Tuesday, 30. August 2016
21.04.2014
 
 

Indien erkennt Transsexuelle als »drittes Geschlecht« an

Redaktion

Nachdem sie lange diskriminiert wurden, gelten Transsexuelle in Indien künftig als drittes Geschlecht. Das urteilte Indiens Oberster Gerichtshof am Dienstag. Hunderttausenden von Eunuchen und Transsexuellen werden damit die gleichen Rechte gewährt wie den Männern und Frauen des Landes.

In offiziellen Dokumenten, etwa Geburtsurkunden, Reisepässen und Führerscheinen, wird auf Bundes- und auf Länderebene künftig bei den Angaben zum Geschlecht neben »männlich« und »weiblich« noch eine weitere Möglichkeit angeboten. Personen, die operativ eine Geschlechtsumwandlung haben vornehmen lassen, dürfen sich mit dem Geschlecht ihrer Wahl eintragen, urteilte das Gericht und erklärte weiter, Transsexuelle seien genauso zur Adoption von Kindern berechtigt wie die anderen Bürgerinnen und Bürger des Landes.

»Die (indische) Verfassung dient dazu, allen Bürgerinnen und Bürgern dieselben Chancen zu gewähren, die es ihnen ermöglichen, sich zu entwickeln und ihr Potenzial auszuschöpfen, und zwar unabhängig von Kaste, Religion oder Geschlecht«, heißt es in dem Gerichtsurteil.

 

»Transsexuelle als drittes Geschlecht anzuerkennen ist kein gesellschaftliches oder medizinisches Thema, sondern ein Menschenrechtsthema«, sagte Richter K.S. Radhakrishnan, Vorsitzender des aus zwei Richtern bestehenden Gremiums, das sich mit dem Fall befasst hatte.

 

Transsexuelle werden damit künftig auch Teil von Sozialprogrammen sein, die anderen Minderheiten offenstehen, und die Regierung wird Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor, Plätze an Schulen und Hochschulen sowie medizinische Versorgung bereitstellen, sagte der Anwalt Sanjeev Bhatnagar, der vor dem Obersten Gericht für den Antrag gekämpft hatte.

 

2012 hatten Vertreter der indischen Transsexuellengemeinde eine Petition bei dem Gerichtshof eingereicht, in der sie dazu aufriefen, dass Transsexuelle dieselben Rechte bekommen wie die anderen indischen Bürger und Bürgerinnen. Das Gerichtsurteil trage dazu bei, die Diskriminierung Transsexueller zu beenden, sagte Laxmi Narayan Tripathi, eine führende Aktivistin im Kampf um Gleichberechtigung der Transsexuellen.

»Heute bin ich stolz darauf, Bürgerin Indiens zu sein«, sagte Tripathi, die gemeinsam mit einer Kanzlei die Petition eingereicht hatte. »Dieses Urteil löst bei uns allen große Erleichterung aus. Heute fühlen sich meine Schwestern und ich wie echte Inderinnen. Wir sind stolz wegen der Rechte, die uns das Oberste Gericht zugestanden hat.«

Bereits für die landesweiten Wahlen, die derzeit bis zum 12. Mai in ganz Indien abgehalten werden, hatte die Wahlkommission reagiert. Per Gesetz ist es nun möglich, in den Wahlunterlagen bei »Geschlecht« auch »andere« anzukreuzen.

 

Umgang mit Transsexuellen weltweit


Bis zum Urteil des Obersten Gerichts vom Dienstag waren Hunderttausende indischer Transsexueller behördlich nicht offiziell anerkannt. Transsexuelle seien Menschen, die operativ eine Geschlechtsumwandlung haben vornehmen lassen oder die sich ihrem Geburtsgeschlecht nicht zugehörig fühlen, sagt Sanjay Srivastava, Soziologieprofessor am Institut für Wirtschaftswachstum in Neu-Delhi.

 

Transsexuelle, Eunuchen oder Hijra identifizieren sich nicht mit dem auf ihrer Geburtsurkunde angegebenen Geschlecht und haben häufig keinen Zugang zu Arbeit oder Bildungsmöglichkeiten. In der traditionellen Hindu-Kultur werden diese Menschen oft als Unglücksbringer oder sogar als verflucht angesehen und deshalb geschnitten, diskriminiert und missbraucht. Viele müssen sich mit Bettelei oder Prostitution ihren Lebensunterhalt verdienen.

 

In dem Urteilsspruch des Obersten Gerichts heißt es, das Gesetz gelte einzig für Transsexuelle und nicht für Schwule, Lesben oder Bisexuelle. Im Dezember 2013 hatte Indiens Oberstes Gericht ein Urteil bekräftigt, das homosexuellen Sex unter Strafe stellt.

 

Indien ist nicht das erste asiatische Land, das offiziell ein drittes Geschlecht anerkennt. Nepal führte 2011 eine Volksbefragung durch, bei der weltweit zum ersten Mal Menschen ein anderes Geschlecht als männlich oder weiblich angeben konnten. In Thailand und Kambodscha werden Transsexuelle auch als »Katoy« oder »Ladyboys« bezeichnet. Meist handelt es sich um Männer, die sich wie Frauen kleiden und benehmen.

 

Als erstes Land Europas erlaubte es Deutschland im November 2013 Eltern, die Geschlechtsangabe in der Geburtsurkunde offen zu lassen, wenn ein Baby weder eindeutig männlich noch weiblich ist. Damit entsteht im Geburtenregister eine dritte Kategorie. Auch als Erwachsene müssen diese Personen sich dann nicht dem konventionellen Geschlechterraster unterwerfen. Statt »M« oder »W« für »männlich« oder »weiblich« können sie auch »X« eintragen.

 

Ein identisches Drei-Geschlechter-System hat Australien 2011 eingeführt, Neuseeland zog 2012 nach.

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