Sunday, 28. August 2016
20.02.2014
 
 

Britische Bundespolizei: Kindersex-Menschenhandel in England nimmt zu

Redaktion

Sexueller Kindesmissbrauch, Menschenhandel im Zusammenhang mit Minderjährigen und Erwachsenen sowie Fälle häuslicher Sklaverei nehmen nach Angaben der National Crime Agency (NCA) deutlich zu. Die NCA ist eine Art Bundespolizei, die auch Grenzschutzaufgaben übernimmt und ein besonderes Zentrum gegen die Ausbeutung von Kindern und deren Schutz im Internet (CEOP) eingerichtet hat, und hat nun ihren jüngsten Bericht gerade zu einer Zeit vorgelegt, in der die Forderungen nach Maßnahmen gegen alle Formen moderner Sklaverei immer lauter werden.

Die britische Polizei hat 450 mutmaßliche Opfer im Kindesalter ermittelt, die vermutlich durch Menschenhändler für sexuelle Handlungen angeboten wurden – diese Zahl liegt doppelt so hoch wie die entsprechende Zahl aus dem Jahr 2012. 88 ausländische Kinder waren stark gefährdet, sexuell missbraucht zu werden – ein Anstieg um elf Prozent.

Weitere 123 Kinder wurden nach Ansicht der Behörde nach England gebracht, um dort Zwangsarbeit, oft im Zusammenhang mit dem Anbau von Cannabis und anderen Rauschgiften, zu leisten. Vor allem Kinder aus Vietnam und Albanien gehörten zu den bevorzugten Opfern der Menschenhändler, danach folgen Nigeria, Ungarn, aber auch Kinder aus England selbst.

 

Die britische Polizei stellte auch übers ganze Land verteilt einen massiven Anstieg von Fällen moderner Sklaverei fest. Allein 141 Erwachsene und 45 Kinder gehörten im vergangenen Jahr zu mutmaßlichen Opfern. Diese Zahlen stammen aus dem so genannten »National Referral Mechanism«, einem Regierungsprogramm, das Daten und Informationen über Opfer von Menschenhandel sammelt, diesen aber auch Schutz und Unterstützung gewährt. Die Behörden und auch Wohltätigkeitsorganisationen in England verweisen mutmaßliche Opfer an diese Einrichtung.

 

Bei etwa einem Viertel der Menschen, die an den NRM verwiesen wurden, handelt es sich um Kinder, und fast zwei Drittel waren Frauen bzw. Mädchen. Die Zahl der in England lebenden Opfer von Menschenhandel stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 173 Prozent auf 90 Personen an, während die Zahl der betroffenen Kinder sogar um 186 Prozent auf 63 Kinder anwuchs.

 

Die Zahl mutmaßlicher Erwachsener, die nach Großbritannien eingeschleust wurden, um dort als Zwangsarbeiter ausgebeutet zu werden, stieg um 89 Prozent und liegt 2013 bei 511 bekannten Fällen, in denen Menschen nach England eingeschmuggelt wurden. Der Leiter der Abteilung Menschenhandel in der NCA, Liam Vernon, erklärte, die NCA sei weiterhin fest entschlossen, den kriminellen Menschenhandel und das damit verbundene Leid zu unterbinden. Auch die Öffentlichkeit sei in dieser Frage zunehmend sensibilisiert. »Das zunehmende Bewusstsein und die Einsicht – einmal der Tatsache des Menschenhandels in seinen unterschiedlichen Formen selbst und andererseits der Verpflichtung der zuständigen Ersthelfer vor Ort, das NRM-Programm zu nutzen – haben dazu beigetragen, dass die Zahl der Personen, die an den NRM überwiesen wurden, gestiegen ist.«

Aber Heather Knight, eine Sprecherin der Hilfsorganisation STOP THE TRAFFIK merkte kritisch an, die Zahlen des NRM bildeten nur eine Momentaufnahme und seien nur die Spitze des Eisbergs. »Viele mutmaßliche Opfer des Menschenhandels entscheiden sich gegen eine Teilnahme am NRM, und daher werden ihre Daten auch nicht erfasst. Noch wichtiger ist aber, dass viele Menschen gar nicht als Opfer in Erscheinung treten – der Menschenhandel ist ein Verbrechen, das sich im Verborgenen abspielt«, sagte sie gegenüber RussiaToday.


Karen Bradley, die als Sicherheitsministerin auch für moderne Sklaverei und Organisierte Kriminalität zuständig ist, warnte ebenfalls, die vorgelegten Zahlen zeigten nicht das volle Ausmaß des Menschenhandels. Die Regierung arbeite aber daran, den Schutz der Menschen zu verbessern und das Strafmaß im Rahmen des Gesetzes zur modernen Sklaverei anzuheben. »Die heute vorgelegten Zahlen spiegeln nicht das wahre Ausmaß der modernen Sklaverei wider. Die NCA steht an der Spitze einer umfassenden und koordinierten Antwort, die sich gegen die Menschenhändlerbanden richtet. Wir sind dabei, den Schutz der Opfer zu verbessern, und wir werden das gesetzliche Strafmaß durch ein Gesetz zur modernen Sklaverei erhöhen«, sagte sie.

 

Knight meinte, sie befürworte das Gesetz, aber nach Ansicht ihrer Organisation seien noch einige wichtige Ergänzungen erforderlich, damit es auch die gewünschte Wirkung erziele. »Wir wollen erreichen, dass für alle offiziellen Mitarbeiter und andere Experten, die an der vordersten Linie [der Verbrechensbekämpfung und des Opferschutzes] stehen, bestimmte Kenntnisse verpflichtend sind, so dass sie genau wissen, wie sie Hinweise auf Menschenhandel entdecken, ihnen nachgehen und dann auch schnell reagieren können. Wir wünschen uns, dass Maßnahmen wie diese in das Gesetz aufgenommen werden und nicht nur etwa in den nachgeordneten Ausführungsbestimmungen enthalten sind«, argumentierte sie.

 

Kurz vor der Veröffentlichung der neuesten NCA-Zahlen hatte der britische Regisseur Steve McQueen, der mit seinem Film 12 Years a Slave den Preis für den besten Film der British Academy of Film and Television Arts gewonnen hatte, dazu aufgerufen, alles zu unternehmen, um moderne Sklaverei abzuschaffen. »Gegenwärtig leben 21 Millionen Menschen in Sklaverei. Ich hoffe nur, dass in 150 Jahren unsere zwiespältige Haltung nicht dazu führt, dass sich ein anderer Filmemacher erneut dieses Themas annimmt«, sagte er.

 

 

 

 


 

 

 

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