Freitag, 23. Juni 2017
15.07.2014
 
 

Snowden-Unterlagen enthüllen Trickkiste der GCHQ: Manipulation von Meinungsumfragen, Abschöpfen sozialer Netzwerke wie LinkedIn und YouTube

Redaktion

Die britische Spionagebehörde Government Communications Headquarters (GCHQ) hat zahlreiche abgefeimte Instrumente entwickelt, um das Internet zu überwachen und zu durchforsten und auch Falschinformationen zu verbreiten, falls dies sinnvoll erscheint, berichtete der Journalist und Snowden-Vertraute Glenn Greenwald, als er zahlreiche neue Snowden-Dokumente vorlegte.

 

Diese Instrumente wurden von der Joint Threat Research Intelligence Group (JTRIG) der GCHQ entwickelt, wie aus den Dokumenten hervorgeht. Aus früheren Enthüllungen wusste man bereits, dass die JTRIG »Blogeinträge vermeintlicher Opfer« und »Operationen unter falscher Flagge«, aber auch Klassiker wie »Lockvögel« und andere Formen der psychologischen Kriegsführung gegen Internet-Aktivisten einsetzt.

Das neue, nun veröffentlichte GCHQ-Dokument mit der Überschrift »JTRIG-Instrumente und  Techniken« gewährt einen umfassenderen Einblick in das Ausmaß der Spionage- und Manipulierungsoperationen und macht deutlich, wie tief dabei in die Privatsphäre eingedrungen wird und wie massiv der im Internet angerichtete Schaden sein kann.

 

Einige dieser Programme bedienen sich der gleichen Methoden, für die Internetaktivisten von den USA und Großbritannien strafrechtlich verfolgt wurden, wie etwa so genannte »Distributed Denial of Service«-Angriffe (DDoS) und »Anruftrommelfeuer«.

 

Diese Instrumente ermöglichen es dem Geheimdienst u.a., aktiv und in Echtzeit Anrufe und Kurzmitteilungen über Skype zu überwachen, was erneut die schon oft gestellten Fragen nach einerseits der Verlässlichkeit der Verschlüsselung durch Skype und andererseits ob und inwieweit Microsoft mit den Geheimdiensten zusammenarbeitet, aufwirft.

 

In dem im Wiki-Hypertextsystem gestalteten Leitfaden erklärt die JTRIG, der größte Teil ihrer Internet-Tools sei »einsatzfähig, getestet und verlässlich«, und fordert die Kollegen der GCHQ auf, auch einmal über den Tellerrand hinaus zu denken und Einfallsreichtum zu beweisen, wenn es um Irreführung im und mittels des Internets gehe. »Betrachten Sie diesen Leitfaden nicht als Katalog. Wenn Ihrer Meinung nach etwas im Angebot fehlt, heißt das nicht, dass wir es nicht entwickeln können«, heißt es etwa.

 

Zu den aufgelisteten Werkzeugen gehört Gestator, das »die Verstärkung einer gegebenen Mitteilung, in der Regel ein Video, auf verbreiteten Multimedia-Internetseiten (YouTube)« ermöglicht. Mithilfe von Challenging können die Meisterspione in Cheltenham jede E-Mail-Adresse imitieren und unter ihrem Namen Nachrichten versenden. Angry Pirate kann das Nutzerkonto einer Zielperson auf ihrem Computer dauerhaft abschalten. Das Ergebnis von Meinungsumfragen kann mit Underpass verändert werden, und Deer Stalker kann den Standort von Satellitentelefonen erfassen, indem diese unbemerkt angerufen werden.

 

Das JTRIG-Dokument wurde in ein Archiv gestellt, das von den GCHQ dazu benutzt wird, seine Internet-Überwachungsaktivitäten zu erörtern.

 

Diese jüngsten dramatischen Enthüllungen erfolgen genau zu der Zeit, in der das britische Parlament über einen Gesetzentwurf der Regierung berät, der im Schnellverfahren durchgepeitscht werden und es der Regierung ermöglichen soll, weitere Vorwände und Rechtfertigungen für die umfassenden Überwachungsvollmachten ihrer Spionagedienste gesetzlich zu verankern. Und alles nur, um die »Sicherheit Englands« zu verbessern, wie der britische Premierminister David Cameron versicherte.

 

Die GCHQ gaben zu alledem keinen Kommentar ab, sondern behaupten nur, wie gewohnt, dass sie sich bei ihrer Arbeit »in Übereinstimmung mit einem strengen rechtlichen und politischen Rahmen« bewegten und zudem einer »strikten Kontrolle« unterlägen.

 

Aber wie aus zuvor veröffentlichten Memoranden der GCHQ hervorgeht, die der britischen Tageszeitung Guardian vorliegen, ist »unsere größte Sorge, dass Bezüge auf die Praktiken der Behörde (d.h. das Ausmaß der Abhörmaßnahmen und ihrer Löschung) die öffentliche Diskussion negativ beeinflussen könnten, was wiederum zu rechtlichen Schritten gegen die derzeitige Regierung führen könnte«.

 

Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass sich führende Minister und Regierungsmitarbeiter der gegenwärtigen britischen Regierung nicht bewusst sind, was die GCHQ im Schilde führen. Der liberaldemokratische Politiker, frühere EU-Abgeordnete und ehemalige Energieminister Chris Huhne, der dem Nationalen Sicherheitsrat bis 2012 angehörte, erklärte, die Minister seien selbst in Bezug auf das Programm Tempora, das umfassendste Überwachungsprogramm digitaler Kommunikation des Geheimdienstes, »völlig ahnungslos« gewesen.

 

In der Zwischenzeit hat die Menschen- und Bürgerrechtsorganisation Privacy International wegen des Einsatzes von Schadsoftware bei der Ausspähung von Internet- und Handynutzern rechtliche Schritte gegen die GCHQ eingeleitet.

 

 

 


 

 


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Leser-Kommentare (1) zu diesem Artikel

16.07.2014 | 10:07

Livia

Wenn der Herdentrieb die Oberhand über das Nachdenken gewinnt geben die menschen ihre Daten freiwillig auf! Das muß nun mal vorweggeschickt werden. Seit ich Internet habe gehört es für mich zur Netzsicherheit daß ich die (a-)sozialen Netzwerhe meide wie die Pest! Ich muß mich nicht wichtig machen und anderen Leuten - die es nicht wirklich interessiert - erzählen, was ich zu mittag gegessen habe, auf dem Wege aber meine gesamte Persönlichkeit wem immer im Netz zur Verfügung zu...

Wenn der Herdentrieb die Oberhand über das Nachdenken gewinnt geben die menschen ihre Daten freiwillig auf! Das muß nun mal vorweggeschickt werden. Seit ich Internet habe gehört es für mich zur Netzsicherheit daß ich die (a-)sozialen Netzwerhe meide wie die Pest! Ich muß mich nicht wichtig machen und anderen Leuten - die es nicht wirklich interessiert - erzählen, was ich zu mittag gegessen habe, auf dem Wege aber meine gesamte Persönlichkeit wem immer im Netz zur Verfügung zu stellen! Das Gleiche gilt für diese unsäglichen Mobiltelephone! "Dem muß man noch ein Telephon auf dem Kloo installieren!" war früher das Gegenteil eines Komplimentes. Ich möchte dort nicht telephonieren und ich will auch kein Personenüberwachungsgerät mit mir rumschleppen! Wer nicht immer und überall für jeden erreichbar ist, kann noch planen, Verabredungen einhalten und pünktlich sein! Mobiltelephonbenutzer haben das weitestgehend verlernt! Weil etwas etwas alle anderen haben, muß ich es noch lange nicht haben - siehe oben - und ich sage auch bewußt nein dazu. Schließlich ging es in 7000 Jahren menschlicher Kulturgeschichte auch ohne - und sogar besser! Erst nachdenken, dann mitmachen oder sein lassen - so hat jeder zumindest etwas in der Hand, wie weit er sich ausspionieren läßt!

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