Samstag, 10. Dezember 2016
27.06.2014
 
 

Mundtot auf Knopfdruck: Regierungen können Kontrolle über Smartphones übernehmen

Redaktion

In rechtlicher Hinsicht »legale« Schadsoftware, die von dem italienischen Unternehmen HackingTeam entwickelt wurde, kann die völlige Kontrolle über ein Smartphone übernehmen, berichteten das russische IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky Lab und das Citizen Lab der Universität von Toronto, das auch über ein Benutzerhandbuch verfügt. Das italienische Unternehmen soll dem Vernehmen nach seine Dienste bereits zahlreichen Regierungen angeboten haben.

 

Das Unternehmen mit Sitz in Mailand arbeitet seit 2001 und beschäftigt derzeit mehr als 50 Menschen. Es verspricht, »die Kontrolle über Ihre Ziele zu übernehmen und sie ungeachtet von Verschlüsselung und Mobilität zu überwachen«, während gleichzeitig » – alles von einem einzigen Monitor aus – alle Ihre Ziele im Auge behalten und sie ferngesteuert werden«.

 

Frühere Untersuchungen hatten bestätigt, dass diese Behauptung für Desktop-Computer zutrifft, aber wie aus Informationen und Daten hervorgeht, die unabhängig voneinander von dem russischen IT-Unternehmen Kaspersky Lab und dem Citizen Lab der Universität in Toronto ermittelt wurden, ist HackingTeam nunmehr ebenfalls in der Lage, Handys und Smartphones mit seiner Spionagesoftware Remote Control System (RCS) auszuspähen und zu kontrollieren.

 

»In der neuesten Folge unserer noch andauernden Untersuchungsreihe entdeckten wir eine umfangreiche Infrastruktur, die zur Kontrolle der RCS-Malware-Implantate dient. Unsere jüngsten Ermittlungen förderten mobile Module zutage, die auf allen wohl bekannten mobilen Plattformen laufen, Android und iOS eingeschlossen«, schrieb Kaspersky-Experte Sergei Golowanow. »Diese Module werden mithilfe von Infektoren installiert – spezielle ausführbare Dateien entweder für Windows oder Macs, die auf bereits infizierten Computern laufen. Sie übernehmen die vollständige Kontrolle über den Computer des Opfers und über alles, was in der Nähe ist. Durch das geheime Aktivieren des Mikrofons und das regelmäßige Erstellen von Kameraaufnahmen wird eine konstante Überwachung des Ziels gewährleistet – was sehr viel effektiver ist als die traditionellen Nacht- und Nebelaktionen.«

 

Die Polizei kann die Spionage-Schadsoftware direkt auf dem Smartphone platzieren, wenn sie über einen direkten Zugang zu dem Gerät verfügt oder wenn der Nutzer des Telefons sich mit einem bereits infizierten Computer verbindet, berichtet Wired. Auch über verschiedene andere Computerprogramme kann ein Nutzer dazu gebracht werden, gezielt manipulierte Apps auf sein Smartphone herunterzuladen.

 

Sobald die Schadsoftware einmal etwa auf einem iPhone installiert ist, hat sie z.B. Zugriff auf die folgenden Bereiche und kann sie auch aktivieren: WiFi-Kontrolle, GPS, GPRS, Stimmaufzeichnungen, E-Mail, SMS, MMS, Dateilisten, Cookies, besuchte URLs, im Puffer-Speicher abgelegte besuchte Internetseiten, Adressbücher, Liste der getätigten und empfangenen Anrufe, Notizen, Kalender, Clipboard, Liste der Apps, Veränderungen auf der SIM-Karte, Live-Mikrofone, Kamerabilder, Support-Chats, WhatsApp, Skype und Viber.


Da die Schadsoftware durchaus durch einige der komplexeren Anti-Virus-Programme erkannt werden kann, unternimmt sie einige besondere Maßnahmen, um einer Entdeckung zu entgehen – so »späht« sie ein potenzielles Opfer schon vor der Installation »aus«, versucht ihre Anwesenheit auf dem Gerät zu vertuschen und beseitigt Spuren ihrer Aktivitäten.

 

HackingTeam behauptet, seine Produkte eigneten sich für legale Abhörmaßnahmen von Regierungen und es verkaufe seine Produkte nicht an Länder, die auf der »schwarzen Liste« der NATO stünden oder als unterdrückerische Regime bekannt seien. Demgegenüber berichtete Wired von Fällen, in denen die Spionage-Apps illegalerweise in der Türkei, Marokko und Saudi-Arabien eingesetzt worden seien.

 

Citizen Lab entdeckte Spionage-Schadsoftware in einer legal zu erwerbenden Nachrichten-App für Qatif Today, einen arabischsprachigen Nachrichten- und Informationsdienst, der über Ereignisse in der im Osten Saudi-Arabiens gelegenen Region Qatif berichtet. Darüber hinaus, so erklärt Citizen Lab weiter, wiesen bestimmte Indizienbeweise in Richtung der Regierung Saudi-Arabiens, die diese Spionagesoftware möglicherweise einsetze, um gegen schiitische Protestler in der Region vorzugehen.

 

»Dieser Typus eines außerordentlich stark in die Privatsphäre eindringenden Toolkits, der früher einmal eine kostspielige, luxuriöse Fähigkeit war, die von Geheimdiensten und dem Militär eingesetzt wurde, steht heute so gut wie allen Regierungen zur Verfügung. Eine unausgesprochene Annahme besagt, dass Kunden, die für diese Werkzeuge bezahlen können, sie nur vorschriftsmäßig und vorrangig nur für genau überwachte, legale Zwecke einsetzen werden. Wie unsere Recherchen gezeigt haben, verringert eine solche Ausrüstung durch die dramatisch gesunkenen Markteintrittskosten für massiv in die Privatsphäre eindringende und nur schwer zu überwachende Überwachungsprogramme die Kosten für gezielte politische Drohungen für diejenigen, die Zugang zu Schadsoftware-Programmen der Unternehmen HackingTeam und Gamma Group besitzen«, schrieb Citizen Lab in seinem Bericht.

 

HackingTeam kontrolliert und steuert die Spionage-Schadsoftware per Fernsteuerung über so genannte »Command-and-Control-Server«. Kaspersky Lab entdeckte in über 40 Ländern mehr als 350 solcher Server. Insgesamt 64 Server dieser Art wurden allein in den USA gefunden, mehr als in jedem anderen Land. An zweiter Stelle folgt Kasachstan mit 49 Servern. In Ekuador wurden 35 Server und in England 32 Server aufgespürt.

 

 

 

 


 

 

 


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