Sonntag, 11. Dezember 2016
27.06.2014
 
 

Inside Wikipedia: PR und Propaganda

Redaktion

Der so genannten Online-Enzyklopädie Wikipedia laufen die Autoren davon. Selbst die neue Wikimedia-Chefin räumt ein, nie eine Zeile für das Do-it-yourself-Lexikon verfasst zu haben. Dadurch gewinnen bezahlte PR-Schreiber und politische Propagandisten immer mehr an Einfluss. In seiner brisanten Neuerscheinung blickt der Journalist und Buchautor Michael Brückner hinter die Kulissen.

 

Monatelang dauerte es, bis die Wikimedia Foundation, die hinter dem Internetlexikon Wikipedia steht, die Nachfolge für ihre frühere Chefin Sue Gardner geregelt hatte. Anfang Juni war es endlich so weit: Die in Russland geborene IT-Expertin Lila Tretikov übernahm diesen inzwischen sehr gut dotierten Job. Gleichzeitig übernahm die 36-Jährige aber auch die aktuellen Schwierigkeiten der selbsternannten Online-Enzyklopädie. Das gravierendste Problem: Der Wikipedia laufen die Autoren davon. Und so klang das Geständnis der neuen Wikimedia-Chefin ausgesprochen symptomatisch. Sie räumte ein, Wikipedia zwar regelmäßig zu nutzen, aber noch nie einen eigenen Beitrag veröffentlicht zu haben. Tatsächlich schrumpfte die Zahl der Autoren seit 2007 um mehr als ein Drittel.

Viele werden vor allem vom rüden Ton der Wikipedianer und den fast schon sektenähnlichen Strukturen dieser Organisation abgestoßen. Manche Autoren, die viel Zeit und Wissen in ihre Wikipedia-Beiträge investiert haben, geben genervt auf, wenn ihre Texte von anonymen Besserwissern oder bezahlten Propagandisten gelöscht oder verändert werden. Je weniger unabhängige und unbezahlte Autoren aber zur Verfügung stehen, desto stärker wird der Einfluss von PR-Schreibern und politischen Gruppierungen auf diesen so genannten weltweiten Wissensspeicher.

 

Was das konkret bedeutet, wie mithilfe der Wikipedia die öffentliche Meinung gezielt manipuliert werden soll und wie ungeniert selbst Journalisten von angeblichen Qualitätsmedien einfach bei der Online-Enzyklopädie abschreiben, enthüllt der Journalist Michael Brückner in seinem Dossier Die Akte Wikipedia.

 

Hier Auszüge aus dieser brisanten Neuerscheinung:

»In der Außendarstellung erscheint Wikipedia als ein lobenswertes Werk von Idealisten, von Gutmenschen, die ihr Wissen gleichsam demokratisieren und weltweit kostenlos zur Verfügung stellen. Und das alles honorarfrei. Was natürlich die Frage aufwirft, was einen Menschen dazu veranlasst, viel Zeit zu investieren, um sein Wissen kostenlos anderen zugänglich zu machen. Ist es wirklich nur Idealismus? Sicher spielt dieses Motiv bei vielen Wikipedianern eine wichtige Rolle. Andere aber verfolgen ganz eigennützige Ziele. Ihnen geht es um Meinungsmache, um die Diskreditierung anderer (zum Beispiel wirtschaftlicher Mitbewerber oder politischer Gegner) oder um die Unterdrückung unerwünschter Informationen.

Die Meinungsmacher agieren dabei auf zwei Ebenen: So stellen Autoren zum einen Texte ein, um Wikipedia als Propaganda- oder kostenlose Werbeplattform zu nutzen. Zum anderen werden Texte umgeschrieben oder ergänzt, weil bestimmte Gruppen ein Interesse daran haben, dass kritische und unbequeme Informationen nicht erscheinen. Aus der viel gepriesenen Schwarmintelligenz wird mehr und mehr absolut einseitige Schwarmpropaganda.«

Michael Brückner beschreibt in seinem Buch zum Beispiel den starken Einfluss von Wikipedia auf die öffentliche, vor allem aber auf die veröffentlichte Meinung: »Viele Journalisten vertrauen bei ihren Recherchen nahezu blind dieser so genannten Online-Enzyklopädie. Es ist allemal bequem und erfordert wenig Zeit, alle themenrelevanten Beiträge auf Wikipedia aufzurufen. Vielfach hinterfragen die Journalisten die dort veröffentlichten Informationen nicht weiter. Und selbst wenn sie anschließend tiefer in die Materie einsteigen, sind viele von ihnen aufgrund der Wikipedia-Informationen absolut voreingenommen... Der Kommunikationswissenschaftler Professor Christoph Neuberger nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Manipulationsrisiken von Wikipedia geht: ›Es ist ein gravierendes Problem für die Gesellschaft, wenn ein Wissensspeicher, der so viel Vertrauen hat, unterwandert wird von politischen und wirtschaftlichen Interessen, ohne dass es Gatekeeper gibt, die richtig überprüfen und Artikel für Artikel übersehen können, ob manipuliert wurde oder nicht.‹«

 

Brückner sieht die Gefahr, dass aus purer Bequemlichkeit Wikipedia zunehmend als alleiniger oder zumindest dominierender Informationslieferant angesehen werden könnte. Einseitige Informationen bergen nach Ansicht des KOPP-Autors auf Dauer aber Risiken. Sie machten anfällig für die Indoktrination durch subtile Propaganda.

 

Die Wikipedianer nehmen gern für sich die Schwarmintelligenz in Anspruch. Und das klingt tatsächlich zunächst durchaus logisch. Denn Weisheit ist die Summe von Wissen. Je mehr Menschen ihr Wissen teilen, desto größer die Weisheit. Das sollte man zumindest meinen. »Die viel gepriesene Schwarmintelligenz folgt oft dem gleichen Verhaltensmuster wie der Herdentrieb«, schreibt der Autor. Brückner verweist in diesem Zusammenhang auf eine Studie der ETH Zürich. Das Ergebnis dieser Untersuchung: Wenn alle anderen Menschen das Gleiche machen wie man selbst, glaubt man, auf dem richtigen Dampfer zu sein.

 

»Dass der Mainstream nicht unbedingt Ausdruck großer Weisheit sein muss, stellt an sich keine Überraschung dar. Je mehr der Mensch weiß, was andere denken, desto bereitwilliger passt er sich offenkundig an«, stellt Brückner fest. »Das vermeintliche Wissen der Masse verringert zwar die Diversität der Antworten, nicht jedoch die kollektiven Fehler. Insofern können interessierte Kreise den Mainstream gezielt manipulieren. Das Individuum ist nicht mehr selbst ein kritischer Denker. Es passt sich vielmehr der Mehrheitsmeinung allzu gern an in der Überzeugung, damit nichts falsch machen und auch nicht anecken zu können.«

 

Das erklärt im Übrigen die Virulenz der Politischen Korrektheit. Wenn ein Mensch – sei es in Wikipedia oder in den konventionellen Mainstreammedien – ständig angeblich politisch korrekte Sichtweisen präsentiert bekommt, glaubt er früher oder später, nur die Übernahme dieser Meinung mache ihn nicht zum Außenseiter. Dabei spielt es keine Rolle, ob er sich aus Überzeugung oder Opportunismus dem Mainstream anschließt.

 

Brückner nennt in seinem Buch zahlreiche Beispiele aus der Praxis, die belegen, wie politische Propagandisten auf den Wikipedia-Seiten unliebsame Autoren, Publikationen und Institutionen diffamieren und in die rechte Ecke schieben. PR-Strategen wiederum hübschen gegen gutes Honorar die Wikipedia-Seiten ihrer Firmenkunden auf. Oder aber sie fügen negative Bemerkungen in die Beiträge über Mitbewerber ein.

 

Für die Betroffenen kann dies im schlimmsten Fall existenzbedrohende Konsequenzen haben. Der Journalist Marvin Oppong stellt in einer Anfang 2014 veröffentlichten Studie fest: »Eine falsche Information in einem Wikipedia-Artikel kann für die Einzelperson schnell rufschädigende Züge annehmen, und die betreffende Person vermag nur unter großen Schwierigkeiten – wenn überhaupt – eine Richtigstellung der entsprechenden Informationen zu erreichen.«

 

Eine große Schwäche sieht Michael Brückner in der Anonymität der Wikipedia: »Jeder Leserbriefschreiber muss der Redaktion seinen Namen und seine Anschrift mitteilen. Bei Wikipedia gilt das nicht. Warum? Weshalb stehen die Autoren nicht mit ihrem guten Namen hinter ihrer geistigen Arbeit?«

 

Wer sich seine Meinung nicht von anonymen Hobby-Journalisten oder bezahlten PR-Textern und politischen Propagandisten vorschreiben lassen möchte, sollte wissen, wie der millionenschwere Wissensspeicher Wikipedia funktioniert – und wer ihn finanziert. Brückners Buch liefert hierzu überraschende Erkenntnisse.

 

 

 


 

 


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