Fall Strauss-Kahn: Die Sache war von Anfang an dubios
Redaktion
Nachdem am 14. Mai 2011 der IWF-Präsident und künftige Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten festgenommen worden war, schlugen die Wellen hoch. Wie immer in solchen Fällen galt für den Mann die Unschuldsvermutung nicht: Auf die Behauptungen irgendeines Zimmermädchens hin wurde der IWF-Chef als schuldig angesehen, wie ein Verbrecher behandelt und weltweit bloß gestellt. Schon am 17. Mai 2011 äußerte Kopp-Autor Gerhard Wisnewski in einem Radio-Interview Zweifel an der Sache …
Kurz nachdem IWF-Präsident Dominique Strauss-Kahn am 14. Mai 2011 wegen angeblicher Vergewaltigung eines Zimmermädchens in New York festgenommen worden war, äußerte Kopp-Autor Gerhard Wisnewski am 17. Mai 2011 in einem Interview mit Hitradio Antenne Niedersachsen Zweifel, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Das eigentlich Interessante an dem Thema Strauss-Kahn sei das Timing, sagte Wisnewski da. Ende Mai habe Strauss-Kahn seine Kandidatur als sozialistischer Präsidentschaftsbewerber bekannt geben wollen. Und just nun passiere so eine dumme Sache; da müsse man sich doch fragen: »Wäre der Mann wirklich so ein Risiko eingegangen? Ich halte das für unwahrscheinlich.«
Zwar hatte Strauss-Kahn seine Bewerbung für den Präsidentschaftskandidaten-Posten der Sozialisten noch nicht offiziell bekannt gegeben. Aber in Wirklichkeit bestanden keine Zweifel, dass er 2012 gegen Sarkozy antreten würde. Ja, tatsächlich war Strauss-Kahn bereits eine Art heimlicher französischer Staatspräsident: Dominique Strauss-Kahn, »der am Samstag von der New Yorker Polizei aus dem Flugzeug abgeführt wurde, weil er ein Zimmermädchen sexuell belästigt haben soll, führte in allen Umfragen«, hieß es auf Spiegel Online am 15. Mai 2011. Für Sarkozy dagegen schienen die Präsidentschaftswahlen 2012 bereits gelaufen zu sein.
Der da in New York abgeführt wurde, war nach Lage der Dinge also niemand Geringerer als der künftige französische Präsident. Die Umstände der ganzen Angelegenheit kämen ihm verdächtig vor, meinte denn auch Wisnewski: »Man muss sich ja mal vorstellen: Der Mann ist 62 Jahre alt – hat der wirklich so einen Druck, dass er über das erstbeste Zimmermädchen herfällt? Das Nächste ist: In solchen Kreisen, wenn es da um Sex geht, da gibt es bestimmte Institutionen, die man da bemühen kann, wie etwa First-Class-Begleitservice-Agenturen. Da kriegt man für ein paar tausend Dollar eine Dame, die einem sämtliche Wünsche erfüllt, und zwar mit der gebotenen Diskretion – die läuft hinterher nicht zur Polizei. Dann die nächste Frage: Er soll die Frau, also dieses Zimmermädchen, zum Oralsex gezwungen haben. Also ich glaube, wir sind uns unter Männern einig: davon würde ich abraten, weil man da sein Leben quasi in die Hand des Zimmermädchens legt; die braucht nur einmal kräftig zuzubeißen, das war’s dann mit der Vergewaltigung. Die ganze Geschichte erscheint schon beim ersten Hinsehen als äußerst dubios. Das Nächste ist: Diese Hotelkette, in der das passiert ist, ist eine französische Hotelkette, also die Sofitel-Kette gehört einen französischen Konzern. Da müsste man halt mal die Frage stellen, gibt es da Verbindungen zu Sarkozy.«
Was er denn überhaupt zur Qualität der Vorwürfe in den zahlreichen Sexskandalen der Vergangenheit sage, wollten die Moderatoren wissen. Antwort: Es sei ja zurzeit absolut in Mode, »Menschen mit sogenannten Sexvorwürfen abzuschießen: Ob das jetzt Strauss-Kahn ist oder der WikiLeaks-Gründer Assange oder selbst hier in Deutschland der Fall Kachelmann – ein Prozess, der schon längst über seine juristische Vitalität hinaus immer weiter gestreckt wird –: es ist sehr einfach, jemanden mit solchen Vorwürfen aus dem Amt zu heben oder aus seiner Position zu drängen, weil die Vorwürfe erst mal reichen, um seine Karriere zu zerstören«. Und ob er hinterher Jahre später letztinstanzlich wirklich verurteilt oder freigesprochen werde, »das nützt ihm dann gar nichts mehr«.
Ob ein Motiv für eine mögliche Inszenierung auch in Strauss-Kahns Job als IWF-Chef liegen könne, lautete die nächste Frage. Wenn so einer Person eine solche »Dummheit« passiert sein soll, müsse man immer in alle Richtungen forschen, antwortete Wisnewski: »Denn solche Menschen bewegen ja politische Bataillone oder sie bewegen Milliarden von Dollars oder Euros wie im Fall Strauss-Kahn; hier können überall, auch abgesehen von der französischen Präsidentschaftswahl, Motive liegen, denn solche Personen befinden sich immer im Spannungsfeld von ganz mächtigen und teilweise globalen Interessen, und jeder Schritt und jeder Zufall und jede Dummheit, die denen passiert, kann im Prinzip auch das Ergebnis irgendeiner Operation gewesen sein.«
Durch die neuerliche Entwicklung der Affäre sieht sich Wisnewski nun in seinen frühen Aussagen bestätigt. Insgesamt tat Strauss-Kahn Nicolas Sarkozy mit seiner Sexaffäre gleich einen dreifachen Gefallen: Nicht nur war Sarkozy damit seinen gefährlichsten Rivalen bei den kommenden Präsidentschaftswahlen los. Darüber hinaus flog dieser auch vom IWF-Chefsessel und wurde durch Sarkozys Finanzministerin Christine Lagarde ersetzt. Besser geht’s eigentlich gar nicht mehr; aus Sarkozys Sicht mag das eine ebenso dringend notwendige wie verlockende Rochade gewesen sein. Und noch ein Zufall: Kaum hatte der IWF-Verwaltungsrat Lagarde zur neuen Chefin bestimmt, begannen sich die Vorwürfe gegen Strauss-Kahn in Luft aufzulösen. Strauss-Kahn wurde also exakt für jenen Zeitraum kalt gestellt, der nötig war, um ihn als Präsidentschaftskandidat auszuschalten und im IWF durch eine Sarkozy genehme Nachfolgerin zu ersetzen. Auch wenn Strauss-kahn nun ein Comeback als Präsidentschaftsbewerber anstreben sollte; den IWF-Chefsessel ist er ein für allemal los. Um dabei etwas Böses zu denken, muss man nicht einmal ein Schelm sein.
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