Friday, 26. August 2016
12.03.2016
 
 

Wer kontrolliert die Zentralbanken? – Mark Carney, Gouverneur der »Bank von Goldman Sachs«

Prof. Michel Chossudovsky

Im Rahmen einer Veranstaltung für den Brexit, also den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, versicherte der Gouverneur der Bank von England, Dr. Mark Carney, der britischen Öffentlichkeit: »Wir werden alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um unserer Verpflichtung nachzukommen, für die Stabilität der Währung und finanzielle Stabilität zu sorgen.«

 

Carney gab damit zu erkennen, dass mit dem Prozess des Ausscheidens aus der EU »Finanzinstabilität« und »schlechte Wirtschaftsergebnisse« verbunden wären: Eine wenig subtile Botschaft an Investoren, Händler, aber auch Spekulanten. Zugleich warnte er die Abgeordneten des Unterhauses, ein Brexit könnte zur Abwanderung von Banken und Finanzinstituten aus der City of London führen.

»Es gibt keine unerschütterliche Gewähr dafür, dass es kurzfristig im Zusammenhang mit der Finanzstabilität nicht zu Problemen kommen könnte, und eine solche mögliche Abnahme der Finanzstabilität könnte – und tut dies in der Regel auch –, wie wir in der Vergangenheit erleben mussten, mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage einhergehen«, sagte er.

 

Der Gouverneur der Bank von England war zuvor in führender Position für Goldman Sachs, einen der weltweit führenden »institutionellen Spekulanten«, tätig.

 

Insgesamt arbeitete er 13 Jahre bei Goldman Sachs, bevor er dann zum Chef der kanadischen Zentralbank ernannt wurde.

 

Als Mark Carney 2013 dann zum Gouverneur der Bank von England (BoE) aufstieg, besaß er noch nicht einmal die Staatsbürgerschaft des Vereinigten Königreichs. Er war der erste Ausländer, der diese Position seit der Gründung des Governor and Company of the Bank of England 1694 innehat.

 

Waren da hinter den Kulissen bei der Berufung des Gouverneurs der BoE einflussreiche Interessen aktiv? Wer hatte Carney vorgeschlagen und wer unterstützte dessen Kandidatur? Bei seiner Ernennung spielten Probleme wie die »Souveränität« des Vereinigten Königreichs (UK) oder die Staatsbürgerschaft Carneys in den britischen Medien nicht die geringste Rolle.

 

Brexit und Finanzstabilität


Carney war sich der Tatsache voll bewusst, dass eine durch die »Autorität seines Amtes« bekräftigte Erklärung zur »Finanzstabilität« umgehend die Finanzmärkte beeinflussen würde. In wessen Interesse agierte er, als er derartige Erklärungen abgab?

 

Der konservative Abgeordnete Jacob William Rees-Mogg warf Carney »spekulative Äußerungen« vor: »Es ist rein spekulativ und unter der Würde der Bank von England, rein spekulative Pro-EU-Kommentare abzugeben.« [Rees-Mogg ist EU-Skeptiker und Sohn des langjährigen Herausgebers der Times, William Rees-Mogg, der heute im britischen Oberhaus sitzt.]

 

Der Goldman-Sachs-Bericht


Im Februar dieses Jahres warnte Goldman Sachs, im Falle eines Brexits »könnte [das Britische Pfund] 20 Prozent seines Wertes einbüßen«. Die Äußerungen Mark Carneys vor dem Unterhaus stoßen nicht nur ins gleiche Horn, sondern verleihen der Einschätzung von Goldman Sachs zusätzliche Legitimität und »Glaubwürdigkeit«.

 

Als international tätiger Spekulant ist Goldman Sachs daran interessiert, die Erwartungshaltung bezüglich der Finanzmärkte zu beeinflussen (und wird dabei durch quasiamtliche Erklärungen der Bank von England unterstützt). Parallel zu den jüngsten Äußerungen Carneys veröffentlichte Goldman Sachs einen Bericht zu den negativen wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen eines Brexit. Hier einige Auszüge:

»Angesichts der beträchtlichen Unvorhersehbarkeiten im Zusammenhang mit den Handels- und Regelungsverfahren im Vereinigten Königreich nach einem Brexit sind die langfristigen negativen Folgen eines Brexits nur sehr vage zu beurteilen. Gute Gründe sprechen dafür, dass die Auswirkungen dieser Unsicherheit selbst auf das Wachstum in Großbritannien das sehr viel drängendere Problem darstellen.

Die EU-Verträge sehen einen Zeitraum von zwei Jahren für einen Austritt vor. In dieser Zeit müsste die britische Regierung die Rahmenbedingungen, unter denen sie den Handel mit der EU fortsetzen will, neu verhandeln...

Einige dieser Handelsverhandlungen und viele der bestimmungstechnischen und rechtlichen Entscheidungen wären unkompliziert. Aber viele andere Aspekte nicht…

In dieser Phase sähe sich die Geschäftswelt des Landes mit einer erheblichen Unsicherheit konfrontiert:  Exportunternehmen wären dann nicht über die Bedingungen informiert, unter denen sie nach Abschluss des Brexit weiterhin ins Ausland exportieren könnten; Importunternehmen ihrerseits wären nicht mit den Bedingungen für weitere Importe vertraut; und alle diese Unternehmen sähen sich zudem einer zunehmenden bestimmungstechnischen und rechtlichen Unsicherheit gegenüber.«

Die britische Tageszeitung Daily Mail brachte die Lage am 5. Februar 2016 in vier kurzen schlagzeilenartigen Formulierungen auf den Punkt:

  • »Goldman Sachs behauptet, wenn England die EU verlässt, könnte dies zu einem Zusammenbruch des Pfund Sterling führen.«
  • »Die amerikanische Bank erklärte, ein Brexit könnte einen 20-prozentigen Wertverlust des Pfund Sterlings nach sich ziehen.«
  • »Die Bank gehört zu den wichtigsten finanziellen Unterstützern der Pro-EU-Kampagne.«
  • »Der Gouverneur der Bank von England, Mark Carney, weist diese Behauptungen zurück.«

Im Februar wies Carney die Behauptungen von Goldman Sachs noch zurück. Aber heute unterstützt er sie. Aus welcher Ecke stammen die Erklärungen Carneys, von der Bank von England oder von Goldman Sachs, seinem früheren Arbeitgeber?

 

Goldman Sachs ist als einer der weltweit führenden »internationalen Spekulanten« bekannt. Vorabwissen zu Erklärungen und Entscheidungen von Zentralbanken wird von Finanzinstituten oft zu spekulativen Operationen benutzt. Insiderwissen und Verbindungen gehören zu diesem Prozess hinzu; sie bilden sozusagen die »Lebensgrundlage« des »institutionellen Spekulanten«. Die britischen Medien sind bisher der entscheidenden Frage immer ausgewichen: Wie ist die Verbindung zwischen Mark Carney und Goldman Sachs beschaffen?

 

Das Trojanische Pferd von Goldman Sachs


Gibt es in der Bank von England ein Trojanisches Pferd, in dessen Innerem Goldman Sachs lauert? Als Carney offiziell von Ihrer Majestät, der britischen Königin, ernannt wurde, unterhielt er inoffiziell immer noch »Verbindungen« zu Goldman Sachs. Besteht hier ein Interessenkonflikt?

 

Die britische Tageszeitung The Independent berichtete am 20. August 2015:

»Bei der nächsten finanziellen Kernschmelze könnte auch Ihr Geld zur Rettung von Goldman Sachs eingesetzt werden.

Aufgrund einer neuen Vereinbarung mit Mark Carney könnte die amerikanische Investmentbank tatsächlich in den Genuss einer neuen Runde von Rettungspaketen kommen, die vom britischen Steuerzahler finanziert würde.«

Darüber hinaus wurden wichtige Schlüsselpositionen in der Bank von England mit ehemaligen führenden Mitarbeitern von Goldman Sachs besetzt. Mark Carney wurde 2013 ernannt. Im folgenden Jahr wurde Dr. Ben Broadbent, ein früherer Senior European Economist bei Goldman Sachs, zum stellvertretenden Gouverneur mit dem Verantwortungsbereich Geldpolitik berufen.

 

Weiter schreibt der Independent:

»Wie im Falle keines anderen Finanzinstituts ist es Bankern von Goldman Sachs gelungen, weltweit in allen Bereichen vertreten zu sein, wo wichtige politische Entscheidungen getroffen werden.

Wie der Gouverneur der Bank von England arbeiteten auch sein Stellvertreter Ben Broadbent sowie zwei frühere Mitglieder des Geldpolitischen Ausschusses, David Walton und Sushil Wadhwani, für Goldman Sachs.

Auf der anderen Seite des Kanals war auch der heutige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, für Goldman Sachs tätig. In den USA wiederum stellen ehemalige führende Goldman-Sachs-Mitarbeiter ein Viertel der Regionalpräsidenten der Federal Reserve.«

Schlussbemerkung


Zentralbanken tragen eine Mitschuld an der Manipulation der Finanzmärkte, einschließlich der Aktienmärkte sowie der Märkte für Rohstoffe, Gold und Devisen, ganz zu schweigen von den Erdöl- und Energiemärkten, die Schauplatz sorgfältig inszenierter spekulativer »Pump and Dump«-Szenarien waren.
Wer kontrolliert die Zentralbanken? Die Geldpolitik dient nicht dem Gemeinwohl.

 

 

 


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