Wednesday, 25. May 2016
02.03.2016
 
 

Die Trump-Kritiker wetzen bereits die Messer

Peter Orzechowski

Hillary Clinton und Donald Trump sind am »Super Tuesday« der US-Vorwahlen einer Präsidentschaftskandidatur für ihre Partei ein deutliches Stück näher gekommen. Die Republikaner werden nervös und wollen den New Yorker Milliardär jetzt stoppen.

 

Die frühere US-Außenministerin Clinton gewann mit Texas, Tennessee, Virginia, Georgia, Alabama, Massachusetts und Arkansas sieben der elf Staaten. Sie musste aber mit Colorado, Vermont, Oklahoma und Minnesota auch vier Staaten ihrem Herausforderer Bernie Sanders überlassen, der »eine politische Revolution« ausrief.

Weil Clinton ihre Siege in durchschnittlich größeren Staaten einfuhr, holte sie sich eine deutlich höhere Zahl von Delegierten als Sanders. Bei beiden Parteien werden die Delegierten proportional zum Stimmergebnis vergeben. Nicht ausschließlich die Sieger erhalten Delegierte.

 

»Im ganzen Land haben Demokraten heute dafür gestimmt, Mauern einzureißen, so dass wir zusammen großartig sein können« sagte Hillary Clinton bei einem Auftritt in Florida. »Amerika ist stark, wenn wir alle zusammen stark sind. Amerika hat nie aufgehört, großartig zu sein.«

 

Trump: gegen Merkel, für Putin

 

Donald Trump, der Sieger der gestrigen Vorwahlen, stößt nicht nur das politische Establishment Washingtons vor den Kopf. Er bezieht auch Positionen, die den Mächtigen und Drahtziehern überhaupt nicht passen: Nach seinem gestrigen Triumph hat der republikanische Präsidentschaftsbewerber erneut die deutsche Flüchtlingspolitik ins Visier genommen.

 

Trump sagte wörtlich: »Schaut nach Deutschland und Schweden und schaut einige dieser Orte an, das ist ein Desaster.« Wegen der Flüchtlinge aus muslimischen Ländern drohe der Bundesrepublik ein »radikalislamischer Terrorismus«.

 

Schon vor Wochen hatte Wladimir Putin den republikanischen Präsidentschaftsbewerber in seiner Jahrespressekonferenz als schillernden und äußerst talentierten Menschen bezeichnet. Bei einer Wahlkampfveranstaltung gab Donald Trump das Lob zurück: »Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass Russland und die Vereinigten Staaten im Kampf gegen Terrorismus und für den Weltfrieden gut zusammenarbeiten können – ganz zu schweigen von wirtschaftlichen und anderen Vorteilen, die aus gegenseitigem Respekt resultieren. « Putin sei ein großer Staatsmann und es sei eine Ehre gewesen von ihm gelobt zu werden, so Trump weiter.

 

Die zerstrittenen Republikaner

 

Der umstrittene Immobilien-Milliardär Donald Trump siegte bei den Republikanern in sieben Staaten: Georgia, Alabama, Massachusetts, Virginia, Tennessee, Vermont und Arkansas. Er verlor aber den wichtigen Staat Texas an dessen erzkonservativen Senator Ted Cruz. Auch Oklahoma ging an Cruz. Minnesota gewann Marco Rubio.

 

Trump gab sich bei einer Pressekonferenz in Florida für seine Verhältnisse vergleichsweise sachlich. Er wolle die Partei der Republikaner einen und auf Dialog setzen. »Ich bin einer, der die Wahrheit sagt, und ich werde die Wahrheit sagen«, beteuerte der Immobilienmogul aus New York.

 

Trumps Erfolg liegt auch an der Zerstrittenheit seiner Verfolger. In vielen Staaten kamen Cruz und Rubio gemeinsam auf deutlich mehr Stimmen als Trump. »Unsere Kampagne ist die einzige, die Donald Trump geschlagen hat und schlagen kann«, sagte Cruz. Solange das Feld der Republikaner mit noch immer fünf Kandidaten so groß bleibe, mache das eine Kandidatur Trumps wahrscheinlicher.

 

Am »Super Tuesday« wurden rund 20 Prozent aller Delegiertenplätze vergeben; 600 bei den Republikanern und rund 1 000 bei den Demokraten. Um nominiert zu werden, muss ein republikanischer Bewerber auf mindestens 1 237 Delegierte kommen, ein demokratischer auf 2 383.

 

Marco Rubio, Hoffnungsträger des Establishments, hat bereits angekündigt, er wolle in zwei Wochen in seinem Heimatstaat Florida richtig angreifen. Er bezeichnete Trump als Trickbetrüger. »Die Partei von Lincoln und Reagan und die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten werden niemals von einem Hochstapler übernommen werden«, rief Rubio.

 

Hoffnungen macht sich auch noch der erzkonservative Senator Ted Cruz. Er fuhr in seinem Heimatstaat Texas einen klaren Sieg ein und konnte auch in Oklahoma Trump auf Distanz halten. Cruz hat damit nach seinem Sieg in Iowa zum Auftakt des Vorwahlreigens bereits drei Siege auf dem Konto.

 

Dennoch droht den Republikanern, dass »The Donald« ihr Präsidentschaftsbewerber für die Wahlen im November wird – für viele in der Grand Old Party eine Katastrophe. Denn Trump schert sich nicht im Geringsten um die Befindlichkeiten der Partei – und droht die Partei im Wahlkampf weiter zu beschädigen. Trump habe keine echte Chance gegen Hillary Clinton, unken die Auguren und verweisen auf jüngste Meinungsumfragen – die ja, wie Kopp-Leser wissen, alles andere als objektive Trends sind.

 

Umfragen: Trump würde gegen Clinton verlieren

 

Laut einer aktuellen Umfrage des Fernsehsenders CNN würde – wenn die Amerikaner jetzt zwischen dem Milliardär und der ehemaligen Außenministerin wählen müssten – Clinton 52 Prozent erhalten, Trump 44 Prozent. Sogar wenn sein Herausforderer Bernie Sanders hieße, wäre Trump demnach deutlich zurück.

 

Dann würden sich Stand jetzt 55 Prozent für den Demokraten entscheiden, 43 Prozent für Trump. Bessere Chancen, gegen Clinton zu gewinnen, hätten der Umfrage zufolge Marco Rubio (50 Prozent) und Ted Cruz (49 Prozent), denen in der Umfrage ein knapper Sieg gegen Clinton prognostiziert würde.

 

US-Kommentatoren betonen denn auch gebetsmühlenartig: Trump begeistert im Wahlkampf zwar viele mit seinen einfachen und aggressiven Botschaften.

 

Doch wenn es wirklich darum geht, den nächsten Präsidenten der USA zu wählen - jenen Mann, der über das Schicksal der Nation, über Krieg und Frieden entscheidet und die USA im Ausland repräsentiert - dann wäre der Scharfmacher den amerikanischen Wählern doch zu gewagt. Dann würden sie sich für einen konsensfähigen, politisch erfahrenen Kandidaten entscheiden.

 

Ob die so genannten Experten recht behalten, wird sich zeigen. Trump hat zu Beginn der Vorwahlen in diesem Jahr die Prognosen und Beruhigungs-Theorien schon einmal Lügen gestraft.

 

 

 

 

 

 

 

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