Montag, 5. Dezember 2016
02.07.2014
 
 

Facebook-Experiment hängt mit Pentagon-Forschung zu sozialen Unruhen zusammen

Steve Watson

Facebook hat für eine Studie über eine halbe Million Nutzer ohne deren Wissen einem psychologischen Experiment unterzogen. Jetzt hat sich herausgestellt, dass das amerikanische Verteidigungsministerium involviert war – es gibt direkte Verbindungen zur Forschungsarbeit, die das Pentagon mit Blick auf die Wahrscheinlichkeit sozialer Unruhen finanziert.

 

Das weltgrößte soziale Netzwerk hatte in den vergangenen Tagen Schlagzeilen gemacht, als bekannt wurde, dass Facebook an einer mit Bundesmitteln finanzierten Studie der University of California, San Francisco (UCSF) teilgenommen hatte, bei der untersucht wurde, wie auf sozialen Medien durch die Steuerung der Inhalte persönlicher Nachrichtenfeeds Gefühle beeinflusst werden.

Dass die Studie überhaupt stattgefunden hat, ist schon beunruhigend, doch das ist erst der Anfang: Blogger und Online-Detektive haben inzwischen aufgedeckt, dass die Forschungsarbeit mindestens in Teilen mit der Minerva Initiative in Zusammenhang steht, einem Projekt des Pentagons.

 

Der Londoner Guardian-Autor Nafeez Ahmed schrieb, dass im Rahmen des Projekts »Universitäten finanziert werden, damit diese die Dynamik, Risiken und Tipping-Points großflächiger sozialer Unruhen in aller Welt untersuchen«.

 

Anders gesagt: Das Verteidigungsministerium will lernen, soziale Unruhen rechtzeitig zu erkennen, sie zu verhindern, sie zu beeinflussen, sie zu kontrollieren oder sogar dazu anzustacheln. Geschehen soll dies mithilfe »operativer Werkzeuge«, die auf »gesellschaftliche, kulturelle, verhaltensspezifische und politische Kräfte« einwirken.

 

Die Initiative forscht nach belastbaren Erkenntnissen zur »Mobilisierung und Ansteckung sozialer Bewegungen«. Als wichtige Indikatoren für die Forschungsarbeit gelten dabei soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter. Zu den offiziellen Autoren der umstrittenen Facebook-Studie zählt auch Jeffrey T. Hancock von der Cornell University. Hancock taucht auch auf der Website der Minerva Initiative des Pentagons auf. Dort heißt es, Hancock habe vom Ministerium Gelder für eine Studie über Kommunikation und Sozialdynamik in Ländern mit autoritären Regierungen erhalten.

 

Auf dem Abschnitt der Website, der sich mit dieser Studie befasst, findet man auch ein Visualisierungsprogramm, das die Verbreitung von Meinungen und Krankheiten modelliert. Doch Cornell ist noch über die Studie zu sozialen Unruhen hinaus mit dem Pentagon verbunden. Auf der Finanzierungsseite der Minerva-Website steht ein zweites Projekt der Uni. Darin geht es darum, Ausbrüche kritischer Masse in Fällen sozialer Ansteckung aufzuspüren und zu verfolgen.

 

Gemeinsam mit dem Militär erforscht die US-Regierung schon seit Langem das Potenzial für soziale Unruhen und geht dabei der Frage nach, wie man soziale Unruhen kontrollieren, anheizen oder bekämpfen kann. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Denkfabriken hat das U.S. Army War College das Thema in den vergangenen Jahren eher obsessiv studiert. Der Aufstieg sozialer Medien und das damit einhergehende Potenzial, Proteste anzufachen und zu organisieren, hat Regierung und Militär mit neuer Dringlichkeit nach Wegen suchen lassen, mit diesem neuen Faktor umzugehen.

 

Gerade bei den Revolutionen des »Arabischen Frühlings« spielten soziale Medien eine zentrale Rolle. Viele Beobachter haben angedeutet, westliche Regierungen und Streitkräfte hätten soziale Medien dazu genutzt, aus strategischen Gründen Unruhen zu steuern oder zu initiieren. Kürzlich wurde beispielsweise bekannt, dass das amerikanische Militär in Ländern wie Kuba gefälschte Twitter-artige soziale Netzwerke aufgebaut hat, um dort die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Um falsche Online-Identitäten zu erschaffen und im In- und Ausland Propaganda zu verbreiten, entwickelte das Militär zudem sogenannte Sockenpuppen-Software.

 

Die Regierung wiederum hat viel in Firmen investiert, die soziale Medien überwachen und aufzeichnen, wie sich in derartigen Netzwerken Meinungen und Informationen verbreiten. Facebook war und ist stark in das »Prism«-Programm der NSA eingebunden.

 

Facebook wusste nicht nur von dem Programm zur Massenüberwachung, sondern hat von sich aus kooperiert, das zeigen durchgesickerte Informationen und das hat die NSA selbst eingestanden. Über falsche Server hat sich der Geheimdienst sogar als Facebook ausgegeben und dies als Ausgangspunkt genutzt, Informationen von Festplatten abzugreifen und Millionen Rechner in aller Welt mit Bespitzelungs-Software zu infizieren.

 

Der Trend ist eindeutig: Regierung und Militär machen sich über die uneingeschränkt kooperationswilligen sozialen Netzwerke her und verwandeln sie in ein Werkzeug zur Kontrolle und Manipulation der Massen. Und Facebook hat das Spiel mitgemacht.

 

 

 

 


 

 


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