Rede von »psychologischen Einsätzen« und »unkonventioneller Kriegsführung«.

 

Der Gipfel der Verharmlosung: Die Spezialsoldaten tragen bereits einen Spitznamen, die »Facebook-Warriors«. Alle haben eine journalistische Ausbildung, kennen sich mit Software aus und sind Experten in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, YouTube, Instagram & Co.

 

Offiziell sind die »Facebook-Warriors« nur Teil einer neuen Militärstrategie. Sie nennt sich »reflexive Kontrolle« des Feindes. Der soll mit falschen Informationen überflutet und gelenkt werden.

 

Die NATO hält laut The Guardian solche Spezialeinheiten für notwendig. Bald benutzen also auch andere NATO-Länder »Facebook-Warriors«. Was aber für das Militär und den Krieg gedacht war, wird jetzt zur Manipulation der eigenen Bürger eingesetzt. Mit anderen Worten: Die Grenze zwischen Krieg und Zivilgesellschaft verschwimmt immer weiter.

 

Software unterwandert soziale Netzwerke

 

Wir wissen ja bereits: Was in den sozialen Netzwerken passiert, lesen die Geheimdienste live mit. Die Sondereinheit geht nun einen Schritt weiter. Sie beobachtet nicht nur, sie wird aktiv. Sie erzeugt über eine Software Unmengen an falschen Identitäten, sogenannte »Sockenpuppen«.

 

Diese Nutzer, die keine sind, streuen falsche Informationen. Kommen die echten Nutzer von Facebook & Co damit in Berührung, werden sie beeinflusst. So kann man ganz reale Ereignisse verzerren oder die Facebook-Gemeinde komplett täuschen. Sie teilt dann Ereignisse, die nur erfunden sind. Ein Phantom geht um die Welt. Mit dieser Taktik lassen sich auch die Kommentare und Debatten in journalistischen Online-Medien manipulieren.

 

Wie viele falsche Identitäten ein einzelner »Facebook-Warrior« kontrolliert, darüber spricht niemand. Das Vorbild der Truppe ist aber die israelische Armee. Sie steuert 30 Social-Media-Dienste in sechs Sprachen. Dort ist die Software bereits so weit, dass die falschen Identitäten eigenständig handeln.

 

Diese sogenannten Bots wissen, was sie sagen dürfen und wem sie einen Freundschaftsantrag machen sollen. Das System lernt aus den Reaktionen der Menschen. Die erkennen nicht einmal mehr, dass ihnen gerade eine »Sockenpuppe«, ein Bot, schreibt.

 

Israel: Vorbild bei digitaler Überwachung und Manipulation

 

Die Erfolge der Israelis bei der Überwachung von sozialen Netzwerken beeindrucken die NATO. Das winzige Land schafft es, die Handlungen der Hamas zu manipulieren. Ein Musterbeispiel für die Strategie der »reflexiven Kontrolle«.

 

Während sich die Hamas online verabredet oder organisiert, ahnt sie nicht, wie weit die Israelis das Netz unterwandern – dank ihrer Software. Mitunter haben beide Seiten während der letzten Kämpfe im Gaza-Streifen sogar miteinander getwittert.

 

Die Software schaut sich jeden Menschen in den sozialen Netzwerken an. Erforscht sein Profil lückenlos, verknüpft sogar mehrere Profile miteinander und wertet aus. Sie weiß dann alles über das Leben, die Gewohnheiten und die Ansichten jedes Menschen. Mit wem er befreundet ist, was er tut, wo er sich befindet.

 

Wenn Maschinen sagen, was wir denken dürfen

 

Das ist für uns nicht gut. Vor allem, wenn es immer mehr NATO-Staaten gibt, die diese Programme einsetzen. In Zukunft können wir nicht mehr unterscheiden, ob ein Freund in den sozialen Netzwerken echt ist. Bots protokollieren unser Leben. Diese Maschinen lenken ganze Informationsströme in den Netzwerken um.

 

Sie bestimmen, was wir überhaupt wahrnehmen. Sie zeigen uns, was die anderen denken, die in Wahrheit nur Maschinen sind. Am Ende passen wir uns einer Meinung an, die es nicht gibt, weil ein Großteil der Nutzer erfunden ist.

 

Offiziell greift bislang nur Israel so tief in seine Zivilgesellschaft ein. Aber die Enthüllungen von Edward Snowden dokumentieren: Was technisch möglich ist, wird von Staaten, Militär und Geheimdiensten auch umgesetzt. Sie kontrollieren die Technik des Netzes, aber niemand kontrolliert sie. Das beweist jetzt die Armee-Brigade voller »Facebook-Warrior« unter dem Deckmantel militärischer Geheimhaltung. Wir erfahren nicht, wer dort was tut und vor allem auch nicht, was diejenigen mit uns anstellen.

 

 

 

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Leser-Kommentare (6) zu diesem Artikel

08.02.2015 | 23:14

M.Klein

"Orwells 84 war ein Polizeistiefel- und Gefängnisstaat. Da hätte es keinen Kopp-Verlag gegeben. Hier machen alle freiwillig mit. " @ben Ich zum Glück nicht! :)


08.02.2015 | 16:25

Buntes Papier

Der Teufel sitzt auch in GB. Diese Form der elektronischen Kriegsführung wird doch schon lange betrieben. Kommentarfunktionen in Foren in der Produktkommentierung usw. werden schon lange mißbraucht. Facebook und Twitter sind sowieso goldene Käfige für lebendig tote Menschen. Wie blöd muß man eigentlich sein, stolz darauf zu sein 25.000 Freunde zu haben, wovon man noch niemals jemanden je gesehen hat? Wieviele Fakes laufen auf Partnerschaftsbörsen herum? Wieviele...

Der Teufel sitzt auch in GB. Diese Form der elektronischen Kriegsführung wird doch schon lange betrieben. Kommentarfunktionen in Foren in der Produktkommentierung usw. werden schon lange mißbraucht. Facebook und Twitter sind sowieso goldene Käfige für lebendig tote Menschen. Wie blöd muß man eigentlich sein, stolz darauf zu sein 25.000 Freunde zu haben, wovon man noch niemals jemanden je gesehen hat? Wieviele Fakes laufen auf Partnerschaftsbörsen herum? Wieviele Fake-Stellenangebote gibt es auf Jobbörsen? Die Dämonen der Menschheit haben nichts anderes zu tun, als entweder Dinge zu erfinden und zu verbreiten, die anderen Menschen Schaden zufügen oder gute Dinge so zu manipulieren, daß der eigentlich gute Zweck nicht mehr funktioniert.


08.02.2015 | 15:45

Loup

Wie heißt es so schön. Der Lauscher an der Wand, hört die eigene Schand!!! Selbst wenn es war ist, bei den Briten ist ja alles möglich, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Und wenn es ein Einschüchterungsversuch ist, dann ein schlechter. Denn wenn ich wirklich etwas erfahren möchte auf diese Weise, hänge ich es nicht an die große Glocke. Fehlinformationen, Unterwanderungen, Maßlose Übertreibungen, um aufgedeckte Hintergründe von verbrecherischen Handlungen ins...

Wie heißt es so schön. Der Lauscher an der Wand, hört die eigene Schand!!! Selbst wenn es war ist, bei den Briten ist ja alles möglich, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Und wenn es ein Einschüchterungsversuch ist, dann ein schlechter. Denn wenn ich wirklich etwas erfahren möchte auf diese Weise, hänge ich es nicht an die große Glocke. Fehlinformationen, Unterwanderungen, Maßlose Übertreibungen, um aufgedeckte Hintergründe von verbrecherischen Handlungen ins lächerliche zu ziehen, ist ein alter Hut. Wird bei UFO Sichtungen zum Beispiel seit Jahrzehnten praktiziert. Wenn man einmal das Prinzip und die Taktik verstanden hat, ist es wirkungslos. Die Bürger könne es umgekehrt auch machen.Bei Meinungsumfragen falsche Informationen liefern .Die Briten können sich eine solche Truppe ja leisten, sie bekommen von der EU ja immer noch Sonderkonditionen. Die Comicswarriors werden sicherliich davon bezahlt. Nur bekommen sie weniger Sold als die normale Truppe. Weil besonders lebensgefährlich ist ihr Einsatz nicht.


08.02.2015 | 15:17

ben

Orwells 84 war ein Polizeistiefel- und Gefängnisstaat. Da hätte es keinen Kopp-Verlag gegeben. Hier machen alle freiwillig mit. Das ist ja das Übel! Das ist die Schöne Neue Welt Aldous Huxleys! Diese schiefen Vergleich, wahrscheinlich stammt der Artikel auch vom MI6? Wenn ich meine Untertanen verblöden wollte, würde ich just solche Gerüchte streuen!


08.02.2015 | 14:22

Stefan Malsi

Da kann man nur noch den Kopf schütteln! Aber seid bitte unbesorgt, wir "Kinder des Lichts" haben einen Weg gefunden das Bewusstsein auch dieser Facebook-Krieger so zu beeinflussen, dass sie bald ganz von alleine mit dem Schwachsinn aufhören werden. Hier eine Kostprobe von Texten, die diese Narren nicht verstehen und die sie trotzdem beim Lesen verändern...

Da kann man nur noch den Kopf schütteln! Aber seid bitte unbesorgt, wir "Kinder des Lichts" haben einen Weg gefunden das Bewusstsein auch dieser Facebook-Krieger so zu beeinflussen, dass sie bald ganz von alleine mit dem Schwachsinn aufhören werden. Hier eine Kostprobe von Texten, die diese Narren nicht verstehen und die sie trotzdem beim Lesen verändern werden. https://onedrive.live.com/redir?resid=FBA978AF5BE39465!1310&authkey=!AL7EXJ45CO_G-D0&ithint=folder%2cjpg


08.02.2015 | 11:09

Beate Hall

Die sollen sich untereinander bekämpfen, da haben sie genug zu tun.

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