Tuesday, 24. May 2016
31.03.2015
 
 

Kommt sie doch, die kleine Eiszeit in Europa? Der Golfstrom schwächelt jedenfalls

Peter Orzechowski

Kippt der Golfstrom oder nicht? Bricht Europas Fernwärme zusammen? Die Spekulationen bekommen jetzt neue Nahrung. Klimamodelle sollen den Wandel sogar unterschätzt haben. Das berichtete die Deutsche Presseagentur vor wenigen Tagen. Als ich in meinem Buch Himmelszeichen bereits auf eine durch den schwachen Golfstrom mögliche kleine Eiszeit hingewiesen hatte, wurde ich von Kritikern deswegen noch verlacht. Jetzt sieht es aber ganz anders aus.

 

Der Golfstrom hat sich einer Studie zufolge im Laufe des 20. Jahrhunderts möglicherweise doch verlangsamt – und zwar so stark wie seit 1000 Jahren nicht. Besonders in den letzten Jahrzehnten habe sich die warme Meeresströmung deutlich abgeschwächt, berichtet ein internationales Forscherteam um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Fachjournal Nature Climate Change.

»Verblüffenderweise hat sich trotz fortschreitender globaler Erwärmung ein Teil des nördlichen Atlantiks in den letzten 100 Jahren abgekühlt«, wird Rahmstorf in einer Mitteilung seines Instituts zitiert. Diese Abkühlung sei stärker als von den meisten Computermodellen errechnet. Der Rückgang der Meerestemperatur südlich von Grönland liege offenbar daran, dass sich die große Umwälzströmung im Atlantik, die so genannte Atlantic Meridional Overturning Circulation (AMOC), im 20. Jahrhundert deutlich abgeschwächt hat. Der Golfstrom ist Teil dieser Umwälzströmung.

 

In meinem Buch Himmelszeichen bin ich detailliert darauf eingegangen, dass sich der Golfstrom seit einigen Jahren kontinuierlich abschwächt und dadurch der nördliche Atlantik abgekühlt hat. »Jetzt haben wir starke Belege dafür gefunden, dass dieses atlantische Förderband sich in den vergangenen 100 Jahren tatsächlich verlangsamt hat, besonders seit 1970«, so Rahmstorf.

 

Als Ursache der Abschwächung haben die Forscher den globalen Klimawandel im Verdacht. Durch die Erwärmung schmelze immer mehr Eis auf Grönland, das als Süßwasser ins Meer fließe. Das verändere die Dichte des Meerwassers und dadurch auch das Strömungsverhalten. Der Golfstrom werde langsamer. »Dieser Effekt könnte noch zunehmen, wenn die weltweiten Temperaturen weiter ansteigen«, sagt Mitautor Jason Box von der Geologischen Forschungsanstalt für Dänemark und Grönland. Genau das hatte ich ebenfalls in meinem Buch erwähnt.

 

Was bedeutet das?

 

Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) macht sich weniger um die Kälte in Nordeuropa als vielmehr um die Nässe Sorgen. Durch eine Abschwächung des Golfstroms »könnte der Meeresspiegel um bis zu einem Meter an den Küsten des Nordatlantiks ansteigen«, fürchten er und seine Kollegen.

 

Noch schlimmer als der mögliche Kälteeinbruch im Norden oder küstennahe Überflutungen wären die Auswirkungen eines versiegenden Golfstroms auf andere Erdregionen. Darauf weist Richard B. Alley hin. Der Professor für Geowissenschaften an der Pennsylvania State University und Mitglied des dortigen Zentrums für Erdsystemforschung hat das Klima der Monsungebiete Afrikas und Asiens untersucht und festgestellt, dass die Niederschläge dort besonders gering ausfallen, wenn der Nordatlantik kälter ist als die ihn umgebenden Landmassen.

 

»Schon die Abkühlung beim Erlahmen des Förderbands könnte ausreichen, um eine solche Austrocknung hervorzurufen. Angesichts der Milliarden von Menschen, die auf den Monsunregen angewiesen sind, um Bewässerungsfeldbau betreiben zu können, dürfte auch eine mäßige Dürre zu verbreiteter Hungersnot führen.«

 

Die Schwarzmaler des Pentagon

 

In einer Studie für das Global Business Network befragten die beiden Amerikaner Peter Schwartz, früherer Planungschef bei Shell, und Doug Randall neun Klimaforscher über die Auswirkungen abrupter Klimaänderungen.

 

Im Oktober 2003 veröffentlichte das Pentagon das Papier mit dem Titel »Ein Szenario des plötzlichen Klimawandels und dessen Bedeutung für die nationale Sicherheit der USA« (»An Abrupt Climate Change Scenario and Its Implications for United States Security«).

 

In ihm werden zwei zentrale Aussagen getroffen: Erstens, wir werden im 21. Jahrhundert eine starke globale Erwärmung erleben. Und zweitens: Der Klimawandel könnte kontinuierlich, aber auch plötzlich eintreten, z.B. durch ein Abschwächen oder gar einen Stopp des Golfstroms.

 

Die Studie zieht als Vergleich zwei historische Daten heran, die mit einem Versiegen des Golfstroms in Zusammenhang gebracht werden. So habe sich 1300 n.Chr. der Golfstrom verlangsamt und damit auf der nördlichen Erdhalbkugel eine »kleine Eiszeit« ausgelöst, die bis ins 19. Jahrhundert dauerte. In Nord- und Mitteleuropa sowie an der Ostküste der USA war es damals sehr viel kälter geworden, während es in den mittleren und westlichen Gebieten der USA so trocken wurde, dass Dürre und Waldbrände zum Alltag wurden.

 

Vor 8200 Jahren, so das Pentagon, stoppte der Golfstrom ganz. Die Folge: Nordeuropa verschwand unter einer dicken Eisschicht, der Osten der USA hatte Temperaturen, wie wir sie heute von Sibirien oder Alaska kennen. Diese »richtige Eiszeit« dauerte dann mehr als 100 Jahre. Falls dies einträfe, wäre die ganze Welt im Auf- und Umbruch. Länder wie Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark müssten wegen Eis, Zentralamerika und Nordafrika wegen Dürre evakuiert werden.

 

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln wäre das größte Problem, da die meisten Anbauflächen der nördlichen Erdhalbkugel durch Kälte oder Dürre unfruchtbar geworden, aber auch die Äcker auf der Südhalbkugel durch deutlich höhere Temperaturen gefährdet wären. Außerdem würden Überschwemmungen und Stürme die bisherigen Niederschlagsmuster so verändern, dass nicht genügend Trinkwasser zur Verfügung stünde. Kriege um Nahrung und Wasser könnten die Folge sein.

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (30) zu diesem Artikel

04.05.2015 | 18:55

Realist

Ich bleibe da vollkommen ruhig. Einmal ist diese "Studie" des PIK (Panikinstitut in Klimahysterie) doch längst kalter Kaffee und zudem gibt es genau so viele Publizierungen, die das Gegenteil (verblüffende Stabilität) belegen. Das PIK hat zudem (wie üblich) den Effekt nur als theoretisch denkbare Möglichkeit - wozu dann noch die Grönlandgletscher massiv schmelzen müssten - durch Simulationen "herausgefunden". Weder schmelzen die Grönlandgletscher massiv...

Ich bleibe da vollkommen ruhig. Einmal ist diese "Studie" des PIK (Panikinstitut in Klimahysterie) doch längst kalter Kaffee und zudem gibt es genau so viele Publizierungen, die das Gegenteil (verblüffende Stabilität) belegen.
Das PIK hat zudem (wie üblich) den Effekt nur als theoretisch denkbare Möglichkeit - wozu dann noch die Grönlandgletscher massiv schmelzen müssten - durch Simulationen "herausgefunden". Weder schmelzen die Grönlandgletscher massiv (aktuell AWI), noch muss der vom PIK lokal gemessene Kälteeffekt im Nordmeer die simulierten Auswirkungen auf den doch weit entfernten Golfstrom haben.
Bisher ist zumindest noch nichts der durch Simulationen "gesicherten" Vorhersagen zum Klima wirklich eingetroffen. Bin mir sicher, bei dieser dürfte es ähnlich sein. Aber das PIK lebt ausschließlich von Forschungsgeldern für Katastrophenvorhersagen - und diese macht es deshalb wirklich gern und gut.


21.04.2015 | 17:01

George

Ich bin der Meinung, dass wir uns tatsächlich in einer klimatischen Umbruchphase befinden. Die Großwetterlage insb. hier auf der Nordhalbkugel scheint sich zumindest auf "eine kleine Eiszeit" umzustellen. Im Text war von großen Dürren in zentralen und westlichen Staaten zu lesen und extremer Kälte im Osten. Hier in Europa häufen sich die Trockenperioden besonders in den Frühjahrsmonaten enorm. Die durchschnittlichen Niederschlagsraten in den Frühjahrsmonaten sind im...

Ich bin der Meinung, dass wir uns tatsächlich in einer klimatischen Umbruchphase befinden. Die Großwetterlage insb. hier auf der Nordhalbkugel scheint sich zumindest auf "eine kleine Eiszeit" umzustellen. Im Text war von großen Dürren in zentralen und westlichen Staaten zu lesen und extremer Kälte im Osten. Hier in Europa häufen sich die Trockenperioden besonders in den Frühjahrsmonaten enorm. Die durchschnittlichen Niederschlagsraten in den Frühjahrsmonaten sind im freien Fall. Dazu veränderte Achsen der Druckgebilde und die Verlangsamung der Wellenbewegungen. Das begünstigt besondere Extreme nach oben und nach unten auch in Europa. Und es scheint immer mehr zuzunehmen. Meineserachtens werden wir schon in Kürze Witterungsverhälnisse haben, die auch hier in Deutschland derbe Folgen haben werden. Schon die lezten Jahre haben uns da einen Vorgeschmack geliefert. Wie wirds dann aussehen? Die Winter werden vor allem nördlich der Mittelgebirge z.T. richtig eisig werden. Durch häufige Grenzwetterlagen zwischen suppolarer Kälte und suptropischen Luftmassen wird es besonders chaotische Verhälnisse durch viel Schnee und Glatteisregen geben. Bis in den Frühsommer hinein wird es dann auch wieder häuifger Kälteeinbrüche geben, die mit frostigen Nächten einhergehen. Auf der anderen Seite kann es schon früh im April schon sehr warm werden. In den Sommermonaten treten häufiger schwere Gewitter mit Hagelschlag auf. Besonders die südlichen Landesteile werden häufiger mit großen Fluten zu kämpfen haben. In den Herbstmonaten sind Sommer und erste Wintereindrücke schon ab September wieder sehr nahe beieinander. Die Witterung geht mehr mit den Sonnenstand mit als früher- wo dies mit einer gewissen Verzögerung einherging. Auch dies ein Merkmal, dass z.B. der Einfluss einer kräftigen Meeresströmung geringer wird,.


09.04.2015 | 23:21

es-ist-so

Seriöse Wissenschaftler verkünden : "DIE ERDE SCHWANKT IM EISZEITTAKT" - hauptsächlich wegen der Präzessionsbewegung der Erdachse, der Verteilung der Landmasse zwischen Nord- und Südhalbkugel und des Einflusses von Mond und Planeten. http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=30496230Neuerdings sind auch noch die selbsternannten grünen Klimaexperten dazugekommen ( denen hoffentlich bald die Eier abfrieren werden, vorher aber, gemäß...

Seriöse Wissenschaftler verkünden : "DIE ERDE SCHWANKT IM EISZEITTAKT" - hauptsächlich wegen der Präzessionsbewegung der Erdachse, der Verteilung der Landmasse zwischen Nord- und Südhalbkugel und des Einflusses von Mond und Planeten.
http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=30496230
Neuerdings sind auch noch die selbsternannten grünen Klimaexperten dazugekommen ( denen hoffentlich bald die Eier abfrieren werden, vorher aber, gemäß ihrer eigenen Prognosen, anschmoren sollen ;-)


05.04.2015 | 14:40

Tom

Das wurde doch bereits schon verfilmt. Ich denke von Roland Emmerich - "The Day After Tomorrow" aus dem Jahr 2004.


01.04.2015 | 19:01

ID

Wenn der Golfstrom "kippt", kann man das gleichsetzen mit dem Kippen des Systems unseres Planeten. Wir werden, mit Kältewellen und Hitzewellen großen Ausmaßes zutun bekommen. Mehr ist nicht zu sagen.


01.04.2015 | 12:07

jeanette

wie schoen hier so viele durchblicker vorzufinden. willkommen im club. und nun? jeder kann im "verborgenen", wie uns der gegner vorfuehrt, aggieren. immer das gegenteil von dem glauben, was berichtet wird und immer das gegenteil von dem tun, was erwartet wird. das ist der weg zum sieg. keine mobiltelefone, keine zeitungen, kein tv, kein geld den banken zur verfuegung stellen und keine kredite mehr, nicht mehr "billig ist geil", lieber quallitaet dafuer aber...

wie schoen hier so viele durchblicker vorzufinden. willkommen im club. und nun? jeder kann im "verborgenen", wie uns der gegner vorfuehrt, aggieren. immer das gegenteil von dem glauben, was berichtet wird und immer das gegenteil von dem tun, was erwartet wird. das ist der weg zum sieg. keine mobiltelefone, keine zeitungen, kein tv, kein geld den banken zur verfuegung stellen und keine kredite mehr, nicht mehr "billig ist geil", lieber quallitaet dafuer aber weniger. das bwl maerchen nicht mehr abkaufen "wirtschaftswachstum" guckt auf deren konten, sind die einzigen, die noch wachsen (ausnahme die diaeten der gekauften politiker). jeder einzelne kann seinen beitrag leisten. sagt euren kindern, was sie in den schulen vermittelt bekommen ist nicht die wahrheit und sind schon gar nicht mehr unsere alten werte. wir muessen nicht "modern" werden unnuetze reformen ertragen bloss weil es die elite so will.

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