Friday, 18. April 2014
31.05.2011
 

Zwei neue Studien warnen: Ärzte könnten gefährlich für Ihre Gesundheit sein

S. L. Baker

Die heutigen Ärzte lernen in ihrer Ausbildung, die Notwendigkeit – und die potenziellen Gefahren – jedes Medikaments, das sie verschreiben, kritisch zu hinterfragen. Und Chirurgen operieren nur, wenn sie physisch und geistig in der Lage sind, sicherzustellen, dass sie ihren Patienten keiner Gefahr aussetzen, stimmts? Leider zeigen zwei neue Untersuchungen, dass diese Annahmen falsch sind. Stattdessen liefern sie kritische Gründe, warum die vorherrschende Medizin ihre Gesundheit gefährden und sogar die Leben bedrohen kann.

Quintessenz: Medizinstudenten wird über einen verborgenen Lehrplan, der von den großen Pharmakonzernen entwickelt und umgesetzt wird (mit Zustimmung der medizinischen Fakultäten) beigebracht, die Verschreibung der von ihnen hergestellten Medikamente zu fördern. Gleichzeitig operieren zahllose Chirurgen, und schädigen manchmal ihren Patienten, weil ihre Leistungsfähigkeit durch Übermüdung und Schlaflosigkeit beeinträchtigt ist.

Hier die Tatsachen: In den Vereinigten Staaten werden Medizinstudenten mit medikamentenfreundlicher Propaganda der Pharmakonzerne überschüttet – und die Studenten sind dieser Propaganda während ihrer ganzen Ausbildung ausgesetzt, selbst in den Jahren, in denen sie selbst noch keine klinischen Erfahrungen in der Behandlung von Patienten sammeln. Forschungen, die unter der Leitung von Kirsten Austad und Aaron  S. Kesselheim von der Medizinischen Fakultät der Universität Harvard durchgeführt und erst vor Kurzem in dem medizinischen Internet-Fachjournal PLoS veröffentlicht wurden, ergaben, dass die großen Pharmakonzernen einen sehr wirkungsvollen versteckten Lehrplan, wie es die Harvard-Forscher nennen, entwickelt haben, mit dem sie die künftigen Ärzte dahingehend beeinflussen, die von den Pharmakonzernen hergestellten Medikamente und andere Therapien gutzuheißen und vorrangig zu verschreiben.

Die massiven und anhaltenden Kontakte mit den Pharmakonzernen werden von Berufsmedizinern begleitet, die eine positive Einstellung hinsichtlich der Vermarktung der verschreibungspflichtigen Medikamente verbreiten. Darüber hinaus entwickeln die Studenten keine gesunde kritische Einstellung gegenüber potenziell schädlichen Folgen dieser Marketingtechniken – und der Medikamente selbst. Die Harvard-Forschungsgruppe untersuchte alle vorliegenden Studien zu diesem Thema und sammelte die Ergebnisse aus einer Befragung von insgesamt 9.850 Medizinstudenten und an 76 verschiedenen medizinischen Hochschulen. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Medizinstudenten mit der Pharmaindustrie in Kontakt standen, und dass sich diese Kontakte in den klinischen Jahren der Ausbildung noch intensivierten.

Tatsächlich erhielten bis zu 90 Prozent der Studenten mit Patientenkontakt in irgendeiner Form Lehrmaterial von den Pharmakonzernen. Und die meisten Medizinstudenten hielten es für positiv und »cool«, Geschenke von den Pharmakonzernen anzunehmen. Sie rechtfertigten die Annahme dieser Werbegeschenke damit, dass sie praktisch gezwungen seien, diese Geschenke der Pharmakonzerne anzunehmen, weil sie in einer finanziell schwierigen Lage steckten. Andere Studenten erklärten, sie sähen kein ethisches Dilemma, weil andere Studenten ebenfalls Geschenke angenommen hätten.

Fast zwei Drittel der Studenten behaupteten, dass sie trotz der Tatsache, dass sie Werbematerial, Geschenke erhalten und auch andere Formen von Kontakten mit Pharmavertretern unterhalten hätten, dennoch auf wundersame Weise ihre Unvoreingenommenheit bewahren konnten. In der Frage, ob diese engen Kontakte zwischen Studenten und der Wirtschaft entweder von den Universitäten oder der Regierung reguliert werden sollten, war die Meinung unter den Studenten geteilt.

Autorinnen und Autoren der neuen Studien empfehlen eine bessere Vorbereitung und Ausbildung der Studenten in Bezug auf die Beziehungen zwischen Ärzten und der Pharmaindustrie, und sie setzten sich dafür ein, auf die medizinischen Einrichtungen einzuwirken, Regeln einzuführen, die die Kontakte zwischen den Studenten und den Marketingbemühungen der Pharmakonzerne begrenzen. In einer Presserklärung hieß es allerdings, die Forscher hielten es für schwierig, den Einfluss der Pharmagiganten zurückzudrängen, die sich an den medizinischen Hochschulen ziemlich festgesetzt und deutlichen Einfluss auf die Studenten hätten.

»Angesichts der Möglichkeit, dass den Inhalten der Ausbildung und den institutionellen Inhalten durch den versteckten Lehrplan entgegengewirkt wird, sollte es an den Fakultäten zu Veränderungen kommen. Das bezieht auch die Ärzte in der Facharztausbildung mit ein, die gegenüber den Studenten eine Vorbildfunktion einnehmen«, schlussfolgern die Wissenschaftler. »Diese Veränderungen können dazu beitragen, dass die medizinische Ausbildung zwei wichtige Ziele besser erreichen kann: die Verankerung strenger berufsbezogener Werte sowie die Förderung des Respekts gegenüber wissenschaftlichen Prinzipien und einer kritischen Bewertung von Beweisen, die sich später auf die klinischen Entscheidungsfindungen und Verschreibungspraktiken auswirken werden.«

Ein anderer Artikel, der in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift Canadian Medical Association Journal (CMAJ) erschien, zeigt, dass Ärzte – sowohl in der Facharztausbildung, als auch erfahrene Mediziner – ihre Patienten aufgrund von Schlafmangel Risiken aussetzen.

»Das Problem kann eigentlich nur noch schlimmer werden«, erklärten die CMAJ-Redakteure Drs. Noni McDonald, Paul Hebert, Ken Flegel und Matthew Stanbrook in einem Leitartikel. »Die ärztliche Fürsorge ist heute komplexer als in den vergangenen Jahrzehnten … Die zunehmende Komplexität der patientennahen Versorgung und im Operationssaal stellt die Ärzte, die die Versorgung in diesen Bereichen beaufsichtigen und durchführen, vor beispiellose kognitive und physische Anforderungen.«

Weiter bemerken sie, eine Studie habe vor Kurzem aufgezeigt, dass Schlafmangel zu einer höheren Zahl chirurgischer Komplikationen führt. Das gelte vor allem, wenn der Chirurg in der der OP vorangegangenen Nacht weniger als sechs Stunden schlafen konnte.

 

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Weiterführende Informationen unter:

http://www.plosmedicine.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pmed.1001037

http://www.cmaj.ca/cgi/doi/10.1503/cmaj.110402

 

 


 

 

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