Saturday, 23. July 2016
26.02.2012
 
 

Gerald Celente über Manipulationen am Goldmarkt und die drei wichtigen Gs

Redaktion

Der Goldpreis soll möglicherweise innerhalb der kommenden zwölf  Monate die alten Höchststände erreichen. Das hat der leitende Rohstoffstratege Jeffrey Currie vom amerikanischen Investmentriesen Goldman Sachs vor Kurzem auf einer Strategiekonferenz des Unternehmens in London gesagt. Innerhalb des kommenden Jahres erwarte man einen Goldpreis von 1.940 Dollar, wenn die Realzinsen weiter niedrig bis negativ blieben. Auch rechnet man bei Goldman Sachs im Goldsektor weiter mit Zentralbankkäufen aus Schwellenländern, so das Portal Goldreporter.

Der amerikanische Zukunftsforscher Gerald Celente will sich diesen Prognosen momentan offenbar nicht anschließen. Derzeit trifft er zu Spekulationen über den Goldpreis keine Voraussagen, auch wenn er eigentlich mit seinen Prognosen allermeist richtig liegt: »Wann genau der Preis wieder hochgeht, weiß ich nicht zu sagen«, sagte Celente in einem Interview mit dem Kopp Verlag, das sich, neben den Aussagen weiterer hochrangiger Gold-Experten wie Dimitri Spreck, Martin Siegel, Johann Saiger, Hans J. Bocker und Marc Faber auf der gerade erschienenen DVD GOLD findet.

Der Autor, der schon für das Jahr 2010 mit dem Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems gerechnet hatte, macht die Gelddruck-Aktionen der jüngsten Zeit für einen zutiefst unsicheren Markt verantwortlich: »Wer konnte denn ahnen, dass die Fed etliche Billionen Dollar unter die Tische von Banken rund um den Globus pumpen würde?«, so Celente. »Hier in den USA strömten Massen von Geldern in die Bankinstitute, ebenso wie in die Bank of Scotland, in die Deutsche Bank, in die Credit Suisse und was noch alles. Die Bank-Eliten tun einfach alles, um den Goldpreis weiter zu deckeln«.

»Auf längere Sicht«, so Celente, »werden die Banker das System jedoch nicht mehr kontrollieren können. Alles, was sie tun, ist, immer mehr Geld zu drucken – es ist ein globales Spiel«. Ausgesprochen pessimistisch klingt Gerald Celente vor allem, wenn er über Europa spricht: »Wenn ich die Krise in Europa betrachte, all den Müll, der da verbreitet wird, einschließlich einem Gipfeltreffen nach dem anderen, dann fällt mir einfach nichts mehr ein. Während die Krise immer bedrohlicher wird, sind so hübsche kleine Begriffe wie ›Merkozy‹ entstanden: Man will den Leuten unterjubeln, es handele sich um zwei großartige Köpfe, die sich zusammentun und die Lösung finden, die also wissen, wie es geht. Dabei steht in Wahrheit alles kurz vor dem Zusammenbruch«.

Celente warnt, dass nicht mehr viel Zeit bleibt und dass jeder zusehen sollte, sein Guthaben nach Hause zu holen, sprich, er ruft dazu auf, die Konten leer zu räumen: »Wer sein Geld jetzt nicht in der eigenen Tasche und in seinem Besitz hat, dem gehört es bald nicht mehr. Denn wenn der Moment gekommen ist, dann schließen die Banken wie nichts! Das ist in Argentinien passiert, genau wie in den USA in den 30ern, und es passiert in Deutschland, in Frankreich, in Italien, sie machen es in Griechenland, sie machen es überall«.

Das derzeitige Finanzsystem sei eindeutig gescheitert, stellt der Trendforscher fest. Das, was die meisten Leute hier für Kapitalismus hielten, sei gar keiner. Im klassischen Kapitalismus heiße es vielmehr, dass die Märkte sich selbst überlassen seien: »Und nicht, dass man den Banken das Geld schenken soll«.  
Celente ist sich sicher: »Wenn die Geldwechsler nicht endlich das Tempo drosseln, dann gehen wir alle zur Hölle. Das hier ist kein Kapitalismus, das ist Faschismus«.

Die einzige Rettung sieht der Zukunftsforscher in einem System nach Schweizer Modell: direkte Demokratie. »Die Schweizer haben den höchsten Lebensstandard, die Schweizer erwirtschaften weltweit das höchste Bruttosozialprodukt, sie sind neutral seit 1815, haben sich nicht in anderer Länder Belange eingemischt. Direkte Demokratie – lasst das Volk abstimmen!«

Er frage sich verzweifelt, wer denn eigentlich auf die Idee gekommen sei, dass ein paar dahergelaufene Politiker wüssten, wo es lang geht? Der Unternehmensberater hatte immer wieder nachdrücklich gemahnt und gewarnt, inzwischen scheint jegliche Nachsicht einem Riesenärger gewichen zu sein, Celente schäumt vor Wut: »Lasst das Volk doch abstimmen: Wollt ihr in den Krieg ziehen? Wollt ihr Truppen nach Afghanistan schicken? Lasst das Volk abstimmen! You wanna bailout? Lasst das Volk abstimmen! Niemand braucht hier mehr Politiker, um den Leuten zu sagen, was zu tun ist. Denkt immer daran, die Politiker waren die Jungs, die wir schon in der Schule nicht leiden konnten. Selber denken macht schlau, das ist meine Meinung!«

Celente scheint auf das derzeitige System der politischen Parteien und ihrer Vertreter keinen Cent mehr zu setzen und dringt stattdessen in jeder Ansprache derzeit auf die alleinige Verantwortung und Entscheidungsfreiheit des Volkes: »Sie haben uns gesagt, wir hätten eine repräsentative Demokratie. Ihr könntet für Volksvertreter stimmen, die euch dann vertreten. Aber wen vertreten die denn? Nur ihre eigene Klasse! Die der Reichen und der Mächtigen! Und welche Wahl haben wir in den USA – auch jetzt mit Obama? Wir haben zwei kriminelle Familien, die in New York und Chicago das Sagen haben, die Campinos und die Bananos, also die Republikaner und die Demokraten. Das macht jedoch alles keinen Unterschied!«

Dasselbe Bild zeichnet Celente übrigens genauso für Deutschland »mit diesen albernen Grünen und all den anderen… Also: Lasst das Volk bestimmen, wenn wir nicht alle bis in alle Ewigkeit versklavt sein wollen!«  

Berühmt ist Gerald Celente inzwischen durch seine drei Überlebens-Gs: Guns, Gold und ein Getaway- (Flucht-) Plan. Er erläutert: »Als sich das Unglück von 9/11 vor über zehn Jahren ereignete, hatte ich bereits zuvor darüber berichtet, dass etwas Derartiges eintreten würde. Es war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit gewesen, wann jemand solch einen Angriff auf die USA starten würde. Ob Leute jetzt an die Verschwörungstheorie glauben oder nicht – die Tatsache war einfach folgende: Zuzusehen, wie die Türme zusammengebrochen sind und gleichzeitig zu wissen, dass sich nur vierzig Meilen nördlich vom Ground Zero ein Atomkraftwerk befindet, war ein beeindruckendes Erlebnis. Die Flugzeuge kamen den Hudson River herunter und sind vorher an den Atomanlagen vorbei geflogen. Hätten sie das Atomkraftwerk ins Visier genommen, dann hätte ich am nächsten Tag gesagt: Ich muss hier weg. So sind die drei Gs entstanden: Guns, Gold und Getaway-Pläne«.


Celentes Ziel wäre Kanada gewesen, vier Stunden nördlich von New York. Von da aus kommt man überall hin auf der Welt und steckt nicht in den USA  fest. »Was ich damit sagen will? Alles ist zu jeder Zeit möglich, alles kann zu jeder Zeit passieren!
Deshalb sage ich jedem, er soll sein Vermögen retten, einen Plan machen, um jederzeit abhauen zu können, und zum Gewehr rate ich, weil es tatsächlich unglaublich ist, wie sich Menschen benehmen können, wenn ein Unglück geschieht, beispielsweise ein nuklearer Unfall… Deshalb die drei Gs.«

Zum Schluss des KOPP-Interviews schlägt der Zukunftsforscher fast melancholische Töne an: »Täglich studiere und lese ich, was in der Welt vor sich geht, sehe unter die Oberfläche, um die wirklich wichtigen Informationen zu bekommen. Das mache ich jetzt seit dreißig Jahren. Auch große Musiker müssen jeden Tag üben. Ich übe auch jeden Tag und fülle mein Hirn mit einem Haufen Müll, von dem ich mir wünschte, ich müsste ihn nicht hineintun. Ich mache das, weil ich davon lebe, aber es macht mich nicht glücklich. Und wenn ich nach vorn blicke, macht es mich gerade richtig unglücklich, um nicht zu sagen, traurig…«

 

 

 


 

 

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