Sunday, 29. May 2016
30.01.2015
 
 

Neue Snowden-Dokumente enthüllen: Kanadischer Nachrichtendienst CSE überwacht weltweit Filesharing-Internetseiten

Redaktion

Der kanadische Nachrichtendienst Communications Security Establishment (CSE), das kanadische Gegenstück zur amerikanischen NSA, überwacht auf täglicher Basis den Up- und Download von Millionen Bildern, Videos und anderer Dateien, heißt es in einem Bericht über die massenweise Ausspähungspraxis des Geheimdienstes, der auf Dokumenten Edward Snowdens basiert.

 

Bei ihrer elektronischen Überwachung kann die CSE auf Daten von über 100 weltweiten kostenfreien Upload-Internetseiten zugreifen und überwachen, welche Inhalte in Ländern in ganz Europa, der Region des Nahen und Mittleren Ostens, Nordafrika und Nordamerika heruntergeladen werden, wie die kanadische Fernsehsendung CBC News in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Glenn Greenwald, der die Internetseite The Intercept mit herausgibt, berichtete.

 

Laut einer streng geheimen internen Präsentation, die Mitte 2012 veröffentlicht und von dem NSA-Whistleblower Edward Snowden weitergegeben und vor Kurzem CBC vorgelegt wurde, überwacht das Programm Levitation im Rahmen verdeckter Operationen den Datenverkehr von 102 Filesharing-Internetseiten, darunter so bekannte Seiten wie Sendspace, RapidShare und die inzwischen aus dem Netz genommene Seite Megaupload.

 

»Keine Organisation verfügt über die Möglichkeit oder besitzt die Befugnis, SendSpace nach Daten zu durchforsten«, erklärte der Dienstleister, der es seinen Kunden ermöglich, ihre Daten mit anderen Personen zu teilen, gegenüber CBC News.

 

SendSpace betonte, man lege die Identität von Nutzern nur dann offen, wenn man dazu rechtlich verpflichtet sei. Aus den Dokumenten zu Levitation geht hervor, dass der Zugriff auf die Datenbanken dazu benutzt wurde, den Internetverkehr von Millionen Menschen auf der ganzen Welt zu verfolgen und zu überwachen, wobei der Zugang durch ungenannte »besondere Quellen« ermöglicht werde.

 

Die Analysten der CSE können täglich auf Daten von zwischen zehn und 15 Millionen Up- oder Downloads zugreifen und diese auswerten. Dabei suchen sie in der Menge der Musik-, Video- oder Foto- und anderen Dateien vor allem nach »besonders auffälligen oder interessanten« Daten, heißt es in dem Dokument.

 

Bei ihrem Stöbern auf den Filesharing-Seiten suchen die Levitation- Mitarbeiter angeblich vor allem nach »verdächtigen Inhalten« − wie Videos von Geiselnahmen oder Hinweisen zum Bombenbau.

 

Sind sie fündig geworden, versuchen sie anhand der IP-Adresse, sozusagen der Identität und Adresse des entsprechenden Computers im Internet, dessen Aktivitäten im Internet zu verfolgen, um auf diese Weise schließlich Verdächtige aufzuspüren, die möglicherweise über Verbindungen zu terroristischen oder extremistischen Kreisen verfügt. Wenn man alle offensichtlich unauffälligen Daten herausgefiltert habe, so heißt es in dem Dokument weiter, verbleibe ein Bodensatz von etwa 330 »interessanten Downloads« pro Monat, das entspricht einem Anteil von 0,0001 Prozent des gesamten überwachten Internetverkehrs.

 

»Man kann auf Terroristen stoßen, aber viel wahrscheinlicher ist es, auf Wissenschaftler, Journalisten, Anwälte, die an einem Fall arbeiten, der etwa mit diesen Bereichen und Themen zu tun hat, oder Studenten oder Schüler zu stoßen«, erklärte Glenn Greenwald gegenüber CBC News.

 

In der Präsentation aus dem Jahr 2012 wurde auf die Entdeckung eines deutschen Geiselvideos und ein hochgeladenes Dokument verwiesen, welches die Geisel-Strategie einer mit al-Qaida verbundenen Terrororganisation enthält. Da keine anderen »Erfolge« aufgeführt werden, bleibt offen, ob durch diese massenweise Ausspähung und Auswertung überhaupt irgendein Terroranschlag verhindert wurde. Die nun veröffentlichten Dokumente geben auch keinen Hinweis darauf, ob Levitation immer noch eingesetzt wird oder über welchen Zeitraum es eingesetzt wurde.

 

»Es ist wirklich an der Zeit, dass über die führende Rolle der CSE bei einem Programm zur massenweisen Überwachung berichtet wird«, sagte Greenwald und verwies auf die rege Beteiligung Kanadas an internationalen Überwachungsprogrammen, die sich aus den Snowden-Dokumenten ergebe. Kanada gehört zur Gruppe der sogenannten Five Eyes, einer internationalen Geheimdienstallianz unter weiterer Beteiligung Australiens, Neuseelands, Großbritanniens und der USA zur gemeinsamen Auswertung und Nutzung der abgeschöpften Informationen.

 

 

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Leser-Kommentare (9) zu diesem Artikel

05.02.2015 | 15:50

waltraud Helm-Hutter

eigentlich ist der Grund für das flächendeckende Ausspähen doch klar. Man sucht nach Leuten, die die offizielle Version der Vorkommnisse, so wie sie die Medien darstellen, hinterfragen. Diese Leute werden gesammelt. Und wenn der Zeitpunkt da ist, dann werden sie als Verdächtige ins Visier genommen. Was glaubt Ihr denn wie es zu den praktischen Erschiessungen durch die Polizei, z.B. in den USA und auch in Deutschland kommt. Wer tot ist, ist schuld und kann sich nicht mehr...

eigentlich ist der Grund für das flächendeckende Ausspähen doch klar. Man sucht nach Leuten, die die offizielle Version der Vorkommnisse, so wie sie die Medien darstellen, hinterfragen. Diese Leute werden gesammelt. Und wenn der Zeitpunkt da ist, dann werden sie als Verdächtige ins Visier genommen. Was glaubt Ihr denn wie es zu den praktischen Erschiessungen durch die Polizei, z.B. in den USA und auch in Deutschland kommt. Wer tot ist, ist schuld und kann sich nicht mehr verteidigen. Siehe auch die sogenannten Terroristen von Charlie Hebdo. Schaut den armen Jungs ins Gesicht, dann wisst Ihr, dass das keine bösartigen Schlächter und Mörder sind. Und wenn dann, wie in Paris, der Chefermittler sofort " Selbtmord" begeht, dann gibt es keinen Zeugen des gesamten Hergangs mehr. TEUFLISCH und SATANISCH. Wer sich das wohl ausgedacht hat?


31.01.2015 | 09:40

freddy.bleifuss

Um das abzuschliesen , ich habe vor jahren mal Post von einem Anwalt Namens Walldorf erhalten, habe ihm geschrieben was ich von Ihm halte.Diese Verordnung hatt diesen Knalltüten nicht gefallen(der preußische König Friedrich Wilhelm der I )“Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, dass die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt.”) . Ich habe zwar viel Post...

Um das abzuschliesen , ich habe vor jahren mal Post von einem Anwalt Namens Walldorf erhalten, habe ihm geschrieben was ich von Ihm halte.Diese Verordnung hatt diesen Knalltüten nicht gefallen(der preußische König Friedrich Wilhelm der I )“Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, dass die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt.”) . Ich habe zwar viel Post bekommen aber nie bezahlt . Der Feige stirbt schon vielmal, eh er stirbt, die Tapfern kosten einmal nur den Tod. Julius Cäsar, 2. Akt, 2. Szene / Caesar, William Shakespeare. Prost


31.01.2015 | 07:20

Tomentella

Es gibt leider keine Freiheit mehr weder im IT noch Medien, Filmen. Sie haben immer das Argument mit den Terroristen. Alles dient nur zu eurer Sicherheit. "levitation" heisst übersetzt "freies Schweben". Ja genau, frei sind nur die Lügen die wabern. Ich hoffe, eines Tages kommen aus dem Sonnen-System EMP´s die ihr diabolisches Werk zerstören. Dann gilt dann wieder mit Hand schreiben. Die ganze Technik ist für Jahrzehnte zerstört. Hochmut kommt vor dem...

Es gibt leider keine Freiheit mehr weder im IT noch Medien, Filmen. Sie haben immer das Argument mit den Terroristen. Alles dient nur zu eurer Sicherheit. "levitation" heisst übersetzt "freies Schweben". Ja genau, frei sind nur die Lügen die wabern. Ich hoffe, eines Tages kommen aus dem Sonnen-System EMP´s die ihr diabolisches Werk zerstören. Dann gilt dann wieder mit Hand schreiben. Die ganze Technik ist für Jahrzehnte zerstört. Hochmut kommt vor dem Fall!


30.01.2015 | 23:25

dem_Freddy_wincke_wincke

@Freddy, @Andreas ickk hab so zu lachen - hab gerade ne "Bleifuss"-Sache dem Anwalt gemailt - oh je die Konsekenzen im Nezt. @Freddy das ist doch gerade das Problem mit uns zweifelhafen Subjekten: Sie konfrontieren dich mit den Filmen dann und sagen: Sie haben von 2008 bis Mitte 2014 zu 80% Pornos mit dunkelhäutigen Frauen geschaut, jetzt schauen sie die nur noch zu ca. 10% Warum sind sie rassistisch geworden: Pegida? Ein Prosit drauf!


30.01.2015 | 21:50

G.Wissen

@Beate Hall: Sie denken, das ist Panikmache? Seien Sie froh, daß der Autor nicht davon schrieb, was inzwischen möglich ist und auch angewendet wird. Der Satz "Wer kein gläserner Bürger sein will, soll sich vom Internet fernhalten" trifft die Sache nicht mal mehr im Ansatz. Leider hilft da auch keine Schreibmaschine mehr was.


30.01.2015 | 18:58

Andreas Walter

Hihihi, lach! Ein Tost auf alle "zweifelhaften Subjekte", Freddy Bleifuss. Gäbe es davon noch viele mehr wäre unsere Welt eine Bessere. Weil ehrlicher, und damit heiler. ;)

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