Sunday, 31. July 2016
11.06.2014
 
 

Peinlich: Wurde »Hitlers Geheimwaffenchef« SS-Obergruppenführer Dr. Ing. Hans Kammler nach dem Krieg von den Vertretern eines US-Geheimdienstes in Sicherheit gebracht?

Thomas Mehner

So genannte Verschwörungstheorien haben etwas Eigenartiges an sich: Sie werden manchmal wahr und in ihrer Brisanz noch von der Wirklichkeit überrundet. So nun geschehen im Falle eines der mächtigsten Männer des Dritten Reiches: Hans Kammler. Jahrelang wurde behauptet, er sei 1945 im Zuge der Wirren des Kriegsendes in und bei Prag ums Leben gekommen (von den anderen fünf Todesvarianten ganz zu schweigen). Doch nun tauchten handfeste Hinweise auf, denen zufolge der als Kriegsverbrecher eingestufte SS-Obergruppenführer sein eigenes Ende unter dem Schutz US-amerikanischer Geheimdienste überlebte …

In der jüngsten Ausgabe der Sendereihe ZDF-History wurde eine These präsentiert, die für die politisch korrekten Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland wohl schon an der absoluten Grenze des Machbaren rangiert: SS-Obergruppenführer Kammler, Hitlers Geheimwaffenchef und Architekt von Auschwitz, soll den Krieg überlebt haben.

Focus online schrieb dazu:

 

»›Die ganze Geschichte des Selbstmordes ist inszeniert‹, lautet die These des Berliner Historikers Rainer Karlsch: ›Es gibt mehrere Dokumente, die meines Erachtens eindeutig belegen, dass Kammler in amerikanische Gefangenschaft geriet und vom CIC [ehemaliger Spionageabwehrdienst der USA] vernommen wurde.‹« Und weiter: »Der am Deutschen Historischen Institut in Moskau als Forscher tätige Historiker Matthias Uhl sagt, die Berichte der Amerikaner seien ›insgesamt doch ernster zu nehmen als diejenigen der engen Vertrauten Kammlers‹, in denen von Selbstmord die Rede ist …

Der österreichische Dokumentarfilmer Andreas Sulzer ist bei Recherchen in den USA auf die Familie eines OSS-Offiziers [Militärnachrichtendienst der USA in den frühen 40er-Jahren], Donald W. Richardson, gestoßen, der US-General Eisenhower direkt unterstellt war. Im Interview sagt einer der Söhne des US-Geheimdienstmannes: ›Mein Vater sollte diesen nützlichen Deutschen in die USA bringen, er verfügte über Wissen zu modernsten Waffenproduktionen, es war der Auftrag meines Vaters, zu verhindern, dass er in die Hände des russischen Geheimdienstes gerät.‹«

Ich möchte es mir an dieser Stelle ersparen, den weiteren Inhalt der Sendung wiederzugeben, sondern empfehle stattdessen, sich diese in der ZDF-Mediathek anzuschauen.

 

Wie der interessierte Leser weiß, stolperten mein Koautor Edgar Meyer und meine Wenigkeit vor mehr als zehn Jahren über den besagten Kammler, als wir uns mit den Ereignissen im Großraum Jonastal, Thüringen, bei Kriegsende auseinandersetzten und in der Folge mehrere Bücher veröffentlichten, in denen es vorwiegend um die Geheimwaffen der zweiten Generation ging, deren Entwicklung und Erprobung bis heute unter der Decke bleiben muss. Zu jener Zeit hatten wir mehrfach Kontakt zu Personen aus dem Kammler-Umfeld bekommen, die uns augenzwinkernd darüber berichteten, dass wir nicht an die Selbstmordversion glauben sollten. Kammler habe im Gegenteil den Krieg überlebt und sei aufgrund seines Wissens von den Alliierten mit offenen Armen empfangen worden.

 

Kaum hatten wir entsprechende Anmerkungen veröffentlicht, hieß es, das Ganze sei nichts weiter als eine Verschwörungstheorie, denn man wisse doch ziemlich genau, dass Kammler Anfang Mai 1945 getötet worden sei … Nun, mit dem Wissen ist das allerdings so eine Sache: Der Normalbürger erhält stets nur gefilterte Informationen, um nicht aufzubegehren gegen ein staatliches System, das nur auf Basis von Lügen existieren kann. Kommen dann aber bestimmte Wahrheiten doch einmal ans Tageslicht, so werden diese in aller Regel sofort kritisiert als etwas, das unmöglich stimmen kann. So geschehen auch im Falle der aktuellen ZDF-History-Sendung, die unter anderem auf Informationen des Berliner Historikers Dr. Rainer Karlsch fußte.

 

Die Zeitung Die Welt äußerte sich in ihrer Online-Ausgabe verhalten positiv zu den Karlschschen Erkenntnissen, um dann aber sofort die Person des Historikers zu kritisieren: »Allerdings ist der Autor nicht unproblematisch. Karlsch ist ohne Zweifel ein kenntnisreicher Forscher, der wichtige Bücher zu den Reparationen der DDR bis 1952 und zum Uranbergbau im Erzgebirge vorgelegt hat. Allerdings hat er sich 2005 in seinem wichtigsten Buch, Hitlers Bombe, völlig verrannt. Die darin zu lesende Behauptung, die Nazis hätten 1945 ›eine taktische Kernwaffe, deren Zerstörungspotenzial weit unterhalb der beiden amerikanischen Atombomben lag, kurz vor Kriegsende mehrfach erfolgreich getestet‹, erwies sich als Unsinn. Karlsch hatte sich verrannt, sein Ruf war ruiniert.«

 

Nun, machen wir es kurz: Das ist typisches Establishment-Medien-Gequake, hervorgebracht von einem politisch korrekt schreibenden Autor. Gewiss, Karlschs Buch fehlte in letzter Instanz das alles beweisende Gutachten zu dem im März 1945 auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf stattgefundenen Kleinstkernwaffentest; doch dafür gab es handfeste Gründe, wie mein Koautor und ich seinerzeit aufzeigten. Im Übrigen ist Karlschs Buch, das er zusammen mit Heiko Petermann verfasste, der Wahrheit um Lichtjahre nähergekommen als die ganzen seltsamen Machwerke, die nur die Geschichtsschreibung der Allierten wiedergaben und völlig an der Wahrheit vorbeigingen. Unabhängig davon sollte aber jedem analytisch Denkenden klar sein, dass man in diesem Land nach beinahe 70 Jahren Gehirnwäsche, die bis heute anhält und in den vergangenen zehn Jahren sogar noch verstärkt worden ist, nicht mehr erwarten kann, gern gesehen zu sein, wenn man versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

 

Ganz im Gegenteil: Die von den Alliierten implantierte Propaganda war ziemlich erfolgreich, sodass selbst dann, wenn harte Fakten vorliegen, diese immer noch abgewehrt und ignoriert werden. Man sehe sich in diesem Zusammenhang einmal einige der Kommentare, die sich unterhalb des Die-Welt-Artikel befinden, an, die deutlich zeigen, dass hierzulande Hopfen und Malz verloren sind. Der hiesige Intellekt reicht bei den meisten vielleicht noch aus, sich Deutschland als Fußballweltmeister vorzustellen, doch danach wird es dunkel … Wo sind wir nur hingekommen?

 

Zudem darf angenommen werden, dass die Personen, die in der ZDF-History-Sendung ihre Statements abgaben, nur einige wenige Informationen preisgegeben haben. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und man tut gut daran, manches nur anzudeuten und die beweiskräftigeren Informationen für den Moment zurückzuhalten, um sie dann zu präsentieren, wenn es eng wird. Was Karlsch, Uhl und Sulzer aussagten, ist nur die Spitze des Eisberges, der in jahrelanger Arbeit aufgetürmt wurde. Mit ihm auf Kollisionskurs zu gehen, ist angesichts der hiesigen Situation wenig sinnvoll, zumal – wie man hört – sich manch »Kenner der Materie« schon auf den berühmten Schlips getreten fühlt und das Terrain nicht kampflos anderen Interessen überlassen wird. In der BRD gibt es eine Reihe von »Historikern«, die Geschichte nicht so beschreiben, wie sie tatsächlich war, sondern dies mit politischem Auftrag in Propagandaform tun und natürlich angesichts derartiger Neuigkeiten ihre Felle davonschwimmen sehen.

 

Ich erlaube mir an dieser Stelle jetzt, in dunkler Zeit ein Lichtlein anzuzünden, um in wenigen Sätzen aufzuzeigen, welche Bedeutung Kammler für die Amerikaner wie auch für die anderen Alliierten hatte. Er war nicht nur für die neuesten Waffensysteme der ersten und zweiten Generation und ihre Untertageverlagerung zuständig, sondern auch für die Sicherung der Forschungsprojekte bei Kriegsende. Die Alliierten erbeuteten nach dem Krieg Tausende Tonnen an wissenschaftlich-technischen Unterlagen, von denen heute noch viele unter Verschluss liegen. Kammler hatte allerdings dafür Sorge getragen, dass die wirklich wichtigen Papiere unter die Erde gelangten – an Standorte, wo sie heute noch liegen dürften. Um den Zugang zu solchen Untertageeinrichtungen unmöglich zu machen, wurden diese Anlagen sprengtechnisch gesichert – mit Mittelchen, die selbst Jahrzehnte problemlos überdauern konnten und die ich hier nicht näher vorstellen möchte. Darüber hinaus setzte Kammler die Arbeit seiner (bis heute in der Öffentlichkeit unbekannten) Vorgänger fort und sorgte dafür, dass alle Informationen, die im Zusammenhang mit den Geheimwaffenentwicklungen existierten, an geeigneten Stellen konserviert wurden.

 

Die Dinge, die unter die Erde transportiert wurden, betrafen das streng geheime deutsche Kernwaffenprojekt, Unterlagen zu den deutschen Raketenweiterentwicklungen (V-4 bis V-8) sowie unter anderem die höchster Geheimhaltung unterliegende Entwicklung des Supersprengstoffes RADguM, gegen den Kernwaffen die reinsten Spielzeugentwicklungen sind. Dieser Sprengstoff basierte auf einer erweiterten Physik und stellte alles in den Schatten, was Waffenlabors bis 1942 hervorgebracht hatten und bis 1945 auf deutscher Seite hervorbringen sollten. Ein Test dieser Superwaffe, der auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr stattfand und mit 700 Gramm des Materials durchgeführt wurde, verletzte noch in zwei Kilometern Entfernung befindliche Versuchsmannschaften, versetzte diese in eine Art Koma.

 

Weitergehende Forschungen ließen den Verantwortlichen schnell klar werden, dass ein paar Dutzend Kilogramm der Substanz in Sekunden ganze Nationen und Kontinente zerstören konnten, sodass das Teufelszeug zurückgehalten wurde. (Man komme mir jetzt nicht mit der unqualifizierten Behauptung, dass, wenn man eine Superwaffe hatte, diese auch eingesetzt worden wäre. Das Beispiel der deutschen Giftgase, die während des Zweiten Weltkrieges in großen Mengen produziert und eingelagert wurden, führt diese der Lieschen-Müller-Logik entspringende Auffassung bereits ad absurdum.)

 

Damit zurück zur ZDF-History-Sendung. In dieser klang dann auch leise die Frage an, ob das Wissen eines Kammlers wichtiger war als seine Aburteilung wegen begangener Kriegsverbrechen. Es erstaunte mich sehr, dass man hier so vorsichtig agierte, wo man doch sonst, wenn es um deutsche Schuld und deutsche Kriegsverbrecher geht, stets die große Keule schwingt und Begriffe verwendet, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Nun, diese Zurückhaltung wurde wahrscheinlich nicht zufällig geübt, sondern sollte verhindern, über ein politisch außerordentlich brisantes Thema weiter nachzudenken. Immerhin war SS-Obergruppenführer Dr. Ing. Hans Kammler der drittmächtigste Mann des Reiches und seine Überführung in den US-Gewahrsam (wobei man besser vom Verschwindenlassen der Person sprechen sollte, denn Spuren waren nicht erwünscht) kommt etwa dem gleich, als würde man Hitler oder Himmler beseitegeschafft und versteckt haben. Das Ganze ist etwas, was an Skrupellosigkeit, Unmoral und Infamie nicht mehr zu überbieten ist und durch Geheimdienstvertreter eines Landes praktiziert worden ist, das sich bis heute als moralisch überlegen, außergewöhnlich, frei und demokratisch bezeichnet.

 

Die »Akte Kammler« (und weiteres Material, das sicherlich veröffentlicht werden dürfte und diesen Eindruck verstärken wird) lässt die Maske vom Gesicht des US-Establishments rutschen und gibt den Blick auf jene bösartige Fratze frei, die tatsächlich dahinter steckt. Gewiss: Geheimdienste arbeiten in der Regel ohne Moral. Doch wenn ein Mann wie Kammler sichergestellt und nicht abgeurteilt wurde, warum geschah das dann mit Millionen Deutschen, die als echte und vermeintliche Nationalsozialisten zur Verantwortung gezogen wurden? Gilt auch hier das Motto, dass die Kleinen gehängt und die Großen laufen gelassen werden? Wenn dem so ist, dann ist die ganze Schulddiskussion eine Farce und gehört endlich auf den Müllhaufen der Geschichte.

 

Zum Schluss möchte ich noch darauf hingewiesen haben, dass einige Mitrechercheure und ich zum Verbleib Kammlers andere Informationen vorliegen haben, was die ZDF-History-Darstellung nicht entwertet, auch wenn diese behauptet, der SS-Obergruppenführer habe sich an einem geheimen Ort ein paar Jahre nach seiner Überführung erhängt. Im Gegenteil: Die Geschichte wird nun erst richtig spannend, denn – und das scheinen die Herren Uhl, Karlsch und Sulzer nicht zu wissen – Kammler hatte zwei Doppelgänger, die er ab 1943 aufbaute und »briefte«, sodass diese, sollten sie in Feindeshand gelangen, durchaus den »echten Kammler« geben konnten. Ihnen waren auch Einzelheiten zu den Geheimwaffenprojekten bekannt. Einige Dinge behielt der echte Kammler aber für sich, wobei er sicherstellte, dass diese Informationen auch wirklich nur bei ihm und einem kleinen Kreis Vertrauter blieben.

 

Behauptet heute jemand in seiner Einfalt, die Geschichte des Zweiten Weltkrieges sei erforscht und dokumentiert, so kann man die betreffende Person nur auslachen. Nein: Es gibt immer noch weiße Flecken – manchmal nicht sehr groß, aber von entscheidender Bedeutung. Der Fall Kammler gehört dazu. Mit seiner Lösung sind sehr wahrscheinlich viele weitere Fragen verbunden, die genauso brisant und unangenehm sind. Man darf also auf weitere Entwicklungen gespannt sein, schon deshalb, weil diese ein System von Lügen demontieren, das die Alliierten nach dem Krieg (und nicht nur sie!) installiert und betrieben haben. Doch mit der Zeit gelangt Sand in das (Lügen-) Getriebe, sodass abzusehen ist, dass die Propagandamaschine eines Tages zum Stehen kommen wird.

 

 

 


 

 


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