Saturday, 27. August 2016
09.05.2011
 
 

BP hat es sich vor dem Ölunfall mit den Grünen und den Medien gemütlich gemacht

Redaktion

Wie hoch sind die Opportunitätskosten von politisch korrekten Geschäftstätigkeiten gegen den Klimawandel, wenn dadurch Finanzmittel von verbesserten Sicherheitsverfahren und wirksamen Geschäftspraktiken weggeleitet werden? Diese Frage wird noch nicht in denjenigen Medien behandelt, die eine lange Geschichte der Anbiederung an British Petroleum (BP) haben.

Aber bei MasterResources.Org, einem unabhängigen Blog zur Energiepolitik, wird das Thema behandelt. Dort findet man Beiträge von Energieexperten und Industrievertretern. Einige der wichtigsten davon, darunter Robert Bradley, Vorstand und Gründer des Institute for Energy Research, haben Insiderkenntnisse über die Beziehungen zwischen BP, Enron und der Umweltschutzbewegung.

Während auf der einen Seite der »wissenschaftliche Konsens« der Alarmschläger angesichts neuerer  Forschungen zusammenbricht, argumentieren Bradley und andere Advokaten des freien Marktes, dass die seit Jahren in den Medien kleingeredeten Klimarealisten es tatsächlich in der Energiepolitik besser wussten. Sie behaupten sogar mit Fug und Recht, dass die rhetorische Wende der BP hin zu grünen Meinungen die Aufmerksamkeit von deren rücksichtsloser, unverantwortlicher industrieller Praxis ablenken sollte, die schließlich zu einer ernsten ökologischen Verwüstung führte.

Anlässlich des Jahrestags der Deepwater-Horizon-Ölquellen-Explosion sollte man sich erinnern, dass BP eine wohlmeinende Presse bis zum Unfall hatte. Viele der gleichen grünen Gruppen, die sich nun gegen die Firma organisiert haben, hatten davor einen Strom von Lob über die von BP verkündeten Verpflichtungen zum Schutz der Umwelt gegossen.

»Die Medienlieblinge von gestern wurden von einer Massierung der Ereignisse zurückgeworfen, die öffentliche Unterstützung für die politischen Ziele der Klimawandel-Kampagne schmelzen ab«, sagte Bonner Cohn, ein Forscher am National Center for Public Policy Research (NCPPR). Der kritische Wendepunkt kam 2009, als Tausende von unerlaubt veröffentlichten E-Mails aus der Climate Research Unit der englischen University of East Anglia zeigten, wie Verfechter der menschengemachten Klimawandel-Theorien die Daten frisiert und manipuliert hatten. Diese Episode ist als »Klimagate-Skandal« bekannt geworden.

John Browne, Vorstandsvorsitzender von BP von 1995 bis 2007, ist in der Presse als zukunftsorientierter umweltbewusster Nonkonformist gefeiert worden, der eine grüne Energiefirma geschaffen hätte. Zur gleichen Zeit wurde Lee Raymond, der nun im Ruhestand lebende ExxonMobil- Vorstandsvorsitzende, bitter wegen seinem Zweifel an den Theorien vom menschengemachten Klimawandel kritisiert. Er hatte auch Vorbehalte gegen Umweltschutzgesetze ausgesprochen, die die Lebensumstände in den weniger entwickelten Gegenden der Welt verschlimmerten.

»In der Ölindustrie missachten wir die Klimawandelproblematik keineswegs«, hatte Raymond in seiner 1997er-Ansprache auf dem Kongress der Weltölindustrie in Peking gesagt. »Aber ich glaube, niemand sollte eine moralische Berechtigung haben, den Menschen die Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Lebensumstände zu verweigern, indem man ihnen willkürlich die Mittel dazu wegnimmt.«

»Ich hoffe, dass die Regierungen dieser Region mit uns zusammenarbeiten werden, um einer Politik entgegenzuwirken, die das Wirtschaftswachstum abtötet«, sagte er weiter. Die »dringendsten Umweltprobleme [der Entwicklungsländer] ... hängen mit der Armut zusammen, nicht mit dem Klimawandel«, warnte Raymond.

Für diese Aussage zugunsten der Dritten Welt erhielt Raymond keinerlei Applaus.

Präsident Clintons Präsidialsekretär wurde in einer AP-Meldung wie folgt zitiert: »Wir würden diese Bemerkungen eines Vorstands aus der Ölindustrie für kurzsichtig halten, selbst in einer wohlwollenden Behandlung dieser Frage.«

»In Sachen Unternehmensverantwortung liegt hier eine beträchtliche Ironie«, bemerkte Cohen, der NCPPR-Analytiker. »Exxons Sicherheitshistorie ist derjenigen von BP weit voraus und ihr Vorstandsvorsitzender Raymond wurde schließlich in seinem Skeptizismus bestätigt mit seiner Einschätzung des Klimawandels. Aber so etwas liest man bezeichnenderweise nicht, auch nicht jetzt nach dem Ölunfall. «

Der BP-Vorstandsvorsitzende Browne hatte sich während seiner Amtszeit stark für die Emissionsbeschränkungen eingesetzt, sogar dann noch, als aufeinanderfolgende US-Regierungen sich weigerten, das Kyoto-Protokoll von 1997 zu unterzeichnen. Im März desselben Jahres rückte der BP-Chef damit heraus, als er Umweltplattitüden von sich gab und neue grüne Initiativen in einer Rede an der Stanford Universität skizzierte. Browne rief die private Industrie auf, ihre Anstrengungen mit Regierungsstellen zu bündeln zu einer »langen und schwierigen Reise« weg von den fossilen Treibstoffen hin zu alternativer, sauberer Energie.

»Wir müssen uns nun auf das konzentrieren, was wir können, und was getan werden muss, nicht weil wir sicher sein können, dass der Klimawandel geschieht, sondern weil dessen Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen ist«, erklärte Browne in seiner Rede. »Wenn wir alle die Verantwortung übernehmen müssen für die Zukunft unseres Planeten, dann liegt es an uns, jetzt vorsorglich tätig zu werden.«

 

 

Das Lob der Medien kam sofort, rasch und von überall her.

 

»Der Vorstandsvorsitzende John Browne, der seinen Ruf als Querdenker im Ölgeschäft erneut bestätigt hat mit seiner Bereitschaft, zuzugeben, dass sich das Erdklima wirklich erwärmt, sagte, dass seine Firma einen emissionsmindernden Prozess ausprobieren würde, der das Potenzial für globale Anwendung hätte«, schwärmte die Los Angeles Times.

Dan Becker, der spätere Direktor der »Safe Climate«-Kampagne des Sierra Clubs lobte BP in der Los Angeles Times für die Ausrichtung der Ölindustrie in die richtige Richtung.

Die ernsthafte und begeisterte Unterstützung von vielen grünen Gruppen für die Bemühungen von BP zeigten sich vorrangig in nachfolgenden Berichten, wo mit Sierra Club, Greenpeace und dem Environmental Defense Fund verbundene Aktivisten im Auftrag von BP zitiert wurden.

»Die Ölindustrie ist nun geteilter Meinung wegen des Klimawandels, und das ist wichtig«, sagte er. »Sie ist ein machtvoller Spieler. Das ist ganz schön dramatisch. Sie tun etwas und sie tun es in die richtige Richtung. Ein Hurra für BP!«

Im Vorgriff auf die UN-Konferenz in Kyoto (Japan) im Dezember hatte AP Kommentare vom Environmental Defense Fund bestellt, die das BP-Vorgehen als eine »historische Verantwortungsübernahme für das wichtigste Umweltproblem unserer Zeit beschrieben.«

Fred Krupp, einst Vorstand der BP-Gruppe, wurde mit den Worten zitiert, Brownes Vorschlag würde »richtig Druck auf die anderen Ölfirmen ausüben, sich wie verantwortungsvolle Erwachsene zu benehmen, und ich denke, das setzt die Clinton-Regierung unter erheblichen Druck, sich auf ein bedeutendes Verminderungsziel hin zu bewegen.«

Die Financial Times beschrieb Brown als »Sonnenkönig« angesichts seiner ausgesprochenen Verpflichtung zur Sonnenenergie und anderen erneuerbaren Technologien.

Dann setzte Browne eins drauf mit einer großen 200-Millionen-Dollar-Anzeigenkampagne, um dem Namen BP ein neues Image zu geben. Er sagte, die Abkürzung stünde nun für »Beyond Petroleum« [Jenseits von Öl]. BP änderte ihr Logo. Anstelle des Schildsymbols zeigte sich die Firma nun mit einer umweltfreundlichen grün-gelben Sonne.

»Das neue Sonnenlogo und die Richtung in ›Jenseits von Petroleum‹ drückte die neue Identität der Firma aus«, schrieb Browne in seinen Erinnerungen Beyond Business (2010). Aber wie der investigative Journalist Tom Bower in seinem Buch Öl: Geld, Macht und Politik im 21. Jahrhundert, berichtet, war die BP-Kampagne ein Trick der Öffentlichkeitsarbeit, um die Aufmerksamkeit von den immer unsicherer werdenden Geschäftspraktiken abzulenken.

»Man stelle sich nur mal vor, John Browne hätte die Zeit und das Geld auf wirkliche Sicherheit und Umweltfragen verwendet, welches für Klima-Alarmismus und ›Jenseits von Petroleum‹ aufgewendet worden war«, bemerkte Bradley, IER-Chef in einem für Blog für MasterResources.Org. »Die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Managementaufgaben abzulenken, hat Opportunitätskosten

Linke Umweltschützer haben sich in der schlüpfrigen Marketingkampagne engagiert und BP dafür gerühmt, »dass sie die Form über den Inhalt« gestellt hätte, meinte Bradley. »Was für eine Ironie: Geheucheltes Umweltbewusstsein hat echtes Umweltbewusstsein verdrängt.«

Als die Deepwater-Horizon-Ölförderplattform explodierte und 11 Arbeiter tötete, wurde der schlimmste Ölunfall der Geschichte ausgelöst. Von Anfang an war das Projekt von ingenieurtechnischen Fehlern begleitet gewesen. In BP-Emails an den US-Kongress trugen die Angestellten der Firma selbst ihre Bedenken wegen der lauernden Gefahren vor. »Das ist ein Albtraum von einer Ölplattform«, hatte ein BP-Ingenieur nur einige Tage vor der Explosion geschrieben.

Die Probleme im Golf von Mexiko waren für BP weder außergewöhnlich noch neu. BP erlebte 2005 in einer texanischen Raffinerie eine große Explosion, bei der 15 Menschen getötet und über 170 verletzt worden waren. Aus einer verrotteten BP-Pipeline in Alaska traten 2006 200.000 Gallonen Rohöl in die Alaska-Wildnis aus. Die Firma erklärte sich hinterher für schuldig, das Gesetz zur Reinhaltung des Wassers verletzt zu haben, ihr wurden 20 Millionen Dollar Geldbuße auferlegt. Nachfolgend hatten das US-Umweltbundesamt und das Justizministerium BP wegen anderer Rechtsbrüche im Zusammenhang mit dem Alaska-Unfall verklagt.

Währenddessen spendete BP großzügig für grüne Pressure Groups und für Klimawandel-Aktivitäten.

Der Verband Nature Conservancy hatte etwa 10 Millionen Dollar von BP erhalten, der World Wildlife Fund etwas weniger als 1 Million Dollar, und Nachforschungen in Finanzierungsberichten ergaben, dass das World Resources Institute etwa 200.000 Dollar von BP erhalten hatte. BP war auch Förderer und ein Hauptgeldgeber für die Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia in England, dem Zentrum des »Klimagate«-Skandals.

Es geht aber noch weiter.

BP hatte sich in den 1990ern mit Enron verbunden, um ein neues Regulierungsmodell für die Begrenzung von CO2 zusammenzuschustern. Christopher Horner, einst bei Enron Direktor für die Beziehungen zur Regierung, erinnert sich an die Geburt der ›cap-and-trade‹- Schemata [Emissionsrecht-Handel].

»Erst als ein paar weitsichtige Vorstände, Ken Lay und John Browne, Möglichkeiten für massive garantierte Erlösströme sahen, nicht auf der Grundlage von Leistung, sondern von Politik, haben die Absichten der Grünen politische Unterstützer gefunden,« erklärte Horner. »Zusammen schmiedeten sie eine klassische Koalition mit gleichen Zielen, aber aus gegensätzlichen Interessen: Der Wirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung [Business Council for a Sustainable Development] ging zusammen mit gemäßigten Aktivistengruppen, wie z. B. die Union der nachdenklichen Wissenschaftler [Union of Concerned Scientists]. Wie ich erfahren musste, haben sie an einem globalen Klimawandelvertrag gewerkelt, die Regierung war involviert, hat sich nach deren Wünschen verhalten mit einem amerikanischen Emissionshandelsschema und anderen Geldtöpfen, um Profit aus durchsichtigen Gründen aus ihren unwirtschaftlichen, billig gemachten ›Investitionen‹ zu schlagen.«

BP war auch Gründungsmitglied der U.S. Climate Action Partnership (USCAP), einer Koalition von geschäftlichen Interessen und Umweltschutzgruppen, die sich für gesetzliche Regelungen gemäß des Kyoto-Protokolls einsetzten.

Am Jahrestag des Unfalls ist die Frage nach den »Opportunitätskosten« an der Golfküste weitgehend beantwortet. Dort, wo die Obama-Regierung sehr zögerlich mit der Erlaubnis für neue Ölbohrungen ist.

 

Quelle: EIKE

 

 

 


 

 

 

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