Tuesday, 30. August 2016
24.06.2015
 
 

Noch eine GEZ: Journalisten fordern »Medien-Abgabe« der Bürger

Peter Harth

Medien und Obrigkeit arbeiten jetzt noch enger zusammen. Weil das Volk den Journalisten nicht mehr traut, geht denen das Geld aus. Deshalb fordern immer mehr Lohnschreiber den Pakt mit der Politik. Das bedeutet: »Postdemokratische Einschläferung« der Bürger statt kritische Kontrolle der Macht. Der Judas-Lohn? Die Politik soll den Journalismus dafür ganz durchfüttern. »Sie muss das nötige Geld beschaffen, […] durch eine Medien-Abgabe der Bürger.«

 

In der Süddeutschen schreibt Philosophenfürst Jürgen Habermas über die Kanzlerin und die Griechenland-Krise. Für Merkel sind die »Anlegerinteressen wichtiger« als der Wille des Volkes. Warum haben das viele Bürger aber noch nicht gemerkt? Vor allem dank der Medien, die der Macht immer mehr Schützenhilfe leisten, statt sie zu kritisieren.

Habermas diagnostiziert damit auch den kritischen Zustand von Patient Deutschland: »Zur postdemokratischen Einschläferung der Öffentlichkeit trägt auch der Gestaltwandel der Presse zu einem betreuenden Journalismus bei, der sich Arm in Arm mit der politischen Klasse um das Wohlbefinden von Kunden kümmert.«

 

Der mündige Bürger wird zum ruhiggestellten Patienten. Diese mediale Einschläferungspille gibt es bald in einer noch viel höheren Dosis. Willkommen in Merkels bunter Traumwelt – oder ist es schon ein Irrenhaus?

 

Ist der Ruf erst einmal ruiniert, schreibt es sich ganz ungeniert

 

Die Journalisten haben sich dort jetzt offiziell als Pflegekraft beworben. Angetreten waren sie als kritische Beobachter für den Bürger. Als Anwalt des kleinen Mannes. Doch dieser Rolle werden sie immer weniger gerecht. Das Vertrauen in sie sinkt und nirgendwo sonst lässt sich das so deutlich ablesen wie an den Auflagen. Die brechen seit Jahren immer mehr ein, mit einer unschönen Nebenwirkung: Damit stimmt auch das Geld nicht mehr.

 

Das wichtigste Kapital der Journalisten war das Vertrauen ihres Publikums. Ohne dieses stirbt der unabhängige Journalismus. Oder ist er schon tot? Die Politik und die Netzwerke der Macht haben die Medien schon viel zu stark vereinnahmt. Vertrauen ist wie eine zarte Pflanze. Nur durch klare Distanz zur Macht könnte es wieder gedeihen. Und trotzdem handeln viele Journalisten nach der Devise: Ist der Ruf erst einmal ruiniert, schreibt es sich ganz ungeniert. Sie wollen jetzt auch offiziell das, was ihnen das Publikum schon lange nachsagt. Die absolute Nähe zur Macht und damit auch absolute Hörigkeit.

 

Rettungsanker: Noch eine weitere Zwangsfinanzierung durch den Bürger

 

Paradox: Sie schaufeln sich damit langfristig das eigene Grab, aber offenbar zählt das kurzfristige Überleben mehr. Der Rettungsanker, auf den viele Journalisten hoffen, ist noch eine weitere Zwangsfinanzierung durch den Bürger.

 

Der öffentlich-rechtliche Journalismus wird bereits mit einem Zwangssystem durchgefüttert und ist im Griff der Politik gefangen. Karriere macht dort nur der, der sich in den Netzwerken stromlinienförmig anpasst. Jetzt wollen auch die restlichen Journalisten in das goldene Gefängnis.

 

Die Medien-Journalistin Marlis Prinzing bringt auf den Punkt, was viele in ihrer Branche denken: Solange der Preis stimmt ... Prinzing ist nicht die Erste, sie wird auch nicht die Letzte sein. Die Medien erbetteln von der Politik einen eigenen Rettungsschirm: »Sie muss das nötige Geld beschaffen, ob durch eine Medien-Abgabe der Bürger oder mittelbar über eine Stiftung aus Branchenvertretern, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft.« Ein Judas-Lohn für den Verrat an der eigenen Unabhängigkeit.

 

»Der sicherste Hafen, der Steuerzahler«

 

Damit setzen die Journalisten alles auf eine Karte. Wenn die Politik erst eine neue Zwangsfinanzierung beim Volk durchprügelt, wird sie noch direkter lenken wollen, wie über etwas geschrieben wird – oder auch gar nicht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und seine politischen Verstrickungen sind dafür ein abschreckendes Beispiel.

 

Trotzdem sehen viele Journalisten darin schon lange den Ausweg aus der eigenen Glaubwürdigkeitskrise. Schließlich gibt es dann nur unkritische Staatsmedien. Niemand macht mehr auf die Fehler der gelenkten Presse aufmerksam.

 

Auch der Herausgeber und Chefredakteur des Debattenmagazins The European sieht für seine Branche nur noch eine Chance. Wenn der Bürger nicht mehr freiwillig für Journalismus bezahlen will, soll ihm halt über staatlichen Zwang in die Tasche gegriffen werden: »Es bleiben nur noch Stiftungen, Mäzene und, der sicherste Hafen, der Steuerzahler.«

 

Das Versagen der Journalisten


Wenn schon die Deutungshoheit verloren ist und das Publikum rebelliert, rettet man sich wenigstens in das staatliche Gnadenbrot. Das ist nur ein anderes Wort für Aufgeben. Die Journalisten schaffen es nicht, im Internet ein Nachrichtengeschäft aufzubauen. Soziale Medien und Mobilgeräte laufen den klassischen Webseiten der Journalisten längst den Rang ab.

 

Was nützt also eine Paywall, wenn die Leute die News dann doch direkt über Facebook oder Google kostenlos abholen? Dorthin müssen die Medien aber liefern, wenn sie überhaupt beachtet werden wollen in der neuen digitalen Öffentlichkeit. Die Situation ist verfahren. Auch Medien-Journalistin Prinzing gibt es zu:

»Das regelt sich nicht von alleine, die Politik ist in der Verantwortung. Sie muss dafür sorgen, dass glaubwürdige Inhalte gestärkt und finanziert werden – im Interesse der Bürger und damit der Demokratie sowie ohne die Unabhängigkeit der Redaktionen zu gefährden.«

 

Wenn Unabhängigkeit zur Illusion wird

 

Die Politik soll »glaubwürdige« Inhalte finanzieren – aber bitteschön die »Unabhängigkeit« der Journalisten wahren. Das ist nicht einmal Wunschdenken, das ist Dummheit. Die Politik war immer das Schlachtfeld der Macht. Dort werden Kämpfe geführt, niemand schwebt hier über den Dingen, jeder ist maximal befangen.

 

Schließlich geht es darum, aus einer Vielzahl der Meinungen die eigene in einen Gesetzestext meißeln zu dürfen – mit allen gebotenen und auch verbotenen Mitteln. Das ist ein ständiger Kampf, bei dem sich Journalisten von Anfang an mit schmutzig gemacht haben: Sie denunzieren politisch unliebsame Meinungen, damit in den Köpfen Platz für das ist, was sie den Menschen unaufhörlich einhämmern.

 

Scheuklappen: Sei bloß nicht kritisch!

 

Der Journalismus ist mittlerweile zum verlängerten Spielfeld der Politik verkommen und prostituiert sich jetzt vollends.

 

Noch nie haben Berufspolitiker die Chance verstreichen lassen, ihren gewonnenen Einfluss auch in eigener Sache zu nutzen. Etwa, als Merkels Unions-Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat den Chefredakteur Nikolaus Brender abservieren ließ. Urteil: Zu kritisch, zu wenig Hofberichterstattung.

 

Wenn in Zukunft alle Journalisten zu verkappten Staatsdienern werden, gilt in den Redaktionen nur noch eine Mode. Scheuklappen und auf der Stirn die eingeritzte Warnung: »Sei nur kritisch denen gegenüber, die dich nicht bezahlen.« Die Bürger tun das ja schon länger nicht mehr.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (69) zu diesem Artikel

01.07.2015 | 09:54

spaceman

werte leser, habe heute beim zdf angerufen um mich über die lügen und des rufmordes im zdf zu beschweren, da ich allerdings aus österreich bin, wurde mir in etwa gesagt, dass ich nichtmal das recht habe mich zu beschweren. und mir wurde weiters erklärt, dass die geschichte der brd keine rolle mehr spielt bei der solidarität. nur soviel zu den ehrlich aufrechten medien im deutschsprachigem raum. lg


26.06.2015 | 12:18

Wetekamp

@MB & Co. ---> irgendwie liest sich diese nutzlose Diskussion wie der Schwanzvergleich unter Jungs auf dem Schulhof :D ---> Wie wäre es mal mit einem gemeinschaftlichen Gedankenexperiment, dass beide "Schulen" wenig bis nichts mit Bildung zu tun haben? Dass beide "Schulen" der Indoktrination dien(t)en und hinter dem "lernen für´s Leben" eine ganz andere Absicht steckt?


26.06.2015 | 09:02

Jansen

MB,25.06.2015 | 19:39 #"Da habe ich ja wohl in das berühmte "Wespennest" gestochen. Ist schon lustig, wie sich die Wessis plötzlich ereifern, wenn man ihnen ihren "Überlegenheitsstatus" abspricht." # Sie haben von einer Überlegenheit der Ossi-Bildung schwadroniert, welche allerdings nicht anzunehmen ist. Wie ich schrieb war das Ziel der Bildung im Osten kein selbständig denkender, kritische Mensch, sondern eine sich unterordnende...

MB,25.06.2015 | 19:39 #"Da habe ich ja wohl in das berühmte "Wespennest" gestochen. Ist schon lustig, wie sich die Wessis plötzlich ereifern, wenn man ihnen ihren "Überlegenheitsstatus" abspricht." # Sie haben von einer Überlegenheit der Ossi-Bildung schwadroniert, welche allerdings nicht anzunehmen ist. Wie ich schrieb war das Ziel der Bildung im Osten kein selbständig denkender, kritische Mensch, sondern eine sich unterordnende "sozialistische Persönlichkeit". Keine Frage, die Disziplin war höher, wer nicht spurte kam im Ernstfall in den Jugendwerkhof oder als Erwachsener als Assi in den Knast. Nur ist solch ein System aus Disziplin und Pflichtbewusstsein nicht der Ausdruck von hoher Bildung, denn dann wäre Nordkorea wohl unangefochtene Weltspitze.


25.06.2015 | 19:40

DDT-Alex

Toll. Jetzt gibt es also noch eine weitere Müllabgabe.


25.06.2015 | 19:39

MB

Da habe ich ja wohl in das berühmte "Wespennest" gestochen. Ist schon lustig, wie sich die Wessis plötzlich ereifern, wenn man ihnen ihren "Überlegenheitsstatus" abspricht. Aber wir wissen ja, der Westen war schon immer nur von den Guten und Überlegenen besiedelt, so wie die Nato immer die Guten waren und die bösen Russen immer so böse. Zum Thema Russisch und Englisch lernen kann ich nur sagen, an die Wessis. Erst mal 6 Jahre lang (POS) Russisch lernen, was...

Da habe ich ja wohl in das berühmte "Wespennest" gestochen. Ist schon lustig, wie sich die Wessis plötzlich ereifern, wenn man ihnen ihren "Überlegenheitsstatus" abspricht. Aber wir wissen ja, der Westen war schon immer nur von den Guten und Überlegenen besiedelt, so wie die Nato immer die Guten waren und die bösen Russen immer so böse. Zum Thema Russisch und Englisch lernen kann ich nur sagen, an die Wessis. Erst mal 6 Jahre lang (POS) Russisch lernen, was gewiß keine einfache Sprache ist und dann wie in meinem Fall eine glatte 1 haben, in Englisch übrigens auch. Wer im Osten Englisch lernen wollte, der konnte und durfte das. Hier gilt das das konfuzianische Sprichwort: Wenn alle nur noch von dem reden würden, von dem sie auch etwas verstehen, wäre alsbald ein großes Schweigen auf der Erde. Macht Euch keine Gedanken, denn mit der Lehrausbildung verhält es sich genauso. Ich könnte stundenlang erzählen, was ich hier im "goldenen Westen" so alles an angeblichen Bildungsüberfliegern erlebt habe, das spräche für sich. Im Gegensatz zu den allermeisten "Spezialkennern" des Ostens, die sich hier äußern, habe ich beide Seiten ausgiebig kennenlernen dürfen, da nimmt mir keiner die Butter vom Brot.


25.06.2015 | 16:20

Jansen

@MB, da reden Sie sich etwas schön. In der Zone wurden die Schüler auf ihre Aufgabe im Sozialismus getrimmt, dafür gabs Stabü, Geschichte (war auch nur abgeschwächtes Stabü) und ESP. Wichtig auch Wehrunterricht und Wehrlager, man muss ja spätestens als Jugendlicher an den Klassenkampf mit der Waffe herangeführt werden . Selbständiges oder gar kritisches Denken wurde nicht gefördert sondern unterdrückt. Man sollte sich ins Kollektiv einordnen und Phrasen lernen. Russisch als...

@MB, da reden Sie sich etwas schön. In der Zone wurden die Schüler auf ihre Aufgabe im Sozialismus getrimmt, dafür gabs Stabü, Geschichte (war auch nur abgeschwächtes Stabü) und ESP. Wichtig auch Wehrunterricht und Wehrlager, man muss ja spätestens als Jugendlicher an den Klassenkampf mit der Waffe herangeführt werden . Selbständiges oder gar kritisches Denken wurde nicht gefördert sondern unterdrückt. Man sollte sich ins Kollektiv einordnen und Phrasen lernen. Russisch als Pflichtfach, Englisch fakultativ-bestimmt nicht um den Ossi zum weltoffenen Bürger zu erziehen. Aber was wollte er auch mit Englisch, man hat ihn ja bestmöglich vom Klassenfeind abgeschirmt. Es durfte ja auch nicht Literatur aus dem Westen eingeführt werden, der Ossi hätte ja seine wertvolle Bildung dadurch flashen können.

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